Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Orangenes Firmenfahrzeug mit der Aufschrift „Holzbau“ und einer Leiter auf dem Dach, aufgenommen bei blauem Himmel.

Dachdecker Arnd Neubauer: Mit Herz und Seele im Einsatz

Katharina Meise

30. September 2025

Das Handwerk steckt in einem Dilemma: Einerseits werden Dachdecker, Zimmerer, Spengler und Co. dringend gebraucht, die Auftragsbücher sind häufig voll und die Kundschaft muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Andererseits finden sich oft trotz dieser rosigen Aussichten auf einen sicheren und gut bezahlten Job weder Fachkräfte noch Auszubildende. Wie es dennoch gelingen kann, einen erfolgreichen Betrieb zu führen, zeigt Dachdecker- und Spenglermeister Arnd Neubauer aus Marl. Er leitet in mittlerweile dritter Generation den Innungsbetrieb Georg Neubauer GmbH, Mitglied der DEX eG, und ist überzeugt, dass sich Leidenschaft fürs Handwerk, Ausdauer und Engagement auszahlen.

In der Region verwurzelt und tätig

„Mein Großvater hat den Betrieb 1947 gegründet und ihn 1965 an meinen Vater übergeben. Ich habe das Unternehmen dann 1995 übernommen“, erzählt Arnd Neubauer. Seither leitet er die Geschicke des Betriebs mit seinen 30 Mitarbeitenden. „Wir sind hier in der Region verwurzelt, nicht nur, weil wir hier leben, sondern auch, weil wir für unsere Kunden im Umkreis von etwa 20 Kilometern tätig sind. Wir sind auf das Dachdeckerhandwerk spezialisiert, erledigen in dem Zuge aber auch kleinere Zimmererarbeiten. Wir haben eine gute Betriebsgröße und immer ausreichend Arbeit für alle“, erläutert Arnd Neubauer die Arbeitsweise.

Ein Mann mit Bart lehnt lächelnd an einem Pfosten im Freien, trägt schwarze traditionelle Zimmermannskleidung, im Hintergrund ist ein Gebäude mit dem Schriftzug "Neubauer" zu sehen.
Arnd Neubauer wurde von der Marler Zeitung zum Unternehmer des Jahres 2024 ausgezeichnet.

Auch ehrenamtliche Team-Einsätze

Daneben findet er mit seinem Team auch noch Zeit für ehrenamtliche Einsätze: „Wenn beispielsweise die örtliche Kita mal Hilfe braucht, um das neue Gartenhäuschen wetterfest einzudecken, machen wir das gerne und ohne Rechnung“, erklärt er augenzwinkernd. Zum Team gehört neben ihm ein weiterer Meister, ansonsten Gesellen und einige Quereinsteiger. „Sie alle sind schon so lange dabei, dass auch meine Helfer vollwertige Dachdecker oder Klempner sind. Sie haben so viel Erfahrung und sich im Laufe der Jahre so viele Fähigkeiten angeeignet, ich kann auf jeden im Team voll zählen!“

Vier neue Azubis in diesem Jahr

Gerade erst hat Neubauer, der von der Marler Zeitung als Unternehmer des Jahres 2024 ausgezeichnet wurde, vier junge Menschen fürs neue Ausbildungsjahr eingestellt. „Es freut mich besonders, dass wir so tolle Azubis gefunden haben, das ist nicht selbstverständlich. Alle Vier haben im Vorfeld ein Praktikum bei uns absolviert und sich anschließend für eine Ausbildung bei uns entschieden. Und das, obwohl sie teilweise sogar zunächst einen anderen Berufswunsch hatten“, lacht Arnd Neubauer. Überzeugt hat den Nachwuchs neben den Tätigkeiten vor allem der Betrieb selbst und das Team. „Wir sind ein Familienbetrieb, und so gehen wir auch mit unseren Mitarbeitern um: familiär und wertschätzend. Gibt es einmal Schwierigkeiten, setzen wir uns zusammen und finden gemeinsam eine Lösung. Aber meistens packen wir einfach alle zusammen an.“

Mehrere Arbeiter mit Sicherheitsausrüstung arbeiten auf einem Dach, einer gießt Flüssigkeit aus einem grünen Kanister, während andere zuschauen.
Das Team Neubauer arbeitet an einer Flachdachsanierung. (Alle Fotos: Neubauer)

Rotes, stilisiertes Buchsymbol über dem Text „LIVE LES“.In der Lehre in andere Betriebe reinschnuppern? Lest die Story über das Projekt Azubi-Tausch!

„Mitarbeiter zu erkaufen, schafft Söldner“

Seine Angestellten wissen das zu schätzen: „Wenn der Zusammenhalt im Team stimmt, die Stimmung gut und die Bezahlung fair ist, dann bleiben die Leute auch gerne und lange“, weiß er aus Erfahrung. Und eine lange Zusammenarbeit ist das, was Arnd Neubauer stets anstrebt. Von Anwerbe- oder Wechselprämien, wie manche Wettbewerber sie auszahlen, hält er daher wenig. „Mitarbeiter zu erkaufen, schafft Söldner. Wer dorthin wechselt, wo gerade am meisten bezahlt wird, der bleibt auch nicht lange. Wenn die Aufgaben langweilig sind oder die Leute bei Problemen allein gelassen werden, hilft auch eine Prämie nichts, dann sind sie genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.“

Eine Gruppe von Männern posiert vor einem Gebäude mit einem Firmenschild und Logos, einige knien, andere stehen, alle tragen Winterkleidung.
Strebt eine lange Zusammenarbeit mit allen Beschäftigten im Team an: Chef Arnd Neubauer.

Alle sollen sich wohlfühlen und lange bleiben

Arnd Neubauer engagiert sich daher für eine Verbundenheit zum Unternehmen, für eine echte Identifikation der Mitarbeiter mit seinem Betrieb und dem Team. „Wenn sich alle wohlfühlen, dann sind sie auch weniger anfällig für Lockangebote.“ Das gelte für erfahrene Fachkräfte ebenso wie für Auszubildende. „Ich stecke gerne meine Zeit und mein Wissen in die Ausbildung unserer Nachwuchskräfte. Wer seine Ausbildung bei mir absolviert und seinen Job gut macht, den übernehme ich mit Kusshand!“ Auf diese Weise sorgt Arnd Neubauer selbst für die benötigten Fachkräfte.

Flachdach mit Kies und Erde, kleines Glasfenster, im Hintergrund Bäume, Gebäude und ein bewölkter Himmel.
Flachdachsanierung mit Dachfenstern und Dachbegrünung.

Dem Handwerk fehlt die Lobby

Eines ist ihm dabei ganz wichtig: „Das Handwerk ist krisensicher, das muss sich endlich herumsprechen! Egal ob Autoindustrie, Zuliefererbetriebe oder andere Industriezweige, fast alle haben seit Jahren zu kämpfen. Aber wir Dachdecker nicht: Die Menschen brauchen immer ein Dach über dem Kopf, darum werden wir immer Arbeit haben.“ Leider fehle dem Handwerk oft eine entsprechende Lobby. Das merkt Arnd Neubauer nicht nur in seiner Funktion als Geschäftsführer. Auch im Ehrenamt als Kreishandwerksmeister, wo er für mehr als 1000 Betriebe aus dem Kreis Recklinghausen zuständig ist, als Obermeister der Dachdeckerinnung Recklinghausen oder als Aufsichtsrat der DEX eG bekommt er einiges mit.

Ein orangefarbener LKW mit Baumaterialien auf der Ladefläche steht auf einer Wiese neben Holzpaletten und Paketen, umgeben von Bäumen und Schatten.
Der eigene Kran unterstützt die Mitarbeitenden auf der Baustelle.

Mit Abi ins Handwerk? Unbedingt!

„Ich habe zum Beispiel schon versucht, an Schulen in der Region Termine zu bekommen, um das Handwerk vorzustellen. Die jungen Leute müssen ja Praktika absolvieren, sollen Berufe kennenlernen, um sich leichter für den für sie am besten geeigneten Ausbildungsweg entscheiden zu können. Aber an einem Gymnasium als Handwerksbetrieb einen Fuß in die Tür zu bekommen, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.“ Eine vertane Chance, da ist sich Arnd Neubauer sicher. „Die Zeiten, in denen man mit dem Abitur in der Tasche unbedingt studieren musste, sind doch längst vorbei. Aber bei Eltern und Lehrern ist oft noch das veraltete Bild im Kopf, da besteht wenig bis kein Interesse daran, dem Nachwuchs eine Handwerkskarriere nahezubringen.“

Weiterbildung ist Pflicht – und braucht Grips

Dabei müssen sich auch und gerade Dachhandwerker immer up to date halten, sich gut mit den neuesten Anforderungen und Vorschriften auskennen. „Es ist nicht damit getan, einmal den Job zu lernen und dann war’s das. Nicht nur die Ausbildung oder die Meisterschule erfordern Grips, auch eine ständige Weiterbildung der Mitarbeiter ist nötig, wenn man als Betrieb bestehen will“, erklärt Arnd Neubauer.

Baukran hebt Materialien zu einem Haus mit Gerüst, umgeben von grünen Bäumen und Garten, unter blauem Himmel.
Energetische Steildachsanierung von Neubauer.

Aktuelles Beispiel: die Solarpflicht. „Meine Leute sind zwar Dachdecker und Klempner, aber sie kennen sich auch bestens mit Photovoltaik aus“, so Arnd Neubauer. In NRW gilt seit Januar 2025 die Solarpflicht bei Neubauten; ab dem kommenden Jahr greift sie auch bei der Sanierung. „Da Sanierung und Instandhaltung 90 Prozent unseres Geschäfts ausmachen, habe ich meine Leute rechtzeitig geschult – und zwar die Kollegen auf dem Dach ebenso wie das Team im Büro. Wir alle müssen ja in der Lage sein, unsere Kunden kompetent zu beraten.“

Familienbetrieb bald in vierter Generation?

Sein Team ist also für die Zukunft gut aufgestellt. Und er selbst? „Ich habe mir noch gar nicht so viele Gedanken über meine Nachfolge gemacht“, sagt Arnd Neubauer. Aber wenn es mal soweit sein sollte, wird sich schon alles fügen, da ist er sich sicher. „Mein jüngerer Sohn beginnt nach seinem Abitur gerade eine Zimmererlehre, mein älterer Sohn studiert noch und schreibt gerade seine Bachelor-Arbeit zum Thema Photovoltaik. Beide scheinen also eine gewisse Affinität zum Dachhandwerk zu haben und ich kann mir ihren Einstieg in den Betrieb gut vorstellen. Ebenso ist auch eine Nachfolge aus dem Betrieb heraus möglich.“ Dass er nicht bis zu seinem Ruhestand mit einer Nachfolgeregelung warten sollte, ist ihm bewusst. Doch er sieht dem Tag dieser Entscheidung gelassen entgegen. „Bis dahin arbeite ich weiter mit Herz und Seele im schönsten Beruf der Welt!“

Katharina Meise

Sie hat das journalistische Handwerk vor über 20 Jahren in verschiedenen Print- und Online-Redaktionen von der Pike auf gelernt. Nach einem fast zehn Jahre währenden Ausflug in die Welt der PR leitete Meise die Unternehmenskommunikation eines renommierten Herstellers von Wohndachfenstern, Dachausstiegen und Bodentreppen – und entdeckte dort ihre Liebe zum Dachhandwerk.

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