Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Hellgrüne, leicht wolkige Oberfläche ohne erkennbare Muster oder Gegenstände.

Tablets für Azubis: Digitale Lernplattform der Dachdecker

Harald Friedrich

7. November 2023

Alexander Fleming entdeckte 1928 zufällig eine „Nebenwirkung“ bei der Forschung mit Staphylokokken - und das Penicillin war endgültig erfunden. Fast 100 Jahre später und einige hundert Kilometer südlicher – am Technischen Berufskolleg in Solingen – führte die Corona-Pandemie ebenfalls zu einer „Nebenwirkung“ für die Dachdecker.

Oberstudienrat entwickelt digitale Lernplattform

Oberstudienrat Heiko Micksch wollte es einfach nicht hinnehmen, dass es durch das Homeschooling zu Lerndefiziten bei den Dachdeckerlehrlingen kommt. Und er entwickelte eine interaktive digitale Lernplattform, die er den Landesverbänden anbot. So auch den brandenburgischen Dachdeckern, deren Geschäftsführerin Anke Maske von dieser Idee des digitalen Lernens sofort begeistert war.

Brandenburger Dachdecker sind begeistert

Ihre Begeisterung teilte nach der Präsentation des Konzepts ebenso spontan der gesamte Vorstand unter Landesinnungsmeister Karsten Kirchhoff und seinem Stellvertreter, Mario Bayer. Gleich waren sich alle einig: Da musste der Erfinder Heiko Micksch so schnell – aber auch so durchdacht wie möglich – eine Dachdecker-Brandenburg-typische Version entwickeln.

Bild von Landesinnungsmeister Karsten Kirchhoff
Karsten Kirchhoff ist Landesinnungsmeister der Dachdecker in Brandenburg. (Foto und Titelbild: LIV Brandenburg)

Digitales Lernen gegen hohe Durchfallquoten

Seit Jahren weiß Anke Maske, dass sich in der Dachdeckerausbildung etwas grundlegend ändern muss: „Durchfallquoten bei den Gesellenprüfungen von 30 bis 40 Prozent sind ein No-Go“, steht für sie fest. Und die neue Lernplattform hat das Zeug dazu, genau diese Änderung zu bewirken. Das digitale Lernen und die digitale Wissensvermittlung sind genau das, was der Dachdeckernachwuchs des 21. Jahrhunderts in einem Gewerk, dem immer noch das Image des „traditionell-verstaubten Handwerks“ anhängt, dringend benötigt. Denn diese zeitgemäße Form des Lernens bewegt sich endlich auf Augenhöhe mit der Smartphone- und Tablet-affinen Jugend 2023.
 

Software mit pädagogischem Konzept

Daher ist diese Lernplattform auch mit allen Geräten und Systemen kompatibel und voll responsiv. Ob Tablet, Laptop, Smartphone oder Desktop-PC, ob IOS oder Windows: Läuft. Vom Lernkonzept her wird der Dachdeckernachwuchs durch die Gestaltung der Software motiviert. Es gibt keine falschen Antworten bei dem Multiple-Choice-Konzept. Stattdessen wird bei unrichtigen Antworten dazu aufgefordert, Frage und die Lösung nochmals zu überdenken. Ein ganz klares Indiz dafür, dass hinter dieser Software kein bitbesessener Informatiker, sondern ein erfahrener Pädagoge steckt.

Bild von Azubi mit Tablet.
Lernen am Tablet sollte auch im Dachhandwerk zum Standard werden.

Lernplattform auch für Nicht-Innungsbetriebe

Der nächste Schritt war für die brandenburgischen Dachdecker nun, die Lernsoftware so schnell wie möglich einzuführen. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Ausbildungsbetriebe Mitglied in einer der acht Dachdeckerinnungen von Brandenburg sind oder nicht. Das digitale Lernen ist und bleibt ein kostenloses Angebot für alle Betriebe im Bundesland. Das macht diese Lernplattform schon mal für alle Ausbildungsbetriebe attraktiv.
 

300-Euro-Gutscheine für 100 neue Azubis

Das Pilotprojekt der interaktiven Lernplattform startete im August 2023 mit der Übergabe von 300-Euro-Wertgutscheinen an die Ausbildungsbetriebe der rund 100 neuen Azubis im brandenburgischen Dachdeckerhandwerk. Sie sollen die Ausbilder dabei unterstützen, die benötigte Hardware „nach Maß und nach den eigenen betrieblichen Anforderungen für ihren Dachdecker-Nachwuchs zu erwerben. Auf eine Bereitstellung der Hardware haben wir nach reiflicher Überlegung verzichtet, um hier nicht Insellösungen in der betrieblichen IT-Infrastruktur zu schaffen“, erklärt Anke Maske die Entscheidung für die Bonus-Variante.

Bild von Gutscheinübergabe an Azubi
Der stellvertretende Landesinnungsmeister Mario Bayer übergibt einen Tablet-Gutschein. (Foto: LIV Brandenburg)

Digitales Berichtsheft voranbringen

Parallel dazu und als logische Konsequenz forciert der Landesinnungsverband Brandenburg das digitale Berichtsheft mit Online-Workshops zum Thema. Wie andere Landesverbände kämpft auch Brandenburg gegen die gute alte Tradition des Ausbildungsnachweises auf Papier. „Aber die Erkenntnis setzt sich durch, dass die Ausbilder mit dem digitalen Berichtsheft immer auf dem Laufenden sind und mögliche Defizite schneller erkennen können“, ist Anke Maske überzeugt. Denn mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Auszubildenden können sich Ausbilder in das Berichtsheft einloggen und so gezielt unterstützen.

Lernen an jedem Ort zu jeder Zeit

Auch der Nachwuchswerbung kann die Digitalisierung der Ausbildung einen Vorwärtsschub geben. „Lernen an jedem Ort zu jeder Zeit“, benennt Anke Maske das Lernprinzip. Konsequent wird diese neue Lernplattform der Dachdecker auch bei allen Schulbesuchen im Rahmen des berufskundlichen Unterrichts vorgestellt. Ein gutes Argument, um Jugendliche für das Gewerk zu begeistern.

Bild von Azubi mit Tablet.
Nicht nur etwas für Hipster: Zeitgemäßes Lernen soll Jugendliche für Dachhandwerk begeistern.

Mögliche Förderung durch die Soka Dach

„Gut ausgebildete Dachdeckerinnen und Dachdecker sind die Fachkräfte der Zukunft“, weiß die engagierte Landesgeschäftsführerin. Und daher ist es für sie auch nur der logische nächste Schritt, das digitale Lernkonzept auch der Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks schmackhaft zu machen. Die Entscheidung für eine finanzielle Förderung durch die Soka Dach und damit eine mögliche bundesweite Einführung steht derzeit noch aus. Für Anke Maske und die brandenburgischen Dachdecker ist das aber kein Grund, eine Pause einzulegen: „Was wir jetzt brauchen, ist ein hochmotivierter und zeitgemäß ausgebildeter Nachwuchs, wenn wir die Energiewende im Hinterkopf haben“, so Anke Maske. Den Kopf in den brandenburgischen Sand zu stecken, ist jedenfalls nicht ihr Ding.

Sie interessieren sich für Hintergründe und Neuigkeiten aus den Verbänden? Dann lesen Sie unsere Story über die Hilfsaktion bayerischer Dachdecker für die Ukraine.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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