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Bild von VELUX Banner
Gebäude mit reich verziertem Holzdach, großen Glasfenstern und einigen gehenden Personen, unter teils bewölktem Himmel.

Außergewöhnlich: Flughafen Bhutan entsteht in Holzbauweise

Knut Köstergarten

25. September 2025

Bereits im Dezember 2024 fand die Grundsteinlegung für den Flughafen Buthan statt. Der Entwurf für die Erweiterung in Holzbauweise verbindet moderne Technologie mit der traditionellen bhutanischen Handwerkskunst. Zu sehen war das bereits bis September 2025 auf der Architekturbiennale in Venedig, wo ein Meister alter Schnitzkunst und ein KI-gesteuerter Roboter gemeinsam einen sechs Meter langen Holzbalken gestalteten. Das dänische Architekturbüro Bjarke Ingels Group (BIG) setzt beim Design des neuen Gebäudes auf eine faszinierende Verbindung von Tradition und Innovation und demonstriert, wie Technologie zur Erhaltung und Weiterentwicklung lokalen Handwerks beitragen kann.

Neueröffnung für 2029 geplant

Der Flughafen Bhutan liegt umgeben von den üppigen subtropischen Wäldern, Bergen und Flüssen. Mit einer Kapazität von 123 Flügen pro Tag soll der Flughafen bis 2040 jährlich 1,3 Millionen Passagiere aufnehmen und bis 2065 auf 5,5 Millionen Passagiere anwachsen. Die Neueröffnung nach der Erweiterung ist für 2029 geplant.

Bild von Schaltern im Flughafen in Bhutan in Holzbauweise
Die diagonale Struktur des Flughafens wird aus lokalem Holz gefertigt und ist mit traditionellen bhutanischen Holzschnitzereien verziert. (Alle Fotos: BIG)

Lesetipp: Nicht nur Flughäfen, auch Sportstadien entstehen heute in Holzbauweise!

Modulare Massivholzrahmen werden verziert

Die diagonale Struktur des Flughafens Bhutan vor der Kulisse des Himalayas wird demnach aus heimischem Holz gefertigt und mit traditionellen bhutanischen Holzschnitzereien von lokalen Künstlern verziert. Die Architektur des Flughafens besteht aus modularen Massivholzrahmen, die Flexibilität und Erweiterbarkeit bieten und das Motiv der nahen Bergmassive aufnehmen. Nach Entwurf und Plänen des Büros BIG werden alle Massivholzelemente nach traditioneller Handwerkskunst geschnitzt, gefärbt und mit drei Arten von Drachen verziert. Sie sollen auf diese Weise Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Bhutan symbolisieren. Das Ergebnis ist laut Architekturbüro zugleich traditionell und avantgardistisch, zukunftsweisend und verwurzelt.

Bild von Flughafen in Bhutan in Holzbauweise
Bhutans biologische Vielfalt soll in den Flughafen Einzug halten. Ein waldartiger Innenhof wird das Terminal in zwei Bereiche teilen.

Holzbau-Module erleichtern mögliche Expansion

Am Flughafen Bhutan wird eine Holzmodul-Bauweise entwickelt, um dem für die nächsten Jahrzehnte prognostizierten Wachstum gerecht werden zu können. Die Holzrahmen sind so konstruiert, das auf einfache Weise eine Demontage oder eben eine Erweiterung jederzeit möglich ist. Die aus diagonalen, sich kreuzenden Holzbalken gefertigten Gebäude sind leicht ab- oder ausbaubar.

Holzstruktur absorbiert subtropische Feuchtigkeit

Der Flughafen Bhutan ist an das subtropische Klima in Südbhutan angepasst und enthält klimagerechte, passive Konstruktionen, wie sie in der traditionellen bhutanischen Architektur zu finden sind. Seine Holzstruktur absorbiert Feuchtigkeit aus der Luft und hilft, die Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen zu regulieren, während belüftete Dächer und Innenhöfe den natürlichen Luftstrom fördern. Im Außenbereich spenden Dachvorsprünge Schatten und schützen zudem vor starken Regenfällen. Auf dem Dach des Flughafens ist eine PV-Anlage geplant, passend zur Position Bhutans als Nation mit einem negativen CO2-Ausstoß.

Bild von Flughafen in Bhutan in Holzbauweise
Die Holzrahmen des Flughafens sind strukturell unabhängig, so dass sie einfach demontiert und erweitert werden können.

Integration traditioneller Handwerkskünste

Viele Planungsaspekte am internationalen Flughafen Bhutan mit Namen Gelephu feiern die einheimische Kultur und integrieren regionale Handwerkskunst wie Tischlerei (Shing-Zo), Schnitzerei (Par-Zo), Malerei (Lha-Zo) und traditionelle Webtechniken (Tshar-Zo). Die traditionellen bhutanischen Schnitzereien sollen sich sowohl im Inneren als auch im Äußeren des Gebäudes als elementare Bestandteile der architektonischen Gestaltung finden. „Für mich persönlich ist diese ungewöhnliche Umarmung von traditionellem Handwerk und Farbe ein echtes Zeugnis dafür, wie sehr mich die Begegnung mit Bhutan – dem Land, seiner Kultur und seinen Menschen – berührt hat“, erklärt Bjarke Ingels, Gründer und Kreativdirektor von BIG.

Bild von Innenhof des Flughafens in Bhutan in Holzbauweise
Fast eher eine Oase als ein Flughafen: Das neue Gebäude inmitten der tropischen Natur.

Ruheräume für die Reisenden

Der Flughafen ist in natürliches Licht getaucht und verfügt über einen großen, dreifach hohen Eingangsbereich mit großen, raumhohen Fenstern und Oberlichtern, um den Reisenden einen Ort der Ruhe und des Ankommens zu bieten. In Innen- und Außenlounges finden sich Räume für Yoga, Gongbäder und Meditation, in denen die Reisenden Energie tanken können. So verkörpert die Gestaltung des Flughafens Bhutan vom Licht über die Materialien bis zum Raumkonzept die besonderen Werte des Landes von Nachhaltigkeit, psychologischem Wohlbefinden und persönlichem Glück.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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