Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Bild von VELUX Banner
Gerüst steht vor einem Gebäude im Rohbau, Holzbalken und Mauerwerk sind sichtbar.

Wohnungsbau ökologisch: Holzbausteine statt Mauerziegel

Knut Köstergarten

19. September 2023

Die Bau- und Gebäudewirtschaft hat einen hohen Anteil am Treibhausgasausstoß. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen (UN) verursachte dieser Sektor bereits 2019 über 38 Prozent der gesamten globalen CO2-Emissionen. Der Großteil entsteht zwar in der Nutzung, aber auch in der Herstellung der Materialien, wie etwa Zement, und im Bauprozess. Wie es anders gehen könnte, zeigt das Start-up Triqbriq, das für den Bau von Wohngebäuden ein System mit Holzbausteinen entwickelt hat, ohne Verwendung von Beton und Mauerziegeln. Ende Juli wurde das erste mehrgeschossige Wohngebäude mit diesem System in Frankfurt mit 430 Quadratmetern fertiggestellt.

Bild von Baustelle mit Holzbausteinen
Das erste mehrgeschossige Wohngebäude mit Holzbausteinen wurde in Frankfurt realisiert. (Alle Fotos: Triqbriq)

Schadholz als Material für Holzbausteine

Die einzelnen Holzbausteine werden hochpräzise von Robotern vorgefertigt und auf der Baustelle zu einem massiven System zusammengefügt. Eine Besonderheit: Das Triqbriq Holzbausystem macht erstmalig einen nachhaltigen und kreislauffähigen Rohbau auf Basis von Kalamitätsholz möglich. Davon fallen jährlich Millionen von Festmetern an. Leider gibt es bisher kaum eine Verwertung jenseits der Verbrennung für diesen wertvollen Rohstoff. In den Holzbausteinen kommt dieses Holz nun zum Einsatz. Triqbriq verarbeitet Sturmholz, Insektenholz, Wipfelschnitte oder Abfallholz. 

Bild von Schadholz für Holzbausteine
Für die Holzbausteine wird Schadholz genutzt, das sonst kaum Verwendung findet im Holzbau.

So sorgt das innovative System für eine ressourcenschonende Holznutzung im Rohbau. Und am Ende ihrer Nutzungsphase können diese Holzbausteine – die BRIQs – übrigens sortenrein rückgebaut und im Sinne von Nachhaltigkeit und Recycling von Materialien in eine neue Planung überführt werden. Auf diese Weise sind in dem nun gebauten Wohnhaus über 50 000 Kilogramm CO2 eingelagert.

Bild von Baustelle mit Holzbausteinen
Die Holzblöcke sehen aus wie riesige Legosteine.

Rohbau plus Dachstuhl steht in sechs Tagen

Ungewöhnlich ist vor allem die kurze Bauzeit des Projekts. In lediglich sechs Tagen wurde der gesamte Rohbau inklusive Dachstuhl fertiggestellt. Die vom Bauherrn beauftragten HandwerkerInnen waren nach Angaben von Triqbriq begeistert von der einfachen Handhabung der Holzbausteine. „Wir hatten bisher keine Erfahrung mit dem Triqbriq-System, es ist aber wirklich unglaublich einfach. Am Montagmorgen haben wir nach einer kurzen Einweisung mit dem Mauern des Erdgeschosses begonnen und konnten dieses bereits um 15 Uhr fertigstellen. Mit herkömmlichen Lösungen wie Kalksandstein dauert das bei einem vergleichbaren Projekt rund drei Tage. Auf Grund dessen war es uns möglich, den gesamten Rohbau sogar schneller als geplant umzusetzen“, erklärt Geschäftsführer Edis Dzanovic vom ausführenden Generalunternehmens B.E. Bau GmbH.

Bild von Baustelle mit Holzbausteinen
Auch im Dachgeschoss kommen Holzbausteine für die Zwischenwände zum Einsatz.

Nächste Bauvorhaben größer und höher

Auch Triqbriq-Vorstand Maximilian Wörner scheint sichtlich zufrieden mit der Umsetzung des ersten mehrstöckigen Gebäudes mit Holzbausteinen und blickt mit Freude in die Zukunft: „Wir freuen uns, mit unserem Triqbriq-System Teil dieses Bauvorhabens zu sein. Alle Bauabschnitte, bei denen die Holzbausteine involviert waren, liefen ausgezeichnet ab. Das ist das erste mehrstöckige Bauvorhaben, das wir mit unserem innovativen System beliefern und wir waren in allen Arbeitsschritten schneller fertig, als geplant. Jetzt blicken wir mit Vorfreude auf die anstehenden Projekte. Diese werden nicht nur deutlich größer, sondern dank unserer optimierten Technologie auch höher.“

Bild von Triqbriq-Vorstand Maximilian Wörner
Triqbriq-Vorstand Maximilian Wörner freut sich auf die nächsten Projekte.

Besuch vom Ministerpräsidenten Kretschmann

Nach dem Probeaufbau auf der Messe Bau in München und diesem ersten Bauprojekt ist die öffentliche Resonanz für die Technologie der Holzbausteine stark gestiegen. So ist es auch kein Zufall, dass Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) dem Start-up mit Firmensitz in Tübingen im Rahmen seiner Sommertour unter dem Motto „Dem Klimawandel mit Innovation begegnen“ jüngst einen Besuch abstattete.

Bild von Ministerpräsident Kretschmann mit Holzbausteinen
Hoher Besuch: Ministerpräsident Winfried Kretschmann legt selbst Hand an.

Vor Ort machte sich Kretschmann einen Eindruck von den Möglichkeiten, die Triqbriq für einen nachhaltigen und kreislauffähigen Rohbau bietet. Vorstand Maximilian Wörner stellte dabei die eigens entwickelten und roboterunterstützten Produktionsanlagen des Unternehmens für die Holzbausteine und zudem die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten des Systems vor. An einem Probeaufbau montierte Kretschmann eigenhändig einen der robotergefertigten Holzbausteine.

Bild von Produktion der Holzbausteine
Die einzelnen Holzbausteine werden von Robotern gefertigt,

Kreislaufwirtschaft wird am Bau immer wichtiger

 „Kreislaufwirtschaft wird auch in der Bauwirtschaft immer wichtiger. Wir brauchen innovative Unternehmen wie Triqbriq, um den Holzbau auszuweiten und künftig noch mehr CO2 speichern zu können. Den Kreis des im Bau verwendbaren Holz auf Schadholz auszuweiten und damit die verfügbaren Holzmengen deutlich auszuweiten, ist eine hochinteressante Idee“, so Ministerpräsident Kretschmann. „Unternehmen wie Triqbriq zeigen, wie wichtig Start-ups für die Transformation unserer Wirtschaft sind. Sie treiben Innovationen voran und machen Klimaschutz kopierfähig. Als Land unterstützen wir Start-ups deswegen mit voller Kraft.“

Sie interessieren sich für nachhaltiges Bauen? Dann lesen Sie unsere Story über Cool Roofs, kühlende Dächer.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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