Bild von Dachdecker beim Einbau eines Dachfensters

Wichtige Velux-Studie zum Potenzial von Dachaufstockung

28. Oktober 2025

 · Knut Köstergarten

Im Rahmen einer großen Veranstaltung der Initiative „Neues Bauen – 80 Sekunden“ hat Velux Ende Juni eine Studie zum Wohnraumpotenzial durch Dachaufstockung und -ausbau vorgelegt. Ein wichtiger Impuls für mehr Wohnraum im Dach, denn es geht nicht nur um den Bau neuer Wohnungen, sondern auch um die Erfüllung der Klimavorgaben. Alle 30 bis 40 Sekunden müsste in Deutschland ein Wohngebäude energetisch saniert werden, um die Klimaziele einzuhalten. Die Vorgabe: 19 Millionen Bestandsimmobilien müssen nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) bis 2045 klimaneutral saniert werden.

Bild von Aufbau eines Dachstuhls zur Dachaufstockung
Oft entstehen Dachaufstockungen in Holzbauweise. (Foto: Dämgen)

Zentrales Handlungsfeld liegt im Baubestand

Bis 2050 will die Bundesregierung zudem die Nutzung neuer Flächen für Bauprojekte auf Netto-Null reduzieren. Ein zentrales Handlungsfeld für die Verknüpfung von Wohnraumoffensive und Klimaschutz liegt laut Initiative „Neues Bauen – 80 Sekunden“, die aus der Dachbranche auch von Saint-Gobain mit den Marken Isover und Rigips unterstützt wird, nicht im Neubau, sondern im Bestand – in Millionen Wohnungen aus den 1950er bis 1970er Jahren. Der Name der neuen Initiative hat dabei folgenden Hintergrund: 400 000 Wohnungen sollen Bundesregierung jährlich gebaut werden. Das heißt praktisch: Alle 80 Sekunden müsste eine Einheit fertig werden.

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Potenzial von 429 252 Wohnungen

Gerade das Potenzial bei Dachaufstockung und Ausbau bestehender Gebäude ist noch weitgehend ungenutzt: 429 252 zusätzliche Wohnungen mit je rund 75 Quadratmeter Fläche könnten zukünftig unter und auf deutschen Dächern entstehen. Zu diesem Ergebnis kommt die von Velux beauftragte Studie des Berliner Technologieunternehmens Leaftech. Die Studie ergänzt frühere Marktanalysen, indem sie das Potenzial nicht nur quantitativ erfasst, sondern auch qualitativ hinsichtlich des Bedarfs, technischer und baurechtlicher Parameter sowie Wirtschaftlichkeit eingrenzt. Auch die Eigentümerstruktur wird in der Analyse berücksichtigt, da sie die praktische Umsetzbarkeit von Nachverdichtungsmaßnahmen erheblich beeinflusst.

Bild von Dachdeckern beim Aufbau eines Dachstuhls
Das Potenzial für Dachaufstockungen ist groß – Dachdecker und Zimmerer sind bereit. (Foto: Dämgen)

Dachaufstockung: schnell und skalierbar Wohnraum schaffen

Ganz im Sinne des „Bau-Turbos“ der Bundesregierung identifizieren die Forscher deutschlandweit 77 811 Wohngebäude, auf denen zusätzliche 272 429 Wohneinheiten schnell geschaffen werden könnten. Es sind jeweils Gebäude mit nur einem Eigentümer, was eine Investitionsentscheidung vereinfacht. Bezieht man laut Studie auch die Wohngebäude mit Eigentümergemeinschaften ein, steigt die Zahl auf die bereits genannten 429 252 Wohnungen.

Bild von Matthias Mager von Velux
„Dachaufstockung und Ausbau sind wirksame Maßnahmen, um schnell und skalierbar Wohnraum zu schaffen “, erklärt Matthias Mager, Geschäftsführer von Velux Deutschland. (Foto: Velux)

Werden darüber hinaus auch Altbauten oder Einfamilienhäuser berücksichtigt, liegt das Potenzial sogar deutlich höher. „Die Ergebnisse der Studie machen deutlich: Wir sollten besser nutzen, was längst da ist. Dachaufstockung und Ausbau sind wirksame Maßnahmen, um schnell und skalierbar Wohnraum zu schaffen “, erklärt Matthias Mager, Geschäftsführer von Velux Deutschland.

Baurecht vereinfachen – Förderung stabil halten

Um diese Potenziale großflächig und zügig ausschöpfen zu können, müssten bürokratische, rechtliche und strukturelle Barrieren abgebaut werden – zum Beispiel durch vereinfachtes Baurecht und baurechtliche Vorgaben, schnellere Genehmigungsverfahren und stabile Förderprogramme mit konstanten Anforderungen, die Bauwirtschaft und Bauenden Planungssicherheit geben für Dachaufstockung und Ausbau. Im Herbst soll es dazu laut Velux Gespräche mit dem Bundesbauministerium und relevanten Bundestagsabgeordneten geben.

Bild von Dachdeckern beim Einbau eines Dachfensters
Es braucht weiterhin eine stabile Förderung für Sanierung, Aufstockung oder Fenstertausch im Dach. (Foto: Velux)

Koordinierte Zusammenarbeit in der Baubranche gefordert

„Damit tragfähige und skalierbare Lösungen entstehen können, braucht es neben den entsprechenden politischen Rahmenbedingungen auch eine enge und koordinierte Zusammenarbeit innerhalb der Branche. Es gibt viele Unternehmen und Betriebe, die bereits seit Jahren erfolgreich Dachausbauten und Dachaufstockungen umsetzen. Wandel kann nur gelingen, wenn wir unser Wissen und Engagement bündeln“, so Matthias Mager weiter.

Partnersuche für Pilotprojekte Dachaufstockung

Zu diesem Zweck wurde bereits im März unter der Leitung von Velux und im Rahmen des Netzwerks „Neues Bauen – 80 Sekunden“ eine Taskforce gegründet, die das Ziel verfolgt, das ungenutzte Potenzial von Dachgeschossen durch Pilotprojekte zu erschließen. Hierfür hofft die Taskforce in den nächsten Monaten gezielt regional vor Ort Wohnungsbaugesellschaften als Partner für die Umsetzung gewinnen zu können.

Bild von einem Dachdecker beim Aufbau eines Dachstuhls
Von Pilotprojekten zur seriellen Dachaufstockung würden Dachdecker und Zimmerer profitieren. (Foto: Dämgen)

Gebäudesanierung kann bis zu 3,4 Prozent Wachstum bringen

Insgesamt könnte die energetische Gebäudesanierung, zu der auch die Dachaufstockung und der Dachausbau inklusive Fensteraustausch gehören, Deutschlands Wirtschaft entscheidend aus der Wachstumsflaute führen. Das zeigen neue Berechnungen der Prognos AG im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) e. V.: Schon heute hängen 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) an der Gebäudesanierung. Mit einer höheren Sanierungsrate wäre mittelfristig ein BIP-Zuwachs von bis zu 3,4 Prozent möglich.

Investitionen in Gebäudesanierung sichern 600 000 Jobs

Aktuell sichern laut Prognos Investitionen in Gebäudehüllen, Heizungen und Gebäudetechnik rund 600 000 Jobs, vor allem im Handwerk, Baugewerbe und innovativen Mittelstand. Hier ist also jeder Euro gut angelegt. Viele Produkte stammen aus Deutschland oder Europa, die regionale Wertschöpfung ist hoch.  Henning Ellermann, Geschäftsführender Vorstand der DENEFF: „Kaum jemand sieht, was in jedem Landkreis bereits heute an regionalen Investitionen, Konjunktur und Jobs mit der energetischen Gebäudesanierung verbunden ist. Raus aus der wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Misere kommt Deutschland nur, wenn wir endlich beherzt den Hebel umlegen für diese Investitionen.“

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