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Ein Mann sitzt am Steuer eines weißen Lieferwagens, zeigt Daumen hoch und lächelt. Auf der Tür steht "J. CLA" mit Dachdecker-Logo und Kontaktdaten.

Dachdecker sind seit 140 Jahren Überzeugungstäter

Harald Friedrich

3. August 2021

Als der Urgroßvater von Reinhard Clauss sich gemeinsam mit seinem Bruder anno 1880 in München als Bauspengler und Schlosser selbstständig gemacht hatte, waren die beiden „Einzelkämpfer“. Und ganz sicher hätten sie sich niemals vorstellen können, dass sich Urenkel Reinhard heute mit einem 40-köpfigen Team um die Dächer Münchens kümmert. Auf vielen dieser Dächer hatten die einstigen Gründer noch selbst gearbeitet oder sie sogar gebaut.

Bild von Kupferdach mit Panoramas München

Schöne Ausblicke auf München können die Dachdecker von Clauss beim Arbeiten genießen. (Foto: Clauss)

Betriebsübernahme der Dachdeckerei Kebert

Zusammen mit seiner Mitinhaberin und früheren Ehefrau Heike und dem gemeinsamen Sohn Jonas ruht sich Reinhard Clauss aber nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit aus, sondern schaut nach vorn und plant die Zukunft. So auch im Jahr 2011. „Da gab es hier die alteingesessene Dachdeckerei Kebert, deren Senior schwer erkrankte“, denkt Reinhard Clauss zurück. Sein Angebot zur Übernahme des Betriebs samt Mitarbeitern blieb lange unbeantwortet. „Nach drei Monaten hatten die Kunden von Kebert in Gesprächen mit der damaligen Senior-Chefin dafür gesorgt, dass ich den Betrieb übernehmen soll – und ich wusste von nichts, bis der Anruf der Senior-Chefin persönlich kam.“

Bild von Dachdeckern bei der Arbeit auf dem Flachdach

Das Team von Clauss ist auch auf Flachdächern zuhause. (Foto: Clauss)

100 Kunden und einen wichtigen Vorarbeiter gewonnen

Für die J. Clauss GmbH war es ein Glücksfall. Denn neben rund 100 Kunden, die inzwischen seinem Betrieb die Treue halten, konnte Inhaber Reinhard Clauss auch den ehemaligen Vorarbeiter von Kebert gewinnen. Oder besser gesagt: zurückgewinnen. Denn eigentlich hatte der schon einen neuen Job.

Bild von Mitarbeiter auf Dachgerüst

Zeit für coole Fotos neben der fachgerechten Arbeit. (Foto: Clauss)

Umstrukturierung mit Hilfe von Unternehmensberatern

Noch mehr Arbeit – noch weniger Freizeit? „So wäre das wohl gekommen, wenn wir nicht 2014 mehrere Unternehmensberatungen mit ins Boot geholt hätten“, berichtet Clauss. Die strukturierten gemeinsam mit den Inhabern den Betrieb um: Terminplanung per Smartphones, ein riesiges Plan-Tableau im Betrieb, auf dem jeder auf einen Blick sieht, mit wem er unter welchem Bauleiter an welchem Tag zusammenarbeitet. Schon jetzt ist eine tägliche Bauleiter-Besprechung eine Selbstverständlichkeit. Demnächst werden die Vorarbeiter und Reparatur-Teams noch mit Tablets für die Abnahme von Leistungen und Übergaben an Kunden ausgerüstet.

Bild von Dachdecker Clauss mit Plan-Tableau

Der Chef am Plan-Tableau im Büro: Strukturierte Organisation ist für ihn die Basis. (Foto: Friedrich)

Delegieren schafft Zeit und Raum für andere Dinge

Im Team sind so immer alle auf dem gleichen Informationsstand. „Und ich musste lernen, auch zu delegieren – das schafft Zeit und Raum für andere Dinge“, gibt der Chef zu.

40 Mitarbeiter als Schallgrenze? Solche Themen und Perspektiven besprechen und entscheiden Heike, Jonas und Reinhard Clauss gemeinsam in ihren regelmäßigen Strategiemeetings. „Aber um wachsen zu können, braucht es zunächst klare Strukturen in den Betriebsabläufen und Kompetenzen.“ Auch um besten Service für die Kunden bieten zu können. „Kunden sind unsere Partner auf Augenhöhe – wir beraten sie objektiv, wir halten die Termine und wir vergeben allenfalls in seltenen Ausnahmefällen Aufträge an Subunternehmer“, erläutert Clauss die Firmen-Philosophie.

Und die Mitgliedschaft bei der Dachdecker-Einkauf Süd eG – ein Akt der Solidarität oder ein betriebswirtschaftlicher Gewinn? „Drei Prozent beim Materialeinkauf und verzinste Genossenschaftsanteile – da muss ich nicht lange rechnen“, weiß Reinhard Clauss.

Bild von Clauss Fuhrpark

Der Fuhrpark: Ein Top-Team mit Top-Ausstattung. (Foto: Clauss)

Wachstum geht nur mit guter Ausbildung

Wachsen heißt für den Chef auch auszubilden und weiterzubilden. Fünf Lehrlinge im Dachdecker- und Spenglerhandwerk gehören zur Clauss-Crew. Und einer der Bauleiter ist Mitglied im Meisterprüfungsausschuss der Spengler – ein Glücksfall für die Ausbildung. Geschult wird auch zusätzlich im Betrieb an eigenen Dachmodellen. „Wir werben nicht um Azubis – die kommen, weil es sich herumspricht, dass es bei uns klappt mit der Ausbildung“, darauf ist Reinhard Clauss zu Recht stolz. Sein Nachwuchs gehört regelmäßig zu den Jahrgangsbesten.

Buntes Team aus neun Nationen

Wer bei der J. Clauss GmbH Meister werden will, wird unterstützt in der Zeit der Meistervorbereitungskurse, so ein weiteres Erfolgs- und Motivationsrezept der Geschäftsführung. „Dafür verpflichtet sich der fertige Meister, für zwei oder zweieinhalb Jahre bei uns zu bleiben“. Eine Verpflichtung, die oft gar nicht nötig ist, weil die Chemie im Betrieb einfach stimmt. Das beweist sein „buntes Team“, wie er es nennt. „Neun Nationen sind bei uns am Werk.“

Bild von Dachdeckern bei der Arbeit auf dem Steildach

Ein buntes Team mit Mitarbeitern aus neun Nationen – hier bei der Arbeit auf dem Steildach. (Foto: Clauss)

Dachdecker aus Überzeugung

Dass Reinhard Clauss die handwerkliche Familientradition inzwischen in vierter Generation fortführt, ist allerdings nicht allein der Tradition geschuldet. „Ich bin Dachdecker aus Überzeugung“, versichert er beim Gespräch auf der Dachterrasse seines Betriebs in München-Thalkirchen. Also kein Pflichtprogramm, sondern echte Begeisterung für den „Job ganz oben“, den er nach dem Abitur und dem Wehrdienst bei einem renommierten Münchener Dachdecker von der Pike auf gelernt hat.

Ausbildung gemacht mit Abitur

Was haben die einstigen Klassenkameraden dazu gesagt, dass einer von ihnen mit dem Abi in der Tasche Handwerker wird? „Ungewöhnlich war das damals schon – aber heute sind einige von denen meine Kunden“, schmunzelt der 57-Jährige. Nach einer Ausbildung als Spengler folgte der Dachdecker-Meistertitel und das Studium zum Betriebswirt im Handwerk sowie 1994 die Übernahme des Familienbetriebs.

Bild von Ex-Frau Heike Clauss

Heike-Maria Clauss ist Prokuristin und Mitinhaberin. (Foto: Friedrich)

Übergabe vom Vater lief reibungslos

„Mein Vater ist an diesem Tag aus- und ich bin als Betriebsinhaber eingestiegen“, erinnert sich Reinhard Clauss. „Ohne einen langen und zähen fließenden Übergang, den es sonst oft gibt, war ich von gestern auf heute Chef.“ Und das zusammen mit seiner damaligen Ehefrau Heike-Maria Clauss, der heutigen Prokuristin und Mitinhaberin. Gemeinsam haben sie die J. Clauss GmbH zu einem Unternehmen in der heutigen Größe weiterentwickelt.

Bild von Haus mit Gerüst und Dachbaustelle

Seit 1880 ein Familienbetrieb, bekannt im Großraum München. (Foto: Clauss)

Sohn Jonas macht gerade den Dachdeckermeister

Mit ihrem Sohn Jonas steht bereits die fünfte Handwerkergeneration in den Startlöchern. Auch er ist Spengler und Dachdecker aus tiefster Überzeugung, nicht aus familiärer Verpflichtung. Denn wer wie Jonas Clauss nach einem Studium ins Handwerk geht, weiß, was er wirklich will. Bei ihm ist das nächste Etappenziel der Meistertitel, an dem er gerade intensiv arbeitet.

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Geschäftsfelder Dachsanierung und Wartungsverträge

Hauptgeschäftsfeld ist die Sanierung – zum Teil von Dächern, die seine Familie einst gebaut hat. Darüber hinaus sorgen fast 200 Wartungsverträge mit Kunden dafür, dass auch ab Oktober kein Arbeitsstillstand herrscht: „Dann sind zwei bis drei Teams voll ausgelastet mit der Dachwartung und daraus resultierenden Kleinaufträgen“, sagt Clauss. Ein zukünftiges Standbein soll das Thema Klimaschutz werden, in das besonders Sohn Jonas intensiv eingestiegen ist. Eine Solaranlagenpflicht wie in Baden-Württemberg für Nicht-Wohngebäude wäre top für unser Handwerk und würde neue Auftragsbücher füllen, ist sich die Inhaber-Familie sicher.

Bild von Dachdecker Reinhard Clauss beim Segeln

Segeln ist eines der Hobbies von Reinhard Clauss. (Foto: Clauss)

Ein Sportler und Freizeit-DJ

Und wie steht’s bei ihm mit der Auslastung in der Freizeit? Der 57-jährige Reinhard Clauss ist am liebsten sportlich unterwegs. Beim Segeln, Skifahren, Windsurfen und Motorradfahren kann er am besten abschalten. Dann zögert er kurz – fast schon, als wäre es ihm peinlich: „Ich arbeite auch noch als DJ Santa Clauss – unter anderem in der Allianz-Arena München im VIP-Bereich.“  Wie gesagt, er ist halt einfach Überzeugungstäter durch und durch.

Sie interessieren sich für Betriebsportraits? Dann lesen Sie unsere Story über einen Dachdecker, der sich auf Dachfenster spezialisiert hat.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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