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Vier Marken ein Chef

2020.11.10 Knut Köstergarten • Lesezeit 6’

Der neue Geschäftsführer der BMI Gruppe im Interview

Christian Birck ist seit dem 1. August 2020 neuer Geschäftsführer der BMI Gruppe. Im Interview sprechen wir exklusiv über seinen Weg zu BMI und die dortige Unternehmenskultur. Er verrät uns, welche Schwerpunkte und Zukunftsthemen er für die vier Unternehmen Braas, Icopal, Vedag und Wolfin setzen wird.

Herr Birck, warum sind Sie im Juli 2019 zur BMI Gruppe gekommen?

Ich habe viele Jahre bei Holcim gearbeitet, das dortige Betonsegment geführt und die Integration nach der Fusion mit Lafarge mitgestaltet. Und es war einfach Zeit, Neues zu machen. Ich wollte einerseits in der Baubranche bleiben, aber andererseits noch näher an den Markt und die Kunden kommen mit meiner Arbeit.

Hatten Sie zuvor schon Berührungspunkte mit der Bedachungsbranche?

Die BMI Gruppe kannte ich zuvor schon als Kunden von Holcim. Und generell haben wir bei Holcim etwa den Zement für Dachsteine geliefert. Zudem gibt es in der Bedachungsbranche die gleichen Kanäle mit dem dreistufigen Vertriebsweg Industrie, Handel und Verarbeiter.

Foto vom Interviewpartner und neuen Geschäftsführer der BMI Gruppe Christian Birck

BMI-Chef: Christian Birck hat am neuen Job die stärkere Nähe zu den Kunden gereizt.

Ein Jahr BMI Gruppe und nun die operative Verantwortung für Deutschland und die Schweiz – wie haben Sie reagiert?

Es war für mich kein großer Wechsel. 2019 bin ich in der Zentrale der BMI Gruppe eingestiegen als Leiter für die BMI-Regionen Zentral, wozu auch Deutschland gehört, und Osteuropa. Dann war ich Strategiechef der BMI Gruppe.

Der Schritt näher zu den Kunden hat mich sehr gereizt, ich bin auch gerne mal auf Baustellen. Als Verantwortlicher einer operativen Einheit fühle ich mich wohl und will die Herausforderungen angehen, die gerade im Zusammenwachsen der Kulturen unserer vier starken Marken Braas, Icopal, Vedag und Wolfin bestehen.

Wie würden Sie die Unternehmenskultur der BMI Gruppe beschreiben?

Unsere Mitarbeiter sind sehr kundenorientiert. Sie versuchen immer, das Beste für die Dachdecker und Zimmerer herauszuholen. Das teilen die Mitarbeiter aller vier einzelnen Unternehmen, die natürlich zudem den Stolz haben auf ihre eigene, einzigartige Marke. Die Identifikation mit der jeweiligen Marke ist sehr stark ausgeprägt.

Wie schätzen Sie die Stimmung unter den Mitarbeitern nach dem Abgang von Ulrich Siepe ein?

So ein Wechsel in der Geschäftsführung ist immer eine Herausforderung und bringt eine gewisse Unruhe mit sich – sowohl auf Kundenseite als auch intern. Zudem war Uli in unserem Unternehmen lange an verantwortlicher Stelle und hatte zu Kunden und Mitarbeitern einen engen Draht.

Mich kannten vorher nur wenige und dann beobachten die Mitarbeiter natürlich erst einmal. Nach dem Motto: Was ist das für einer, was macht der so. Aber da können alle ganz entspannt bleiben: Sicher gibt es Dinge, die wir verbessern können. Aber viel mehr von dem, was wir machen, ist gut und bewahrenswert.

Wo steht die BMI Gruppe aktuell im Prozess der Markenintegration?

Meine klare Meinung ist: Wir haben vier starke Marken mit eigener Geschichte und mit eigenen Fans. Das wollen wir weiter so haben. Die BMI Gruppe wird dabei das verbindende Element sein, das zu unseren  vier Marken einen Mehrwert addiert.

Foto mit den vier Flaggen der Marken Wolfin, Vedag, Icopal und Braas vor dem Firmensitz der BMI Gruppe.

Mit den vier Marken gilt es in der BMI-Gruppe ein schlagkräftiges Vertriebsteam zu etablieren.

Wie sieht es aus mit der Etablierung gemeinsamer Vertriebsteams und wie geht es da weiter?

Es ist potenziell eine Stärke, die vier Unternehmen in einem Vertriebsteam zu vermarkten. Doch es gibt auch Kunden, die im Vertrieb Ansprechpartner mit mehr Spezialisierung benötigen. Wir haben dazu jüngst viele interessante und durchaus verschiedene Rückmeldungen von Dachdeckern und Zimmerern sowie dem Bedachungshandel erhalten. Wir führen mit ihnen seit Wochen Diskussionen über die Frage: Was läuft und was nicht?

Unser heutiges Vertriebskonzept bietet für unsere Kunden großartige Vorteile, aber immer wieder auch Optimierungspotenzial. Wir geben dem eine Chance und wollen es quasi während der Fahrt anpassen und korrigieren. Aber immer in enger Abstimmung mit unseren Mitarbeitern und Kunden. Wir wollen da offen bleiben für Veränderungen – denn unser Ziel ist es, unseren Kunden die optimale Betreuung zu bieten.

Foto von Stapler mit Ziegeln für Steildach

BMI will beim Steildach die Position als einer der Marktführer im Bereich Innovation und Service erhalten und ausbauen.

Hauptmarke Braas – wie entwickelt sich der Markt Steildach und wollen Sie weiter Anteile gewinnen?

Eine Hauptmarke haben wir nicht. Lassen Sie es mich so sagen:  Alle unsere vier Kinder sind schön. Was das Steildach angeht: Es hat einen hohen Stellenwert und ist ein großer Teil unseres Geschäfts mit dem Bedachungshandel.

Weitere Marktanteile zu gewinnen, ist aber nicht das Ziel. Vielmehr wollen wir die Position als einer der Marktführer im Bereich Innovationen und Service erhalten und ausbauen. Wenn wir darin erfolgreich sind, wird sich das auch in den Marktanteilen widerspiegeln.

Zuallererst wünschen wir uns Dachdecker, die gern mit unseren Produkten arbeiten. Dafür wollen wir effizientere Prozesse bei der Bestellung und Logistik bieten, gerade auch digital. Es geht darum, vor allem diese Basics noch besser zu entwickeln und hinzubekommen.

Es wird über Zukäufe der BMI Gruppe spekuliert, etwa im Bereich Fenster. Wie ist da Ihre Strategie?

Natürlich sind wir offen für neue Chancen. Aber aktuell gilt für die BMI Gruppe: Schuster bleib bei deinen Leisten. Zukäufe sind kurz- bis mittelfristig keine Priorität. Es wird da keine großen Sprünge geben. Und wo sie Fenster am Dach ansprechen. Das ist wieder was ganz anderes, als das, was wir heute machen.

Wie stehen Sie zum dreistufigen Vertriebsweg?

Der hat eine lange Tradition, ist in Deutschland sehr stark und ich kenne ihn beruflich schon von meinem ehemaligen Unternehmen sehr gut. Da ändert sich für die BMI Gruppe nichts, wir stehen weiter dazu. Von der Industrie über den Handel bis hin zum Dachdecker und Zimmerer als Kunden muss alles funktionieren. Wenn es gut klappt, sind unsere Kunden zufrieden und wir brauchen keine Konkurrenz zu fürchten, etwa ein Amazon Construction.

Bild vom Verlegen einer Vedag Bitumenbahn auf Flachdach

Flachdach: Vedag Bitumenbahnen in der Verarbeitung vor Ort.

Welchen Stellenwert hat die ZEDACH-Gruppe mit den fünf Genossenschaften für BMI?

Einer meiner ersten Besuche hat mich zur ZEDACH geführt. Das zeigt den hohen Stellenwert. Unsere Gespräche waren sehr konstruktiv und super interessant.

Die ZEDACH-Gruppe setzt ja stark auf Digitalisierung, etwa mit der FLEXBOX. Wie sehen Sie die Chancen für eine Kooperation?

Wir haben natürlich darüber gesprochen und ich finde den Ansatz sehr vielversprechend. Generell bin ich der Meinung: Den Prozess der Digitalisierung kann man nicht so gut alleine voranbringen. Man lernt zwar viel dabei, aber es ist nicht so erfolgreich. BMW zeigt etwa im Automobilbereich, wie man das über die gesamte Prozesskette der Zusammenarbeit aufziehen kann.

Wir haben verschiedene Partner im Ökosystem Bedachungsbranche. Da braucht es einen Ort, wo ich als Dachdecker oder Zimmerer bestellen kann, wo ich alle Produkte und Infos finde. Ich sehe das als Chance und Herausforderung in der Kette von der Industrie über den Handel zum Verarbeiter.

Wir sind also offen für eine gemeinsame Plattform. Aber als gesamte Branche stehen wir beim Thema Digitalisierung noch relativ am Anfang, es ist und bleibt eine spannende Zeit.

Bild von Flachdach mit dem Verlegen von Wolfin Bitumenbahnen

Nachhaltigkeit: Leichtere Materialien könnten eine Innovation sein für die BMI-Gruppe – zum Beispiel bei Kunststoffbahnen für das Flachdach von Wolfin.

Gibt es neben der Digitalisierung für Sie weitere Zukunftsthemen?

Was mich da noch fasziniert, ist das Thema Nachhaltigkeit. Da bieten sich viele Chancen und Möglichkeiten, etwa bei Solar, Gründach oder dem umweltfreundlichen Bauen inklusive Recycling. Als Industrie haben wir hier eine Bringschuld, etwa bei Innovationen. Das können auch leichtere Ziegel oder leichtere Bitumenbahnen sein.

Zum Abschluss: Was macht Christian Birck, wenn er nicht arbeitet?

Meine Leidenschaft ist die Familie. Ich bin verheiratet und habe eine Teenager-Tochter. Und wenn Zeit bleibt, mache ich gerne Sport. Aktuell reicht es zum Joggen mit unserem Hund als Ausgleich. Ich fahre schon lange Ski, alpin und Langlauf. Früher bin ich auch viel Rennrad gefahren und mit einem Tourenrad über einige Alpenpässe.

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