Dachdecker Norman Adams: Kopf anstrengen und Lösungen anbieten
17. Dezember 2024
Auf den ersten Blick ist die Günter Adams + Sohn GmbH aus dem Kölner Stadtteil Dellbrück ein ganz normaler Dachdeckerbetrieb. „Wir machen in der Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik alles, auch Metalldächer oder Dächer und Fassaden mit Schiefer“, berichtet Geschäftsführer Norman Adams. Doch je länger das Gespräch dauert, desto mehr erzählt der Chef, und einige Besonderheiten zeigen sich.
Wendepunkt 2014 mit ersten großen Bauprojekten
Da gibt es etwa das stetige Wachstum seit 2011. Vorher hatte der Betrieb lange rund zehn gewerbliche Mitarbeiter plus eine Bürokraft und machte rund eine Million Euro Umsatz im Jahr. Heute beschäftigt Günter Adams + Sohn, Mitglied der DEG Alles für das Dach eG, 28 Mann auf den Baustellen, einen Lageristen sowie im Büro zusätzlich zwei Meister, die durch die langjährige und treue Bürofachkraft Birgit Ritz im Backoffice unterstützt werden. Der Umsatz stieg in den Jahren danach auf sechs Millionen Euro. „Ein Wendepunkt war 2014, von mittelgroßen auf große Bauprojekte ab 500 000 bis drei Millionen Euro“, erinnert sich Norman Adams. Das lief aber nicht über Kontakte. „Wir haben Ausschreibungen bekommen, ausgefüllt und fertig. Kam eine Anfrage, haben wir den Preis verhandelt.“

Zeigen, was das Team alles drauf hat
Mit den ersten Großaufträgen konnten der Chef und sein Vater Günter, der bis vor drei Jahren noch mit ihm gemeinsam den Betrieb führte, zeigen, was sie und ihr Team alles drauf haben. „Unser Ziel ist, die Aufträge qualitativ hochwertig bestmöglich auszuführen“, erläutert Norman Adams. „Wir wollen unseren Kopf anstrengen und Lösungen anbieten, zeichnen selbst die Details für die Ausführung und sind im engen Zusammenspiel mit Gutachtern oder Architekten.“ Die fachgerechte Qualität und das Einbringen eigener Ideen für die Umsetzung sprach sich schnell herum in der Rhein-Metropole.

Je 50 Prozent Sanierung und Neubau
„Wir hatten 2017 einen Auftrag von einem großen Projektentwickler, eine kniffelige Aufgabe mit echten Herausforderungen. Da gab es Probleme mit den anderen Gewerken, nur nicht mit uns auf dem Dach“, berichtet Norman Adams. So kommt es zu Weiterempfehlungen, so entsteht ein Netzwerk, zu dem neben Projektentwicklern, Wohnungsbaugesellschaften und der öffentlichen Hand auch einige Architekten gehören. Und neben den Großprojekten gibt es auch im Bereich Einfamilienhäuser Sanierungen und Neubauten. Waren es vor zehn Jahren noch 80 Prozent Umsatz mit energetischen Sanierungen, sind es aktuell je 50 Prozent Sanierung und Neubau. „Die Geschäftsfelder passen, wir wollen mit den Kunden und ihren Anforderungen weitergehen, sie glücklich machen.“

Energetische Sanierung einer ganzen Siedlung
Die Dimensionen der Projekte sind beeindruckend. Ein aktuelles Bauvorhaben geht über drei Jahre. Im Kölner Stadtteil Chorweiler ist der Betrieb an der Sanierung einer ganzen Siedlung beteiligt. „Wir machen die Flachdächer neu, mit extensiver Dachbegrünung und PV-Anlagen, alles aus einer Hand“, erzählt der Geschäftsführer. Meister Martin Baldauf hat dafür die Weiterbildung „PV-Manager im Dachdeckerhandwerk“ absolviert. „Aber die PV-Installation übernehmen wir nur in Verbindung mit einer energetischen Sanierung. Für mehr haben wir gar keine Manpower“, so Norman Adams. Er kooperiert in Sachen PV fest mit einem Elektrobetrieb seines Vertrauens.
Mit Adams lässt sich verlässlich planen
Was zeichnet den Betrieb aus als Dienstleister? „Wir sind erreichbar, wir gehen immer ans Telefon. Mit uns kann man verlässlich planen. Und bei Besprechungen nehmen wir kein Blatt vor den Mund, sagen auch, wenn wir Dinge anders angehen würden“, erläutert Norman Adams. Das gilt auch für Termine. Wenn die fachlich nicht einzuhalten sind, wird das bereits im Vorfeld des Auftrags offen kommuniziert. „Wir sind immer präsent auf der Baustelle, verlässlich, entwickeln die energetischen Sanierungen vor Ort.“ Fluktuation im Team ist zudem kein Thema im Betrieb. Das heißt, die Kunden behalten bei Folgeaufträgen ihren bekannten Ansprechpartner. „Die sagen auch schon mal, dass sie genau die gleiche Kolonne wiederhaben wollen“, weiß Norman Adams.

Vater gründete 1997 den Betrieb
Vater Günter Adams gründete 1997 den Betrieb als Einzelfirma, die später in eine GmbH umfirmiert wurde. Er startete mit einer Halle zur Miete und je einem Gesellen und Lehrling. Vor 19 Jahren vollzog Günter Adams dann aus Platzgründen den Umzug an den heutigen Firmensitz in Eigentum. Sohn Norman wollte schon immer in die Fußstapfen des Vaters treten. „Er war schon als Kind ein Handwerker, von Geburt an“, erinnert sich Günter Adams. Sohn Norman absolvierte im väterlichen Betrieb die Lehre, das war für beide selbstverständlich. Direkt im Anschluss folgte bis 2006 der Meister in Vollzeit an der Handwerkskammer Köln. „Danach habe ich Zivildienst gemacht und bin eingestiegen in den Betrieb.“
Viel abgeschaut von erfahrenen Gesellen
Norman Adams arbeitete viel auf Baustellen, leitete sie auch, und erwarb sich im Team nach und nach den nötigen Respekt. „Ich war immer da mit unseren Jungs an vorderster Front. Zugleich habe ich mir viel abgeschaut von den erfahrenen Gesellen und nie Probleme gehabt mit dem Team. Es ging schon immer familiär zu in unserem Betrieb.“ Bereits in der Lehre gab es keine Vorrechte als Sohn des Chefs. „Bei Fehlern habe ich einen Anpfiff bekommen wie alle anderen.“

Glatte Übergabe vom Vater zum Sohn
Der Vater überschrieb ihm direkt nach der Meisterprüfung die ersten Firmenanteile. Alles lief nach Plan. Und doch: „So richtig klick gemacht hat es bei mir erst ein paar Jahre später. Auf einmal war für mich klar, jetzt richtig!“, erinnert sich Norman Adams. „Es macht Spaß, etwas wirklich zu wollen.“ Er arbeitete ab da durchgehend, auch am Wochenende. Das hat sich ausgezahlt. Ein paar Jahre später startete 2011 der Wachstumsprozess, Hand in Hand mit dem Vater. „Wir waren froh, dass der andere da war. Mein Sohn hat alles auf den Baustellen geregelt, ich habe die Kalkulationen gemacht“, erinnert sich Günter Adams. „Wir hatten auch einmal verschiedene Meinungen, klar, aber wir fanden immer eine für beide akzeptable Lösung.“

„Ich habe mir alles unter den Nagel gerissen“
Die Übergabe lief dann glatt. „Ich habe mir alles unter den Nagel gerissen“, sagt Norman Adams schmunzelnd. „Und Papa hat losgelassen.“ Vor drei Jahren zog sich Günter Adams zurück, alle Anteile gingen an den Sohn. „Wir haben das dann mit dem Steuerberater aufgesetzt und fertig“, berichtet der Vater. Er hatte gut vorgesorgt und in Immobilien investiert, wovon er heute lebt. Günter Adams bezieht keine Rente aus dem Betrieb, so war finanzieller Stress ausgeschlossen. Der Vater gründete eine Firma für die Immobilienverwaltung, die sein zweiter Sohn Eric als Geschäftsführer leitet. Der hatte Wirtschaftsinformatik studiert und unterstützt auch im Dachdeckerbetrieb die IT, wo er ab 2014 die Software Consoir schrittweise einführte.

Betriebsstrukturen ans Wachstum angepasst
Inzwischen ist für Norman Adams die Zeit des Durcharbeitens vorbei. Er hat die Strukturen im Betrieb dem Wachstum der letzten Jahre angepasst. Bereits 2017 stellte er mit Alexander Hof den ersten Meister ein, der sich als erfahrener Handwerker bei uns bewarb. „Das war ein Glücksfall“, erinnert sich der Geschäftsführer. Ein weiterer folgte vier Jahre später, als Meister Martin Baldauf über private Kontakte den Weg in den Betrieb fand. Er führt den Bereich Reparatur und Wartung – ein wichtiges Standbein, denn der Betrieb hat Verträge mit großen Wohnungsbaugesellschaften, den Städten Köln und Leverkusen und den städtischen Kliniken in Köln. Martin Baldauf absolvierte auch den Drohnenführerschein. Das ist wichtig für die Wartung und soll zukünftig vermehrt auch beim Aufmaß zum Einsatz kommen.
Tagesgeschäft soll ohne den Chef laufen
Für Norman Adams ist es wichtig, die Arbeit im Büro aufteilen zu können. Sein Ziel: Das Tagesgeschäft muss ohne ihn laufen, was bereits gut klappt. Er hat zwei Kinder und möchte mehr Zeit mit der Familie verbringen und etwa in Ruhe in Urlaub fahren können. So übernehmen die beiden Meister morgens die Einteilung für die Baustellen und der Chef kann den älteren Sohn in die Kita bringen, bevor er ins Büro fährt. Norman Adams ist Familienmensch durch und durch. Und so denkt er auch viel drüber nach, wie er seinen Mitarbeitern beste Bedingungen schaffen kann. „Ich möchte ihnen ein angenehmes, familiäres Arbeitsumfeld schaffen, damit sie nicht überlastet sind.“

Mitarbeiter mit Wertschätzung führen
Seine Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende, führt er auf Augenhöhe. „Ich kümmere mich, fahre auf die Baustellen, rufe an, frage nach der Zufriedenheit“, erläutert Norman Adams. Auf der anderen Seite spricht er klar an, was ihm nicht gefällt. „Manchmal gibt es ein ernstes Wort.“ Denn über Qualität und Teamfähigkeit lässt er nicht mit sich reden. Mindestens alle zwei Jahre gibt es eine Betriebsbesprechung. „Wir planen dort gemeinsam und legen Ziele fest. Jeder kann Ideen einbringen“, erklärt der Chef. „Wir haben Firmenregeln aufgestellt und in einer Mappe festgehalten.“ Oder es wird diskutiert und gemeinsam beschlossen, welche Farbe die Arbeitskleidung haben soll.
Gemeinsam Spaß haben im Team
Auch Benefits werden besprochen. So gibt es jetzt für alle im Team eine Kreditkarte vom Betrieb mit 50 Euro Überweisung pro Monat. Fast noch wichtiger ist Norman Adams das Miteinander, auch über die Arbeit hinaus. Er zeigt Fotos auf dem Handy und erzählt mit Begeisterung, was sie schon unternommen haben. Da gab es ein Teamspiel mit Aufgaben, Kart fahren, Paintball spielen und natürlich Grillen. „Es geht darum, gemeinsam Spaß zu haben“, so Norman Adams. Über Teamgeist wird hier nicht nur geredet, er wird gelebt.
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