Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

Über uns

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Bild von VELUX Banner
Ausschnitt eines digitalen Workflows mit OpenAI- und Dokumenten-Modulen auf einem gepunkteten Hintergrund.

KI auf dem Dach: Wie Oliver Oettgen Zukunft lebt

Rainer Sander

4. September 2025

Viele Kollegen kennen Oliver Oettgen, denn er hält Vorträge und zeigt sich gerne online. Und weil er etwas zu sagen hat, folgen ihm viele Dachdecker – vom Azubi bis zum Betriebsinhaber – in den sozialen Medien. Dabei spricht er gerne Themen an, die polarisieren, die neu sind und die von Veränderung erzählen oder sie bewirken. Im eigenen Betrieb setzt er inzwischen auch auf Künstliche Intelligenz (KI). Wir stellen mit Angebot und Kalkulation sowie Baustellenverwaltung zwei Einsatzbereiche für KI in seinem Betrieb Over-Dach vor.

Beim Thema KI leuchten seine Augen

Spricht Oliver Oettgen über KI, leuchten seine Augen – nicht, weil er den Handwerkerberuf in eine Science-Fiction-Welt verlegen möchte, sondern weil er darin ein handfestes Werkzeug sieht. Eines, das im Dachdeckerhandwerk längst nicht überall angekommen ist. „Wer sich nicht damit auseinandersetzt, wird verlieren“, sagt der Dachdeckermeister aus Kerpen bei Köln. Es ist kein leeres Drohwort, sondern Resümee nach über zehn Jahren konsequenter Digitalisierung in seinem Familienbetrieb Over-Dach, der auf eine stolze Tradition seit 1854 zurückblickt – und trotzdem moderner arbeitet als mancher Start-up-Betrieb.

Bild von Oliver Oettgen beim Vortrag auf der Bühne
Hat die Signale und Chancen der KI erkannt: Oliver Oettgen. (Foto: Jürgen Biniasch)

Einen guten, kostenlosen Einstieg in KI bietet das Mittelstand Digital Zentrum Handwerk mit seinen Workshops!

Konsequente Digitalisierung

Schon vor einem Jahrzehnt begann Oliver Oettgen, Prozesse zu verschlanken und digital zu denken. Dokumentenmanagementsystem, digitale Zeiterfassung, KI-gestützte Baustellendokumentation – Baustein für Baustein entstand eine Infrastruktur, die heute die Basis für ehrgeizige Automatisierungsprojekte ist. Das Herzstück: die KI-gestützte Angebots- und Kalkulationsstrecke.

Bild von Monitoren von Oliver Oettgen
KI-gestützt Angebote schneller und mit weniger Aufwand erstellen.

Erstes Beispiel: KI für Angebote und Kalkulation

Maßgeblich unterstützt wird er dabei von Volker Blees, dem kaufmännischen Leiter und Prokuristen, der sich augenzwinkernd als „KI-Mitarbeiter“ bezeichnet. „Wir schreiben 100 Angebote und bekommen vielleicht zehn Aufträge“, erklärt Volker Blees. „Das bedeutet 90 Kalkulationen ohne Ertrag. Genau da setzen wir mit KI an.“ Die Vision: Ausschreibungen automatisch auswerten – egal ob Text, Plan oder Bild –, Leistungspositionen erkennen, mit bisherigen Kalkulationen abgleichen und eine Vorkalkulation ins ERP-System schreiben lassen. Der Mensch bleibt im Loop, kontrolliert und passt an, aber Ziel ist eine 80/20-Abdeckung: 80 Prozent der Arbeit macht die KI, 20 Prozent der Mensch.

Zweites Beispiel: KI auf der Baustelle

Die Digitalisierung endet bei Over-Dach nicht im Büro. Auf den Baustellen diktieren Mitarbeiter ihre Tagesberichte ins Smartphone. Und was macht die KI: Sie transkribiert, erkennt den Kontext, etwa Leistungsnachweise oder eine Mängelmeldung, sie füllt Formulare aus und übersetzt bei Bedarf mehrsprachig. Das erleichtert nicht nur den Arbeitsalltag, sondern auch die Integration von Mitarbeitern, die noch nicht so gut Deutsch sprechen. Diese können dann die Tagesberichte in ihrer Muttersprache aufnehmen.

Bild von Nutzung der KI für Baustellenbilder auf dem Monitor von Oliver Oettgen
KI auf der Baustelle ist ein wichtiges Thema bei Over-Dach, um Prozesse zu optimieren. (Alle Fotos: Over-Dach)

Die Zukunft: KI erkennt Mängel am Dach via Bodycam

Und was kommt in Zukunft noch? Live-Qualitätskontrolle per Mini-Bodycam, welche die Mitarbeiter am Körper tragen. Die mit entsprechenden Daten gefütterte KI erkennt potenzielle Mängel in Echtzeit. „Natürlich muss man das mit Kunden und Mitarbeitern abstimmen, aber die technischen Möglichkeiten sind da“, erläutert Volker Blees, der viele solcher digitalen Projekte im Betrieb mit vorantreibt.

Azubis lernen auch virtuell mit VR-Brillen

Auch in der Ausbildung erproben Oliver Oettgen und sein Team neue Wege in der Digitalisierung. Sie setzen auf virtuelles Lernen mit Hilfe von VR-Brillen. So können die Azubis über die Anweisungen im Display bestimmte Arbeiten Schritt für Schritt lernen und üben – zusätzlich zum Arbeiten auf den Baustellen. Solche Lernmethoden können sich bei dem heutigen Nachwuchs als Alleinstellungsmerkmal erweisen im Wettbewerb um Fachkräfte.

Bild von Oliver Oettgen und Volker Blees
Volker Blees (links) ist für die KI zuständig im Betrieb Over-Dach.

Skalierbarkeit für alle Betriebsgrößen

Oliver Oettgen weiß: Nicht jeder Dachdeckerbetrieb beschäftigt 50 Mitarbeitende oder hat eine eigene Digitalisierungsabteilung. „Es muss bei der Geschäftsleitung anfangen – egal ob Drei-Mann-Betrieb oder 50 Leute“, betont er. Gerade kleine Betriebe könnten schon mit einfachen Anwendungen starten – etwa mit ChatGPT für E-Mail-Entwürfe oder Terminorganisation. Die Einstiegshürde hält Oliver Oettgen für niedrig: „20 Euro im Monat, drei Monate testen – und man hat ein Gefühl dafür, was möglich ist.“

Bild von KI generiertem Kalender
Die Welt der KI bietet auch etwas für kleinere Betriebe , ist Oliver Oettgen überzeugt. Man könne etwa mit ChatGPT zur Unterstützung für E-Mail-Entwürfe oder die Terminorganisation starten.

Und wo interne IT-Kenntnisse fehlen, empfiehlt Volker Blees Kooperationen: „Fünf, sechs Betriebe stellen gemeinsam jemanden ein, der die Lösungen entwickelt. So lassen sich Kosten teilen – und alle profitieren.“

Kulturwandel gefragt bei den Dachdeckern

Doch Technik allein reicht nicht. „Die technische Seite ist das eine – der menschliche Faktor das andere“, sagt Oliver Oettgen. Viele Kollegen hätten sich mit Software schon die Finger verbrannt – diese Skepsis sei spürbar. Sein Rezept: „klein anfangen, sofort spürbare Mehrwerte schaffen, Erfolgserlebnisse ermöglichen und Neugier wecken.“ Und er ergänzt: „Wir müssen als Chefs von innen heraus strahlen. Wenn wir selbst nicht überzeugt sind, können wir niemanden draußen auf der Baustelle begeistern.“

Bild von Oliver Oettgen mit seinem Buch
Ist auch als Buchautor und Vortragsredner aktiv, hier auf der Messe Dach+Holz: Oliver Oettgen. (Foto: Jürgen Biniasch)

Mehr als Eigeninteresse

Natürlich profitiert Over-Dach selbst von seiner Vorreiterrolle. Doch für Oliver Oettgen und Volker Blees geht es um mehr: „Wir wollen nicht nur unsere Firma zukunftsfähig machen, sondern das Handwerk als Ganzes.“ Gemeinsam denken sie über den eigenen Betrieb hinaus – bis hin zur Entwicklung von Lösungen, die auch andere Betriebe einsetzen können.

KI als gelebte betriebliche Praxis

Oliver Oettgen zeigt, dass KI im Dachdeckerhandwerk keine ferne Zukunftsmusik ist, sondern längst gelebte Praxis – vom Angebotsprozess bis zur Baustelle. Der Schlüssel: strategisch denken, mutig starten und die Menschen mitnehmen. Wer das beherzigt, senkt nicht nur die Kosten und steigert die Effizienz, sondern erfindet auch ein Stück Handwerkskultur neu. Oder, wie Oliver Oettgen es auf den Punkt bringt: „Es geht nicht anders.“

Rainer Sander

Der „gelernte“ Pädagoge und Betriebswirt des Handwerks war 1986 erster Öffentlichkeitsreferent einer nordhessischen Kreishandwerkerschaft. Danach 15 Jahre Sozialmanagement und seit 2005 selbständiger Coach und Berater. Die ganze Zeit über arbeitete er zudem als freier Journalist für nordhessischen Print- und Online-Medien.

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