Cool Roofs: Kühlende Dächer gegen Hitze im Haus
Bild von Cool Rolfs Gebäude

Cool Roofs: Kühlende Dächer gegen Hitze im Haus

29. August 2023

 · Knut Köstergarten

Dachdecker sehen sich inzwischen zurecht als Klimahandwerker. Mit energetischer Dachdämmung, PV-Anlagen und Gründächern arbeiten sie mit an einer gelingenden Energiewende. Doch auch die Dacheindeckung rückt langsam in den Fokus und damit die sogenannten Cool Roofs. Das sind kühlende Dächer, die bis zu 90 Prozent der Sonneneinstrahlung reflektieren und damit spürbar die Wärmeentwicklung unter dem Dach reduzieren können.

Bild von Cool Roofs-Gebäude
Ganz in Weiß präsentieren sich auch die Wohnhäuser von CAS Architects. Die helle Farbgebung der Fassade und die als Cool Roof ausgeführten, asymmetrischen Satteldächer sorgen in Kombination mit einer energieeffizienten Haustechnik für ein ganzjährig konstantes Raumklima. (Foto: Nelskamp/Dachkult; Titelbild: Prefa/Croce & Wir)

Cool Roofs sind in Kalifornien bereits vorgeschrieben

Solche Dächer sind im sonnenreichen US-Bundesstaat Kalifornien bei Neubauten vorgeschrieben. In Deutschland sind helle Steildachflächen hingegen noch die Ausnahme, was sich nach Einschätzung von Klaus H. Niemann, bis Ende 2022 Sprecher der Initiative Steildach, aber bald ändern könnte. „Der Klimawandel ist kein Ereignis, auf das wir uns irgendwann in der Zukunft einstellen müssen. Er ist längst da und beeinflusst sowohl die Architektur als auch die Bauproduktehersteller in Europa.“

Cool Roof gewinnt Nachhaltigkeitspreis

Beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur 2021 wurde denn auch ein Hotelgebäude prämiert, das mit einem Cool Roof ausgestattet ist. Schon allein aufgrund seiner kreidigen Erscheinung ist das von der Preisjury nominierte und vom Architekturbüro VON M geplante Hotel in der Bauhofstraße in Ludwigsburg ein außergewöhnlicher Hingucker. Die helle Gebäudehülle hat aber nicht nur einen gestalterischen Effekt. Sie ist auch Teil des in die Zukunft gerichteten, nachhaltigen Gebäudekonzepts, bei dem laut Aussage der ArchitektInnen die größtmögliche Reduzierung des CO2-Ausstoßes sowohl in der Errichtung als auch im Betrieb eine wesentliche Rolle spielt.

Bild von Cool Roofs-Gebäude
Das für den deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur 2021 nominierte Hotel in Ludwigsburg wurde vom Architekturbüro VON M mit einem sogenannten Cool Roof ausgestattet. (Foto: Brigida Gonzales)

Hitzereduktion für Gebäude und Umgebung

Helle Dachflächen mit einem hohen Sonnenreflektionsgrad (SRI) können bis zu 90 Prozent der Sonneneinstrahlungen zurückwerfen, wodurch sich die Gebäude darunter weniger aufheizen. Solche Cool Roofs schaffen es laut Studien des US National Centers for Climate Research aber auch, dass die Außentemperatur in Städten um bis zu ein Grad Celsius gesenkt werden kann. Einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik zufolge wirken sich aktive Fassaden, Dächer, Straßenbeläge und Pflanzen nachhaltig auf die Verbesserung der Luftqualität in Städten aus. Helle, die Sonneneinstrahlung reflektierende Farben könnten dabei eine entscheidende Rolle spielen. Als sogenannte Cool Colors nutzen sie die Trennung des sichtbaren und nicht-sichtbaren Strahlungsspektrums der Sonne.

Cool Roofs kühlen tagsüber effektiver als PV-Module

Der Effekt fällt zwei amerikanischen Studien zufolge regional unterschiedlich stark aus: Neben der Klimazone beeinflussen auch Architektur, lokales Wetter und die Oberflächenenergiebilanz des Gebäudes das Ergebnis. Zudem kühlen Cool Roofs tagsüber effektiver als PV-Module. Nachts ist es genau umgekehrt. Bei einer Ausrüstung aller Gebäude mit den entsprechenden Technologien würden Cool Roofs den täglichen stadtweiten Kühlenergiebedarf um 13 bis 14 Prozent verringern. Auf dem Dach montierte PV-Anlagen sparen acht bis elf Prozent ein. Auch erste europäische Studien belegen diesen Effekt. Cool Roofs und PV-Dächer könnten laut Pressemeldung der Initiative Steildach einen standortabhängigen Beitrag zur Abkühlung der Innenstädte leisten. Die zusätzlichen Einsparungen durch die Nutzung der Sonnenenergie wurden in den Untersuchungen aber noch nicht berücksichtigt.

Bild von Gebäude mit Dacheindeckung Cool Roofs
Im historischen Zentrum von Mechelen schlossen dmvA architecten eine Baulücke durch ein Mehrfamilienhaus mit spitzem Dach und gänzlich weißer Farbgebung. (Foto: Sergio Pirrone)

Wie Cool Roofs funktionieren

Cool Roofs werden Dächer genannt, die mithilfe heller oder spiegelnder Eindeckungen oder auch Beschichtungen die energiereiche kurzwellige Sonneneinstrahlung reflektieren, wodurch sie sich weniger stark aufheizen als herkömmliche dunklere Dachoberflächen. Dieser Effekt trägt dazu bei, die Temperatur im Inneren des Gebäudes zu senken. Bei Gebäuden, die durch Klimaanlagen gekühlt würden, verringerten Cool Roofs den Kühlbedarf, wodurch der Energieverbrauch gesenkt und die Treibhausgasemissionen verringert würden, beschreibt Barbara Jahn den Vorteil in einem Artikel im Magazin Handwerk+Bau.

Cool Roofs auf Steildach und Flachdach

Im Bereich Steildach können Cool Roofs etwa als Metalldach wie beim prämierten Hotelbau oder als Dachziegel aus Beton verlegt werden. Zusammen mit einer hellen Fassade ergibt sich eine schöne und besondere optische Wirkung. Zudem bieten einige Herstellern seit längerem auch Cool Roofs als Beschichtungen für das Flachdach, vor allem im gewerblichen Bereich. Die Wissenschaft, die hinter diesen Beschichtungen steht, hat sich laut Barbara Jahn erheblich weiterentwickelt, gerade im Hinblick auf die Verbesserung ihrer Robustheit und Langlebigkeit unter den extremen Bedingungen auf Dächern. Beschichtungen für Cool Roofs gibt es inzwischen auf Basis von robusten Pigmenten auch für Steildächer, was dort ebenfalls einen nachträglichen Hitzeschutz ermöglicht.

Sie interessieren sich für interessante Materialien? Dann lesen Sie unseren Artikel über eine detaillierte Schieferfassade.

Artikel jetzt teilen!

Weitere Artikel

Produkte

Roto Flachdachausstieg Exklusiv: sicher und montagefreundlich

Newsletter-Anmeldung

DACH-Ticker

Positiver Trend im Dachdeckerhandwerk: Steigerung der Azubizahlen

Die aktuellen Zahlen zeigen einen erfreulichen Anstieg der Azubizahlen im Dachdeckerhandwerk. Derzeit erlernen 8490 junge Menschen diesen Beruf, was einem leichten Anstieg um 0,75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 8427 Auszubildenden entspricht. Rolf Fuhrmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), betont die positive Entwicklung trotz der allgemeinen Ausbildungssituation und intensiver Konkurrenz mit anderen Berufen.

7. Februar 2024

Holzhandel erzielt im Jahr 2023 deutlich weniger Umsatz

Das schwierige wirtschaftliche Umfeld verbunden mit einer sehr schwachen Baukonjunktur sorgten beim deutschen Holzhandel 2023 insgesamt für einen Umsatzrückgang von 15 Prozent. Teilweise ist dieser Umsatzrückgang aber auch weiter nachgebenden Preisen geschuldet. Die Jahresauswertung des monatlichen GD Holz Betriebsvergleiches zeigt deutlich, dass die schwachen Absatzmärkte im vergangenen Jahr voll auf die Umsatzentwicklung der Branche durchgeschlagen haben. Alle wichtigen Sortimente im Holzhandel sind von diesem Umsatzrückgang betroffen, am stärksten Schnittholz mit einem Umsatzrückgang von 24 Prozent.

2. Februar 2024

ifo Institut: Rentenalter an steigende Lebenserwartung koppeln

Das ifo Institut Dresden hat sich dafür ausgesprochen, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. „Einige unserer Nachbarländer haben das bereits beschlossen, so die Niederlande, Schweden und Finnland“, sagt ifo-Rentenexperte Joachim Ragnitz. In den Niederlanden werde folgende Regel angewendet: Wenn die Menschen drei Jahre länger leben, müssen sie zwei Jahre länger arbeiten und bekommen ein Jahr länger Rente. Das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen würde damit auch nach dem Jahr 2040 stabil bei rund 40 Prozent liegen und nicht auf fast 50 Prozent steigen, wie derzeit prognostiziert. 

16. Januar 2024

Beschäftigung auf Rekordniveau: Arbeitsmarkt zeigt sich 2023 widerstandsfähig

Im Dezember 2023 waren rund 2,6 Millionen Menschen arbeitslos. Im Vergleich zum November stieg die Arbeitslosenquote saisonbedingt um 0,1 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent. Staatssekretärin Leonie Gebers, Bundesministerium für Arbeit und Soziales: „Erfreulich ist, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit 35,1 Millionen im Oktober erneut einen Höchststand erreicht hat und die Nachfrage nach neuen MitarbeiterInnen im Dezember trotz weiterhin schwacher Konjunktur wieder leicht gestiegen ist. Der Arbeitsmarkt erweist sich als verlässlich und widerstandsfähig.“

8. Januar 2024

Dachdecker gilt als am wenigsten durch Künstliche Intelligenz gefährdeter Beruf

Die meisten Büroberufe halten viele Menschen nach einer repräsentativen Umfrage der Marktforscher von YouGov für akut gefährdet, durch Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt zu werden. Besser sind die Zukunftsaussichten für die handwerklich geprägten Berufe, bei denen sich die menschliche Komponente nur sehr schwer ersetzen lässt. Den Beruf des Schreiners halten 64 Prozent der Befragten für wenig oder gar nicht gefährdet, 65 Prozent den Beruf Maler und für den Beruf Dachdecker sehen gar 71 Prozent der Befragten wenig oder gar keine Gefahr.

21. Dezember 2023

Mayener Meisterwoche 2024 mit aktuellen Themen

In Mayen werden vom 24.-26. Januar 2024 wieder Tür und Tor für die Mayener Meisterwoche (MMW) geöffnet. Das Programm lässt keine Wünsche offen und beleuchtet die aktuellen Themen der Zeit: Neben wichtigen Neuerungen im Fachregelwerk geht es um Schadensfälle bei PV-Anlagen, die Möglichkeiten und Grenzen einer 4-Tage-Woche in Dachdeckerbetrieben, aber auch Cybersicherheit und KI im Handwerk versprechen interessante Einsichten. Ein Blick in das Programm lohnt auf jeden Fall.

15. Dezember 2023

Neues Führungs-Duo bei Velux Deutschland

Mit sofortiger Wirkung übernehmen Silke Stehr als Sprecherin der Geschäftsführung und Matthias Mager als Geschäftsführer Vertrieb die Leitung von Velux Deutschland. Jacob Madsen, bisheriger Geschäftsführer, wechselt als Executive Vice President Region North Europe in das Top-Management der Velux Gruppe. „Silke und Matthias haben viel Markt- und Branchen-Erfahrung und gestalten Velux schon lange erfolgreich mit,“ erklärt Madsen. „Gemeinsam werden wir unser Qualitätsversprechen, die enge Zusammenarbeit mit den Partnerbetrieben im Fachhandel und Handwerk und die starke Position des Unternehmens weiter ausbauen.“

4. Dezember 2023

Auftragszahlen im Wohnungsbau gehen weiter abwärts

„Seit mehr als einem Jahr verzeichnen wir nun schon negative Zahlen bei Baugenehmigungen und Auftragseingängen im Wohnungsbau. Von Januar bis September wurden fast 77.000 Wohneinheiten weniger genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Die Order sind im September um real 15 Prozent zurückgegangen“, so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Der Der Wohnungsbau brauche neben dem beim Kanzlergipfel verabschiedeten 14-Punkte-Plan kurzfristige Hilfe, sonst werde der Einbruch noch dramatischer.

24. November 2023

ifo Institut: Auftragsstornierungen im Wohnungsbau erreichen neuen Höchststand  

Die Stornierungswelle im Wohnungsbau reißt nicht ab. Im Oktober meldeten 22,2 Prozent der Unternehmen gestrichene Projekte, im Vormonat waren es 21,4 Prozent. „Es wird immer schlimmer, mehr und mehr Projekte scheitern am gestiegenen Zinsniveau und den teuren Baupreisen“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Das Neugeschäft im Wohnungsbau ist weiterhin sehr schwach, die Auftragsbestände der Firmen schmelzen ab.“ 

15. November 2023

ifo Institut: Wirtschaftsleistung 2023 schrumpft um 0,4 Prozent

Das ifo Institut hat seine Konjunkturprognose bestätigt. Demnach wird die deutsche Wirtschaftsleistung 2023 um 0,4 Prozent schrumpfen. Im kommenden Jahr wird sie dann um 1,4 Prozent steigen, aber 0,1 Prozentpunkte weniger als bislang gedacht. Im Jahre 2025 wird das Wachstum 1,2 Prozent betragen. „Anders als bislang erwartet dürfte die Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2023 ausbleiben. Die Abkühlung setzt sich fort, in nahezu allen Branchen steht die Tendenz auf Flaute“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. 

8. September 2023