Dachdecker: Nachwuchs begeistern – Ehrenamt stärken
10. Juli 2025
Gute Ideen gegen den Fachkräftemangel haben zwei Landesinnungsverbände der Dachdecker entwickelt. Es geht darum, junge Menschen für das Gewerk zu begeistern und zugleich junge Innungsmitglieder ins ehrenamtliche Engagement einzubinden.
Dachdeckerstand als Nachwuchsmagnet
Wie sich auf der großen Internationalen Handwerksmesse (IHM) das Interesse junger Menschen für einen Stand im Nachwuchsbereich Young Generation wecken lässt, zeigt der Powerauftritt des bayerischen Landesinnungsverbandes. Lehrlingswart Matthias Aßmann von der Innung Mittelfranken und Dachdeckermeister Andreas Mertl aus Freising hatten das Standkonzept erarbeitet und mit umgesetzt, tatkräftig unterstützt durch Macher wie Dachdeckermeisterin Susanne Heinrich, die über ein vorheriges Studium Marketingkompetenz erworben hat.

„Abhängen“ war bei den Dachdeckern als ein Highlight angesagt. Dafür war ein Reckgerüst aufgebaut. Pro Minute Hängedauer konnten kleine Preise aus dem Sortiment von Dachdecker Dein Beruf gewonnen werden. Wer drei Minuten durchhielt, konnte sich über eine Drohne als Hauptgewinn freuen, gesponsort von Prefa. „Das schafft keiner“, zeigte sich Mertl vorher überzeugt und wurde bereits kurz nach der Messeeröffnung eines Besseren belehrt.

Coole Ideen locken Jugendliche an
Wie man den Instagram-Account von „Dachdecker Dein Beruf“ in wenigen Tagen zum Glühen und Aufblühen bringt, zeigten die Standmacher ebenfalls: QR-Code einscannen, einen Kommentar auf Instagram posten und einen Dachdecker-Energydrink mitnehmen. So geht Social Media auf Augenhöhe. Andererseits fehlten auch die Klassiker nicht: das Eindecken eines Dachmodells nach einem vorgegebenen Deckbild, das Schieferherzen-Schlagen und das Nageln. Am zweiten Messetag unterstützte Dachdeckermeister und Speaker Jörg Mosler das Standteam: „Ich kann’s noch, das Schieferherzen-Schlagen.“

„Wenn jetzt alle, die hier sind, auch Dachdecker werden, können wir zufrieden sein“, erklärte schmunzelnd der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), Dirk Bollwerk. Er zollte den Machern großen Respekt: „Hut ab vor den Ehrenamtlichen, die hier der Nachwuchsgewinnung den Vorrang vor ihrem Betrieb geben.“ Nach fünf Messetagen waren sich alle Macher und Besucher einig: Frischer Wind und Bekanntheit über Social Media haben dem Dachdeckerhandwerk gut getan. Weiter so!

Neuer Ausschuss für Nachwuchsgewinnung
Wie sich junge Betriebsinhaber für die Innungsarbeit und das Ehrenamt begeistern lassen, darüber denken sie beim Landesinnungsverband Nordrhein schon länger intensiv nach. „Letztes Jahr kam dann die Idee auf, einen Ausschuss für Nachwuchsgewinnung zu gründen. Wir haben einen Aufruf gestartet für ein Treffen, eine Art Forum zum persönlichen Austausch im Bildungszentrum der Handwerkskammer Köln“, berichtet Landeslehrlingswart Markus Gehrke.
Viele Teilnehmer bei ersten Treffen
Die Resonanz übertraf alle Erwartungen, gleich 25 Interessierte folgten der Einladung. „Wir haben informiert, worum es inhaltlich geht in diesem Ausschuss und wie die Arbeit im Ehrenamt funktioniert“, erklärt Gerke. Was jedoch noch wichtiger war: „Alle haben erzählt, da kamen viele Ideen auf den Tisch, wie die einzelnen Betriebe die Nachwuchsgewinnung angehen. Wir haben gesehen, wie vielfältig die Aktivitäten schon sind.“

Markus Gerke ist Lehrlingswart beim Landesinnungsverband Nordrhein. (Foto: LIV Nordrhein/Gerke)
Junge Betriebsinhaber wollen etwas bewegen
Im neuen Ausschuss für Nachwuchsgewinnung, den Vorstandsmitglied Coletta Giltz leitet, sind über zehn dieser Betriebsinhaber, wie Florian Hemmersbach oder Sebastian Leinung, oder Juniorchefs, wie die angehende Dachdeckermeisterin Hannah Kistermann, weiter aktiv. Dabei haben die neuen Ehrenamtler ein klares Interesse. „Sie wollen sich Ziele setzen, konkret planen und Projekte umsetzen, also etwas bewegen über den Verband“, berichtet Markus Gerke. „Sie möchten die Erfahrungen und Ideen aus ihren Betrieben bündeln und dann gemeinsam agieren und auftreten.“

Erstes Projekt: Dachdecker-Knigge zur Ausbildung überarbeiten
Ein erstes konkretes Projekt gibt es bereits. Den Dachdecker-Knigge des ZVDH von 2016, einen Leitfaden für die Azubibetreuung, möchten sie inhaltlich auf den aktuellen Stand bringen. Darin wollen sie konkret erläutern, was es heute braucht für Betriebe, um Jugendliche zu begeistern, etwa willkommen heißen, an die Hand nehmen, kümmern, neudeutsch „Onboarding“. „Handwerk ist richtig geil, wird die Botschaft sein“, so Gerke. „Die jungen Betriebsinhaber sind da näher dran, können die Sprache des Knigge übersetzen, damit Jugendliche das verstehen und die Betriebe ein wirklich zeitgemäßes Werkzeug vorfinden.“
Sie interessieren sich für das Thema Innung und Nachwuchs? Dann lesen Sie, wie die Lehrlingswarte in Baden-Württemberg erfolgreich in die Azubi-Betreuung eingebunden werden.
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