Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Bild von VELUX Banner
Ein Bündel Schilfrohr wird auf ein Strohdach gelegt, mit Leitern und einem klaren blauen Himmel im Hintergrund.

Dachdecker sanieren Reetdach auf 200 Jahre altem Bauernhaus

Henning Höpken

15. Dezember 2020

Es war kein einfaches Unterfangen, eine Verbindung von alt und neu baulich zu verwirklichen. Im Fokus stand die Erneuerung eines über 200 Jahre alten Reetdaches mit dem darunter liegenden Gebälk. Doch zudem galt es, die Deckung des direkt angrenzenden modernen Klinkergebäudes durchzuführen. Dabei war der hohe Anspruch der Bauherren mit den Auflagen des Denkmalschutzes unter einen Hut zu bringen. Und dieses Oldenburger Alt-Neu-Projekt an der zentralen Donnerschwer Straße wurde auch noch öffentlich kontrovers diskutiert.

Bild von Reetdachhaus

Der unter Denkmalschutz stehende ehemalige „Köterhof“ bekam ein neues Reetdach und wurde optisch elegant mit dem Neubau verbunden.

Gebäude-Ensemble mit Reetdach als bauliche Herausforderung

Eine Herausforderung ganz nach dem Geschmack der Thormählen GmbH aus Elsfleth. „Neben allen Arbeiten rund um Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik haben unsere MitarbeiterInnen das Reetdach-Handwerk von der Pike auf gelernt und bauen auf über vier Jahrzehnte Erfahrung in diesem Metier“, sagt Geschäftsführer Jens-Uwe Thormählen, selbst Dachdecker-, Zimmerer und Klempnermeister. Das Zusammenfügen von modernem Bürogebäude, eingedeckt mit Keramikplatte grau-schwarz-reduziert, mit einem historischem Bauernhaus aus dem Jahr 1807 und Reetdach ist denn auch auf beispielhafte Weise gelungen.

Bild von Geschäftsführer Jens-Uwe Thormählen

Jens-Uwe Thormählen: „Unsere Reetdachdecker leisten beste Arbeit“.

Reetdach: Giebelspitzen mit Holzfenstern nach ursprünglichen Mustern

Bevor das Reetdach jedoch eingedeckt werden konnte, musste die Unterkonstruktion akribisch vorbereitet werden. Weil die alten Balken des denkmalgeschützten Objektes marode waren, kamen sie für die Neudeckung nicht in Frage. Sie wurden jedoch am neuen Dachstuhl symbolisch eingefügt und an die Dachbalken angeschraubt. Die Giebelspitzen mit den kleinen Holzfenstern erstellte ein Mitarbeiter der Thormählen GmbH exakt neu, gemäß dem ursprünglichen Muster und sorgte dafür, dass vom historischen Stil des Köterhofes so viel wie möglich erhalten bleibt.

Bild von Giebel

Die Giebelspitzen wurden gemäß dem ursprünglichen Muster exakt neu gebaut.

Reetdach: Viel Liebe zum historischen Detail

„Die ganze Arbeit erfordert hier viel Liebe zum Detail“, sagt Polier Renè Gottberg. „Wir versuchen, die historische Ansicht möglichst genau nachzubilden.“ Bis zu acht Fachhandwerker waren diesen Sommer kontinuierlich auf dem Dach im Einsatz. Allein die Arbeiten am Reetdach mit einer Stärke von 30 – 40 Zentimeter dauerten rund sechs Wochen. Gearbeitet wurde nur bei trockenem Wetter, denn das Reet-Material darf beim Verlegen auf keinen Fall feucht werden. Man merkte den jungen Dachhandwerkern ihren Respekt vor dem geschichtsträchtigen Objekt an, das volle Konzentration bei der fachgerechten Ausführung verlangte.

Bild von Reetdach DetailSchwere Reetbunde und sommerliche Hitze

Die 1,70 Meter langen Reet-Bunde wiegen jeweils rund fünf Kilogramm und auch die sommerliche Hitze machte den Dachdeckern oft zu schaffen. Immer wieder bewunderten Oldenburger Passanten die „Jungs auf dem Dach“, die mit Reet einen Naturbaustoff verarbeiten, der für gutes Wohnklima sorgt, 40 Jahre oben bleiben kann und danach voll kompostierbar ist. Die Eindeckung erfolgte „Bund für Bund“ mit Augenmaß, von unten nach oben auf den Dachlatten. „Zunächst wird grob aufgelegt und dann nachgeklopft. Insgesamt verlegen wir hier 3.400 Bund Reet“, berichtet Dachdecker Joshua Müller.

Bild von Dachdeckern auf dem Reetdach

Mit „Holz-Knecht“ und Treiber wird das ehemalige Schilfrohr nach unten gedrückt und festgeklopft.

Reet-Bunde werden auf das Dach „genäht“

Die Handwerker bewegen sich auf zwischen den Bunden eingesteckten kurzen Leitern und arbeiten mit Reetschneider, Strohschneider und ganz oben mit dem Dachmesser. Nach dem Auflegen werden die 1,70 Meter langen Bunde mit Draht verknüpft. Dazu wird der Draht eingefädelt, durchgesteckt und von einer Rundnadel übernommen. „Mit der krummen und der geraden Nadel wird das Reet mit Draht quasi auf die Dachlatten ‚genäht‘. Der Knecht aus Holz dient dazu, das Naturmaterial nach unten zu drücken. Mit dem ‚Treiber‘ wird das Reet letztendlich festgeklopft“, erklärt Marc Johannesmann, dem die Arbeit auf dem Reetdach sichtlich Spaß macht. Oben und unten am Dachabschluss werden dann engmaschige Gitter angebracht, damit keine Tiere eindringen oder dort nisten können.

Bild von Dachdecker am Reetdach

Mit krummer und gerader Nadel wird das Reet befestigt.

Ein besonderes Projekt: Reetdach und mit Anbindung zum Neubau

Renè Goldberg meint, dass auf dieser Baustelle vieles anders ist als sonst bei Reetdächern: „Für gewöhnlich bis du allein auf weiter Flur mit dem Reetdach beschäftigt. Durch die direkte Anbindung des alten Gebäudes zum Neubau und durch die neue Innenkonstruktion des historischen Objektes, gilt es hier, sich mit vielen anderen Gewerken zu arrangieren. Das verlangt oft Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick.“

Reetdach: Die geprüfte Materialqualität ist wichtig

Wichtig für eine lange Lebensdauer des Reetdaches ist die Materialqualität. „Hier zählt auch das Vertrauen zum Fachgroßhandel, um von den verschiedenartigen Reetsorten qualitativ beste Ware mit langer Lebensdauer zu erhalten“, sagt Geschäftsführer Thormählen. Ulf Schröder, zuständig für Reetprodukte bei der Dachdecker-Einkauf Nordwest eG (DENW) in Weyhe bei Bremen erklärt dazu, dass „ausschließlich geprüftes, zertifiziertes und optimal eingelagertes Reet zur Auslieferung kommt. Für uns ist die sorgfältige Auswahl unserer Produzenten von vornherein oberstes Gebot.“

Bild von Reetdach

200 Jahre altes Bauwerk erhält neues Reetdach mit geprüftem Rohmaterial und einem roten Ziegelabschluss.

Prüfung der Reetbunde erfolgt durch unabhängige Experten

Für dieses Projekt kam das Reet aus Ungarn, geprüft vom Reetdachspezialisten Professor Gunter Schlechte sowie von der Materialprüfungsanstalt in Bremen. Dabei wurden aus der Gesamtlieferung 15 Reetbunde genau unter die Lupe genommen hinsichtlich Stärke und Beschaffenheit des Materials, insbesondere nach der Trocknung. Ulf Schröder: „Für unsere Mitgliedsbetriebe ist entscheidend, dass sie den Materialanforderungen entsprechende Produkte der Güteklasse I/II, sehr empfehlenswert, von uns erhalten, um das auch im Angebot an den Kunden dokumentieren zu können.“

Bild von Dachdeckern bei der Arbeit auf dem Reetdach

Mit 3.400 Bunden Reet, ausdrücklich empfohlen von der Denkmalschutzbehörde, wurde das Dach des über 200 Jahre alten Bauwerks saniert.

Das für dieses Bauernhaus-Projekt ausgelieferte Reet ist nach der Prüfung für Kulturdenkmäler in Niedersachsen zertifiziert und damit uneingeschränkt verwendbar. „Ebenso konnten wir im Angebot bestätigen, dass die Ware ausdrücklich von der Denkmalschutzbehörde empfohlen ,wird“, erklärt Schröder. Seitens der DENW wird klar dokumentiert, dass die Aufbereitung des Dachmaterials nach Richtlinien des Produktdatenblattes „Reet“ erfolgt ist.

Reetdach-Spezialisten sind bundesweit im Einsatz

Firmenchef Jens-Uwe Thormählen resümiert: „Wenn es in Oldenburg auch viel Für und Wider zu diesem Alt-Neu-Projekt gab, so haben unsere Reetdachdecker jedoch beste Arbeit geleistet. Die hohe Qualität unserer Reetdächer ist nicht nur regional bekannt. Von den Alpen bis zu den ostfriesischen Inseln setzen anspruchsvolle Bauherren auf unsere langjährige Kompetenz und unser besonderes Know-how bei Neudach, Ausbesserung und dem Einbau nachträglicher Gauben.“

Henning Höpken

Hat „Das DACH“ mit ins Leben gerufen, 15 Jahre die Redaktion geleitet und dabei selbst zahlreiche Berichte und Fotos in das Magazin gebracht. Nach fast 40 Jahren Marketing für die ZEDACH spiegelt sich Begeisterung für das Dachhandwerk und seine Menschen, für Messeorganisation und genossenschaftlichen Fachhandel in seiner Pressearbeit wider.

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