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Photovoltaik: Hoher Eigenverbrauch liegt im Trend

2018.07.24 Knut Koestergarten • Lesezeit 3’

Bei Photovoltaik geht der Trend zu Anlagen mit hohem Eigenverbrauch und geringer Einspeisung ins Stromnetz. Wir erläutern anhand von Aufdach- und Indach-Systemen, wie Dachdecker dieses Geschäftsfeld für sich nutzen können.

Die DEG Dach Fassade Holz eG hat auf der neuen Logistikhalle in der Niederlassung Münster eine Photovoltaik-Anlage (PV) mit einer Nennleistung von 99,9 Kilowatt peak (kWp) für rentable, umweltfreundliche Stromerzeugung mit Eigenverbrauch installiert. Die Anlage erzeugte bereits im Mai 2018 rund 15.000 Kilowattstunden Energie, was dem Jahresbedarf von vier Einfamilienhäusern entspricht. Sie liefert so den Großteil des am kompletten Standort Münster anfallenden Energiebedarfs.

Bei der Produktwahl war besonders wichtig, dass Dachaufbau und PV-Anlage von den ausführenden Betrieben aus einer Hand angeboten werden können. „Mit dem innovativen System BauderSOLAR UK FD verschweißen Dachdecker die Photovoltaik-Anlage ganz einfach, durchdringungsfrei und wirtschaftlich auf der Abdichtung“, erklärt Manuel Joswig, Projektierer der PV-Abteilung der DEG Dach-Fassade-Holz eG in Hamm. Die Vorteile: Die Dachsicherheit bleibt in einer Hand und die Verlegung ist für Betriebe ein einträglicher Geschäftsbereich. Auch auf dem Dach des eigenen Betriebs lohnt sich die Stromerzeugung für Dachdecker, sowohl bei hohem Eigenverbrauch als auch bei Volleinspeisung.

Bei Photovoltaik geht der Trend zu kleineren Anlagen mit hohem Eigenverbrauch und geringer Einspeisung ins Stromnetz.

Eine Logistikhalle bietet beste Voraussetzungen für Photovoltaik

Im Sinne einer exakten Planung berieten die Architektin, der Fachberater von Bauder und der ausführende Betrieb Welling & Langener Bedachungen den Dachaufbau und die PV-Anlage. Die bauseitigen Voraussetzungen auf der 4.480 Quadratmeter großen Logistikhalle des Neubaus, die geografische Lage sowie die Sonneneinstrahlung boten ideale Voraussetzungen. Für einen sicheren Dachaufbau erhielt das Trapezblechdach auf der kaltselbstklebenden Bitumen-Dampfsperrbahn BauderTEC DBR eine hocheffiziente Wärmedämmung mit dem Hochleistungsdämmstoff BauderPIR, 100 Millimeter dick, und als Oberlagebahn die hochwertige FPO-Kunststoffabdichtungsbahn
BauderTHERMOPLAN T 20. „Diese Wahl gewährleistet, dass der Dachaufbau für die Laufzeit der PV-Anlage sicher ist“, so Dirk Bollhorst, Bereichsleiter Steildach/Photovoltaik.

Photovoltaik-Anlage mit Komplettsystem von Bauder

Jetzt folgte der Aufbau der PV-Anlage mit BauderSOLAR UK FD. Verbaut wurden 370 Solarmodule und 424 Unterkonstruktionen. Schnell und sicher verschweißte das Dachdecker-Team die Unterkonstruktionen mittels Manschetten auf der Dachhaut. Darauf kann nahezu jedes gerahmte Standardmodul über Federklemmung werkzeuglos montiert werden.

„Wir haben uns bei der Gesamtanlagenplanung für ein Komplettsystem von Bauder, bestehend aus Unterkonstruktion, Modul, Wechselrichter und Kabel entschieden“, erläutert Joswig. Dabei unterstützt Bauder den gesamten Projektprozess von der Planung des Dachaufbaus und der Photovoltaikanlage mit allen Berechnungen über die Einweisung vor Ort und die Baubegleitung bis hin zur Lieferung des Materials. Das gebe Bauherren, Planern und Verarbeitern Sicherheit und Gewährleistung aus einer Hand, sagt Dirk Bollhorst.

Photovoltaik auf dem eigenen Dach ist die beste Werbung

Mit einer Photovoltaik-Anlage den Eigenverbrauch an Strom zu decken, das kann auch für Dachdeckerbetriebe selbst eine wirtschaftlich lohnende Investition sein. Und die Anlage auf dem eigenen Firmendach ist zugleich eine gute, kostenlose Kundenwerbung. „Hierfür ist das BauderSOLAR UK FD System sehr einfach zu installieren und universell einsetzbar“, erklärt Bollhorst. Denn durch die geringen Reihenabstände könne die optimale Leistung auf der vorhandenen Dachfläche installiert werden.

Photovoltaik auf dem eigenen Dach ist die beste Werbung.

Photovoltaik auf dem eigenen Dach ist die beste Werbung.

Der Trend geht zu Photovoltaik-Anlagen für den Eigenverbrauch

Aktuell entsteht auf dem Dach der Niederlassung Nürtingen der Dachdecker-Einkauf Süd eG eine knapp 640 Quadratmeter große Photovoltaik-Fläche. Mit 384 Modulen hat die Anlage eine Nennleistung von 99,84 kWp. Auch in Nürtingen ist das Ziel, eine möglichst hohe Menge des erzeugten Stroms für den Eigenverbrauch am Standort zu nutzen. „Deshalb wurden die Module flach mit zehn Grad Neigung nach Osten und Westen geplant, um den Tagesbedarf optimal abzudecken und die Systemkosten zu optimieren“, erläutert Dominik Daub, Geschäftsführer der Solar-Dacheinkauf GmbH & Co. KG, einer Tochter der Dachdecker-Einkauf Süd eG.

Photovoltaik: Monitoring- und Speichersysteme sind gefragt

Im Einfamilienhausbereich ist dieser Trend deutlich zu beobachten. Früher waren Photovoltaik-Anlagen möglichst immer nach Süden ausgerichtet und groß ausgelegt. Heute werden vor allem bedarfsgerechte Anlagengrößen kleiner 10 kWp realisiert. Die Größe hängt mit der Befreiung der EEG-Umlage auf eigenverbrauchten Strom für Anlagen kleiner 10 kWp und der gesunkenen Vergütung zusammen. „Wir haben einen Trend hin zu Anlagen für den reinen Eigenverbrauch mit dem Ziel, so wenig Strom wie möglich ins allgemeine Netz einzuspeisen, sondern diesen vom Morgen bis zum frühen Abend über den Tag verteilt zu nutzen und im Optimalfall das eigene Verhalten anzupassen”, berichtet Daub. Dazu gehören bereits bei Kleinstanlagen Monitoring- und Speichersysteme. Mit denen lässt sich genau abgleichen, zu welcher Zeit es wie viel Stromertrag gibt und wann welches Haushaltsgerät am besten laufen sollte.

Im Einfamilienhausbereich werden vor allem bedarfsgerechte Anlagengrößen kleiner 10 kWp realisiert.

 

Die Speicher sorgen dafür, dass Strom dann genutzt werden kann, wenn keine Sonne scheint. „Es hat bei den Endkunden ein Umdenken stattgefunden. Es geht nicht darum, möglichst viel in das Netz einzuspeisen und den Strom entsprechend vergütet zu bekommen, sondern darum, sich seine eigene Unabhängigkeit zu schaffen und Stromkosten selbst zu beeinflussen.“

„Insgesamt hat sich die Nachfrage nach PV-Anlagen wieder deutlich erhöht, allerdings auf einem anderen Niveau“, erklärt Daub. Zum einen sorgen die stark gesunkenen Modul-Preise für geringere Umsätze. Zum anderen gibt es deutlich weniger Großprojekte. „Eine Vielzahl der von uns geplanten Anlagen bewegt sich zwischen 3–10 kWp, aber auch Anlagen bis 100 kWp, wie in Nürtingen, sind immer wieder ein Thema.“

„Auch hier gibt es eine gesetzliche Grenze. Anlagen über 100 kWp unterliegen der Direktvermarktungspflicht“, erläutert Daub. Für den Vertrieb von Photovoltaik-Anlagen ist dieser Wandel natürlich eine Herausforderung. Denn viele kleine Projekte statt weniger großer erhöhen den Aufwand.

Indach-Systeme Photovoltaik: lukrative Nische für Dachdecker

Für die ausführenden Dachdeckerbetriebe sieht Daub eine sehr lukrative Nische: Indach-Systeme, die es seit zehn Jahren auf dem Markt gibt. Die Dachdecker-Einkauf Süd eG kooperiert mit dem Hersteller Groupe Solution Energie (GSE) sowie dem Modulhersteller Soluxtec und bietet zum Thema Schulungen an. Die Photovoltaik-Module werden in Kunststoffrahmen integriert, hochkant oder quer.

Das Indach-System von GSE

Der entscheidende Vorteil für Dachdecker: „Das ist im Gegensatz zu Aufdach-Systemen kein Geschäftsfeld für Solateure, weil es um einen Eingriff in die Dachhaut geht mit allen Folgen für die Gewährleistung“, berichtet Daub. „Die Lösung ist qualitativ hochwertig, sieht besser aus als klassische Aufdach-Anlagen und ist preislich nahezu vergleichbar. Wir sehen hier sehr gute Chancen für ein Alleinstellungsmerkmal, denn bis auf den Anschluss im Keller ist alles Dachdeckerarbeit.“

Daub gibt ein Bespiel. „Wir haben Kunden, die bei Sanierungen oder Neubauten immer zuerst und sehr erfolgreich Indach-Systeme anbieten. Denn den enormen Preisdruck wie bei Aufdach-Systemen gibt es in dieser Nische nicht.“

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