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Dachdecker-Stresstest: Folgeschäden nach Schneesturm Tristan

2021.02.23 Knut Köstergarten • Lesezeit 2’

Die Telefone stehen bei vielen Dachdeckern nicht mehr still. Nach Schneesturm Tristan und dem folgenden Frühlingseinbruch sorgen vor allem in älteren Häusern feuchte Dachböden für große Probleme. Was da los ist, berichtet Dachdeckermeister Stefan Winter.

Der jüngste Schneesturm Tristan war ein großer Stresstest – für die Qualität der Dacheindeckung und die Nerven von Hausbesitzern. Und in der Folge auch für viele Dachdecker, bei denen die besorgten Kunden seitdem anrufen. „Bei uns sind drei Mitarbeiter im Büro nur mit der Beratung in Sachen Folgeschäden des Schneesturms Tristan beschäftigt“, berichtet Dachdeckermeister Stefan Winter, der den gleichnamigen Betrieb mit rund 50 Mitarbeitern in Wallenhorst bei Osnabrück führt. „Der Winter kommt bestimmt“, lautet sein Werbeslogan. Das hat aktuell für die Kunden gleich eine doppelte Bedeutung. Erst kam der harte Wintereinbruch und seitdem hilft der Betrieb mit allen Mitarbeitern, die zur Verfügung stehen.

Bild von Stefan Winter

Bei Stefan Winter im Büro beraten allein drei Mitarbeiter die Kunden zu Folgeschäden des Schneesturms Tristan.

Der Flugschnee macht Schneesturm Tristan so gefährlich

Doch was war eigentlich so gefährlich am Schneesturm Tristan? „Der pulverartige und trockene Flugschnee ist bei Steildächern unter die Überdeckung in das Sparrenfach der Dachböden oder Spitzböden getrieben. Gerade bei älteren Dächern mit Ziegeln und Mörtel, wo die Untersparrenbahn fehlt“, erläutert Winter. Hinzu kam der sprunghafte Temperaturwechsel von minus elf Grad auf plus 10 Grad in knapp einer Woche. Winter erklärt es an einem Beispiel. „Bei einem Kunden war es so, dass man gar nicht von innen an den Spitzboden herankam. Da gibt es keine Chance, den Schnee zu räumen. Am Ende läuft das Wasser in die Decke rein und bahnt sich seinen Weg nach unten.“

Bild von Schneeschaden auf Dachboden

Flugschnee auf dem Dachboden kann zu unliebsamen Wasserschäden im Haus führen. (Foto: Dachdeckerinnung Osnabrück)

Plane unter die Decke gehängt gegen Folgeschäden

Bei einer Dachgeschosswohnung hat das Team von Winter dann provisorisch eine Plane unter die Decke gehängt und das Wasser in einen Behälter abgeleitet. „So konnten wir größere Folgeschäden vermeiden.“ Doch das ist nicht immer so, denn gerade bei älteren Dachstühlen hat etwa das damals verwendete Holz keinen Schutz gegen Feuchtigkeit, was zum Problem werden kann. Generell empfiehlt nicht nur Stefan Winter, die Dachflächen trocknen zu lassen und dabei voll zu heizen.

Bild von Schnee innen hinter den Holzsparren

Bei älteren Dächern hat der Schneesturm Tristan dafür gesorgt, dass der Flugschnee bis hinter die Holzsparren gelangen konnte.

Minderwertige Untersparrenbahn kann sich als teuer erweisen

Doch oftmals ist es damit nicht getan. Denn dieser Schneesturm Tristan war ein echter Stresstest für die Qualität der Dächer. Und so sind auch gerade mal 20 oder 30 Jahre alte Dächer betroffen, weil etwa eine minderwertige Untersparrenbahn verlegt wurde. „Dort werden wir die Ziegel und die Lattung abnehmen und erst einmal eine neue Untersparrenbahn verlegen. Dann latten wir wieder ein und verwenden die alten Ziegel wieder oder tauschen die gleich mit aus“, erläutert Winter. Seit Schneesturm Tristan hat er bereits rund 25 zusätzliche Angebote geschrieben.

Bild von Feuchtigkeitsschäden an Wänden und Decke im Dachgeschoss

So sah es mancherorts im Dachgeschoss unter dem Spitzboden aus. Durch die Decke tropfendes Wasser sorgt im Tauwetter für erhebliche Schäden.

Folgeschäden des Schneesturms Tristan sind in aller Munde

Winter wird damit sicher nicht alleine stehen. Das Thema ist vor allem in Nordrhein-Westfalen und dem südlichen Niedersachsen überall akut. Die regionalen Zeitungen befragen die Dachdecker und titeln, wie die Neue Osnabrücker Zeitung, „Telefon steht bei Osnabrücker Dachdeckern nicht mehr still“. Wer da fachgerecht und mit bestem Material arbeitet, wird weitere Aufträge erhalten.

Bild von Schneeverwehungen auf dem Dachboden

Schäden durch Flugschnee auf dem Dachboden sind nicht als Elementarschäden über die Versicherung abgedeckt. (Foto: Dachdeckerinnung Osnabrück)

Versicherungen bezahlen keine Flugschnee-Schäden

Denn so einige betroffene Hausbesitzer bemerken jetzt, dass sie damals bei der Dacheindeckung am falschen Ende gespart haben. Auch deshalb, weil es bei den fälligen Reparaturen ans eigene Geld geht. Denn die Versicherungen kommen für die Schäden von Schneeverwehungen oder Flugschnee nicht auf, es sind keine Elementarschäden. Gut, wenn da der Winter kommt, aber diesmal in Gestalt von bestens ausgebildeten Dachdeckern des gleichnamigen Betriebs.

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