Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Dachfenster auf einem Dach mit dunkelgrauen Solarpaneelen, die nebeneinander angeordnet sind.

Umkämpfter Dachziegel-Markt: Fusion Wienerberger und Creaton

Knut Köstergarten

23. Februar 2023

Dachziegel waren 2022 ein heiß begehrtes Produkt. Im Zuge erhöhter Nachfrage in Sachen energetischer Sanierung sowie den rasant steigenden Gaspreisen verschärfte sich die Materialverfügbarkeit auf den Baustellen der Dachdecker und Zimmerer. Zudem erhöhten alle Hersteller die Preise für ihre energieintensiven Produkte. Nelskamp stellte sogar im Herbst 2022 vorübergehend die Herstellung der Dachziegel komplett ein.

Dachziegel wieder kurzfristiger verfügbar

Mitten hinein in diese ohnehin sehr schwierige Situation platzte die Nachricht, dass Wienerberger den Konkurrenten Creaton übernimmt, sich damit die Konzentration auf wenige Player in diesem umkämpfen Markt weiter verschärft. Immerhin: Die Liefersituation hat sich in den ersten Wochen diesen Jahres spürbar entspannt. „Die Dachziegel-Produkte sind zum Teil wieder etwas kurzfristiger verfügbar“, so Björn Augustin, Vorstand Warenwirtschaft der Zedach eG und der Dachdecker-Einkauf Süd eG. Auch die Gaspreise würden langsam wieder sinken, lägen aber noch immer auf sehr hohem Niveau. „Es ist aber noch nicht alles gut. Ein Problem seien etwa weiterhin fehlende Logistik-Ressourcen, damit Dachziegel schnell ausgeliefert werden können“, erklärt Augustin.

Bild von Björn Augustin von der ZEDACH eG
Björn Augustin, Vorstand Warenwirtschaft der ZEDACH eG und der DEG Süd. (Foto: DEG Süd)

Bundeskartellamt genehmigt Fusion

In dieser schwierigen Situation hat das Bundeskartellamt das Vorhaben der Wienerberger AG freigegeben, sämtliche Anteile an der französischen Terreal Holding S.A.S, zu der auch Creaton gehört, zu erwerben. „Durch das Zusammenschlussvorhaben werden künftig die bekannten Dachziegel-Marken Creaton und Koramic von ein und demselben Unternehmen angeboten. Wienerberger wird zum größten Anbieter für Tondachziegel in Deutschland“, erklärte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes in einer Pressemeldung vom 13. Januar 2023. „Wir haben den Fall daher intensiv ermittelt. Letztlich zeigte sich, dass auch nach dem Zusammenschluss ein hinreichender Wettbewerbsdruck durch andere Unternehmen bestehen bleibt und die VerbraucherInnen weiterhin ausreichend Ausweichalternativen haben.“

Bild von Jürgen Habenbacher
Jürgen Habenbacher, Geschäftsführer von Wienerberger Deutschland. (Foto: Wienerberger)

Ein Drittel Marktanteil bei Dachziegeln

Auf dem bundesweiten Markt für Dachziegel und Dachbausteine bleibe laut Bundeskartellamt auch nach dem Zusammenschluss das Großunternehmen BMI mit der Marke Braas führend. Durch den Erwerb von Terreal/Creaton werde die Wienerberger AG, die bisher nur moderate Marktanteile vorweisen konnte, zum zweitgrößten Anbieter vor den nachfolgenden Mittelständlern Nelskamp, Erlus und Jacobi/Walther. „Die Ermittlungen ergaben ferner, dass die Zusammenschlussparteien im Segment für Tondachziegel zwar zum stärksten Anbieter werden, der gemeinsame Anteil jedoch noch unter einem Drittel liegt“, erläuterte Andreas Mundt.

Bild von Einfamilienhaus
Ein Steildach made by Wienerberger. (Foto: Andreas Hafenscher, Wienerberger)

Wachstumspotenzial für energetische Sanierung nutzen

Befragt nach den erhofften Vorteilen und Synergien, erklärte die Wienerberger AG: „Wir verfolgen mit der geplanten Übernahme das Ziel, die deutschland- und europaweite Marktdurchdringung im Bereich Dachziegel weiter zu stärken und mit Dachsteinen und Photovoltaik zu erweitern. Die Sanierung des Gebäudebestandes ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität. Wir sehen in diesem Geschäftsfeld ein enormes Wachstumspotenzial.“ 

Dank dem gemeinsamen Fokus auf Nachhaltigkeit und innovative Lösungen im Neubau und in der Renovierung seien laut Wienerberger AG beide Unternehmen Experten im Bereich des nachhaltigen Bauens. Ein weiterer Vorteil: „Ein Mehr an Produktions- und Vertriebsstandorten stärkt die Service- und Lieferfähigkeit in der regionalen Präsenz. Wir werden folglich noch näher an unsere Kunden heranrücken und die Marktdurchdringung in den Kerngebieten weiter erhöhen.“

Bild von Wienerberger-Mitarbeiter auf dem Dach
Wienerberger-Mitarbeiter auf dem Steildach. (Foto: Uwe Strasser, Wienerberger)

Alle Produktionsstandorte bleiben erhalten

Zur spannenden Frage, ob beide Marken künftig unter einem Dach vertrieben werden oder ob Creaton eigenständig bleibt, wollte sich die Wienerberger AG aus rechtlichen Gründen noch nicht äußern. „Bis zum kompletten Abschluss der wettbewerbsbehördlichen Genehmigungen im Ausland führen die Unternehmen unabhängig und selbstständig ihre jeweiligen Geschäfte fort.“ Auch zu möglichen Synergien bei den Produktionsstandorten wollte die Wienerberger AG aus gleichem Grund keine Aussagen machen. Sicher sei aber, dass alle bestehenden 25 Produktionsstandorte erhalten bleiben, an denen insgesamt 2 200 Beschäftigte arbeiten. Creaton bringt davon acht Standorte mit rund 800 Beschäftigten in Bayern, Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen ein.

Creaton zeigt sich erfreut über neuen Aktionär

Sebastian Dresse, Geschäftsführer Creaton GmbH, erklärte zur Fusion: „In den letzten Jahren konnten wir auf Basis unserer etablierten Marke Creaton, der deutschlandweiten Kundennähe und effizienter Produktionen unsere Position im Steildach insbesondere durch innovative digitale Hilfsmittel sowie den Aufbau der Photovoltaik-Sparte spürbar verstärken. Insofern freuen wir uns, mit Wienerberger einen finalen Aktionär gefunden zu haben, mit dem wir unsere Entwicklung gemeinsam mit neuen KollegInnen durch weitere Werke und durch das hohe Wissen um Nachhaltigkeitsthemen weiter vorantreiben können.“

Bild von Dr. Sebastian Dresse, Geschäftsführer von Creaton
Creaton-Chef Sebastian Dresse freut sich über den neuen Aktionär Wienerberger. (Foto und Titelbild: Creaton)

Bundeskartellamt sieht keine Gefahr für Preisabsprachen

Im Rahmen der Prüfung hatte sich das Bundeskartellamt auch damit befasst, ob aufgrund der begrenzten Zahl an Marktteilnehmern Möglichkeiten oder Anreize entstehen, als Oligopolisten den Wettbewerbsdruck untereinander einzuschränken. Hiergegen sprächen jedoch verschiedene Marktstrukturmerkmale wie die große Modellvielfalt bei den Produkten, eine nur begrenzte Preistransparenz und der nachfragestarke Baustoffhandel sowie das Wettbewerbsverhalten in den vergangenen Jahren. Andreas Mundt sagt dazu: „So wurden etwa im Jahr 2022 die enormen Kostensteigerungen durch die Energiekrise sehr unterschiedlich von den Anbietern an die Kunden weitergereicht. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass durch den Zusammenschluss der bestehende wesentliche Wettbewerb entfallen wird.“

Sie interessieren sich für unsere Rubrik Marktumfeld? Dann lesen Sie unsere Story über die Konjunkturaussichten 2023 für Dachdecker und Zimmerer.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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