BBZ Mayen: Großes Event zum 100-Jährigen
17. Juli 2025
Alles begann mit der Gründung des westdeutschen Dachdeckerschulvereins. Dachdecker und Schieferindustrie ergriffen 1925 gemeinsam die Initiative und starteten am 3. November mit dem Unterricht. Das war die Geburtsstunde des heutigen BBZ Mayen.
Schiefer prägte lange den Unterricht
Lange Zeit prägte die Arbeit mit Schiefer die Unterrichtsinhalte, mit dem viele Dächer der Region gedeckt sind. Die Nähe zur Schieferindustrie setzt sich bis heute fort, Hersteller Rathscheck hat in Mayen seinen Hauptsitz. In den 1920er Jahren fand die Praxis in den Werkhallen der Schiefergrube Katzenberg statt, die Theorie hingegen vor Ort in der ehemaligen Volksschule.
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Anerkennung als Meisterschule des Dachdeckerhandwerks
Im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging die Schulträgerschaft 1937/38 an den Reichsinnungsverband, verbunden mit dem Umzug in die Kelberger Straße, dem heutigen Standort. Auf dem von der Stadt geschenkten Grundstück baute der Verband eine große Werkhalle für den Unterricht. Es folgte die Anerkennung als Meisterschule des Dachdeckerhandwerks – Fachschule des Reichsinnungsverbandes. Mit diesem Schritt wurde die Basis dafür geschaffen, dass das BBZ Mayen eine regionale Ausbildungsstätte und zugleich das Bundesbildungszentrum sein konnte. Auch der Krieg blieb nicht fern, ab 1944 nutze die Wehrmacht die Räumlichkeiten und 1945 zerstörte ein Bombenangriff das Lehrlingswohnheim.

Nukleus für innovative Projekte
Als 1948 der Lehrbetrieb wieder aufgenommen wurde, entstand die heutige Struktur. Die Trägerschaft übernahm der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Das sorgte für den besonderen Status des BBZ Mayen. Das ZVDH-Präsidium ist zugleich Vorstand am BBZ Mayen. Dessen Geschäftsführer Rolf Fuhrmann ist außerdem stellvertretender ZVDH-Hauptgeschäftsführer und dort verantwortlich für berufliche Bildung. Und so ist das BBZ Mayen immer wieder Nukleus für innovative Projekte des Dachdeckerhandwerks, wie zuletzt bei der sehr erfolgreichen und von vielen Landesinnungsverbänden übernommenen Weiterbildung zum PV-Manager. Ein weiterer Leuchtturm ist die 1968 aus der Taufe gehobene Mayener Meisterwoche, die seitdem mit einem attraktiven Programm zu den Highlights des Dachdeckerjahres zählt.

Überbetriebliche Ausbildung startete 1978
Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des BBZ Mayen war der Bau und die Inbetriebnahme eines neuen Schulgebäudes 1975. Schon drei Jahre später konnten die ersten Azubis begrüßt werden. Sie kamen aus dem Saarland. Über die Kooperation mit den Handwerkskammern folgten dann erst Koblenz, danach das gesamte Bundesland Rheinland-Pfalz und Teile von Hessen. Heute ist die überbetriebliche Ausbildung nicht mehr wegzudenken aus dem Angebot des BBZ Mayen, das zudem Umschülerkurse, die Dachdecker– und Klempnermeisterkurse sowie Weiterbildungen wie den Betriebswirt im Handwerk mit Fokus auf das Dachdeckerhandwerk umfasst. Der aktuelle Dachdeckermeisterkurs ging jüngst mit 100 TeilnehmerInnen zu Ende.

Werkhalle brennt ab und wird direkt wieder aufgebaut
War das neue Schulgebäude ein wichtiger Schritt nach vorne, gab es vier Jahre später einen herben Rückschlag. Bei einem Feuer brannte die Werkhalle samt Nebengebäuden bis auf die Grundmauern nieder. Zum Glück blieben das Schulgebäude und die Metallwerkstatt von den Flammen verschont. Der Schulbetrieb lief improvisiert weiter, da die Verantwortlichen Hallen von der Stadt Mayen anmieten und mit neuen Dachmodellen ausstatten konnten. Zugleich beschlossen sie den direkten Wiederaufbau unter Zuhilfenahme öffentlicher Mittel, der bereits 1982 abgeschlossen werden konnte. Weitere sechs Jahre später folgten die Einweihungen des Tagungsgebäudes und einer zusätzlichen Werkhalle.

Meilenstein Lehrlingswohnheim
Der letzte große Meilenstein war dann der Bau eines Lehrlingswohnheims ab Mai 2016. Das Gebäude umfasst 33 Zweibettzimmer und sechs Einbettzimmer, jeweils mit privatem Bad, eine Wohnung für Herbergsverwalter sowie die Mensa und Nebenräume. „Vorher waren die Azubis bei privaten Vermietern in Mayen und Umgebung untergebracht, wie heute noch die Berufsschüler. Doch das Angebot reduzierte sich über die Jahre immer mehr. Deshalb fiel die Entscheidung, eine neue Dachdeckerherberge zu bauen“, so Geschäftsführer Rolf Fuhrmann.

Große Feier mit Erlebnisparcours
Mit seinem engagierten Team, insbesondere mit dem technischen Verwaltungsleiter des BBZ Mayen, Martin Krick, und unter anderem durch Unterstützung der Jugendorganisation „Zukunft Dachdecker“ aus Rheinland-Pfalz plant Fuhrmann aktuell die große 100-Jahr-Feier am 28. und 29. August, die bereits einen Abend vorher mit einem Abendessen im nahen Seehotel Maria Laach startet. Die Mitgliederversammlung findet am 28. August statt und einen Tag später das große Fest. „Hier ist neben Grußworten, Filmen und Musikeinlagen ein Erlebnisparcours geplant, der an verschiedenen Stationen durch die Geschichte des BBZ Mayen führt und auf vielfältige Weise zum Mitmachen einlädt“, verrät Fuhrmann. Im Außenbereich gibt es Bewirtung mit rustikalem Essen sowie Getränken. Zum Abschluss steigt am Abend eine Party mit Livemusik und DJ.
Sie interessieren sich für Projekte im BBZ Mayen? Dann lesen Sie unsere Story über das Training des Dachdecker-Nationalteams mit den dortigen Ausbildern.