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Sarah Darscheid: Dachdeckerin und Ausbilderin aus Leidenschaft

Jasmin Najiyya

2. September 2025

Wenn Sarah Darscheid von ihrem Beruf spricht, springt der Funke förmlich über. Ihre Augen leuchten, ihre Stimme ist voller Begeisterung. Es sind diese Momente, die spürbar machen, was sie antreibt. „Ursprünglich wollte ich Medizin studieren“, erinnert sie sich, „aber dann half ich mit 13 beim Dachdecken auf unserem Haus mit. Plötzlich wusste ich: Das ist mein Weg.“ Was zufällig in den Ferien begann, wurde zur Berufung und führte sie von Mendig bis an das Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks (BBZ) in Mayen.

Das BBZ Mayen feiert 2025 sein 100-jähriges Bestehen – wir haben zurückgeblickt!

Ein Sommer veränderte alles

Geboren und aufgewachsen in Mendig, einem kleinen Ort bei Mayen, war Handwerk in ihrer Familie kein bestimmender Faktor. „Mein Stiefvater ist im Tiefbau tätig, aber Dächer waren nie ein Thema“, sagt sie. Als das Elternhaus ein neues Dach bekam, stand Sarah Darscheid zum ersten Mal auf einem Gerüst und war fasziniert von Naturschiefer, seiner Wertigkeit und dem Klang, den er beim Zuschlagen erzeugt. Ab diesem Tag war ihr klar: „Ich werde Dachdeckerin.“ Schon als Schülerin arbeitete sie daraufhin regelmäßig in der Martin Söhn GmbH mit, lernte den handwerklichen Alltag kennen und schnupperte Teamatmosphäre.

Bild von Dachdeckerin und Ausbilderin Sarah Darscheid auf dem Dach
Von der Pike an auf dem Dach gelernt: Dachdeckermeisterin Sarah Darscheid. (Alle Fotos: Darscheid/BBZ Mayen)

Die Lehrjahre: Grundstein für ihr Können

Mit 15 begann Sarah Darscheid ihre Ausbildung voller Überzeugung und Neugier auf das, was sie erwarten würde. „Ich hatte das Glück, von Anfang an in einem großartigen Umfeld zu lernen“, sagt sie rückblickend. Nach ihrer Lehre bei Martin Söhn wechselte sie zu Rolf Schwindenhammer, um neue Techniken kennenzulernen. „Der Wechsel war wichtig, weil mich verschiedene Arbeitsweisen und Betriebe immer gereizt haben“, erklärt sie. 2008 begann sie ihre Lehrzeit, drei Jahre später absolvierte Sarah Darscheid der Gesellenprüfung. Nach mehreren Gesellenjahren wagte sie dann den Sprung auf die Meisterschule. Es waren neun arbeitsreiche Monate, die ihr Durchhaltevermögen und Ehrgeiz abverlangten: „Es war hart, aber ich habe es nie bereut.“

Blick über den Tellerrand: Österreich als Erfahrungsquelle

Nach bestandener Meisterprüfung wollte Sarah Darscheid weiterlernen. Sie zog nach Österreich. Was zunächst für ein Jahr geplant war, wurde am Ende ein Aufenthalt von fast fünf Jahren in einem großen Betrieb mit über 100 Angestellten. „Das war ein Riesenkontrast zu den Unternehmen in meiner Heimat, in denen ich bisher gearbeitet hatte. In großen Teams läuft vieles anders, vor allem wird in Österreich traditionell noch viel von Hand gefertigt“, erzählt sie. Diese Erfahrung prägte sie handwerklich und menschlich gleichermaßen, machte sie vielseitiger und stärkte ihren Blick für alternative Arbeitsmethoden.

Bild von Dachdeckerin und Ausbilderin Sarah Darscheid im Unterricht
Heute leitet die Ausbilderin den Dachdeckernachwuchs an, hier bei der Arbeit mit Schiefer.

Die Liebe zum Schiefer: Dachdeckerkunst mit besonderer Note

Bis heute hegt Sarah Darscheid eine besondere Faszination für Schieferdächer. „Schiefer ist für mich das Edelste, was es gibt. Das ist Handwerk auf höchstem Niveau“, schwärmt sie. Der Moment, in dem Lehrlinge zum ersten Mal selbst mit Hammer und Schiefer arbeiten, ruft bei ihr Erinnerungen wach. „Die Konzentration, das Gefühl für das Material und die Technik – das prägt sich ein und macht unseren Beruf einzigartig.“

Schieferornamente als Kunst – unser Portrait von Dachdecker Michael Wenzel!

Wissen weitergeben am BBZ Mayen

Seit 2022 ist Sarah Darscheid als Ausbilderin und Dozentin am BBZ in Mayen tätig, das dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. „Als ich selbst hier gelernt habe, waren die Ausbilder für mich echte Vorbilder. Dass ich jetzt diese Rolle habe und die erste Frau im Team bin, erfüllt mich mit Stolz und Verantwortung“, erklärt sie. Ihr Unterricht ist praxisnah, lebendig und zeichnet sich durch eine Mischung aus Humor, Strenge und Empathie aus. „Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sind mir wichtig, das bringe ich den Auszubildenden auch bei. Aber vor allem will ich Begeisterung wecken und zeigen, wie besonders unser Handwerk ist.“ In ihren Kursen wird nicht nur gearbeitet, sondern auch gelacht, diskutiert und die Teilnehmenden meistern Herausforderungen gemeinsam.

Bild von Dachdeckerin und Ausbilderin Sarah Darscheid im Unterricht am BBZ Mayen
Wissen weiterzugeben, das treibt Sarah Darscheid als Ausbilderin an.

Handwerk als Lebensschule: Werte fürs Leben

Für Sarah Darscheid ist das Dachdeckerhandwerk weit mehr als nur ein Beruf, es ist eine Lebensschule. „Man muss Wetter, Höhe und Teamarbeit mögen, vor allem aber muss man Leidenschaft mitbringen. Wer einmal selbst ein Dach fertiggestellt hat, weiß, wie erfüllend das ist.“ In ihrer Arbeit als Ausbilderin legt sie Wert auf Teamgeist, Durchhaltevermögen und Präzision. Drei Eigenschaften, die in ihren Augen nicht nur im Beruf, sondern im ganzen Leben nützlich sind.

Bild von Dachdeckerin und Ausbilderin Sarah Darscheid am Dachmodell
Im Gespräch in der großen Werkhalle am BBZ Mayen.

Frauen im Handwerk: Mut und Vorbilder sind gefragt

Sarah Darscheid weiß um die Herausforderungen, denen Frauen im Handwerk begegnen, von Vorurteilen bis zu hohen Anforderungen im Alltag. Doch sie sieht auch die Chancen: „Frauen sind oft sehr präzise und detailorientiert, das ist ein echter Vorteil. Es braucht mehr weibliche Vorbilder, die zeigen, dass das Handwerk keine reine Männersache ist.“ Als engagiertes Mitglied von „Zukunft Dachdecker“, der Jugendorganisation des Landesinnungsverbandes des Dachdeckerhandwerks Rheinland-Pfalz, setzt sie sich für die Nachwuchs- und Frauenförderung ein, berät Eltern und Jugendliche und ermutigt insbesondere junge Frauen. „Traut euch, probiert euch aus. Das Handwerk hat viele Gesichter und wir brauchen sie alle.“

Bild von Dachdeckerin und Ausbilderin Sarah Darscheid beim Unterrichten
Sarah Darscheid ermutigt junge Frauen, den Weg ins Handwerk einzuschlagen.

Mit Herz, Hand und Adrenalin

Auch privat ist Sarah Darscheid voller Energie. Sie liebt das Laufen, Klettern und Motorradfahren. „Ich brauche Bewegung und Adrenalin.“ Ihr handwerkliches Wissen ist auch im Alltag von Vorteil: „Ich habe ein Haus gekauft und komplett selbst umgebaut. Ohne das Handwerk hätte ich das nie geschafft und die Kosten wären unbezahlbar gewesen.“ Für Sarah Darscheid steht fest: Handwerk ist Zukunft. „Wer Dachdecker wird, kann sich immer weiterentwickeln, bis hin zum Meistertitel. Und das Gefühl, am Ende des Tages ein fertiges Dach vor sich zu sehen, ist unbezahlbar.“

Bild von Dachdeckerin und Ausbilderin Sarah Darscheid am Gipfelkreuz
In ihrer Freizeit klettert die Dachdeckermeisterin gerne in den Bergen.

Mit Begeisterung vorangehen

Sarah Darscheid ist überzeugt, dass Leidenschaft der Schlüssel ist – nicht nur für Auszubildende, sondern auch für Ausbilder. „Wenn wir mit Begeisterung vorangehen, stecken wir andere an.“ Ihre Botschaft an alle, die überlegen, eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen, ist eindeutig: „Traut euch! Probiert euch aus. Das Dachdeckerhandwerk ist einer der schönsten Berufe überhaupt, weil man täglich sieht, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat.“

Jasmin Najiyya

Jasmin Najiyya absolvierte ihre Ausbildung an der Freien Journalistenschule Berlin. Seit 2014 arbeitet sie als freiberufliche Redakteurin mit den Schwerpunkten Blogging, Content-Erstellung sowie Umsetzung von Marketing- und Kommunikationsprojekten für Unternehmen und ist bereits längere Zeit im Bereich Dachhandwerk tätig.

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