Bild von Mitarbeitern von Dachbau Reinartz auf der Baustelle

Dachbau Reinartz: Wenn es passt mit der Nachfolge

17. Juni 2025

 · Rainer Sander

Wenn im Handwerk ein Generationenwechsel ansteht, sind Konflikte mitunter vorprogrammiert: Der alte Meister kann nicht loslassen, der Nachwuchs will was Neues, hat andere Instrumente oder Vorstellungen. Bei Dachbau Reinartz in Mainz ist das anders gelaufen – viel ruhiger, viel klüger und viel zukunftstauglicher.

Ein einvernehmlicher Übergang

„Wir haben nie diesen einen Übergabetermin mit Schlüsselübergabe, Blumenstrauß und großem Bahnhof geplant“, sagt Simon Reinartz, 32 Jahre alt, Dachdeckermeister und Spenglermeister. Gemeinsam mit seiner 35-jährigen Schwester Julia, studierte Betriebswirtin, lenkt er heute schon in großen Teilen die Geschicke des 1998 gegründeten Familienunternehmens – offiziell übernehmen die Geschwister die Geschäftsführung Ende dieses Jahres. De facto läuft der einvernehmliche Übergang seit Jahren. Die Nachfolge bei Dachbau Reinartz, Mitgliedsbetrieb der DEG Alles für das Dach eG, ist ein Prozess, nicht nur ein Moment.

Bild von Familienmitgliedern und Hund von Dachbau Reinartz auf der Baustelle
Zwei Generationen, ein fließender Übergang: Die Geschwister Simon und Julia sowie die Eltern Jutta und Hermann Reinartz, mit dabei ist der Familienhund. (Alle Fotos: Dachbau Reinartz)

Ein Betrieb wächst mit seinen Menschen

Der Betrieb wurde von Vater Hermann Reinartz gegründet, der zuvor in leitender Position bei einem anderen Dachdeckerbetrieb tätig gewesen war. Die Selbstständigkeit startete er zunächst neben dem Job als Angestellter. Dann kündigte er und setzte voll auf das eigene Unternehmen. Bereits im ersten Jahr standen 20 Mitarbeiter auf der Lohnliste – ein sehr ordentlicher Start. Von Beginn an dabei war Ehefrau Jutta, die das Büro führte.

Noch heute beschäftigt Dachbau Reinartz rund 20 Mitarbeitende. „Unser Fokus liegt auf der Region – wir arbeiten im Umkreis von etwa 30 Kilometern“, berichtet Simon Reinartz. Die bewusste Entscheidung gegen Prestigebaustellen oder überregionale Großprojekte hat mit Erfahrung zu tun: „So Sachen sehen super aus auf dem Foto, bringen aber selten Geld. Wir setzen auf zufriedene Kunden vor Ort – das spricht sich rum.“

Bild von Mitarbeitern von Dachbau Reinartz auf der Baustelle
Baubesprechung mit einem Partnerbetrieb, im Hintergrund ist der Firmenkran zu sehen.

Kaum Fluktuation bei den Mitarbeitern

Das wichtigste Kapital sind die Menschen im Betrieb. „Wir haben kaum Fluktuation. Viele sind seit Jahren, manche seit Jahrzehnten dabei. Das ist unser Rückgrat“, so Simon Reinartz. Damit das so bleibt, wird einiges getan: drei Autokräne, Bauwagen, freie Getränke, kostenlose Arbeitskleidung, neue Werkzeuge ohne Diskussion – und vor allem: ein respektvoller Umgang. „Wer was braucht, bekommt es. Wir wollen, dass sich alle wohlfühlen.“

Von der strategischen Ausrichtung her hat sich der Betrieb nach der Bankenkrise 2008 neu aufgestellt: weg von großen Industriekunden, hin zur energetischen Sanierung für mittlere und kleinere Objekte. Ein- und Mehrfamilienhäuser bilden heute das Tagesgeschäft. Hinzu kommt eine immer stärkere Ausrichtung auf Komplettlösungen: Von der Erstberatung über mögliche Fördermittel bis zur Umsetzung. „Wir holen bei Bedarf Architekten, Statiker oder Schreiner mit ins Boot, machen die PV-Planung selbst und haben starke Partner für die Ausführung“, erklärt Simon Reinartz. Ein hauseigener Energieberater unterstützt bei Förderungen – auch das ist ein Pluspunkt bei den Kunden.

Bild von den Geschwistern Reinartz bei der Planung
Simon und Julia Reinartz beim Planen und Kalkulieren.

Kerngeschäft energetische Sanierung

Das Portfolio von Dachbau Reinartz umfasst unter anderem: energetische Dachsanierung von Steil- und Flachdächern, Einbau von Dachfenstern und Gauben, Photovoltaik, Gründach, Spenglerarbeiten, Fassadenverkleidung, Erweiterung von Wohnraum, Balkon- und Terrassensanierung sowie die Koordination mit Gewerken wie Elektro, Heizung oder Innenausbau – alles mit Fokus auf durchdachte, praxisnahe Gesamtlösungen für den Kunden.

Im Tagesgeschäft kommen auch moderne Hilfsmittel wie Drohnentechnik zum Einsatz. Dabei wird Dachbau Reinartz Schritt für Schritt digitalisiert – nicht weil das hip ist, sondern weil es den Alltag erleichtert. Die Geschwister stellen die Büroabläufe zunehmend auf papierlose Kommunikation um. Zudem laufen Arbeitsaufträge, Berichte und Fotos digital zwischen Baustelle und Büro hin und her, „Wir sind nicht von heute auf morgen digitalisiert – das ist ein Prozess. Aber einer, der sich lohnt“, erläutert Simon Reinartz.

Bild von Reinartz-Geschwistern bei der Erweiterung der Dachziegelausstellung
Die Ausstellung auf dem Firmengelände wird regelmäßig aktualisiert.

Zwei Geschwister haben einen Plan

Was Dachbau Reinartz besonders macht, ist die Führungsspitze: ein Geschwisterpaar, das sich ergänzt und nicht konkurriert. Julia Reinartz ist für den kaufmännischen Bereich zuständig, während Simon Reinartz die technische Verantwortung trägt und sich um die Baustellen kümmert. „Jeder hat seinen Bereich, aber wir ziehen an einem Strang“, so Simon Reinartz. Beide haben sich aus freien Stücken dazu entschieden, in den Familienbetrieb einzusteigen. „Unsere Eltern haben uns nichts aufgedrängt, aber uns Unternehmertum positiv vorgelebt“, berichtet Simon Reinartz.

Beide Geschwister haben inzwischen selbst Nachwuchs. Ob die dritte Generation auch einmal auf dem Dach stehen wird? Da bleibt natürlich offen, aber die Basis ist gelegt. Und der Blick nach vorne bleibt klar: „Ich hatte nur einen Arbeitgeber in meinem Leben: unsere Firma. Mein Ziel ist, dass das auch so bleibt“, sagt Simon Reinartz – ein Satz, der mehr über diesen Betrieb sagt als jede Hochglanzbroschüre!

Sie interessieren sich für das Thema Nachfolge? Dann lesen Sie unsere Story über Karl-Heinz Krawczyk und seine Nachfolgeplattform meistersuche24.

Artikel jetzt teilen!

Weitere Artikel

Newsletter-Anmeldung

DACH-Ticker

Zimmerer Linus Großhardt gewinnt EuroSkills

Linus Großhardt (21) aus Baden-Württemberg holt Gold im Wettbewerb der Zimmerer bei den EuroSkills vom 9. bis 13. September 2025 im dänischen Herning. Bei den WorldSkills 2024 in Lyon verpasste er noch knapp als Vierter das Podest, diesmal klappte es sogar mit dem Titel. Unser Portrait von Linus Großhardt finden Sie hier…

15. September 2025

ZDBF-Mitgliederversammlung: KI und Marktsituation im Fokus

Mit knapp 80 Teilnehmern aus Bedachungsfachhandel und Industrie war die Mitgliederversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Bedachungsfachhandels (ZDBF) am Mittwoch in Hannover gut besucht. Ein wichtiger, positiver Fakt: Das Einkaufsvolumen der meldenden Fachhandelsunternehmen im Jahr 2024 mit bei einem Minus von 0,8 Prozent nahezu stabilisiert. Der ZDBF kündigte zudem an, Mitglied der Aktion Dach zu werden, um die notwendigen und für alle Marktbeteiligten wertvollen Aktivitäten zur Nachwuchsgewinnung zu unterstützen. Martin Langen von B+L Marktdaten informierte über Marktentwicklung in Neubau und Sanierung, den Schlussvortag unter dem Titel „Künstliche Intelligenz im Praxiseinsatz“ hielt Prof. Dr. Marco Barenkamp.

9. Mai 2025

Dirk Sindermann zum neuen ZVDH-Vizepräsidenten gewählt

Dachdeckermeister Dirk Sindermann ist auf dem jüngsten Dachdeckertag in Dresden in einer Kampfabstimmung gegen den bisherigen Amtsinhaber André Büschkes mit knapper Mehrheit zum neuen Vizepräsidenten des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) gewählt worden. „Ein zentrales Anliegen ist es für mich, das Dachdeckerhandwerk in der öffentlichen Wahrnehmung gemeinsam mit den Mitgliedern der Organisation zu stärken“, so Sindermann. „Ein Schwerpunkt liegt auf der Öffentlichkeitsarbeit, um die Bedeutung unseres Gewerks in der Gesellschaft sowie bei relevanten Akteuren weiter zu festigen.“

28. März 2025

Böcker eröffnet neue Niederlassung in Burghaslach bei Nürnberg

Kranhersteller Böcker verstärkt seine deutschlandweite Präsenz mit der neuen Niederlassung in Burghaslach bei Nürnberg und eröffnet diese feierlich mit einem 360 Grad Höhentag. Ein Jahr nach dem Spatenstich im konnte nun laut einer Pressemeldung das moderne Servicegebäude fertig gestellt werden. Damit ist Böcker deutschlandweit an sieben Standorten, einschließlich des Firmensitzes im westfälischen Werne, als Partner direkt vor Ort.

21. März 2025

Baugenehmigungen 2024 stark rückläufig

Im Jahr 2024 wurde in Deutschland der Bau von 215 900 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt, waren das 16,8 Prozent oder 43 700 Wohnungen weniger als im Vorjahr. Damit sank die Zahl der Baugenehmigungen bereits im dritten Jahr in Folge. Weniger neue Wohnungen waren zuletzt im Jahr 2010 mit 187 600 Wohnungen genehmigt worden. In den Zahlen sind die Baugenehmigungen für Wohnungen sowohl in neuen als auch in bestehenden Gebäuden enthalten.

27. Februar 2025

Bauder eröffnet neues Werk in Landsberg

Ein bedeutender Meilenstein für die Paul Bauder GmbH & Co. KG: Mit der feierlichen Einweihung seines neuen Werks in Landsberg stärkt das Stuttgarter Familienunternehmen seine Produktionskapazitäten und setzt zugleich ein klares Signal für Wachstum und Innovation. Rund 12,5 Millionen Euro wurden laut einer Pressemeldung von Bauder in die neue Anlage investiert, die speziell für die Herstellung des Flüssigkunststoffs Liquitec konzipiert wurde und Raum für modernste Forschungs- und Entwicklungsarbeit umfasst. Dabei wurde ein ganzheitlicher Ansatz für eine bestmögliche Ökobilanz des Produktionsprozesses verfolgt.

31. Januar 2025

Baugenehmigungen 2024 weiterhin auf Talfahrt

Im November 2024 wurde in Deutschland der Bau von 17 900 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das 13 Prozent oder 2700 Baugenehmigungen weniger als im November 2023. Im Zeitraum von Januar bis November 2024 wurden 193 700 Wohnungen genehmigt. Das waren 18,9 Prozent oder 45 200 weniger als im Vorjahreszeitraum. In diesen Ergebnissen sind sowohl Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen Wohn- und Nichtwohngebäuden als auch für neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten.

17. Januar 2025

Valentin Bremer gewinnt German Craft Skills 2024 der Dachdecker

Der Sieger der German Craft Skills 2024 Valentin Bremer kommt aus Hessen und hat von 200 möglichen Punkten 178,70 erreicht. Den zweiten Platz belegte John Seltmann aus Sachsen, Dritter wurde Linus Esseln, der Landessieger aus Rheinland-Pfalz. Bremer und Seltmann haben sich für die 30. IFD-Weltmeisterschaft junger DachdeckerInnen im Jahr 2026 qualifiziert. „Es ist immer wieder eine große Freude zu sehen, wie sehr sich junge Menschen für ihr Handwerk begeistern“, erklärte ZVDH-Vizepräsident Jan Voges, der als Zuschauer vor Ort war.

30. Oktober 2024

Georg Harrasser wird neuer Geschäftsführer bei Nelskamp

Georg Harrasser übernimmt ab November 2024 die Geschäftsführung der Dachziegelwerke Nelskamp. Der 58-jährige Maschinenbauingenieur ist ein alter Bekannter in der Bedachungsbranche. Nach mehr als 25 Jahren bei der BMI Group war Harrasser zuletzt als Präsident bei der Carlisle Construction Materials Europe tätig. Er folgt auf Heiner Nelskamp, der im Mai 2024 als Geschäftsführer in Rente gegangen ist. „Nelskamp ist ein bekannter Name und wird als ein führender Hersteller von Dacheindeckungsmaterial in Deutschland sehr geschätzt. Der Ausbau des deutschen sowie internationalen Geschäfts ist eine spannende Aufgabe, auf die ich mich sehr freue“, so Harrasser.

17. September 2024

A. Ewald Kreuzer wird Ehren-Landesinnungsmeister der bayerischen Dachdecker

Nach Abschluss der Neuwahlen der Vorstandschaft auf dem jüngsten Landesverbandstag der bayerischen Dachdecker stellte der neu gewählte Landesinnungsmeister Mario Kunzendorf den Antrag, A. Ewald Kreuzer für seine herausragenden Verdienste während seiner knapp 20-jährigen Amtszeit als Landesinnungsmeister zum Ehren-Landesinnungsmeister zu ernennen. Kunzendorf bekräftigte die Aussage von ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk, dass mit der Zeit von Kreuzer als Landesinnungsmeister eine „Ära“ zu Ende gehe und ergänzte, dass dieser Begriff selten treffender hätte sein können.

18. Juli 2024