Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Zwei Personen stehen mit verschränkten Armen auf einem Dach, die Sonne scheint hinter ihnen durch eine bewölkte Himmel.

Zweite Ausbildung: aus der Bank hinauf aufs Dach

Knut Köstergarten

4. März 2021

Eigentlich gilt heutzutage, dass junge Menschen schon während der Schule oder spätestens direkt danach wissen sollen, was sie beruflich machen wollen. Aber so einfach ist das in der Realität oftmals nicht. Es kann etwas dauern, bis der passende Job gefunden ist – so war es bei Philipp Hackl. Er bewirbt sich nach der Realschule bei der Polizei und besteht auch den Eignungstest. Doch dann soll er warten, bis es einen freien Platz für die Ausbildung gibt.

Bild von Philipp Hackl beim Einbau eines Dachfensters

Arbeiten auf dem Dach statt sitzen in der Bank: Philipp Hackl hat den für ihn passenden Job gefunden.

Erste Ausbildung zum Banker

Also beschließt Hackl, in der Zwischenzeit die Fachoberschule (FOS) zu besuchen und absolviert in diesem Rahmen ein Praktikum bei einer Bank. Nach einem halben Jahr Schulbank-Drücken verlässt er die FOS und beginnt eine Ausbildung zum Banker, die er drei Jahre später abschließt.

Obwohl ihm in der Zwischenzeit klar wird, dass der Beruf nicht das Richtige für ihn ist. „Ich habe dort viel gesessen und Listen abtelefoniert. Am Ende des Tages wusste ich nicht, was ich gemacht habe. Und die Arbeit wurde auch nicht so gewürdigt, wie ich mir das gewünscht hätte.“

Geld als Dachdecker-Helfer für den Urlaub verdient

Deshalb entscheidet er sich nach dem Ende der Ausbildung gegen eine weitere Anstellung und will drei Monate lang Thailand und Vietnam erkunden. Aber bevor die Reise losgeht, heißt es noch Geld zu verdienen. „Mein bester Freund hat eine Spenglerei, da habe ich gejobbt.“ Ein krasser Umbruch für ihn – vom Sitzen im Büro zur harten körperlichen Arbeit auf dem Dach. Aber auch der Muskelkater kann ihn nicht abschrecken. Die Arbeit macht ihm Spaß und so steigt Hackl als Helfer fest ins neunköpfige Team der Otto Kühnel GmbH in Altötting ein.

Bild von Philipp Hackl als Helfer auf der Baustelle

Als Helfer gestartet: Für Philipp Hackl bot das Arbeiten auf dem Dach eine neue Perspektive.

Als Dachdecker etwas mit den Händen erschaffen

Aber wie kam es zur Kehrtwende vom Bankkaufmann zum Helfer auf dem Dach? „Ich bin sowieso gerne in der Natur und an der frischen Luft.“ Schon seit 17 Jahren engagiert sich Hackl ehrenamtlich bei den Pfadfindern, organisiert Zeltlager mit den Kids. Zudem unternimmt er in der Freizeit gerne Radtouren mit Freunden. Da passt die Arbeit hoch über den Dächern der Stadt gut ins Profil. Außerdem begeistert es den 23-jährigen, der sich selbst als handwerklich talentiert beschreibt, etwas mit seinen Händen zu erschaffen oder zu reparieren.

Bild von Philipp Hackl auf Flachdach

Happy auf dem Flachdach: Die Arbeit hier ist genau das Ding von Philipp Hackl.

Flachdach mit Folienschweißen macht richtig Spaß

Im Betrieb gefällt ihm, „dass wir vor allem Sanierungen machen. Die Arbeit ist abwechslungsreich und unvorhersehbar. Ich lerne immer was dazu“, erklärt Hackl. Am liebsten bearbeitet er Flachdach, was gut zum Profil des Betriebs passt. Folienschweißen macht ihm besonders viel Spaß. „Und mir gefällt es, durch den Landkreis zu fahren und zeigen zu können, was ich gemacht habe.“

Letztes Jahr stand er dann vor der Frage, ob er nicht noch die Lehre als Dachdecker machen sollte. „Meine Familie war sehr skeptisch, gerade die Großeltern.“ Für Hackl eine schwierige Entscheidung, vor der er viele Gespräche führte, besonders mit seinem besten Freund und Chef. Im September 2020 startete er dann die Lehre als Dachdecker. „Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung und super motiviert. Voller Vorfreude erwarte ich gespannt, was 2021 kommen wird, vor allem auch in der  Berufsschule und der überbetrieblichen Ausbildung.“

Bild von Philipp Hackl bei der Arbeit

Arbeiten mit den Händen und an der frischen Luft: Für Philipp Hackl ist es wie eine Befreiung.

„Ich fahre jeden Tag gut gelaunt in die Firma“

Rückblickend empfindet Hackl gerade den erste Sommer auf dem Dach als hart nach seiner Ausbildung im Bankbüro. „Ich habe viele Kilos gehoben, wir hatten abgesoffene Dämmung auf dem Dach. Das ist körperlich eine andere Liga.“ Doch er hat sich durchgebissen, weil ihm die Arbeit auf dem Dach so gut gefällt. „Das Dachhandwerk ist eine tolle Branche. Ich fahre jeden Tag gut gelaunt in die Firma. Das ist ein super Gefühl.“ Hackl berichtet darüber auf Instagram.

Bild von Philipp Hackl während seiner Nepal-Reise beim Packen eines Jeeps

Philipp Hackl in Nepal beim Packen des Jeeps für die erste Etage der Reise.

Privates Highlight: Wanderreise nach Nepal

Ein super Gefühl hatte er auch, als er 2019 privat mit einer kleinen Gruppe nach Nepal reiste. „Meine Eltern sind Mitglieder einer Hilfsorganisation mit dem Namen Sano Madad und somit kam dieses eigentlich untypische Urlaubsziel für mich schnell in Frage“, erläutert Phillip Hackl. Der Grund für die Reise war die Besichtigung eines Grundstückes im Nationalpark Langtang, auf dem eine Schule für die Kinder des dortigen Bergdorfs errichtet werden sollte. Heute wird dort bereits unterrichtet.

Bild von Philipp Hackl und seinem Freund auf dem Tsergo Ri im Himalaya

Ein Highlight der Nepalreise war die Ersteigung des Tsergo Ri im Himalaya.

Die Reisegruppe startete in Kathmandu und drei Tage später begann die neunstündige Jeep-Tour in die Berge. Danach wanderte Hackl weiter für ein paar Tage hinauf bis zum Bergdorf im Langtang. Ein kleiner Abstecher auf den Tsergo Ri, ein Trekking-Gipfel im Himalaya mit  knapp 5.000 Meter Höhe, rundete den Ausflug ab. „Danach ging es leider schon wieder zurück nachhause“, berichtet Hackl.  „Das waren Hammer-Eindrücke, diese atemberaubende Natur mit den Bergkulissen. Und wir haben dort sehr tolle und nette Menschen getroffen.“

Bild von Philipp Hackl auf dem Berg in Nepal

Atemberaubendes Panorama für Philipp Hackl im Himalaya.

Sie interessieren sich für das Thema Dachdecker werden? Dann lesen Sie unsere Story über einen Geflüchteten, der nach der Ausbildung jetzt als Geselle arbeitet.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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