Inhaltsverzeichnis


Landesverbandstage haben traditionelle Rituale und laufen seit langem auf ähnliche Weise ab. Die Frage ist, ob dieses Veranstaltungsformat auch zukünftig attraktiv genug ist, vor allem für die jüngere Generation von Dachdeckern. Dach\Live hat darüber mit Dachdeckermeister Karl-Heinz Krawczyk gesprochen, seit 2003 im Vorstand und seit 2018 Landesinnungsmeister der Dachdecker in Baden-Württemberg. Unter seiner Führung hat sich der Verband komplett modernisiert und digitalisiert. Auf dem jüngsten Landesverbandstag in Ulm haben sie im Ländle ein neues Format erprobt.
Dachdecker Krawczyk: Selbstbestimmt am iPad arbeiten
Wie kam es dazu, das Format Landesverbandstag radikal zu verändern?
Die ersten Ideen dazu haben wir Ende 2025 auf einem Strategieworkshop des Landesvorstands mit unserem Geschäftsführer Patrick Birnesser entwickelt und danach in unsere Gremien getragen. Die Ausgangsfrage war, wie wir es schaffen, unsere Mitglieder – insbesondere auch die jüngeren Generationen – für unsere Verbandstage zu begeistern. Veranstaltungen von Dachkrone oder Netzwerke wie Rooftop zeigen, dass dies gelingen kann. Dagegen wirken unsere bisherigen Verbandstage, übrigens auch bundesweit, eher altbacken.
„Endlose Begrüßungen, Reden und die im Ehrenamt gerne mal vorkommenden Selbstbeweihräucherungen haben wir abgeschafft.“
Was haben Sie anders gemacht beim jüngsten Verbandstag in Ulm?
Wir wollten uns komplett neu aufstellen mit Fokus auf Inhalte, Netzwerken und Austausch. So haben wir alle Formalien und Regularien auf ein Minimum reduziert. Endlose Begrüßungen, Reden und die im Ehrenamt gerne mal vorkommenden Selbstbeweihräucherungen haben wir abgeschafft.
- Haller Gruppe realisiert ausdrucksstarke Fassade für GUK Falzmaschinen

- Neues Flachdach-Fenster mit Glas-Oberelement komplettiert VELUX Sortiment

- Lorelay Wegner: Eine starke Stimme für das Dachhandwerk

Was gab es stattdessen?
Wir konnten schon die Mitgliederversammlung zum Auftakt am Freitagmorgen auf diese Weise sehr schlank und das Interesse hoch halten. Im Vordergrund standen dabei die Dienstleistungen des Verbands für die Mitglieder. Wir haben vorgestellt, was wir leisten, etwa in der Ausbildung oder der politischen Lobbyarbeit, und was der Mehrwert einer Innungsmitgliedschaft ist.

Der Freitagnachmittag war ganz dem Thema Digitalisierung gewidmet. Zehn Unternehmen konnten in einem Pitch, jeweils kurz in fünf Minuten, ihre Produkte und Services vorstellen. Danach ging es weiter mit Netzwerken an den jeweiligen Ständen: Kontakte knüpfen, Fragen stellen, sich entspannt austauschen. In einer bisher in Deutschland einmaligen Telefonaktion hatten wir zuvor alle Mitgliedsbetriebe angerufen und auch danach gefragt, wie wir sie als Verband noch besser unterstützen können. Das haben wir dann in persönlichen Gesprächen nachmittags und an unserem Festabend fortgesetzt.




Wie ging es weiter?
Am Samstagmorgen ging es genauso konsequent und entspannt weiter: keine langen Begrüßungen oder Reden, sondern direkt mit einer coolen Podiumsdiskussion mit vier jungen Dachdeckerkollegen, die ehrlich und authentisch über ihre Arbeitsweise, Herausforderungen und Digitalisierung sprachen. Das war beeindruckend kurzweilig.
Wie war die Resonanz?
Die war sehr gut. Und wir hatten noch nie so viele Mitglieder auf dem Verbandstag, vor allem so viele junge KollegInnen, die zudem zum ersten Mal auf so einer Veranstaltung waren. Die jungen Menschen sind ungeduldiger, neugieriger und wollen entsprechende Formate.

Was heißt das für die Verbandsarbeit?
Es ist unsere Aufgabe als Verband, Vollgas zu geben und modernes Handwerk auf den Weg zu bringen. Aber nicht nur um darüber zu reden, sondern um zu zeigen, wie einfach Handwerk sein kann. Nur dann haben wir eine Zukunft angesichts des demografischen Wandels. Wir haben jetzt noch die Gelegenheit, das aktiv zu begleiten und Menschen wieder für das Ehrenamt, Handwerk und die Selbstständigkeit zu begeistern. Gelingt uns das nicht, gibt es einen biologischen Cut und es besteht die Gefahr, dass Innungen bedeutungslos werden. Das wäre eine wirklich schlechte Entwicklung, denn eine top Ausbildung und politische Vertretung ist nur mit starken Innungen und Verbänden möglich. Deshalb müssen wir die Innungsarbeit stärken, anstatt Parallelgesellschaften im Dachdeckerhandwerk aufzubauen.


















