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Eine Person trägt eine große Rolle Baumaterial auf der Schulter und steht auf einem Dach mit weiteren Rollen, Gebäude im Hintergrund.

Stolze Dachdeckerin zeigt Freunden gerne ihre Arbeit

Knut Köstergarten

3. November 2020

Was so richtig cool ist an ihrem Beruf? Paula Eberhard beschreibt es sehr schön auf Instagram. Es ist das Hochgucken von unten auf die fertigen Dachprojekte. „Ich kann zu Freunden oder zur Familie sagen: Guckt mal da oben. Das habe ich mit meinen Kollegen gemacht. Und das Feedback ist dann unglaublich.“ Eberhard ist stolz auf ihre Arbeit und jede Kollegin, die diesen Schritt gewagt hat. Und sie zeigt diesen Stolz ganz offensiv in ihrem Instagram-Posts. Das ist sicher ein Grund dafür, dass die Junggesellin inzwischen so viele Abonnenten hat.

 

Foto von Dachdeckerin Paula Eberhard beim Schweißen auf dem Flachdach.

Paula Eberhard zeigt gerne die alltägliche Arbeit, wie hier das Schweißen auf dem Flachdach mitsamt Ausblick.

Erst Schulpraktikum als Tierarzthelferin – dann doch Dachdeckerin

Heute ist Eberhard sehr glücklich in ihrem Beruf, den sie als Schülerin erst gar nicht auf dem Zettel hatte. „Früher wollte ich immer Tierarzthelferin werden. Weil ich Tiere so mag und mein erstes Praktikum bei einem Tierarzt gemacht habe, was mir sehr gefallen hat.“ Dann stand 2014 wieder ein Schulpraktikum an. Eberhard wollte zu einem Tierarzt. „Da meinte mein Papa, ich soll was anderes ausprobieren. So bin ich schließlich auf den Beruf Dachdecker gekommen und nach der Realschule habe ich 2015 meine Ausbildung angefangen.“

Lesetipp: Auch Chiara Monteton kam über Zwischenwege zum Traumberuf. Sie startete im Hörsaal und landete erst später auf dem Dach.

Foto von einem Schieferhammer.

Der Schieferhammer ist das Lieblingswerkzeug von Paula Eberhard.

Der Start war dann eher holprig. Nach acht Monaten wechselte die heutige Gesellin den Betrieb. Der Grund: „Ich musste acht Monate fast nur Dachrinnen machen.“ Für die Zwischenprüfung wollte sie aber mehr praktische Erfahrungen sammeln und wechselte. Das tat sie ein weiteres Mal nach der Ausbildung. Diesmal aber, weil sie gerne einen größeren Betrieb kennenlernen wollte. Es ging zur Hahn Bedachungen GmbH in Seelze, Großraum Hannover, Mitgliedsbetrieb der Dachdecker-Einkauf Ost eG. Ein witziger Zufall war dabei, dass sie erst im Vorstellungsgespräch bemerkte, dass es hier mit Frauke Hahn eine Chefin gibt.

Foto von Dachdeckerin Paula Eberhard auf dem Steildach.

Paula Eberhard ist leidenschaftliche Dachdeckerin. Und wenn so ein Steildach fachgerecht eingedeckt ist, zeigt sie die Baustelle gerne Freunden oder der Familie.

Kräfte zeigen und Herausforderungen annehmen

Die 22-Jährige möchte in den nächsten Jahren als Gesellin weiter praktische Erfahrungen sammeln. Vorstellen kann sie sich später auch noch den Meisterkurs, aber das ist nur eine Idee. Eberhard möchte sich das offen lassen. Immerhin: Es gibt einen Onkel, in dessen Betrieb sie womöglich später einsteigen könnte.

Warum ist Dachdeckerin für sie der richtige Beruf? „Ich bin an der frischen Luft, kann meine Kräfte zeigen und Herausforderungen annehmen. Sie macht dann schon mal Kniebeugen mit einer Schweißbahn auf dem Rücken, bei der Bauder-Challenge auf Instagram. Und sie liebt die Vielfalt der Arbeit. „Vor ein paar Jahren dachte ich auch noch, dass Dachdecker vor allem Ziegeln werfen. Doch seit meiner Ausbildung habe ich erfahren, was man mit und auf Dächern alles machen kann“, sagt Eberhard.

Foto von Paula Eberhard bei der Arbeit an einer Schieferskulptur.

In der Freizeit fertigt die Dachdeckerin gerne Tierfiguren, hier eine Eule aus Kupfer und Schiefer.

Kreative Dachdeckerin fertigt kleine Kunstwerke

Erst hat sie viel Steildach gedeckt, aktuell im neuen Betrieb ist es viel Arbeit auf dem Flachdach. Was die Dachdeckerin besonders gerne verarbeitet ist Schiefer, auch wenn es da in der Region nur selten Projekte gibt. Doch da gibt es ja noch die Freizeit und die oben bereits erwähnte Liebe zu Tieren. Hier verbindet Eberhard handwerkliches Können mit Kreativität. Aus Kupfer und Schiefer fertigt sie kleine Kunstwerke, etwa eine Eule oder einen Igel. „Ich mache die vielen Tiere in meiner Freizeit, sozusagen als Hobby“, sagt die Dachdeckerin selbst auf Instagram. Auch mit dem Hund der Eltern verbringt sie gerne viel Zeit, wie überhaupt mit der Familie. Die ist stolz und zufrieden ist mit ihrer Berufswahl. Und auch die Freunde „waren positiv erstaunt“, sagt Eberhard.

Foto von Dachdeckerin Paula Eberhard vor ihrer Schieferskulptur, die eine Eule zeigt.

Coole Eulenskulptur aus Schiefer – gefertigt als Fassadenschmuck.

Dachdeckerin zeigt auf Instagram – auch außer Studium geht noch was

Vielleicht auch ein Grund, warum sie selber Werbung macht für den Beruf Dachdeckerin. „Ich möchte den Jugendlichen auf Instagram zeigen, was außer einem Studium noch geht.“ Sie zeigt den Alltag, mit den spannenden, abwechslungsreichen Tätigkeiten. Dass sie dabei so schnell so viele Menschen erreicht, hätte die Dachdeckerin nicht gedacht. „Das ist eine super Überraschung für mich.“ Sie fühlt sich dabei als Teil einer Community und erhält größtenteils positive Reaktionen auf ihre Posts, auch von anderen Influencern unter den Dachdeckern und Zimmerern. Was empfiehlt Eberhard anderen Frauen? „Sie sollten sich nicht abschrecken lassen und einfach mal machen und ausprobieren, ob der Beruf Dachdeckerin etwas für sie ist.“

Bild von Schiefer-Igelskulptur, die in einem Garten steht.

Hingucker für den Garten – ein Igel aus Schiefer.

Sie interessieren sich für das Thema Dachdecker werden? Dann lesen Sie unsere coole Story über den besten Berliner Auszubildenden Leon Steinhof.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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