Bild von Bildungszentrum Biberach

Bildungszentrum Biberach: Für die Zukunft des Holzbaus

19. Juni 2025

 · Anja Streiter

Das baden-württembergische „Bildungszentrum Holzbau & Ausbau“ in Biberach an der Riß ist die größte deutsche Aus- und Weiterbildungsstätte für das Zimmererhandwerk und zudem „Nationales Kompetenzzentrum Energiesparender Holzbau“. Kompetenzzentren werden vom Bundesinstitut für Berufsbildung für besonders innovative Arbeit und zukunftsweisende Impulse ausgezeichnet. Sie können für sogenannte „Leitprojekte“ beim Bund Fördergelder beantragen. Aktuell schließt das Bildungszentrum Biberach das im Juni 2022 gestartete Leitprojekt „Zukunft Holzbau – Qualifizierungswege für nachhaltiges Bauen“ ab.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit verzahnen

Im Zentrum des Projektes steht die Verzahnung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Es geht um das Aufzeigen von Strategien für die Nutzung neuer Technologien, Materialien und Erkenntnisse für energieeffizientes Bauen mit Holz. Im Rahmen des Projektes hat das Bildungszentrum Biberach unter anderem neue Kursinhalte für die überbetriebliche Ausbildung im zweiten und dritten Jahr und das Weiterbildungsprogramm entwickelt.

Zimmerin Sophia Ehrhart lernt in der Ausbildung anhand von 3D-Modellen am Tablet. (Foto: momentifilm)

Das neue Wissen anderen zur Verfügung stellen

Das Bildungszentrum Biberach zeigt beispielhaft, wie das Zimmererhandwerk in Ausbildung und betrieblicher Praxis neue Wege gehen kann. Die dafür entwickelten Unterrichts- und Präsentationsmaterialien, real und virtuell, werden der fachlichen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. „In einem Leitprojekt arbeiten wir für die Allgemeinheit. Wir werden gefördert, um unsere Ergebnisse zu veröffentlichen und für den Wissenstransfer zu sorgen“, erklärt Markus Weitzmann, seit 2015 Gesamtleiter des Bildungszentrums.

Imagefilm feiert die Zukunft des Holzbaus

Auch der in der Abschlussphase des Projektes produzierte Imagefilm „Wir feiern Holz“ kann von allen Verbänden und Fachinstitutionen im Zimmererhandwerk als Werbemittel frei genutzt werden. Schnelle Filmschnitte und Szenenwechsel vermitteln ein Gefühl für die Dynamik des Wandels. Virtual Reality-Brillen, digitale Aufrisse und CNC-Abbundanlagen, eingesetzt in Planung sowie Umsetzung von großen Holzbauprojekten, zeigen Digitalisierung als Chance. Junge Zimmerer, Frauen und Männer, stehen in Kluft an Werkbänken, einen Schnitt später am Display einer CNC-Fräse. Mitreißend präsentiert dieser Imagefilm die Verbindung von Tradition und neuester Technik, von Effizienz und Wertigkeit. Mit seinem nachwachsenden Werkstoff steht der Holzbau hier im Zentrum einer ökologischen Neuausrichtung der Baubranche.

Bild von Einsatz von VR-Brille am Bildungszentrum Biberach
Virtual Reality im Zimmererhandwerk. (Foto: momentifilm/Titelbild: Daniel Vieser.Architekturfotografie)

Zimmererhandwerk ist weiblicher denn je

Zukunftsorientierung, das bedeutet für die Holzbaubranche auch: Mehr Frauen unter den Zimmerern, die Nutzung des brachliegenden weiblichen Potentials. Im Imagefilm haben die Biberacher konsequenterweise eine Auszubildende, Sophia Ehrhart, zur Hauptdarstellerin gemacht, denn: Da tut sich was bei den Betrieben. Wir haben eine steigende Frauenquote. Das tut uns gut und bringt uns weiter“, findet Markus Weitzmann.

Bild von weiblicher Auszubildenden am Bildungszentrum Biberach
Die Frauenquote im Zimmererhandwerk steigt stetig. (Foto: momentifilm)

Von der Idee zur Umsetzung

Der Imagefilm läutet die Schlussphase des in diesem Jahr auslaufenden Projektes ein. Über drei Jahre haben Projektleiter Jochen Ströhle sowie die Projektmitarbeiter Jonas Rosenow und Luca Flock zusammen mit Ausbildungsmeistern sowie dem Gesamtleiter Markus Weitzmann Schritt für Schritt die im Förderantrag formulierten Ideen umgesetzt. Die Ergebnisse wurden sorgfältig für die künftige Nutzung durch Auszubildende, andere Bildungszentren sowie Innungen und Betriebe aufbereitet.

Bild von Projektleiter Jochen Streöhle am Bildungszentrum Biberach
Projektleiter Jochen Ströhle als Referent in der Weiterbildung. (Foto: momentifilm)

Online-Akademie – digital ist sexy

So ist die Online-Akademie am Bildungszentrum Biberach, die zwischen 2018 und 2022 im Verbundprojekt „Digitales bauberufliches Lernen und Arbeiten“ zusammen mit anderen Akteuren der Baubranche entwickelt wurde, nun um viele frei verfügbare Lernsequenzen reicher. Im Zuge des aktuellen Leitprojektes entstanden auch neue Kurse zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit, unter anderem: digitales Aufmaß mit Drohne und Laserscan, Vorfertigung von Dach- und Wandelementen per CNC, mehrgeschossige Holzbauten, serielles Sanieren, Schnittstellenmanagement und Virtual Reality.

Die Nutzung digitaler Techniken macht die Branche, so Markus Weitzmann, attraktiver für junge Fachkräfte: „Denkmalgeschützte Gebäude werden heute auch selbstverständlich lasergescannt aufgenommen, nicht mehr zwangsläufig nur mit Wasserwaage und Schnur. Deswegen ist unser Handwerk heute so attraktiv. Wir sind sexy, weil wir selbstverständlich auch Software, Simulatoren, Virtual Reality Brillen, CNC und Drohnen nutzen.“

Bild von Azubis am Bildungszentrum Biberach
Traditioneller Handabbund in der Ausbildung (Foto: momentifilm)

Mission Innovation – Abteilung „Daniel Düsentrieb“

Innovative Kraft entwickelt das Bildungszentrum Biberach nicht im Alltagsbetrieb. Schon für die Weiterentwicklung der überbetrieblichen Ausbildungsstätte zum Kompetenzzentrum hatten die Biberacher eine Abteilung „Daniel Düsentrieb“ eröffnet. So nennt Markus Weitzmann die 2004 ins Leben gerufene Projektabteilung, deren schwerpunktmäßige Mission Innovation lautet. „Die Mitarbeiter dieser Abteilung dürfen rumspinnen, groß träumen von wünschenswerten Entwicklungen in Aus- und Fortbildung. Sie tüfteln, bis die Idee geboren ist. Dann wird sie mit konkreten Fördermöglichkeiten abgeglichen, eventuell geschrumpft und zum Förderantrag umgearbeitet. Erst mit der Bewilligung geht es an die Umsetzung.“

Digitale Akte für Azubis

Umgesetzt wurde im Rahmen des aktuellen Leitprojektes auch die Idee zu einer digitalen Akte für die Auszubildenden. Die integrative Plattform zur Speicherung sowie Organisation aller Dokumente der beruflichen Laufbahn, „kursm.app“, entwickelte und programmierte das Team vom Bildungszentrum Biberach als webbasierte Anwendung in Eigenregie. Kursinhalte, eigene Dokumente, Notizen und alle erworbenen Zertifikate lassen sich über die ganze berufliche Laufbahn hinweg in einem individuellen Account speichern. Die Anwendung ist verlinkt mit einem Aus- und Fortbildungskalender sowie dem digitalen Berichtsheft BLoK und ist von jedem Endgerät aus abrufbar. „Die kursm.app ist ein Alleinstellungsmerkmal unseres Bildungszentrums“, unterstreicht Markus Weitzmann.

Bild von Azubi am Bildungszentrum Biberach
Jährlich besuchen 1300 Auszubildende das Bildungszentrum Holzbau. (Foto: momentifilm)

Holzbau in großer Tiefe und Breite

Eine weitere Besonderheit und Stärke liegt in der Spezialisierung auf Holzbau. Rund 1300 Auszubildende jährlich lernen im Bildungszentrum Biberach. Weit über 100 verschiedene Seminare hat das Team für die Aus- und Fortbildung entwickelt. „Wir sind sehr lange dabei und decken den Holzbau in großer Tiefe und Breite ab. Bei uns findet man alles“, unterstreicht der stolze Zentrumsleiter.

Kooperation mit der örtlichen Hochschule

Seit 2009 kooperiert das Bildungszentrum Biberach mit der örtlichen Hochschule für ein triales Studium. Im „Biberacher Modell“ wird inzwischen die gesamte Zimmererausbildung von der Lehre bis zum Meisterbrief mit einem „Polier im Zimmererhandwerk“ und einem Bachelor of Engineering im Studiengang Projektmanagement/Bauingenieurwesen kombiniert angeboten und mittlerweile sogar bis zum Masterstudiengang ergänzt.

Bild von Werkstätten am Bildungszentrum Biberach
Lichtdurchflutete Hobelwerkstätten im Bildungszentrum Biberach. (Daniel Vieser.Architekturfotografie)

Das Projektende ist erst der Anfang

Seit sich das überbetriebliche Bildungszentrum Biberach 2004 auf den Weg zur Zertifizierung „Nationales Kompetenzzentrum Energiesparender Holzbau“ machte, haben die Biberacher Zimmerer nicht aufgehört, an der Weiterentwicklung der Angebote zu arbeiten. Auch für das jetzt zu Ende gehende Leitprojekt gilt: „Am Ende soll es sich nicht schließen. Das geförderte Projekt ist eine Starthilfe.“ Markus Weitzmann denkt immer weiter: „Das Ende ist nicht das Ende, es ist der Anfang der Verstetigung in der Ausbildungspraxis und der Weiterentwicklung. Verbessern, verbessern, verbessern. Wir sind im stetigen Wandel.“

Sie interessieren sich für die Aktivitäten der Biberacher Zimmerer? Dann lesen Sie unsere Story über die Beteiligung von Ausbilder und Zimmerermeister Andreas Beck am Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame.

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