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Dachdecker-Ausbildung: So bleiben gute Lehrlinge im Betrieb

2019.08.13 Michael Podschadel • Lesezeit 4’

Die 2018 erneut angestiegenen Zahlen bei der Dachdecker-Ausbildung sind ein gutes Vorzeichen für den aktuellen Ausbildungsstart, doch noch immer bricht knapp jeder Dritte die Lehre ab. Und viele Betriebe finden gar keine Lehrlinge. Wie es anders geht, zeigt der Betrieb Viellechner Dachdeckermeister GmbH.

Rund ein Drittel der Auszubildenden im Dachdeckerhandwerk bricht vorzeitig ab; je nach Region steigt die Zahl der Abbrecher sogar auf weit über 40 Prozent. Hinzu kommt, dass Lehrlinge nach erfolgreicher Dachdecker-Ausbildung nicht unbedingt bleiben wollen. Wie es anders funktionieren kann, zeigt mit Erfolg die Viellechner Dachdeckermeister GmbH.

Dachdecker-Ausbildung: Keine unbesetzten Plätze

Rund vier Jahre ist es her, dass Lasse Kutzbach den Berliner Betrieb Viellechner übernommen hat. Seine Frau Kirsti kam in den Betrieb, um den Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit neu aufzubauen. Eine der zentralen Fragen, mit der sich die gelernte Kunsthistorikerin seitdem beschäftigt, ist die Nachwuchswerbung. Und der Betrieb hat Antworten gefunden: Viellechner gelingt es, genug Aufmerksamkeit und Begeisterung für Branche und Handwerk zu erzeugen, sodass heute keiner der insgesamt zwölf Ausbildungsplätze unbesetzt ist. Auch für den Ausbildungsstart in diesem August haben sich gute Bewerber gefunden.

Lasse Kutzbach hat zusammen mit seiner Frau Kirstin die Auszubildenden-Challenge ins Leben gerufen, um geeignete Kandidaten für die Dachdecker-Ausbildung zu finden.

Lasse Kutzbach hat zusammen mit seiner Frau Kirsti die Azubi-Challenge ins Leben gerufen, um geeignete Kandidaten für die Ausbildung zum Dachdecker, Zimmerer oder Klempner zu finden. (Foto: Rheinzink)

Eine Maßnahme, die sich Lasse und Kirsti Kutzbach einfallen ließen, ist die Azubi- Challenge, mit der der Betrieb von sich reden macht. „Unsere Idee haben wir in Anlehnung an die in der Wirtschaft üblichen Assessment-Center entwickelt“, erklärt Kirsti Kutzbach. Die Aktion ist aber nicht nur publikumswirksam, sondern ein guter Weg, um das handwerkliche Talent junger Menschen abseits der Schulzeugnisse kennenzulernen. Im Rahmen der Azubi-Challenge vergibt das Dach- und Holzbauunternehmen Praktikums- und Ausbildungsplätze an die Teilnehmer, die sich als besonders teamfähig und geschickt in der Bearbeitung von Schiefer, Holz und Metall erweisen.

Dachdecker-Ausbildung: Gute Bewerber sind immer dabei

Über mangelnde Bewerbungen oder ungeeignete Kandidaten will sich Kirsti Kutzbach nicht beklagen, der branchentypische Nachwuchsmangel plagt sie wenig. „Es sind immer genügend gute Bewerber dabei“, berichtet die Marketingfrau zufrieden. „Allerdings wären mehr weibliche Bewerber wünschenswert.“ Dass es bei Viellechner kaum Probleme bei der Besetzung der Ausbildungsplätze gibt, hat für Kirsti Kutzbach verschiedene Ursachen. „Zunächst bieten wir ein recht breites Tätigkeitspektrum.“ Die Berliner Dachdeckerei bildet nicht nur Dachdecker aus, sondern auch Zimmerer, Bauklempner und jüngst auch einen Kaufmann.

Dachdecker-Ausbildung: Die Azubi-Challenge ist nicht nur publikumswirksam, sondern ein guter Weg, um das handwerkliche Talent junger Menschen abseits der Schulzeugnisse kennenzulernen.

Die Azubi-Challenge ist nicht nur öffentlichkeitswirksam, sondern vor allem ein guter Weg, um das handwerkliche Talent junger Menschen jenseits der Schulzeugnisse kennen zu lernen.

Flache Hierarchien und ein offener Austausch mit erfahrenen Kollegen sowie untereinander gehören bei Viellechner zur Ausbildung „Alle Azubis lernen bei uns die Tätigkeiten der anderen Gewerke kennen“, berichtet Kirsti Kutzbach. Ein monatlicher Lehrlingstag, an dem sich alle Auszubildenden gemeinsam einem Thema widmen, bietet fachlichen Austausch auf Augenhöhe. Möglich wird das zum Beispiel über gemeinsame Projekte, wie die Konstruktion eines Fahrradunterstands, bei dem der Holzunterbau und die Dacheindeckung gemeinsam realisiert werden.

Die Berliner Ausbildungsinitiative #seiDUAL berichtet über Viellechner

Dachdecker-Ausbildung: Moderne und offene Kommunikationskultur

Immer online, nur die Freizeit im Sinn und ständig auf Facebook, Instagram und Twitter – die Vorurteile über die sogenannte Generation Z, die Jahrgänge von 1995 bis 2010, sorgen bei Viellechner nicht für Vorbehalte. Im Gegenteil hat man erkannt, dass diese technikaffine Generation als erste von der Geburt an mit sozialen Netzwerken und digitalen Medien großgeworden ist – und bindet die Erwartungen und Fähigkeiten einfach ein. „Wir nutzen im Betrieb die Online-Plattform Slack, die speziell für Arbeitsgruppen entwickelt wurde. Hier tauschen sich Kollegen zu aktuellen Projekten aus, es gibt aber auch einen eigenen Azubi-Channel“, erklärt Kirsti Kutzbach.

Dachdecker-Ausbildung: Über mangelnde Bewerbungen kann sich Kirsti Kutzbach nicht beklagen, dies liegt zum Teil auch an dem breiten Tätigkeitsspektrum.

Über mangelnde Bewerbungen kann sich Kirsti Kutzbach nicht beklagen, dies liegt zum Teil auch an dem breiten Tätigkeitsspektrum bei Viellechner.

Aber nicht nur mit der digitalen Kommunikation ist Viellechner auf die junge Generation eingerichtet. Am heißesten Tag des Jahres fahren alle gemeinsam Wasserski – für die Lehrlinge ein echtes Highlight. Und besonders fleißige Auszubildende erhalten Bonuskarten, die dann etwa in einen Fachmessebesuch umgetauscht werden können. „Das motiviert nicht nur den Einzelnen, sondern färbt auch positiv auf die anderen ab,“ meint Kirsti Kutzbach. „Wir geben uns schon Mühe, die Ausbildung mit Anreizen zu versehen und die Motivation unserer Lehrlinge zu unterstützen und fördern.“

Nachwuchswerbung: Azubis zum Vorzeigen

Die Auszubildenden bei Viellechner erfüllen eine Vorbildfunktion, und das nicht nur intern. Auf Messen und bei Schulbesuchen sind die Lehrlinge dabei, um ganz authentisch über ihre Erfahrungen in der Dachdecker-Ausbildung zu sprechen. „Die positive Wirkung spürt man auf beiden Seiten“, berichtet Marketingfrau Kutzbach aus Erfahrung. „Schüler lassen sich durch die wenig älteren Lehrlinge viel eher für den Beruf begeistern, weil diese glaubwürdig sind. Und unsere Auszubildenden gewinnen wiederum an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, wenn sie mit den Jüngeren über ihre handfesten Berufserfahrungen sprechen.“

Die Auszubildenden bei Viellechner gehen bei Messen und Schulbesuchen auf die Schüler zu, um über ihre Erfahrungen bei der Dachdecker-Ausbildung zu sprechen.

Die Auszubildenden bei Viellechner gehen bei Messen und Schulbesuchen auf die Schüler zu, um über ihre Erfahrungen bei der Dachdecker-Ausbildung zu berichten.

Dachdecker-Ausbildung: Betrieb als Begleiter auf dem Berufsweg

Auch bei Viellechner verfolgen die Auszubildenden Interessen und Ziele, die einen Ausstieg aus dem Betrieb bedeuten können. Ihre Zukunftspläne reichen vom Studium und Meisterbrief bis zur Elternzeit oder dem Wunsch, sich selbstständig zu machen. „Anfangs waren wir da verunsichert, aber heute können wir gut damit umgehen und verstehen uns als Ausbildungsbetrieb, der seinen Lehrlingen zur Seite steht“, erklärt die Marketing- und Personalverantwortliche. „Wir begleiten unsere Azubis nach Möglichkeit auch auf dem weiteren Berufsweg und suchen Wege, den Wunsch nach Qualifikation mit einer Weiterbeschäftigung bei uns zu vereinbaren.“

Eine Lösung, die Viellechner bietet, ist die Aufnahme eines dualen Studiums, über das sich die Lehrlinge nach Ausbildungsende oder auch parallel weiterbilden können. Und selbst wenn sich ein ehemaliger Lehrling selbstständig macht, bleibt man in der Berliner Dachdeckerei entspannt. „Der Markt ist groß und die Aufträge sind derzeit kaum alle zu bewältigen. Da suchen wir eher Wege, auch zukünftig zusammenzuarbeiten und lassen kein Konkurrenzdenken aufkommen“, meint Kirsti Kutzbach.

Erst Azubi – nach erfolgreicher Dachdecker-Ausbildung bei Viellechner – nun Geselle. Der Betrieb Viellechner begleitet seine Lehrlinge auch bei Weiterbildungsmaßnahmen wie einem dualen Studium.

Erst Azubi, nun Geselle. Der Betrieb Viellechner begleitet seine Lehrlinge auf dem weiteren Berufsweg, gerade auch in Sachen Weiterqualifizierung.

Nachwuchswerbung ist kein Hexenwerk

Den Erfolg beim Nachwuchs hält Kirsti Kutzbach bei allem Engagement jedoch nicht für Hexenwerk. Ihrer Meinung nach profitiert Viellechner auch davon, dass viele andere Betriebe die verhältnismäßig einfachen Mittel, die sich heute bieten, schlichtweg nicht nutzen. „Wir präsentieren uns natürlich aktiv als attraktiver Ausbildungsbetrieb, aber viele andere präsentieren sich eben gar nicht.“ Mit Erfolg und Authentizität vermittelt das Berliner Dachbauunternehmen ganz anschaulich, wie spannend, abwechslungsreich und herausfordernd das Dachhandwerk ist – und lebt alltäglich einen offenen, fairen und modernen Ausbildungsbetrieb, der zukunftsfähig ist. Ein Beispiel, an dem sich andere Betriebe orientieren können.

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