Dachdecker sorgt mit rassistischer Azubi-Anzeige für Eklat
29. April 2025
Die Wahrnehmung des Dachdeckerhandwerks in der Öffentlichkeit ist aktuell positiver denn je. Das zeigen auch die 2024 trotz des demografischen Wandels gestiegenen Ausbildungszahlen. Dachdecker werden immer mehr als Klimahandwerker wahrgenommen, die zudem sichere Arbeitsplätze schaffen. Da kommt der Eklat um den Dachdeckermeister Ronney W. zur Unzeit, der in einer ganzseitigen Anzeige im Sebnitzer Amtsblatt für seinen Betrieb, Mitglied der Dachdeckerinnung Dresden, auch mit folgenden Worten Nachwuchs suchte: „Ausbildungsplatz ab 2026. Aber: keine Hakennasen, Bimbos und Zeppelträger!“
Dirk Bollwerk entsetzt über rassistische Stellenanzeige
In kürzester Zeit stand die kleine Gemeinde in Sachsen im Brennpunkt bundesweiter medialer Aufmerksamkeit. Ein rassistischer und antisemitischer Schlag in die Magengrube für viele Dachdeckerbetriebe, die sehr gerne Menschen aller Nationalitäten zu Fachkräften ausbilden und damit ihren Teil zur Integration beitragen. Deshalb stellte auch Präsident Dirk Bollwerk im Namen des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) klar, was das Gewerk von den Einlassungen des Ronney W. hält. „Mit Entsetzen haben wir die rassistische Stellenanzeige im Amtsblatt der Stadt Sebnitz zur Kenntnis genommen. Eine solche Wortwahl ist nicht nur vollkommen inakzeptabel, sie widerspricht auch in jeder Hinsicht den Werten und dem Selbstverständnis des deutschen Dachdeckerhandwerks.“

Ausgrenzung hat im Dachhandwerk keinen Platz
Bollwerk führte aus: „Der ZVDH steht für Toleranz, Vielfalt und gegenseitigen Respekt, auf dem Dach genauso wie in der Gesellschaft. Es ist für uns völlig klar: Für Rassismus, Diskriminierung oder Ausgrenzung ist in unserem Handwerk kein Platz. Es ist so vielfältig wie die Menschen, die es ausüben. Und genau das macht uns stark.“ Der entsprechende Post auf Facebook erntete große Resonanz, wurde 146 Mal geteilt und es gab 226 Kommentare, in denen vielfach Konsequenzen in Bezug auf Innungsmitgliedschaft und Ausbilderstatus gefordert wurden. Klar ist: Die Dachdeckerinnung Dresden will zeitnah persönlich mit Ronney W. sprechen.
In Kommentaren zu anderen Posts auf Facebook werden auch die Industriepartner in die Pflicht genommen, die bislang auf der Website des Dachdeckermeisters, die aktuell allerdings nicht mehr aufrufbar ist, verlinkt waren. Ein Nutzer schreibt: „Mal sehen, wie viele Geschäftspartner in Zukunft noch mit ihm Geschäfte machen wollen.“
Dachdeckerverband in Sachsen distanziert sich in aller Deutlichkeit
Auch der zuständige Landesverband der Dachdecker in Sachsen positionierte sich deutlich. Geschäftsführer Thomas Münch gegenüber der Sächsischen Zeitung: „Wir distanzieren uns mit aller Deutlichkeit von dieser rassistischen Entgleisung und betonen, dass in unserem Handwerk kein Platz für derartiges Gedankengut ist.“ Im Gespräch mit DACH\LIVE fügte er hinzu, dass sein Verband hier im engen Austausch und auf einer Linie mit dem ZVDH sei.
Kein Unrechtsbewusstsein oder Bedauern
Trotz des medialen Aufruhrs scheint es allerdings bei Ronney W. kein Unrechtsbewusstsein zu geben und auch kein Bedauern. Laut Bild-Zeitung gab er zu, für die Wortwahl verantwortlich zu sein. „Den Text habe ich ersonnen“, wird Ronney W in einem Artikel zitiert. „Vielleicht habe ich es etwas übertrieben, aber das Land und seine Politik treibt mich dazu.“ Und als Rechtfertigung fügt er laut Bild-Zeitung hinzu: „Vielleicht hätte ich es so nicht formuliert, wenn mich der Anzeigenverkäufer darauf aufmerksam gemacht hätte.“

Handwerkskammer Sachsen will Ausbildungseignung prüfen
Laut Bild-Zeitung hat sich inzwischen die Handwerkskammer Dresden eingeschaltet, welche die Ausbildungseignung des Betriebes prüfen wolle. Auch die Bundesfachgruppe Dachdecker der Gewerkschaft IG Bau äußerte sich in Person von Robert Yates. „Diese abscheuliche Wortwahl ist nicht nur auf das Entschiedenste abzulehnen, sondern sie stellt auch eine eklatante Verletzung der Werte und des Selbstverständnisses unseres gesamten deutschen Dachdeckerhandwerks dar. Die unermüdliche und wertvolle Arbeit, die von Menschen unterschiedlichster Herkunft in unserem offenen Berufsstand geleistet wird, wird durch solch einen widerwärtigen Vorfall auf das Übelste diffamiert.“
Interessieren Sie sich für das Thema Aus- und Weiterbildung? Dann lesen Sie unsere Story über Emre-Can Serce, der erst die Schule abbrach und heute als Dachdeckermeister arbeitet.
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