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Reetdachdecker und Kraftsportler aus Leidenschaft

2019.07.30 Knut Köstergarten • Lesezeit 4’

Jannik Hinsch arbeitete fünf Jahre als Techniker für Land- und Baumaschinen, ehe er doch auf sein Herz hörte und Reetdachdecker lernte. Er erzählt, warum er erst mit 26 Jahren in seinen Traumberuf startete, welche weiteren Pläne er sieht und was die Dachdeckerei mit dem Kraftdreikampf zu tun hat.

Herausforderungen anpacken, Hindernisse überwinden und seinen eigenen Weg gehen – das sind Dinge, die Jannik Hinsch gefallen. Einfach ist nicht sein Ding, beruflich und privat. Das fängt schon an in der Jugend. Hinsch kommt aus einer Reetdachdecker-Familie, Opa hatte einen Betrieb, sein Vater arbeitete als angestellter Meister. „Ich habe da schon mit 16 bis hin zum Fachabitur gejobbt auf dem Dach, bin als Handlanger hinein gewachsen“, erinnert sich Hinsch. Da lag es doch nahe, gleich Reetdachdecker zu lernen nach der Schule. Doch ausgerechnet Opa und Vater waren davon nicht begeistert. Nach dem Motto: Der Junge soll was Besseres werden. Also machte Hinsch eine Ausbildung zum Techniker für Land- und Baumaschinen. „Die fuhren in meiner Kindheit täglich vorbei, das war mein zweites Interessengebiet.“

Reetdachdecker

Jannik Hinsch verfolgt klare Ziele: Er möchte immer noch ein Stück besser werden – beim Dachdecken und beim Kraftdreikampf.

Erst Landmaschinentechniker – dann doch Reetdachdecker gelernt

Hinsch blieb im Landkreis Pinneberg, arbeitete insgesamt fünf Jahre als Techniker, leitete dort auch eine Werkstatt. „Das war nicht schlecht mit dem Job, war in Ordnung“, sagt Hinsch. Doch es hat etwas für ihn gefehlt, Herz und Leidenschaft. „Ich will mit den Händen was erschaffen, will körperlich arbeiten. Ich bin kein Schlipstyp“, berichtet der Dachdeckergeselle. Wer ihn mal gesehen hat, wird das sofort bestätigen. Also doch den eigenen Weg gehen mit einer Lehre zum Reetdachdecker beim Betrieb Finke auf Sylt. Opa und Vater waren anfangs geschockt, als Hinsch ihnen seine Pläne kundtat, umstimmen ließ er sich diesmal nicht mehr.

Gute Gründe, im alten Job zu bleiben, gab es genug. Freundin und Tochter würde er nur noch am Wochenende sehen, die finanziellen Einbußen waren auch nicht ohne. „Meine beiden Mädels haben mich ermutigt und unterstützt“, erinnert sich Hinsch. Und bei Finke wurde er mit offenen Armen empfangen, nach dem Praktikum folgten sogleich die zwei Jahre Ausbildung. „Der Chef Jan Finke riet mir damals, mich nicht als Helfer durchzuschlagen, sondern die Lehre zu machen. Ich habe es nicht bereut. Es wurde mir klar, wofür ich gemacht bin“, sagt der heutige Geselle.

Reetdachdecker

Jannik Hinsch hat als Reetdachdecker natürlich auch das Eindecken von Ziegeldächern gelernt.

Reetdachdecker will nächstes Jahr seinen Meister machen

Jetzt arbeitet er wieder im Landkreis Pinneberg, bei der Reetdachdeckerei Suhr. „Ich habe sehr gute Tage auf dem Dach, alles hat sich positiv entwickelt“, sagt der Dachdeckergeselle. Nächstes Jahr im Juli will Hinsch die Meisterschule besuchen und den Meister machen. „Vorher möchte ich erst noch mehr gesehen haben auf dem Dach.“ Er möchte ein Auge entwickeln, die Flucht halten können für exaktes Handwerk. „Dazu zählt auch, einmal Blödsinn zu machen und etwas wieder abreißen zu müssen. Aus Fehlern kann ich lernen“, sagt Hinsch. Er braucht den Ansporn, die Frage: was kann ich noch leisten, wie kann ich mich stetig verbessern? Das gilt für die Arbeit und auch für seine zweite Leidenschaft, den Kraftdreikampf. Hier macht Hinsch seit fünf Jahren Wettkämpfe, auch in der Bundesliga.

Kraftdreikampf ist ein wunderbarer Ausgleich

Sein Niveau als Powerlifter beschreibt er selbst als „mehr oder weniger professionell“. Hinsch ist eben ein Typ, der seinen Leidenschaften mit voller Energie nachgeht, auf dem Dach und an den schweren Gewichten. Mit denen trainiert er seit 15 Jahren. Warum macht er das? „Ich brauche ein Ziel neben dem Beruf. Ich will abends nicht nur auf der Couch sitzen.“ So geht es nach der Arbeit erst einmal zum Training und danach sehr entspannt zur Familie. „Das ist ein wunderbarer Ausgleich und sehr gut für mein Wohlbefinden“, sagt der Reetdachdecker. „Ein Leben ohne den Sport kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.“ Und eines ohne die Arbeit auf dem Dach erst recht nicht, ließe sich hier gut hinzufügen.

Reetdachdecker

Gute Vorbereitung ist auf dem Dach genauso wichtig wie beim Powerliften.

Reetdachdecker als Hauptdarsteller im Imagefilm der Landesinnung

Als Kraftsportler steht er allein an den Gewichten, doch im Job und im Ehrenamt ist Hinsch ein echter Teamplayer. So musste er nicht groß überredet werden, als es um die Mitarbeit beim Jugendprojekt „Zukunft Dachdecker“ der Landesinnung in Schleswig-Holstein ging. In einem der Imagefilme spielt er die Hauptrolle.

Hallig-Held Jannik Hinsch

„Es ist wichtig, dass wir junge Leute, die überlegen eine Ausbildung zu beginnen, ins Handwerk holen. Nicht jeder muss studieren. Ich möchte mit meinen jungen Kollegen zusammen die Trendwende einleiten. Nach dem Motto: wer will, der kann das. Hinsch wird die Schulen und auf Messen gehen, um Jugendliche mit seinem Beispiel zu begeistern. „Wir haben 2017 die Nachwuchsinitiative gestartet, bauen das langsam auf und verteilen die Arbeit regional.“ Der 30-Jährige ist das beste Beispiel, was im Handwerk alles möglich ist, auch über den zweiten Bildungsweg. „Es ist schon mein Traum, irgendwann einen eigenen Betrieb zu führen als Reetdachdecker.“

Sie interessieren sich für den Beruf Dachdecker. Dann lesen sie unseren Artikel über den Landessieger der Berliner Auszubildenden.

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