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Dachdeckermeisterin fährt schnell und hat grünen Daumen

2021.07.06 Knut Köstergarten • Lesezeit 4’

Coletta Giltz lernte Zierpflanzengärtnerin, bevor sie als Quereinsteigerin die Dächer eroberte. Hier erzählt sie, wie sie Dachdeckermeisterin wurde, wie sie Frauen im Beruf unterstützt und was sie in der Freizeit begeistert.

Wenn es Aufträge im Bereich Flachdach und vor allem Gründach gibt, ist Coletta Giltz zuständig. „Der grüne Daumen ist da“, sagt die Dachdeckermeisterin, die 2004 nach der Schule auf Anregung ihrer Mutter zunächst ein Praktikum und eine Ausbildung als Zierpflanzengärtnerin absolvierte. Sie hatte damals selbst noch keinen Plan, wo es beruflich langgehen sollte, wie sie freimütig einräumt. Doch das änderte sich schnell im Laufe der Lehre.

Bild von Dachdeckermeisterin Coletta Glitz

Coletta Giltz arbeitete acht Jahre als Helferin auf den Baustellen, bevor sie 2016 berufsbegleitend ihren Meister machte. (Alle Fotos: Giltz)

Auf dem Dach als Helferin gestartet

Das hat zu tun mit ihrem Vater, der den Betrieb Giltz Fenster & Rolladen führt. Zum Geschäftsfeld gehören auch Überdachungen für Terrassen. Die Dachentwässerung mit Regenrinnen machte erst ein externer Dachdecker, dann ihr Mann Thomas. Da es auch weitere Anfragen gab, wurde 2005 der Betrieb Giltz Bedachungen in Xanten gegründet, schon damals mit Coletta Giltz als Geschäftsführerin und ihrem Mann als Betriebsleiter. „Während der Ausbildung als Gärtnerin habe ich samstags mitgearbeitet“, berichtet die Dachdeckermeisterin. Nach der Lehre stieg sie voll ein. „Angefangen habe ich damit Ziegel rauf zu fahren“, erinnert sie sich. Acht Jahre arbeitete sie als Helferin, sowohl auf den Baustellen als auch im Büro.

Meisterschule mit Ausnahmegenehmigung

Dann stellte sich die Frage, was daraus werden sollte. „Für den Gesellenbrief war ich eigentlich schon überqualifiziert, also habe ich mich nach Gesprächen mit meinem Mann und meinem Vater direkt für die Meisterschule entschieden“, berichtet Giltz. Denn schon als Helferin arbeitete sie weitgehend gleichberechtigt mit ihrem Mann. Über eine Ausnahmegenehmigung startete Giltz 2016 für zwei Jahre berufsbegleitend die Meisterschule, eine echte Ochsentour.

Bild von Dachdeckermeisterin Coletta Glitz auf dem Dach

Arbeitet immer noch gerne ein, zwei Tage in der Woche auf den Dächern mit: Coletta Giltz.

Giltz war die einzige Frau, „doch der Kurs war schwierig für alle Teilnehmer“, sagt sie. Unterricht gab es abends nach der Arbeit von 17 bis 21.30 Uhr, Freitagnachmittag und Samstag den Praxisteil. „Als Frau und Dachdeckerin wird man skeptisch beäugt. Man muss mit Taten überzeugen, doppelt so viel tun, um anerkannt zu werden“, weiß Giltz. Auf der anderen Seite hat sie die Erfahrung macht, dass das Eis schnell gebrochen und die Anerkennung da ist, wenn sie sich als kompetent erweist. „Ich habe im Betrieb und auf der Meisterschule viel Unterstützung erhalten und bin gut integriert.“

Aktiv bei den Dachdeckermädelz

Damit es selbstverständlicher wird, dass auch Frauen das Dach erobern, ist Coletta Giltz bei den Dachdeckermädelz aktiv. „Ich bringe mich da ein und organisiere auch die Facebook-Einträge mit.“ Über dieses Netzwerk bekommt Giltz natürlich auch mit, wie schwer es manche Frauen noch immer in der Dachdeckerausbildung haben. „Entscheidend ist, welche Einstellung der Chef oder die Chefin im Betrieb haben, ob sie wirklich eine Frau als Lehrling möchten. Das färbt ab auf die Mitarbeiter.“ Giltz hat auch schon einmal eine junge Frau, die nach den Erfahrungen im vorherigen Betrieb schon abbrechen wollte, für ein halbes Jahr übernommen und durch die Prüfungen gebracht.

Dachdecker-Mädelz

Die Dachdeckermädelz bei ihrem ersten Messeauftritt 2018 am ZEDACH-Stand. (Foto: Höpken)

Nach dem Meister vergrößerte Giltz mit ihrem Mann den Betrieb, der Mitglied bei der DEG Dach-Fassade-Holz eG ist. Sie selbst bildet auch aus, erst einen langjährigen Helfer und dann zwei Lehrlinge. Giltz Bedachungen hat sechs Mitarbeiter und die Chefin arbeitet inzwischen überwiegend im Büro. Mit ihrem Mann teilt sie sich die Arbeit auf und spricht alles ab. „Jeder hat seine Kolonne und ist dafür verantwortlich. Es ist ein echter Vorteil, dass mein Mann mit im Betrieb ist“, sagt Giltz. Die Aufträge im Sanierungsgeschäft für Privatkunden werden gerecht verteilt, bis auf die Spezialgebiete. „Mein Mann macht alle Dachfenster und ich eben Flachdach und Gründach.“ Die Sache mit dem grünen Daumen eben.

Bild von Dachdeckermeisterin Coletta Glitz

Vorbereitende Arbeiten mit dem Schweißbrenner.

Weiterbildung zur Gebäudeenergieberaterin

Giltz hat zusätzlich eine Weiterbildung zur Gebäudeenergieberaterin absolviert, um weiteres Wissen in Bauphysik und energetischer Sanierung zu erwerben. „Das braucht viel Beratung und die Kunden sind froh, wenn wir ihnen das ganze Thema Förderanträge abnehmen können. Wir betreuen Privatkunden in der Sanierung komplett, mit dem väterlichen Betrieb als Partner für Fenster und einem Heizungsbauer als weiterem Partner.“ Der Betrieb macht viel Steildach, auch Dachrinnen, Dachfenster, Reparaturen und Winkelstehfalz in Metall für Fassaden. „Wir haben dafür in unseren Räumen zwei Maschinen, mit denen wir die Scharen selbst vorfertigen. Dazu gehören Umrandungen bis zum Ortgang oder zur Traufe hoch sowie Dreiecke am Giebel. Wir sind dabei spezialisiert auf Aluminium. Da gibt es eine große Farbpalette und damit viel Auswahl für unsere Kunden“, erläutert die Dachdeckermeisterin.

Bild von Dachdeckermeisterin Coletta Glitz mit Team

Die Dachdeckermeisterin versteht sich gut mit ihrem Männerteam.

Dachdeckermeisterin selbst noch auf Baustellen im Einsatz

Und was gefällt ihr besonders an ihrer Arbeit? „Zur Baustelle fahren, Gegebenheiten vorfinden und dann etwas erschaffen, das man später sehen kann“, sagt Giltz. „Und die Begeisterung der Kunden, wie toll es aussieht, wie gut es geklappt hat.“ Hinzu kommen die Gespräche und die Teamarbeit. „Es ist toll, mit den Jungs Spaß zu haben, Witze zu machen. Wir haben einen lockeren Ton.“ Deshalb arbeitet die Dachdeckermeisterin ein, zwei Tage pro Woche mit auf den Baustellen. „Im Büro sieht man wenig, was man an Papieren und Mails am Ende des Tages geschafft hat.“

Traum verwirklichen und Autorennen fahren

Bild von Dachdeckermeisterin Coletta Glitz mit Motorrad

Macht gerne gemeinsam mit ihrem Mann Touren auf dem Motorrad: Coletta Giltz.

In ihrer Freizeit fährt sie gerne Motorrad, auch ihr Mann Thomas hat ein Bike. „Fahren macht den Kopf frei.“ Ihr Traum ist es, einmal Autorennen zu fahren. Seit zwei Jahren hat sie einen Mini Cooper mit Überrollbügel und allem, was man braucht für die Rennstrecke. Aktuell erwirbt Giltz die A-Lizenz als Fahrerin, um an Wettbewerben teilnehmen zu können. Sie hat auch einen Coach, weil sie einen guten Fahrstil von der Pike auf lernen möchte. „Schnell fahren, das kann ich, aber die richtige Kurvenlinie und das richtige Bremsen auf einer Rennstrecke sind noch was anderes.“ Im August plant sie im Race Park Meppen eine erste Tour als Fahrerin. Und so ehrgeizig und zielstrebig, wie Coletta Giltz ist, klappt es danach bestimmt mit dem Fahren in einem Rennstall-Team!

Sie interessieren sich das Thema Dachdecker werden? Dann lesen Sie unsere Story über Maurice Odendahl, der sehr erfolgreich auf TikTok für das Berufsbild wirbt.

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