Dachdecker Konjunktur: Weniger Betriebe verdienen mehr Geld
23. Dezember 2025
Die Zeiten größerer Umsatzzuwächse im Dachdeckerhandwerk gehören der Vergangenheit an. Dennoch erwirtschaften die Betriebe aktuell gute Renditen. Ein Konjunktur-Trend, der sich angesichts wieder steigender Zahlen im Wohnungsbau und verbesserter politischer Rahmenbedingungen voraussichtlich auch im nächsten Jahr fortsetzen wird.
Betrieben geht es gut trotz Umsatzminus
Es sieht so aus, als müssten wir uns langsam davon verabschieden, dass die Umsätze im Dachdeckerhandwerk stärker steigen als die Preise. Wie in den Vorjahren wird es auch 2025 preisbereinigt ein Umsatzminus gegenüber dem Vorjahr geben, was aber nicht heißt, dass es den Betrieben schlecht geht, im Gegenteil! Für diese Diskrepanz gibt es gleich mehrere Gründe. Die Zahl der Betriebe ist rückläufig, was auch für die gewerblichen Mitarbeiter gilt. Die Nachfrage bleibt hingegen weiter hoch. Und was sich positiv auf die Gewinne der Betriebe auswirkt, sind sinkende Anteile der Kosten für Material und auch Personal am Umsatz.
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Niedrigere Material- und Personalkosten
Schauen wir zunächst auf die Kosten. Der Bereichsleiter Wirtschaft und Unternehmensführung beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), Felix Fink, belegt anhand der Zahlen von 2024, wie sich die Materialpreise entwickelt haben. Über alle gewerblichen Produktbereiche sind sie im Vorjahresvergleich um 1,8 Prozent zurückgegangen, deutlich stärker bei Dachlatten (-4,0 Prozent) und Spanplatten aus Holz (-16,6 Prozent) sowie Dach-, Dichtungs- und Polymerbitumenbahnen (-7,3 Prozent), geringer bei Dachfenstern (-0,8 Prozent). Selbst bei Tondachziegeln (+0,4 Prozent), wo es in den Vorjahren starke Preisanstiege gab, fällt die Steigerung sehr moderat aus. Einzig bei Betondachsteinen liegt die Erhöhung mit 3,4 Prozent über der aktuellen Inflationsrate von rund 2,2 Prozent.

Wichtig für Betriebe: Felix Fink stellt den ZVDH-Notfallordner vor!
Das Resultat: „Der Anteil der Materialkosten am Umsatz von Personengesellschaften und Einzelunternehmen im Dachhandwerk lag 2024 bei 34,8 Prozent, gegenüber dem Höchststand der letzten zehn Jahre in 2022 von 40 Prozent. Bei Kapitalgesellschaften, wie einer GmbH, sank der Materialkostenanteil auf 34,7 Prozent (2022: 41,1 Prozent)“, erläutert Fink. Auch bei den Personalkosten zeigt die Richtung nach unten mit im Schnitt 30,4 Prozent Anteil am Gesamtumsatz bei den Personengesellschaften und Einzelunternehmen.

Rentabilität steigt weiter
Zum Vergleich: 2014 machten die Personalkosten noch 31,5 Prozent vom Gesamtumsatz aus. Trotz mehrerer Erhöhungen bei Mindestlohn und Tarifabschluss erhöhten sich also die Personalkosten in diesem Zehnjahres-Zeitraum im Verhältnis zum Umsatz nicht. „Die Rentabilität und die Eigenkapitalausstattung der Betriebe ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Es geht der Dachdeckerbranche stabil gut bis sehr gut seit 2018“, erklärt Fink. Damals, so seine Erklärung, hätten viele Betriebe den Mut gefunden, ihre Stundenverrechnungssätze wieder zu erhöhen und damit ihre Wirtschaftlichkeit.

Steigende Zahl an Soloselbstständigen
Tendenziell rückläufig ist hingegen die Anzahl der Betriebe, 2024 waren es laut Handwerksberichterstattung noch 15 239. Allein die beständig steigende Zahl an Soloselbstständigen, deren Anteil bereits bei 26,5 Prozent liegt, verhindert einen stärkeren Rückgang. Schaut man ausschließlich auf die Betriebe mit Personal, ergibt sich ein Rückgang von 5,2 Prozent seit 2021. Was das Phänomen der Soloselbstständigen angeht, fehlen harte Fakten. Aber offenbar hat der stetige Anstieg damit zu tun, dass auch für Einzelkämpfer bei guter Nachfrage gerade im Privatkundengeschäft genug Aufträge abfallen. Die Selbstständigkeit lohnt sich scheinbar gegenüber dem Einkommen als abhängig Beschäftigter.
Betriebe verlieren Mitarbeiter
Sinkt die Zahl der Betriebe bei gleichbleibendem Gesamtumsatz im Dachdeckerhandwerk, bleibt für jeden einzelnen tendenziell mehr. An dieser Stelle zeigt sich zudem der demografische Wandel. „Erstmals seit 2010 liegen wir 2025 unter der Marke von 62 000 gewerblichen Beschäftigten“, erläutert Fink. Ein Trend, den er für unumkehrbar hält. Denn selbst die in den letzten Jahren erfreulicherweise wieder gestiegenen Ausbildungszahlen können nicht ausgleichen, was die Branche an Mitarbeitern verliert, die in Rente gehen. Längst ist aus der früheren Alterspyramide ein Plateau geworden.

Produktivstunden und Umsätze sinken
Weniger Beschäftigte heißt weniger Produktivstunden auf den Baustellen und damit weniger Umsatz, aber eben nicht weniger Gewinn. Noch wirkt sich also der Fachkräftemangel kaum auf die wirtschaftliche Situation der Betriebe aus – eher auf die Bedachungsbranche im weiteren Sinn, also auf Hersteller und Handel, die sich auf stagnierendes oder sogar rückläufiges Wachstum einstellen müssen angesichts des demografischen Wandels. Betroffen sind auch die Verbände, die mit weniger potenziellen Mitgliedsbetrieben auskommen müssen.
Für die Betriebe werden die Herausforderung aber in den nächsten Jahren zunehmen. Denn wenn immer mehr erfahrene Fachkräfte in Rente gehen, für die es keinen Ersatz gibt, stellt sich schnell die Frage nach der Qualitätssicherung. Selbst wenn ein Betrieb noch Auszubildende findet: Es dauert, bis diese zu echten Fachkräften heranwachsen.

Neubau hat die Talsohle durchschritten
Was sich langsam wieder verbessert für Dachdecker, sind die Rahmenbedingungen. „Beim Neubau ist die Talsohle durchschritten. Das bietet den Betrieben eine zusätzliche Stütze“, erläutert Fink. Denn sowohl im Bereich Steildach als auch im Bereich Flachdach ist der Anteil an Aufträgen im Neubau seit 2021 bis heute stark gesunken. Beim Steildach gab es nach den Ergebnissen der ZVDH-Jahresumfragen einen Rückgang von 15,3 auf 9,7 Prozent, beim Flachdach von 24,8 auf 17,9 Prozent. Beide Anteile sollten in den kommenden Jahr wieder ansteigen. Zudem gilt für Fink: „Photovoltaikanlagen etablieren sich als dauerhaftes, verlässliches Geschäft für Dachdecker.“
Reparaturen und Wartung ein verlässliches Geschäftsfeld
Als sehr stabiles und sicheres Geschäftsfeld erweisen sich in den letzten Jahren Reparaturen und Wartung, bei Flachdächern knapp unter, bei Steildächern sogar mit einem Anteil von knapp über 30 Prozent. Dazu passt, dass selbst größere Betriebe, die überwiegend von gewerblichen Großprojekten leben und/oder von energetischen Sanierungen, oftmals eine eigene Kolonne nur für Instandhaltungsaufträge einsetzen. Zudem kann jede Reparatur, jede schnelle Hilfe bei Sturmschäden später zu einem größeren Auftrag führen.

Klimafonds bringt Rückenwind
Kerngeschäft mit einem stabilen Anteil über 50 Prozent bleiben die energetischen Sanierungen, vor allem am Dach, seltener auch an Fassaden. Felix Fink sieht hier trotz der Kürzungen der neuen Bundesregierung beim Klimafonds einen gewissen Rückenwind für das Gewerk. Die Dachdecker werden vor allem von den 100 Milliarden Euro, über die die Kommunen in den nächsten Jahren frei verfügen können, profitieren – gerade mit Blick auf die Gebäudesanierung.
Neubauförderung Effizienzhaus 55
Hilfreich könnte auch sein, wenn die Neubauförderung Effizienzhaus 55, wie verschiedene Medien berichten, noch in diesem Dezember starten sollte. Dort stehen 800 Millionen Euro zur Verfügung. Mit diesen Programm soll der Stau an bereits genehmigten, aber immer noch nicht begonnenen Wohnbauprojekten aufgelöst werden. Die Förderung soll über einen zinsverbilligten Kredit erfolgen. Lediglich die Kommunen erhalten direkte Zuschüsse. Neben den energetischen Anforderungen an ein Effizienzhauses 55 soll hier zusätzlich Bedingung sein, dass die Wärmeversorgung vollständig aus erneuerbaren Energien erfolgen muss.

Sanierungsquote wieder erhöhen
Letztlich kommt es bei der Förderung darauf an, dass sie verlässlich und kontinuierlich fließt und nicht von der Kassenlage abhängig gemacht wird. Es braucht dafür den klaren politischen Willen, die Sanierungsquote von bislang knapp 0,7 Prozent auf die zwei Prozent zu erhöhen, die es braucht, wenn Deutschland seine selbst gesteckten Klimaziele erreichen will. Hier setzt die Initiative „Neues Bauen – 80 Sekunden“ an – ein Bündnis aus der Baubranche, zu dem Velux und Saint-Gobain gehören –, die mit einer Studie zum Potenzial der Dachaufstockung, siehe das dach 03/2025, einem Forderungspapier und regelmäßigen Veranstaltungen das Thema forcieren will.
Hier finden Sie alle Infos zur Velux-Studie Dachaufstockung!
Technologien für serielles Bauen sind vorhanden
Denn der deutsche Gebäudebestand umfasst rund 21 Milliarden Quadratmeter Fläche und verursacht mehr als ein Drittel der nationalen CO₂-Emissionen. Die Initiative stellt in einer Pressemeldung klar, dass die Technologien, wie etwa serielles Bauen, vorhanden seien – es gelte diese jetzt flächendeckend anzuwenden und das Potenzial zu heben. „Doch viele Projekte scheitern noch an zersplitterten Zuständigkeiten, komplexen Normen und unzureichender Förderung.“
So sieht es auch Markus Greitemann, Beigeordneter für Planen und Bauen der Stadt Köln: „Unsere Aufgabe ist es, Städte nicht weiter auszudehnen, sondern vorhandene Strukturen klug zu erneuern. Jede Sanierung und jede Umnutzung schafft Lebensqualität, spart Ressourcen und stärkt den urbanen Zusammenhalt. Die Zukunftsfähigkeit einer Stadt entscheidet sich daran, wie sie mit ihrem Bestand umgeht, nicht an der Zahl ihrer Neubauten.“
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