Lagebericht Zimmerer 2025: Holzbauquote steigt weiter
8. Juli 2025
Trotz des Umsatzrückgangs im gesamten Bauhauptgewerbe zeigt sich das Zimmererhandwerk weiterhin stabil und widerstandsfähig. So lag der Umsatz 2024 voraussichtlich wie im Vorjahr bei 9,934 Milliarden Euro. Auf neue Höchststände ist die Holzbauquote gestiegen, bei Wohnungen und auch in Nichtwohngebäuden. Diese erfreulichen Zahlen prägen den jüngst von Holzbau Deutschland veröffentlichten Lagebericht 2025.
Bestandsbau bleibt der wichtigste Bereich
Was die Tätigkeitsfelder angeht, sind die meisten Zimmererbetriebe im Neubau, Ausbau sowie der Modernisierung von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie kleineren Zweckbauten aktiv. Die Umsatzverteilung nach Leistungsbereichen blieb weitgehend stabil. Der Bestandsbau behauptete sich mit 44 Prozent als wichtigster Bereich, gefolgt vom Neubau inklusive Holzhausbau mit 38 Prozent. Der Zweckbau legte auf 10 Prozent zu, die Restaurierung stieg auf 6 Prozent und der Ingenieurholzbau blieb konstant bei 2 Prozent.

Anteil größerer Zimmereien steigt beständig
Dabei fällt auf, dass auch 2024 der Anteil der Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten kontinuierlich wuchs. Diese spannende Entwicklung wurde laut Lagebericht durch die steigende Nachfrage nach mehrgeschossigen Holzgebäuden und durch die vereinfachten technischen Baubestimmungen für die Gebäudeklassen 4 und 5 ausgelöst.
Fachkräftemangel sorgt für Überstunden
Andererseits wird mit zunehmender Betriebsgröße der Fachkräftemangel zum Engpass für die Betriebe. Zur Sicherung der Auslastung leisten die Mitarbeiter deshalb vermehrt Überstunden. Damit einher geht der Ruf nach der Steuerbefreiung von Überstunden – wie sie in anderen Branchen bei den Zuschlägen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit praktiziert wird. Hilfreich könnte die Ankündigung der Bundesregierung sein, sich im Rahmen der Wachstumsinitiative mit diesem Anliegen befassen zu wollen. Positiv lässt sich in diesem Zusammenhang festhalten, dass die Zahl der Beschäftigten im Zimmerhandwerk trotz des demografischen Wandels 2024 leicht um über 500 auf 74 755 Mitarbeiter gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist.

Investitionen in Digitalisierung
Beim Investitionsverhalten der Betriebe zeigt sich, dass der Schwerpunkt bei der Digitalisierung in Planung und Vorfertigung liegt. „In den Fertigungsmethoden bis hin zu Fertigungsstraßen sehen wir derzeit noch Zurückhaltung, was angesichts rückläufiger Neubauzahlen nachvollziehbar ist“, erklärt Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland.

Holzbauquote: Nichtwohngebäude boomen
Die Zahl der Baugenehmigungen im Hochbau ist 2024 weiter rückläufig, allerdings sind die Einbußen im Holzbau mit 11,5 Prozent deutlich geringer als im gesamten Bauhauptgewerbe mit 19,2 Prozent. Die bundesweite Holzbauquote erreichte bei Wohngebäuden mit 24,1 Prozent einen Höchststand. Bei Nichtwohngebäuden erreichte die Holzbauquote sogar 25,1 Prozent. Hier fiel der Rückgang an Baugenehmigungen mit 7,6 Prozent erheblich geringer aus. Das hat laut Holzbau Deutschland zur Folge, dass sich Betriebe, die sich bislang auf den Bau von Eigenheimen spezialisiert haben, künftig stärker auf Sanierungen im Bestand und Dachaufstockungen sowie im wachsenden Mehrfamilienhausbau oder Industriebau positionieren müssen.

Frauenanteil bei Azubis steigt
Dem Trend von rückläufigen Zahlen bei neuen Ausbildungsverträgen in der Bauwirtschaft konnte sich das Zimmererhandwerk, im Gegensatz zu den Dachdeckern, nicht entziehen. So sank die Zahl der Auszubildenden 2024 gegenüber dem Vorjahr von 8758 auf 8610. Eine Ursache ist der Rückgang im ersten Lehrjahr von 2361 auf 2263 Azubis. Dennoch stellen Zimmerer die größte Ausbildungsgruppe im Bauhauptgewerbe. „Erfreulich ist, dass auch der Frauenanteil bei den Auszubildenden im Zimmererhandwerk weiter steigt. Er lag im Jahr 2024 bei 6,1 Prozent, das sind 1,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Peter Aicher: „Es zeigt sich, dass unser Handwerk für junge Frauen immer attraktiver wird – das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Chancengleichheit.“
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