Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Mann steht auf einem Baugerüst und trägt eine Mütze. Im Hintergrund sind parkende Autos und ein grauer Parkplatz zu sehen.

Bester Dachdecker-Azubi: Geschichte eines Geflüchteten

Harald Friedrich

12. November 2020

Auf dem Weg zum Dachdecker-Azubi: Flucht von Afghanistan in den Iran

Ziya Rahimi wurde 1999 im Süden Afghanistans geboren – in einen Konflikt hinein, der zu diesem Zeitpunkt schon 20 Jahre andauerte und bis heute noch währt. Ziya war gerade einmal elf Jahre alt, als seine Familie beschloss, ihm ein anderes Leben zu ermöglichen. Abseits von der täglich drohenden Lebensgefahr in vielen Regionen Afghanistans. Zusammen mit seinem Onkel floh er in den Iran. Während andere Kids in seinem Alter in Deutschland Fußball spielten, auf dem Skateboard unterwegs waren oder einfach nur chillten, arbeitete Ziya Rahimi als Koch und später als Schweißer auf einer Baustelle.

Ein junger Mann mit dunklem Haar lächelt fröhlich auf einem Balkon, im Hintergrund sind Bäume und Wohngebäude zu sehen.

 Lernte in nur zwei Monaten Deutsch: der Geflüchtete Ziya Rahimi.

Auf dem Weg zum Dachdecker-Azubi: vom Iran geht es Richtung Deutschland

Mit knapp 15 Jahren entschied er sich, den Weg nach Westen anzutreten. Vom Iran über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich erreichte er nach sechs Monaten Deutschland. Dort ist er allein auf sich gestellt. Schon damals war ihm klar, dass er die Sprache seines Aufnahmelandes lernen muss, um eine Chance zu bekommen. Und diese Chance wollte er nutzen. In nur zwei Monaten lernte er in München Deutsch, bevor er von den Behörden nach Himmelthal im tiefsten Spessart verlegt wurde.

Auf dem Weg zum Dachdecker-Azubi: Pflegemutter schlägt Praktikum vor

Im Nachhinein ein Glücksfall für ihn, denn hier fand er bereits nach zwei Wochen bei einer deutschen Pflegefamilie in Bürgstadt ein neues Zuhause. Dort absolvierte er binnen kürzester Zeit seinen Schulabschluss. Dann folgten mehrere Praktika – von Bäcker über Schweißer bis zum Kfz-Mechatroniker. „Meine Pflegemutter hat mir dann den Tipp mit dem Dachdeckerhandwerk gegeben“, erinnert sich Ziya. „Bis dahin wusste ich nicht mal, dass es so einen Beruf gibt“, sagt er und lacht.

Junger Mann steht lächelnd in einer Werkstatt mit Regalen und verschiedenen Materialien im Hintergrund.

In der Werkstatt der Klemens Ott GmbH können die Dachdecker-Azubis ihre praktischen Kenntnisse vertiefen.

Und nach einem Praktikum bei der Klemens Ott GmbH in Miltenberg, Mitgliedsbetrieb der Dachdecker-Einkauf Süd eG, stand für ihn fest: Dachdecker – mein Beruf. Hier ganz oben war seine Welt der Baustellen, die er ja schon als Kind im Iran kennengelernt hatte. Die Lehre als Dachdecker-Azubi beendete er nach drei Jahren im Frühjahr 2020 – als Innungsbester der Dachdecker-Innung Aschaffenburg-Miltenberg. Buchstäblich noch druckfrisch ist sein Autoführerschein, den er im September mit null Fehlern bestanden hat.

Fünf Männer stehen draußen, drei halten Zertifikate. Sie lächeln und posieren für ein Gruppenfoto vor einem Gebäude mit Pflanzen im Hintergrund.

Chef Peter Ott (rechts) unterstützt seinen afghanischen Dachdecker, wo er kann.

Auf dem Weg zum Bleiberecht: Junggeselle gefällt die neue Heimat

Ziya Rahimi ist damit eigentlich genau der ehemalige Geflüchtete, von dem so viele behaupten, es gäbe ihn nicht: Er spricht nahezu perfekt Deutsch, hat Schule und Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, finanziert selbst seine kleine Wohnung. Und bei der Frage, was ihm in Deutschland eigentlich am besten gefällt, muss er nicht lange überlegen. „Die freundlichen Menschen, die Sauberkeit und dass es in Deutschland Recht gibt.“ Ihm gefällt seine neue Heimat, auch wenn er gerade erneut ein Bleiberecht beantragen musste, weil die Behörden ihm dies bislang verweigern.

Eine Person arbeitet mit einer Maschine auf einem Flachdach, trägt Arbeitskleidung und Mütze; im Hintergrund sind Wohnhäuser und ein bewölkter Himmel zu sehen.

Ziya Rahimi verdient jetzt als Dachdeckergeselle sein eigenes Geld – das Bleiberecht wird ihm jedoch weiterhin verweigert.

Flüchtlinge als Dachdecker-Azubis: Peter Ott macht gute Erfahrungen

Von seinem Arbeitsgeber, der Klemens Ott GmbH, wird er auch in Sachen Bleiberecht unterstützt. Inhaber Peter J. Ott hat bislang beste Erfahrungen mit jungen Geflüchteten gemacht. Deshalb beschäftigt er aktuell einen weiteren jungen Mann aus Afghanistan als Dachdecker-Azubi. Der hatte zuvor bereits mehrere Monate mit vollem Einsatz als Helfer bei ihm gearbeitet. „Diese Menschen nehmen ihre Ausbildung sehr ernst – trotz aller Hürden und Hindernisse“, berichtet Ott. Deshalb ist es auch Ehrensache für ihn, das Netzwerk „Unternehmer integrieren Flüchtlinge“ zu unterstützen.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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