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EPS-Dämmstoffe und Holz: Preisexplosion für Dachdecker

2021.03.18 Knut Köstergarten • Lesezeit 3’

Der Weltmarkt hat die Dachdecker und Zimmerer eingeholt: Aktuell explodieren die Preise für EPS-Dämmstoffe und Holz. Wir erläutern, wie der Handel hilft, wie Betriebe sich schützen können und was die Ursachen sind.

Was sich aktuell am Markt für EPS-Dämmstoffe und Holz abspielt, hat es in dieser extremen Form so noch nicht gegeben. Es geht hier nicht darum, dass die Industrie zum Jahresbeginn mal wieder die Preise erhöht. Vielmehr gibt es in beiden Bereichen eine massive Verknappung von Rohstoffen, die zu Preissteigerungen bei Endprodukten von bis zu 50 Prozent geführt haben.

Bild von Rohstoff Polystyrol für EPS-Dämmstoffe

Ein Grundstoff für die EPS-Dämmung ist der Styrolschaumstoff Neopor. (Foto BASF)

„Die Ursachen für diese Verknappung bei EPS-Dämmstoffen und Holz sind vielfältig und weder von uns als Bedachungshändler noch von unseren Industriepartnern zu beeinflussen. Derzeit kann kein Experte seriös einschätzen, wie lange dieser Zustand anhalten wird und ob die Preise nicht noch weiter klettern werden. Wir sollten alle davon ausgehen, dass es sich diesmal um mehr als einen kurzfristigen Engpass handelt“, erläutert ZEDACH-Vorstand Warenwirtschaft Björn Augustin. Es zeigt sich, dass auch das regionale Geschäft der Dachdecker und Zimmerer abhängiger wird vom Geschehen auf dem Weltmarkt.

Bild von Björn Augustin

Björn Augustin ist geschäftsführender Vorstand der Dachdecker Einkauf-Süd eG und Vorstand Warenwirtschaft der ZEDACH.

EPS-Dämmstoffe: so frühzeitig wie möglich bestellen

„Wir können unsere Mitglieder und Kunden deshalb in ihrem eigenen Interesse nur dazu auffordern, Produkte im Bereich Holz und EPS-Dämmstoffe sofort nach Auftragseingang zu bestellen. Im Zweifel ist es besser, eine Bestellung wieder abzusagen, als keine Ware zu bekommen“, erklärt Augustin. „Wir als Einkaufsgenossenschaften tun alles für eine zeitnahe Verfügbarkeit von EPS-Dämmstoffen und Holz zu vernünftigen Preisen. Betriebe sollten nicht zögern, bei Fragen unsere Mitarbeiter in den Niederlassungen direkt anzusprechen.“

Vorsorge durch Verwendung von Preisgleitklauseln

Bei kurzfristiger Materialpreiserhöhung hat der Dachdecker im Nachhinein nur äußerst geringe Spielräume, die gestiegenen Preise an seine Kunden weiterzugeben. Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) empfiehlt den Betrieben als Vorsorge eine Verwendung von sogenannten Preisgleitklauseln für die Absicherung gegen massive Preiserhöhungen beim Material. Diese Klausel sollte immer individuell im Vertrags- oder Angebotstext vereinbart werden und nicht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Weitere Infos zum Thema gibt es im neuen ZVDH-Podcast.

Bild von DEG Mitarbeiter beim Holzschnitt

Holzverarbeitung bei der DEG Dach-Fassade-Holz eG, Niederlassung Fuldabrück.

Formulierungsbeispiel des ZVDH:

„Sollte sich der Einkaufspreis/Marktpreis für benötigte Materialien des obigen Angebots zum  Zeitpunkt des Einbaus gegenüber dem Zeitpunkt der Angebotserstellung um mehr als fünf Prozent nachweislich erhöht haben, ändert sich der Einheitspreis entsprechend der Gewichtung des Materialanteils in dieser Position.“

Diese Klausel lässt sich laut ZVDH auch kombinieren mit der Preissituation nach Ablauf einer Angebotsbindung:

„Die Preise des obigen Angebots sind Festpreise bei einer Bauausführung/Fertigstellung bis zum…”

Danach gilt:

„Sollte sich der Einkaufspreis/Marktpreis für benötigte Materialien des obigen Angebots zum  Zeitpunkt des Einbaus gegenüber dem Zeitpunkt der Angebotserstellung um mehr als fünf Prozent nachweislich erhöht haben, ändert sich  der Einheitspreis entsprechend der Gewichtung des Materialanteils in dieser Position.“

Bild von Holzlager der DEG Dach-Fassade-Holz

Dank hoher Lagerkapazitäten in den Niederlassungen sind die fünf Einkaufsgenossenschaften der Dachdecker in Lage, die Versorgungssicherheit mit Holz zu gewährleisten.

Wichtig bleibt natürlich trotzdem, bei den Kunden um Verständnis zu werben. Dafür ist es sicher hilfreich, die Ursachen für Lieferengpässe und Preisexplosionen, wie jetzt bei EPS-Dämmstoffen und Holz, erklären zu können.

Produktion des Rohstoffs Styrol ist eingebrochen

In Sachen EPS-Dämmstoffe hängt alles am wichtigen Rohstoff Styrol für die Herstellung von Polystyrol. Hier herrscht es eine weltweite Verknappung, für die es mehrere Ursachen gibt. Zum einen trat in einem niederländischen Werk, das 680.000 Tonnen Styrol jährlich produziert, ein technischer Fehler auf, der nicht kurzfristig behoben werden konnte. Hinzu kommen Stromausfälle in den USA wegen extremer Kälte an der Golfküste, was zum starken Rückgang der dortigen Produktion führte.

Bild von EPS-Dämmstoff

Objekt der Begierde: EPS-Dämmstoffe steigen wegen Rohstoffknappheit aktuell stark im Preis.

Zudem gibt es nicht genug Container, um den Rohstoff verstärkt per Schiff aus China importieren zu können, was laut der Ursa Deutschland GmbH zu einer Verdreifachung der Frachtkosten führt. Gleichzeitig wächst in Deutschland aber die Nachfrage für EPS-Dämmstoffe. Das Resultat: Die Einkaufspreise für Polystyrol sind so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Im März dieses Jahres lagen sie 70 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Amerikaner zahlen bessere Preise für Holz

Bild von ZEDACH Logo auf Holzscheibe

Das ZEDACH-Logo prangt auf diesem Holzblock in der DEG-Niederlassung Wuppertal. Bei der ZEDACH-Gruppe handelt es sich um den Zusammenschluss der fünf Einkaufsgenossenschaften der Dachdecker.

„Beim Holz sieht es fast noch schlechter aus“, sagt Björn Augustin. „Das beginnt mit der banalsten Dachlatte, geht über Konstruktionsholz bis zu Holzdämmstoffen.“ Der Engpass entsteht einerseits durch die stark gestiegene Nachfrage im Bereich Holzbau, andererseits durch die Lage auf dem Weltmarkt.

Denn der extreme Wintereinbruch in den USA sorgte dafür, dass sich die Fördermengen dort drastisch reduzierten. „Die Folge ist, dass die Amerikaner vermehrt Holz aus Deutschland importieren. Das gelingt ihnen, weil sie bereit sind, deutlich höhere Preise als die bei uns bisher üblichen zu bezahlen“, berichtet Augustin.

Sie interessieren sich für das Thema aus dem Marktumfeld? Dann lesen Sie unsere Story über die Konjunkturaussichten 2021 für Dachdecker und Zimmerer.

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