Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Holzbau mit Turm wird gebaut, ein Kran hebt etwas an, zwei Personen stehen daneben, im Hintergrund ein Haus mit Ziegeldach und Bäumen.

Zultner Holzbau: Problemlöser im Denkmalschutz

Knut Köstergarten

29. Juni 2023

Diesmal geht es um die Sanierung eines historischen Holzturms mit Schiefereindeckung auf dem Dach einer ehemaligen Schlossanlage. Wieder ein Projekt ganz nach dem Geschmack von Werner Zultner, Geschäftsführer von Zultner Holzbau aus Hückeswagen im Oberbergischen Land. Die Witterung hatte großen Schaden an dem denkmalgeschützten Turm verursacht. Es war Feuchtigkeit eingedrungen in die Verschalung und die Holzkonstruktion, der Schiefer war spröde geworden.

Luftaufnahme eines weißen Herrenhauses mit rotem Dach, vorne ein runder Garten mit Statuen, umgeben von Bäumen und Wegen.
Die ehemalige Schlossanlage steht unter Denkmalschutz und wird heute von einem Golfverein genutzt. (Alle Fotos: Zultner Holzbau)

Turm mit dem Kran nach unten transportiert

„Wir standen vor der Herausforderung, die Statik unter Auflagen des Denkmalschutzes wieder zu ertüchtigen. Nach eingehender Prüfung haben wir uns für die Demontage des Turmes als komplette Konstruktion entschieden, erklärt Zultner. Seine Mitarbeiter lösten den Turm als Ganzes aus dem Dach des Gebäudeteils und zogen ihn mit dem Kran nach unten. So konnte die Sanierung am Boden ausgeführt werden.

Zwei Männer betrachten eine Baustelle mit Holzgerüst und Leiter neben einem Gebäude mit Schieferdach.
Mit dem Kran wurde erst der marode Turm nach unten transportiert und hier der sanierte wieder nach oben.

Spezielles Know-how erforderlich  

Eine Aufgabe für echte Spezialisten. Die beiden Mitarbeiter von Zultner Holzbau haben einen Restauratoren-Lehrgang absolviert. Der eine ist Zimmerermeister, der andere absolviert gerade die Meisterschule. „Für so eine Sanierung braucht es besonderes Know-how. Es geht darum, möglichst viel des bisherigen Holzes aus Eiche zu erhalten, aber zugleich dafür zu sorgen, dass keine Schädigung durch Pilz- und Insektenbefall in der Konstruktion verbleibt“, sagt Zultner, selbst gelernter Kaufmann, Zimmermann, Restaurator des Zimmererhandwerks und Bauingenieur.  „Wir haben Gesundschnitte gemäß der Norm von 30 bis 50 Zentimeter hinter dem letzten Pilzbefall und zur Sicherheit noch einige Zentimeter darüber hinaus gemacht und dann neue Hölzer/Füllhölzer mit denkmalgerechten Holzverbindungen angearbeitet.“

Beschädigter Holzbalken mit sichtbaren Abnutzungsspuren und Verrottung an einer Baustelle, Gerüste und Gebäude im Hintergrund.
Für die Restaurierung solcher beschädigten Holzkonstruktionen braucht es Experten mit entsprechendem Know-how.

Verbindungen denkmalgerecht ausführen

In der Praxis hieß das: Zuerst wurden Verschalung und Eindeckung entfernt. Danach tauschten die beiden Spezialisten die Traghölzer eins zu eins aus im Bereich der Schädigung. Dabei galt es, alle Verbindungen denkmalgerecht auszuführen. Das Dach des Turmes erhielt neben einer neuen Schiefereindeckung als Traufabschluss ein neues Kastengesimse. Der untere Teil des Turmes wurde als tragendes Fachwerk mit einer verlorenen Verschalung (konstruktiver Holzschutz) ausgeführt. Zusätzlich gibt es eine Metallverblendung mit Ausstiegsluke zum Dach gegen das Eindringen von Feuchtigkeit.

Eine Holzleiter lehnt an einem hölzernen Gebäude mit spitzem Dach, das sich im Bau oder in der Renovierung befindet.
Ein neues Holzdach für den Turm wird hier realisiert, bevor die Schiefereindeckung folgt.

Problemlöser mit Fokus Holzarbeiten

Wie kommt Zultner Holzbau an solche spannenden Aufträge? „Wir sind Problemlöser und hatten im Schlossbereich schon Balkenlagen ertüchtigt. Da hat man uns jetzt wieder gefragt“, berichtet Zultner. Der Bereich Denkmalschutz macht rund 25 Prozent aller Aufträge aus. „Wir agieren aber nur regional. Hier kennen wir die Denkmalschützer und wissen, was diese erwarten.“ Der Fokus liegt komplett auf Holzarbeiten. So hat bei diesem Projekt ein Dachdecker die Schiefereindeckung des Turmes als Partner übernommen. „Man kennt sich, das sind verlässliche Beziehungen“, so Zultner.

Ein Holzrahmenhaus im Bau mit sichtbaren Dachbalken und einer teilweise montierten Fassade in einer Halle.
Vorfertigung Tiny House in der Produktionshalle von Zultner Holzbau.

Abbundanlage und Vorfertigung

Inzwischen beschäftigt Zultner Holzbau rund 25 Mitarbeiter. „Wir machen neben Denkmalschutz vor allem Holzrahmenbau und Sanierungen im Bestand“, erläutert der Geschäftsführer. Dafür gibt es eine Abbundanlage – für eigene Projekte sowie die Belieferung von Kollegen. „Wir übernehmen dann die Konstruktion als CAD – Planung und liefern das komplett verzimmerte Holz für den Dachstuhl oder für die Konstruktion auf die Baustelle des jeweiligen Betriebs.“

Modernes Haus mit Metallfassade und -dach, großen Fenstern und vertikaler Verkleidung, im Freien mit Bäumen im Hintergrund.
So sieht das fertige Tiny House nach der Montage vor Ort aus.

Auch Vorfertigung von Wand- oder Deckenelementen führt das Team von Zultner Holzbau an einem Weinmann-Tisch in den eigenen Räumen aus. Es gibt eigene Auflieger und Wechselpritschen, den Transport zur Baustelle übernimmt dann eine externe Spedition. „Wir setzen auf veredelten Holzbau, wollen so viel wie möglich vorab machen und die Montagezeit kurzhalten, um aus dem Wetterrisiko rauszukommen“, erläutert Zultner die Philosophie.

Holzrahmenbau eines Gebäudes, sichtbare Dachbalken und Wände, Bauarbeiter arbeiten an der Konstruktion auf einer Baustelle, Gerüst am Rand.
Holzrahmenbau ist eines von drei geschäftlichen Standbeinen von Zultner Holzbau.

Zultner Holzbau: Unikate bauen – keinen Standard

Die aktuelle Auslastung ist trotz der Krisenzeichen im Neubau sehr gut. Für dieses Jahr noch stehen sechs weitere Holzrahmenhäuser in den Auftragsbüchern, hinzu kommen Sanierungen, Reparaturen und Aufstockungen im Bestand. „Wir bauen Unikate, nichts aus der Schublade. Und das ist eine wichtige Kompetenz, etwa im Bereich Lückenbebauung. Da ist alles individuell auszuführen, da gibt es keine Standards“, so Zultner, der ehrenamtlich im Aufsichtsrat der DEG Dach-Fassade Holz eG mitwirkte. 

Eine Person arbeitet auf einer Baustelle mit Holz und Gerüst im Freien, im Hintergrund grüne Felder und blauer Himmel.
Die Mitarbeiter sind bereits bei der Montage des Dachgeschosses angekommen.

Für die vielen Aufträge braucht es entsprechenden Nachwuchs an Fachkräften. Kein Problem bei Zultner Holzbau, wo aktuell fünf Lehrlinge ausgebildet werden. „Wir ziehen uns die Jungs selbst heran, auch wenn der eine oder andere danach noch studieren geht“, so Zultner. Der Betrieb hat sich in 35 Jahren einen Namen in der Region gemacht. „Junge Leute wollen gerne eine Lehre bei uns absolvieren, gerade auch, weil die Aufgaben so vielfältig sind.“

Nach der Gründung gleich Fachwerkhäuser saniert

Zultner Holzbau ist über die Jahre nachhaltig gewachsen. Doch wie fing alles an? „Wir starteten mit der Sanierung von drei Fachwerkhäusern in Hückeswagen.“ Das waren 1988 nur er selbst, sein Bruder Klaus und ein Lehrling. Altes Fachwerk gibt es viel in dieser Region, dem Oberbergischen Land. Über die Empfehlung eines Dachdeckers kam gleich der nächste Auftrag herein, ein Großprojekt: Die Sanierung des kompletten Schlosses Lerbach plus Reithalle im nahen Bergisch Gladbach.

Ein alter, hölzerner Dachaufbau mit verwittertem Holz und Schieferdach, umgeben von Baumzweigen und Dachziegeln.
Die Projekte im Denkmalschutz haben dem Betrieb den entscheidenden Schub gegeben.

Alles auf die Karte Denkmalschutz gesetzt

Drei Jahre waren die Brüder mit ihren vier Mitarbeitern auf der Baustelle beschäftigt und damit komplett ausgebucht. „Wir haben alles auf die Karte Denkmalschutz gesetzt. Ob ich das heute wieder so machen würde, weiß ich nicht. Aber damals hat uns das den entscheidenden Schub gegeben“, erklärt Zultner. Einbringen konnte er Erfahrungen aus der Sanierung der Fachwerkhäuser und sein Know-how aus dem Bauingenieurstudium. Der Kunde war sehr zufrieden. „Und als das Projektende absehbar war, haben wir uns nach Folgeaufträgen umgesehen“, erinnert sich der Zimmerer.

Spaß trotz Dreck und Staub

Die eine Karte Denkmalschutz hat sich dabei als sehr hilfreich erwiesen. „Mit dem Schloss-Projekt hatten wir uns sofort einen Namen gemacht. Danach kamen immer neue Anfragen der öffentlichen Hand sowie von Privatleuten und Kirchen. Mit dem Denkmalschutz haben wir eine Alleinstellung. In der Region sind wir da allein auf weiter Flur“, berichtet Zultner. „Diese Arbeit macht mit ihren unterschiedlichen Aspekten und Herausforderungen einfach großen Spaß – trotz Dreck und Staub, trotz Pilzen, Schwamm oder Insekten im alten Holzgebälk.“ 

Ein Kirchturm wird mit einem Kran auf ein Dach gehoben.
Da ist die Arbeit am Holzturm fast vollendet. Mit Hilfe des Krans wird er wieder neu an seinem alten Standort transportiert.

Echte Leidenschaft für den Denkmalschutz

Zultner hat deshalb vor Jahren noch die Zusatzqualifikation Restaurator im Zimmererhandwerk in Biberach draufgesattelt. Dort lässt er auch seine Mitarbeiter schulen – etwa in der Technik der alten Holzverbindungen. Zudem hat der Zimmerer den Sachkundenachweis Holzschutz. Dieses vielfältige Know-how braucht es im aufwendigen Prozess der Sanierung im Denkmalschutz.  „Ein Teil meiner Mitarbeiter arbeitet nur im Denkmalschutz, das sind Spezialisten geworden“, weiß der Bauingenieur. Das gilt auch für ihn selbst. Wenn er über Bauabläufe wie bei der Sanierung des Holzturms spricht, ist zu spüren, mit welcher Leidenschaft Werner Zultner bei der Arbeit ist.

Sie interessieren sich für Zimmerer mit spannenden Holzbauprojekten? Dann lesen Sie unsere Story über die Zimmerei Fuchs – ein junges Unternehmen für altes Handwerk.

Knut Köstergarten

Schreibt seit über zehn Jahren für das Printmagazin „Das Dach“ und leitet dort und bei Dach live die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und inzwischen auf die Bereiche Politik und Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge – gerade auch von Unternehmern.

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