Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein großes Lagerhaus mit vielen gestapelten Holzpaletten, Lagerregalen und industriellen Materialien, beleuchtet durch natürliches Licht von den Fenstern im Dach.

Ziegelindustrie kämpft mit starkem Auftragsrückgang

Knut Köstergarten

26. September 2023

Die Ziegelindustrie ist bereits im Juni angesichts der schwierigen Lage in die Offensive gegangen. „Die wirtschaftliche und politische Gesamtsituation hat das Potenzial zum perfekten Sturm“, erklärte ihr Präsident Stefan Jungk auf der Jahrestagung 2023 in Weimar. „Auftragsrückgänge um bis zu 40 Prozent, Produktionsstopps und drohende Kurzarbeit kennzeichnen das erste Halbjahr. Nachdem die Krise 2022 in der Branche noch nicht voll ankam und sogar ein Produktionswachstum von bis zu 15 Prozent erlaubte, stellt uns die Gemengelage aus Auftragsrückgängen, Rekordinflation, hohen Energiekosten, politischem Förderchaos und zusammenbrechender Baukonjunktur vor erhebliche Herausforderungen.“

Bild von Präsidenten der Ziegelindustrie Stefan Jungk
Stefan Jungk ist Präsident des Bundesverbands der Ziegelindustrie. (Foto und Titelbild: BVZi)

Vermehrte Kurzarbeit in der Ziegelindustrie

Dieser schonungslosen Analyse stimmt auch David Ostendorf, technischer Geschäftsführer beim Bundesverband der Ziegelindustrie, drei Monate später im Interview zu. Wobei die Lage bei den Dachziegelherstellern trotz vermehrter Kurzarbeit, wie zuletzt von Creaton in der FAZ für alle Werke bestätigt, noch besser ist als im Bereich Mauerwerk. „Bei Dachziegeln geht es in der Sanierung weiter, natürlich auch bei Reparaturen oder Unwetterschäden wie Sturm“, so Ostendorf. Die Produktion bei Dachziegeln werde zwar reduziert, laufe aber vielfach, auch wenn Revisionen vorgezogen würden.

Bild von Produktionsstrecke der Ziegelindustrie
Entladung der Dachziegel via Roboter. (Foto: BVZi)

Verlässliche Rahmenbedingungen für Förderung

Wie der Lage zu begegnen ist? „Politisch braucht es endlich ein Bekenntnis zur Lösung der sozialen Frage. Bezahlbares Wohnen und ein klimaneutraler Gebäudebestand werden ohne erhebliche Investitionen der öffentlichen Hand nicht zu erreichen sein. Bauherren, Bauschaffende und nicht zuletzt die Baustoffindustrie brauchen Verlässlichkeit und Planungssicherheit“, fordert Präsident Jungk. „Es müsse mehr gebaut werden", meint David Ostendorf. „Es wird ja etwa in Berlin auch angefangen, Wohnungsbau auf städtischen Brachflächen zu entwickeln. Doch dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen für die Förderung. Diese Budgets müssen auskömmlich ausgestaltet werden. Alles andere schafft Verunsicherung.“

Bild von David Ostendorf, technischer Geschäftsführer des Bundesverbands der Ziegelindustrie
David Ostendorf ist technischer Direktor beim Bundesverband der Ziegelindustrie. (Foto: BVZi)

Potenzial in der energetischen Sanierung

Viel Potenzial sieht Ostendorf im Bereich der energetischen Sanierung. „Doch auch dort gibt es aktuell Zurückhaltung wegen steigender Kosten, wenn auch nicht so stark wie im Neubau.“ Oder der Bereich Dachaufstockung von Bestandsbauten, wie in Berlin oftmals mit Steildach. Ostendorf stellt in diesem Zusammenhang die berechtigte Frage, ob es noch zeitgemäß sei, dafür Stellplätze für Autos nachweisen zu müssen, wie es die Bauordnungen vorsehen. Gerade in Zeiten von neuen Konzepten zur Mobilität in Zeiten des Klimawandels. 

Bild von Hausdach mit Dachziegeln
Ein Steildach mit Solarziegeln ausgeführt. (Foto: Autarq)

Oder das Beispiel zweiter Fluchtweg bei Dachaufstockung. Da muss es aufgrund geänderter Aufstellbedingungen der Feuerwehr dann eine außen angebrachte zusätzliche Stahltreppe geben, was die Kosten weiter erhöht. Eine Auflage in Sachen Brandschutz, die in Städten wie Berlin rund 25 Prozent Dachaufstockungen direkt verhindern würde, erläutert Ostendorf.

Roadmap für Treibhausgasneutralität

Die eigenen Hausaufgaben auf dem Weg zur klimaneutralen Produktion gehen die Ziegelhersteller bereits seit vielen Jahren entschlossen an. „Wir haben eine Roadmap zur Treibhausgasneutralität“, so Ostendorf und gibt ein Beispiel: „Einige Dachziegel-Hersteller wie Jacobi-Walther oder GIMA sind in Vorbereitung für eine eigene Windkraftanlage und die Firma Wienerberger baut gerade eine Test-Fertigung allein auf Strom-Basis.“ 

Bild von Ofenstrecke in der Ziegelindustrie
Ofenstrecke in einem Dachziegelwerk. (Foto: BVZi)

Für den Ziegelverband steht das Thema Nachhaltigkeit im Zentrum der politischen und gesellschaftlichen Lobbyarbeit. „Als natürlicher, regionaler Baustoff mit kurzen Transportwegen und hervorragendem Recycling-Potenzial erfüllt der Ziegel die Anforderungen an Nachhaltigkeit wie kaum ein anderer Baustoff“, erklärt Präsident Jungk. „Das müssen wir vor allem den politischen Mandatsträgern noch stärker klarmachen. Wir werden nicht müde darin, von der Politik das Bekenntnis zur Technologieoffenheit einzufordern. Jede Form der einseitigen politischen Bevorzugung eines Baustoffs lehnen wir entschieden ab.“

Gute Chancen im Bereich Photovoltaik

Gute Chancen für die Dachziegelhersteller sieht David Ostendorf im Bereich Photovoltaik, wo der Verband eng mit dem Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks am neuen Regelwerk für die fachgerechte Installation arbeitet. Dort sitzen auch die Solateure mit am Tisch, die hier in die Pflicht genommen werden sollen für einen sicheren Schutz der Dachhaut. „Unsere Hersteller haben auch Solarziegel und Indach-PV-Lösungen längst im Sortiment. Gerade die Solarziegel halten wir für ein echtes Zukunftsfeld. „Da gibt es Steckverbindungen, so braucht es auf dem Dach keinen weiteren Handwerker. Und auch im Reparaturfall gibt es hier keine Probleme“, erläutert Ostendorf. 

Bild von Dachdeckung mit PV-Ziegeln
Lichtblick: Der Bereich Photovoltaik bietet Dachziegelherstellern gute Chancen. (Foto: BVZi)

Kirchendächer nutzen für die Energiewende

Er nennt auch ein Beispiel für das große Potenzial – die Kirchendächer. Die Kirche habe sich ja mit einem eigenen Klimaschutzgesetz verpflichtet, in Sachen CO2-Minderung voranzuschreiten. „Warum soll nicht auf einem schwarzen Kirchendach ein Solarziegel verlegt werden? Auch andere Farbtöne sind bereits möglich.“ Ostendorf empfiehlt hier einfach mal einen Schritt voranzugehen und etwa den Denkmalschutz etwas flexibler auszulegen. Innovative Wege braucht es wohl, wenn die Energiewende vorankommen soll. Und es braucht die Dächer, ob dort jetzt Indach-PV, Solarziegel oder Aufdachanlagen installiert werden.

Sie interessieren sich für die Rubrik Marktumfeld. Dann lesen Sie unseren Artikel über die Jahresumfrage 2023 unter den Dachdeckern.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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