Bild von Mitarbeiter von Arnd Neubauer mit Firmen-T-Shiert

Dachdecker Arnd Neubauer: Mit Herz und Seele im Einsatz

30. September 2025

 · Katharina Meise

Das Handwerk steckt in einem Dilemma: Einerseits werden Dachdecker, Zimmerer, Spengler und Co. dringend gebraucht, die Auftragsbücher sind häufig voll und die Kundschaft muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Andererseits finden sich oft trotz dieser rosigen Aussichten auf einen sicheren und gut bezahlten Job weder Fachkräfte noch Auszubildende. Wie es dennoch gelingen kann, einen erfolgreichen Betrieb zu führen, zeigt Dachdecker- und Spenglermeister Arnd Neubauer aus Marl. Er leitet in mittlerweile dritter Generation den Innungsbetrieb Georg Neubauer GmbH, Mitglied der DEX eG, und ist überzeugt, dass sich Leidenschaft fürs Handwerk, Ausdauer und Engagement auszahlen.

In der Region verwurzelt und tätig

„Mein Großvater hat den Betrieb 1947 gegründet und ihn 1965 an meinen Vater übergeben. Ich habe das Unternehmen dann 1995 übernommen“, erzählt Arnd Neubauer. Seither leitet er die Geschicke des Betriebs mit seinen 30 Mitarbeitenden. „Wir sind hier in der Region verwurzelt, nicht nur, weil wir hier leben, sondern auch, weil wir für unsere Kunden im Umkreis von etwa 20 Kilometern tätig sind. Wir sind auf das Dachdeckerhandwerk spezialisiert, erledigen in dem Zuge aber auch kleinere Zimmererarbeiten. Wir haben eine gute Betriebsgröße und immer ausreichend Arbeit für alle“, erläutert Arnd Neubauer die Arbeitsweise.

Bild von Dachdecker- und Spenglermeister Arnd Neubauer
Arnd Neubauer wurde von der Marler Zeitung zum Unternehmer des Jahres 2024 ausgezeichnet.

Auch ehrenamtliche Team-Einsätze

Daneben findet er mit seinem Team auch noch Zeit für ehrenamtliche Einsätze: „Wenn beispielsweise die örtliche Kita mal Hilfe braucht, um das neue Gartenhäuschen wetterfest einzudecken, machen wir das gerne und ohne Rechnung“, erklärt er augenzwinkernd. Zum Team gehört neben ihm ein weiterer Meister, ansonsten Gesellen und einige Quereinsteiger. „Sie alle sind schon so lange dabei, dass auch meine Helfer vollwertige Dachdecker oder Klempner sind. Sie haben so viel Erfahrung und sich im Laufe der Jahre so viele Fähigkeiten angeeignet, ich kann auf jeden im Team voll zählen!“

Vier neue Azubis in diesem Jahr

Gerade erst hat Neubauer, der von der Marler Zeitung als Unternehmer des Jahres 2024 ausgezeichnet wurde, vier junge Menschen fürs neue Ausbildungsjahr eingestellt. „Es freut mich besonders, dass wir so tolle Azubis gefunden haben, das ist nicht selbstverständlich. Alle Vier haben im Vorfeld ein Praktikum bei uns absolviert und sich anschließend für eine Ausbildung bei uns entschieden. Und das, obwohl sie teilweise sogar zunächst einen anderen Berufswunsch hatten“, lacht Arnd Neubauer. Überzeugt hat den Nachwuchs neben den Tätigkeiten vor allem der Betrieb selbst und das Team. „Wir sind ein Familienbetrieb, und so gehen wir auch mit unseren Mitarbeitern um: familiär und wertschätzend. Gibt es einmal Schwierigkeiten, setzen wir uns zusammen und finden gemeinsam eine Lösung. Aber meistens packen wir einfach alle zusammen an.“

Bild von Mitarbeitern von Arnd Neubauer auf einem Flachdach
Das Team Neubauer arbeitet an einer Flachdachsanierung. (Alle Fotos: Neubauer)

In der Lehre in andere Betriebe reinschnuppern? Lest die Story über das Projekt Azubi-Tausch!

„Mitarbeiter zu erkaufen, schafft Söldner“

Seine Angestellten wissen das zu schätzen: „Wenn der Zusammenhalt im Team stimmt, die Stimmung gut und die Bezahlung fair ist, dann bleiben die Leute auch gerne und lange“, weiß er aus Erfahrung. Und eine lange Zusammenarbeit ist das, was Arnd Neubauer stets anstrebt. Von Anwerbe- oder Wechselprämien, wie manche Wettbewerber sie auszahlen, hält er daher wenig. „Mitarbeiter zu erkaufen, schafft Söldner. Wer dorthin wechselt, wo gerade am meisten bezahlt wird, der bleibt auch nicht lange. Wenn die Aufgaben langweilig sind oder die Leute bei Problemen allein gelassen werden, hilft auch eine Prämie nichts, dann sind sie genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.“

Bild vom gesamten Team von Arnd Neubauer
Strebt eine lange Zusammenarbeit mit allen Beschäftigten im Team an: Chef Arnd Neubauer.

Alle sollen sich wohlfühlen und lange bleiben

Arnd Neubauer engagiert sich daher für eine Verbundenheit zum Unternehmen, für eine echte Identifikation der Mitarbeiter mit seinem Betrieb und dem Team. „Wenn sich alle wohlfühlen, dann sind sie auch weniger anfällig für Lockangebote.“ Das gelte für erfahrene Fachkräfte ebenso wie für Auszubildende. „Ich stecke gerne meine Zeit und mein Wissen in die Ausbildung unserer Nachwuchskräfte. Wer seine Ausbildung bei mir absolviert und seinen Job gut macht, den übernehme ich mit Kusshand!“ Auf diese Weise sorgt Arnd Neubauer selbst für die benötigten Fachkräfte.

Bild von fertigem Flachdach
Flachdachsanierung mit Dachfenstern und Dachbegrünung.

Dem Handwerk fehlt die Lobby

Eines ist ihm dabei ganz wichtig: „Das Handwerk ist krisensicher, das muss sich endlich herumsprechen! Egal ob Autoindustrie, Zuliefererbetriebe oder andere Industriezweige, fast alle haben seit Jahren zu kämpfen. Aber wir Dachdecker nicht: Die Menschen brauchen immer ein Dach über dem Kopf, darum werden wir immer Arbeit haben.“ Leider fehle dem Handwerk oft eine entsprechende Lobby. Das merkt Arnd Neubauer nicht nur in seiner Funktion als Geschäftsführer. Auch im Ehrenamt als Kreishandwerksmeister, wo er für mehr als 1000 Betriebe aus dem Kreis Recklinghausen zuständig ist, als Obermeister der Dachdeckerinnung Recklinghausen oder als Aufsichtsrat der DEX eG bekommt er einiges mit.

Bild von Firmenfahrzeugen von Arnd Neubauer
Der eigene Kran unterstützt die Mitarbeitenden auf der Baustelle.

Mit Abi ins Handwerk? Unbedingt!

„Ich habe zum Beispiel schon versucht, an Schulen in der Region Termine zu bekommen, um das Handwerk vorzustellen. Die jungen Leute müssen ja Praktika absolvieren, sollen Berufe kennenlernen, um sich leichter für den für sie am besten geeigneten Ausbildungsweg entscheiden zu können. Aber an einem Gymnasium als Handwerksbetrieb einen Fuß in die Tür zu bekommen, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.“ Eine vertane Chance, da ist sich Arnd Neubauer sicher. „Die Zeiten, in denen man mit dem Abitur in der Tasche unbedingt studieren musste, sind doch längst vorbei. Aber bei Eltern und Lehrern ist oft noch das veraltete Bild im Kopf, da besteht wenig bis kein Interesse daran, dem Nachwuchs eine Handwerkskarriere nahezubringen.“

Weiterbildung ist Pflicht – und braucht Grips

Dabei müssen sich auch und gerade Dachhandwerker immer up to date halten, sich gut mit den neuesten Anforderungen und Vorschriften auskennen. „Es ist nicht damit getan, einmal den Job zu lernen und dann war’s das. Nicht nur die Ausbildung oder die Meisterschule erfordern Grips, auch eine ständige Weiterbildung der Mitarbeiter ist nötig, wenn man als Betrieb bestehen will“, erklärt Arnd Neubauer.

Bild von Mitarbeitern von Arnd Neubauer mit Firmenkran
Energetische Steildachsanierung von Neubauer.

Aktuelles Beispiel: die Solarpflicht. „Meine Leute sind zwar Dachdecker und Klempner, aber sie kennen sich auch bestens mit Photovoltaik aus“, so Arnd Neubauer. In NRW gilt seit Januar 2025 die Solarpflicht bei Neubauten; ab dem kommenden Jahr greift sie auch bei der Sanierung. „Da Sanierung und Instandhaltung 90 Prozent unseres Geschäfts ausmachen, habe ich meine Leute rechtzeitig geschult – und zwar die Kollegen auf dem Dach ebenso wie das Team im Büro. Wir alle müssen ja in der Lage sein, unsere Kunden kompetent zu beraten.“

Familienbetrieb bald in vierter Generation?

Sein Team ist also für die Zukunft gut aufgestellt. Und er selbst? „Ich habe mir noch gar nicht so viele Gedanken über meine Nachfolge gemacht“, sagt Arnd Neubauer. Aber wenn es mal soweit sein sollte, wird sich schon alles fügen, da ist er sich sicher. „Mein jüngerer Sohn beginnt nach seinem Abitur gerade eine Zimmererlehre, mein älterer Sohn studiert noch und schreibt gerade seine Bachelor-Arbeit zum Thema Photovoltaik. Beide scheinen also eine gewisse Affinität zum Dachhandwerk zu haben und ich kann mir ihren Einstieg in den Betrieb gut vorstellen. Ebenso ist auch eine Nachfolge aus dem Betrieb heraus möglich.“ Dass er nicht bis zu seinem Ruhestand mit einer Nachfolgeregelung warten sollte, ist ihm bewusst. Doch er sieht dem Tag dieser Entscheidung gelassen entgegen. „Bis dahin arbeite ich weiter mit Herz und Seele im schönsten Beruf der Welt!“

Artikel jetzt teilen!

Weitere Artikel

Newsletter-Anmeldung

DACH-Ticker

Zimmerer Linus Großhardt gewinnt EuroSkills

Linus Großhardt (21) aus Baden-Württemberg holt Gold im Wettbewerb der Zimmerer bei den EuroSkills vom 9. bis 13. September 2025 im dänischen Herning. Bei den WorldSkills 2024 in Lyon verpasste er noch knapp als Vierter das Podest, diesmal klappte es sogar mit dem Titel. Unser Portrait von Linus Großhardt finden Sie hier…

15. September 2025

ZDBF-Mitgliederversammlung: KI und Marktsituation im Fokus

Mit knapp 80 Teilnehmern aus Bedachungsfachhandel und Industrie war die Mitgliederversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Bedachungsfachhandels (ZDBF) am Mittwoch in Hannover gut besucht. Ein wichtiger, positiver Fakt: Das Einkaufsvolumen der meldenden Fachhandelsunternehmen im Jahr 2024 mit bei einem Minus von 0,8 Prozent nahezu stabilisiert. Der ZDBF kündigte zudem an, Mitglied der Aktion Dach zu werden, um die notwendigen und für alle Marktbeteiligten wertvollen Aktivitäten zur Nachwuchsgewinnung zu unterstützen. Martin Langen von B+L Marktdaten informierte über Marktentwicklung in Neubau und Sanierung, den Schlussvortag unter dem Titel „Künstliche Intelligenz im Praxiseinsatz“ hielt Prof. Dr. Marco Barenkamp.

9. Mai 2025

Dirk Sindermann zum neuen ZVDH-Vizepräsidenten gewählt

Dachdeckermeister Dirk Sindermann ist auf dem jüngsten Dachdeckertag in Dresden in einer Kampfabstimmung gegen den bisherigen Amtsinhaber André Büschkes mit knapper Mehrheit zum neuen Vizepräsidenten des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) gewählt worden. „Ein zentrales Anliegen ist es für mich, das Dachdeckerhandwerk in der öffentlichen Wahrnehmung gemeinsam mit den Mitgliedern der Organisation zu stärken“, so Sindermann. „Ein Schwerpunkt liegt auf der Öffentlichkeitsarbeit, um die Bedeutung unseres Gewerks in der Gesellschaft sowie bei relevanten Akteuren weiter zu festigen.“

28. März 2025

Böcker eröffnet neue Niederlassung in Burghaslach bei Nürnberg

Kranhersteller Böcker verstärkt seine deutschlandweite Präsenz mit der neuen Niederlassung in Burghaslach bei Nürnberg und eröffnet diese feierlich mit einem 360 Grad Höhentag. Ein Jahr nach dem Spatenstich im konnte nun laut einer Pressemeldung das moderne Servicegebäude fertig gestellt werden. Damit ist Böcker deutschlandweit an sieben Standorten, einschließlich des Firmensitzes im westfälischen Werne, als Partner direkt vor Ort.

21. März 2025

Baugenehmigungen 2024 stark rückläufig

Im Jahr 2024 wurde in Deutschland der Bau von 215 900 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt, waren das 16,8 Prozent oder 43 700 Wohnungen weniger als im Vorjahr. Damit sank die Zahl der Baugenehmigungen bereits im dritten Jahr in Folge. Weniger neue Wohnungen waren zuletzt im Jahr 2010 mit 187 600 Wohnungen genehmigt worden. In den Zahlen sind die Baugenehmigungen für Wohnungen sowohl in neuen als auch in bestehenden Gebäuden enthalten.

27. Februar 2025

Bauder eröffnet neues Werk in Landsberg

Ein bedeutender Meilenstein für die Paul Bauder GmbH & Co. KG: Mit der feierlichen Einweihung seines neuen Werks in Landsberg stärkt das Stuttgarter Familienunternehmen seine Produktionskapazitäten und setzt zugleich ein klares Signal für Wachstum und Innovation. Rund 12,5 Millionen Euro wurden laut einer Pressemeldung von Bauder in die neue Anlage investiert, die speziell für die Herstellung des Flüssigkunststoffs Liquitec konzipiert wurde und Raum für modernste Forschungs- und Entwicklungsarbeit umfasst. Dabei wurde ein ganzheitlicher Ansatz für eine bestmögliche Ökobilanz des Produktionsprozesses verfolgt.

31. Januar 2025

Baugenehmigungen 2024 weiterhin auf Talfahrt

Im November 2024 wurde in Deutschland der Bau von 17 900 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das 13 Prozent oder 2700 Baugenehmigungen weniger als im November 2023. Im Zeitraum von Januar bis November 2024 wurden 193 700 Wohnungen genehmigt. Das waren 18,9 Prozent oder 45 200 weniger als im Vorjahreszeitraum. In diesen Ergebnissen sind sowohl Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen Wohn- und Nichtwohngebäuden als auch für neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten.

17. Januar 2025

Valentin Bremer gewinnt German Craft Skills 2024 der Dachdecker

Der Sieger der German Craft Skills 2024 Valentin Bremer kommt aus Hessen und hat von 200 möglichen Punkten 178,70 erreicht. Den zweiten Platz belegte John Seltmann aus Sachsen, Dritter wurde Linus Esseln, der Landessieger aus Rheinland-Pfalz. Bremer und Seltmann haben sich für die 30. IFD-Weltmeisterschaft junger DachdeckerInnen im Jahr 2026 qualifiziert. „Es ist immer wieder eine große Freude zu sehen, wie sehr sich junge Menschen für ihr Handwerk begeistern“, erklärte ZVDH-Vizepräsident Jan Voges, der als Zuschauer vor Ort war.

30. Oktober 2024

Georg Harrasser wird neuer Geschäftsführer bei Nelskamp

Georg Harrasser übernimmt ab November 2024 die Geschäftsführung der Dachziegelwerke Nelskamp. Der 58-jährige Maschinenbauingenieur ist ein alter Bekannter in der Bedachungsbranche. Nach mehr als 25 Jahren bei der BMI Group war Harrasser zuletzt als Präsident bei der Carlisle Construction Materials Europe tätig. Er folgt auf Heiner Nelskamp, der im Mai 2024 als Geschäftsführer in Rente gegangen ist. „Nelskamp ist ein bekannter Name und wird als ein führender Hersteller von Dacheindeckungsmaterial in Deutschland sehr geschätzt. Der Ausbau des deutschen sowie internationalen Geschäfts ist eine spannende Aufgabe, auf die ich mich sehr freue“, so Harrasser.

17. September 2024

A. Ewald Kreuzer wird Ehren-Landesinnungsmeister der bayerischen Dachdecker

Nach Abschluss der Neuwahlen der Vorstandschaft auf dem jüngsten Landesverbandstag der bayerischen Dachdecker stellte der neu gewählte Landesinnungsmeister Mario Kunzendorf den Antrag, A. Ewald Kreuzer für seine herausragenden Verdienste während seiner knapp 20-jährigen Amtszeit als Landesinnungsmeister zum Ehren-Landesinnungsmeister zu ernennen. Kunzendorf bekräftigte die Aussage von ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk, dass mit der Zeit von Kreuzer als Landesinnungsmeister eine „Ära“ zu Ende gehe und ergänzte, dass dieser Begriff selten treffender hätte sein können.

18. Juli 2024