Dachdecker Tarifvertrag 2024: Knapp zehn Prozent Gehaltsplus
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Dachdecker Tarifvertrag 2024: Knapp zehn Prozent Gehaltsplus

14. November 2024

 · Knut Koestergarten

Nachdem sie sich in den ersten beiden Verhandlungsrunden noch ergebnislos vertagt hatten, konnten sich die Industriegewerkschaft (IG) Bau und der Zentralverband des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) auf ihrem jüngsten Treffen am 11. November 2024 auf einen neuen Dachdecker Tarifvertrag 2024 einigen. Der beschert den rund 100 000 Dachdeckern innerhalb der nächsten drei Jahre 9,9 Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Bild von mehreren Stapeln Geldmünzen zum Dachdecker-Tarifvertrag 2024
Vorläufiges Tarifergebnis: 9,9 Prozent mehr Lohn erhalten die rund 100 000 Dachdecker.

Zuständige Gremien müssen noch zustimmen

Das vorläufige Ergebnis wurde von der IG Bau veröffentlicht und vom ZVDH auf Nachfrage bestätigt. Allerdings müssen noch die jeweils zuständigen Gremien der Tarifvertragsparteien dem Ergebnis bis spätestens 26. November 2024 endgültig zustimmen. Das ist allerdings kein Selbstläufer. Denn beim letzten Dachdecker Tarifvertrag 2022 hatte das ZVDH-Gremium das vorläufige Ergebnis gekippt und es musste noch einmal nachverhandelt werden. Sicherlich hat zur aktuellen Einigung beigetragen, dass sich beide Seiten auf eine längere, dreijährige Laufzeit einigen konnten. Im Gegenzug zum hohen Gehaltsplus für die Mitarbeitenden erhalten die Betriebe so eine Planungssicherheit bis einschließlich 2027.

Bild von ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk
ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk ist Verhandlungsführer auf der Arbeitgeberseite. (Foto: ZVDH/Bollwerk)

9,9 Prozent mehr Gehalt bis 2027

Sollte diesmal alles glatt gehen mit dem Dachdecker Tarifvertrag 2024, werden laut BG Bau die Löhne und Gehälter zum 1. Dezember 2024 um 3,8 Prozent, zum 1. Oktober 2025 um 2,7 Prozent und ein Jahr später erneut um 3,4 Prozent angehoben. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages endet am 30. September 2027. Damit steigt der Gesellenlohn über die gesamte Laufzeit von jetzt 21,12 Euro auf 23,28 Euro pro Stunde.

Deutliche Erhöhung der Azubi-Vergütungen

Auch die Ausbildungsvergütungen wurden im Dachdecker Tarifvertrag 2024 in ähnlicher Weise stufenweise angehoben. Laut IG Bau bekommen die Lehrlinge dann ab 1. Oktober 2026 im ersten Lehrjahr 1050 Euro, im zweiten 1200 Euro und im dritten 1460 Euro. Zum Vergleich: Aktuell erhalten die Auszubildenden 860 Euro im ersten, 1040 Euro im zweiten, und 1320 Euro im dritten Lehrjahr. „Das ist eine angemessene und faire Steigerung für einen oft herausfordernden und manchmal auch gefährlichen Job. Damit können wir die Branche attraktiv und wettbewerbsfähig halten“, erklärt IG BAU-Verhandlungsführer Carsten Burckhardt, im Bundesvorstand zuständig für die Branche.

Bild von IG Bau Verhandlungsführer Carsten Burckhardt
Carsten Burckhardt: „Das Tarifergebnis hält die Dachdecker-Branche attraktiv.“ (Foto: IG Bau/Tobias Seifert)

Steigerung beim 13. Monatseinkommen

Zudem gab es im Dachdecker Tarifvertrag 2024 beim 13. Monatseinkommen ebenfalls eine Steigerung. Im Westen wurde die Sonderzahlung laut BG Bau um acht Stundenlöhne (aktuell 81) und im Osten sogar um 18 Stundenlöhne (aktuell 71), angehoben, so dass künftig bundesweit einheitlich 89 Stundenlöhne extra bezahlt werden. „Damit haben wir den letzten verbliebenen Unterschied zwischen Ost und West aus den Tarifverträgen beseitigt. 35 Jahre nach dem Fall der Mauer war das überfällig“, meint Burckhardt.

Saß für den ZVDH mit am Verhandlungstisch: Fritz-Marius Sybrecht, Hauptgeschäftsführer des Innungsverbandes des Dachdeckerhandwerks Westfalen. (Foto: LIV Westfalen)

Tarifabschluss an der Belastungsgrenze

Zu Wort gemeldet hat sich auf Arbeitgeberseite mit Westfalen der zweitgrößte Dachdecker-Landesverband. Der Kompromiss sei auch deshalb möglich geworden, weil der ZVDH wiederholt Zahlen zu der sehr zurückhaltenden Konjunkturentwicklung im gesamten Baugewerbe vorgelegt hat. „An diesen auch für das Dachdeckerhandwerk geltenden Fakten kommt niemand vorbei, der langfristig Arbeitsplätze sichern will“, so Vorsitzender Karl-Heinz Ester. Der westfälische Hauptgeschäftsführer Fritz-Marius Sybrecht, der selbst mit am Verhandlungstisch saß, fügt hinzu: „Wir sind mit diesem Ergebnis bis an die Belastungsgrenze unserer Betriebe gegangen. Trotzdem sind wir zufrieden, weil wir auch einen Inflationsausgleich für die Beschäftigen erreichen wollten.“

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