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Ob auf dem Dach, bei komplexen Blechanschlüssen oder in der Projektierungsphase – über den Erfolg entscheiden präzise Planung, strukturierte Prozesse und fundiertes Fachwissen. Dafür setzt Spenglermeisterin Jennifer Kirschbaum-Konsek auf Agenten, die sie mit ChatGPT erstellt, um Prozesse zu optimieren, Zuschnitte zu berechnen und Wissen zugänglich zu machen.

Die 28-jährige Jennifer Kirschbaum-Konsek steht kurz vor der Übernahme des Familienbetriebs Die Dachlatte in Eching bei München und trägt bereits heute Verantwortung für eigene Baustellen. Die Spenglermeisterin arbeitet täglich an Projekten, in denen Präzision und Tempo gleichermaßen gefragt sind. Besonders bei Blechdächern sind die Anforderungen hoch: Zuschnitte müssen exakt geplant, Materialeigenschaften wie Dehnung berücksichtigt und individuelle bauliche Gegebenheiten – etwa Gauben oder Kamine – präzise integriert werden.


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Dachflächenberechnungen unter Zeitdruck – und wie KI entlastet
Schon kleinste Abweichungen können spürbare Mehrkosten oder Verzögerungen verursachen. Hinzu kommt, dass ein Großteil dieser Berechnungen direkt auf der Baustelle entsteht – unter Zeitdruck und oft mit eingeschränktem Zugriff auf Normen oder Dokumentationen. Fachwissen ist zwar vorhanden, jedoch häufig in Regelwerken, Unterlagen oder in der Erfahrung einzelner Mitarbeitender gebunden und damit im entscheidenden Moment schwer abrufbar.
„Der KI-Agent ist wie ein neuer Lehrling. Du erklärst, wie es geht, gibst ihm Beispiele, und mit jeder Erfahrung wird er besser und präziser.“ Johannes Foertsch, OpenAI
Um diesem strukturellen Problem zu begegnen, hat Kirschbaum-Konsek in ihrem Dachdeckerbetrieb einen eigenen Spengler-Agenten mit dem Coding-Agenten Codex auf Basis von ChatGPT etabliert – entwickelt auf Basis realer Arbeitsabläufe und mit Unterstützung von Beratern des Unternehmens OpenAI. Letzteres stellt dabei Werkzeuge, Dokumentation, Plattformfunktionen und Lernangebote bereit, mit denen Dachdecker und Zimmerer eigene Lösungen erstellen können.
„KI-Agent ist wie ein neuer Lehrling“
Den Ausgangspunkt für den KI-Einsatz bilden typische Praxisfälle aus dem Betriebsalltag: komplexe Berechnungen, Sonderlösungen und wiederkehrende Herausforderungen auf der Baustelle. Diese hat Kirschbaum-Konsek systematisch in den Agenten überführt und kontinuierlich erweitert. Dabei zeigt sich ein entscheidender Vorteil: Der KI-Agent ist kein statisches IT-Projekt, sondern entwickelt sich mit jedem Auftrag weiter. Johannes Foertsch, Leiter Mittelstand bei OpenAI, beschreibt dieses Prinzip so: „Der KI-Agent ist wie ein neuer Lehrling. Du erklärst, wie es geht, gibst ihm Beispiele, und mit jeder Erfahrung wird er besser und präziser.“ Der KI-Agent passt sich an, lernt hinzu und bildet zunehmend die Arbeitsweise des Betriebs ab.
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Bereits heute übernimmt der KI-Agent im Familienunternehmen Die Dachlatte von Vater Michael Konsek die Berechnung von Blechzuschnitten, selbst bei anspruchsvollen Dachformen. Auf Basis weniger Parameter wie Länge, Breite und Aufkantungen ermittelt er die erforderlichen Blechbahnen und berücksichtigt automatisch relevante Fachregeln – von Materialdehnungen bis zu Abzugsmaßen. Berechnungen, die zuvor Zeit, Erfahrung und höchste Konzentration erforderten, stehen nun innerhalb von Sekunden zur Verfügung. Gleichzeitig sinkt die Fehleranfälligkeit, da der Agent typische Rechenfehler erkennt und korrigiert.
KI-Agent fungiert im Betrieb als Wissensbasis für alle
Für Kirschbaum-Konsek bedeutet das nicht nur eine erhebliche Entlastung im Arbeitsalltag, sondern auch einen strategischen Vorteil für den Betrieb. „Wir können unser Wissen endlich so dokumentieren, dass es auch für neue Kollegen direkt nutzbar ist“, sagt sie. Der KI-Agent fungiert damit als zentrale, lebendige Wissensbasis. Gerade in den entscheidenden Momenten auf der Baustelle wird er zum wertvollen Assistenten – dann, wenn keine Zeit für langes Nachschlagen oder aufwendige Berechnungen bleibt.
„Wir können unser Wissen endlich so dokumentieren, dass es auch für neue Kollegen direkt nutzbar ist.“ Jennifer Kirschbaum-Konsek
So gewinnt die junge Unternehmerin nicht nur Effizienz, sondern auch Freiräume: für kreative Lösungen im Dachhandwerk, für ihre Familie – und für ihre Community. Als „Jenni vom Dach“ inspiriert sie in den sozialen Medien eine neue Generation von Fachkräften und zeigt, wie Digitalisierung und traditionelles Handwerk erfolgreich zusammenwirken können.



Zeit sparen und Fehler minimieren
Das Beispiel des Betriebs Die Dachlatte zeigt, dass die eigentliche Herausforderung selten die handwerkliche Tätigkeit selbst ist. Es sind die Prozesse davor und danach – Berechnungen, Abstimmung, Dokumentation –, die Zeit kosten und die Fehleranfälligkeit erhöhen. KI-Agenten greifen genau in diesen Bereichen ein. Sie strukturieren Abläufe, machen Wissen verfügbar und reduzieren manuelle Arbeitsschritte sowie Verwaltungsaufgaben, ohne die eigentliche handwerkliche Leistung zu verändern. Die Individualität der Betriebe in der fachlichen Ausführung der Spenglerarbeiten auf dem Dach bleibt vollumfänglich erhalten.
Was ist ein KI-Agent?
Ein KI-Agent ist, vereinfacht gesagt, ein KI-System, das nicht nur eine einzelne Frage beantwortet, sondern einen Arbeitsablauf unterstützt – etwa Kundenanfragen vorsortiert, aus Notizen eine Baustellendokumentation vorbereitet oder Aufgabenlisten aus einem Projektbriefing erstellt. Wichtig ist: klein anfangen, einen klaren Prozess auswählen, gute Beispiele liefern und menschliche Kontrolle einbauen.
Praktische Anwendungsfälle im Betriebsalltag finden
Für Dachdecker, die mit KI-Lösungen starten wollen, ist die OpenAI Business-Website ein guter erster Anlaufpunkt. Dort finden Betriebe Informationen zu konkreten Einsatzmöglichkeiten und können Kontakt aufnehmen. „Für Dachdecker- und Zimmereibetriebe geht es meist darum, zunächst praktische Anwendungsfälle im Alltag zu finden: Kundenkommunikation, Angebotsvorbereitung, Baustellendokumentation, Social-Media-Texte oder interne Organisation“, erläutert Johannes Foertsch. „Beispiele aus dem Dachhandwerk, wie etwa die Zusammenarbeit mit Jennifer Kirschbaum-Konsek, zeigen: Der größte Hebel liegt oft in einfachen, wiederkehrenden Büro- und Kommunikations- und Kalkulationsaufgaben.“