Inhaltsverzeichnis
- Ein Lebenslauf mit verschiedenen Stationen
- Erst hinter der Kamera, dann selbst auf dem Dach
- Eine Woche, die ihren Berufsweg veränderte
- Handwerklich arbeiten, technisch verstehen
- Lernen hört für Sandra nicht auf
- Zwischen Baustelle, Kamera und Triathlon
- Ohne Team geht es nicht
- Mit 39 Jahren neu angefangen
- Begeisterungsfähigkeit als Antrieb
Von der Zahntechnik über Maschinenbau und Fotografie bis aufs Dach: Sandra Schumann hat beruflich viel ausprobiert, viel gelernt und dabei immer wieder nach einem Beruf gesucht, der wirklich zu ihr passt. Mit 39 Jahren hat sie noch einmal eine Ausbildung begonnen und wird als Quereinsteigerin Dachdeckerin. Sie hat damit einen Beruf gefunden, in dem vieles zusammenkommt, was sie schon lange begeistert.

Ein Lebenslauf mit verschiedenen Stationen
Dass Sandra Schumann einmal Dachdeckerin werden würde, war nicht von Anfang an klar, denn Berührungspunkte mit dem Handwerk gab es in ihrer Familie keine. Nach der Realschule absolvierte sie eine Ausbildung zur Zahntechnikerin und arbeitete zwei Jahre in diesem Beruf. Doch Sandra wollte weiterlernen. Parallel zur Arbeit holte sie am Abendgymnasium ihr Abitur nach. Drei Jahre lang hieß das: tagsüber arbeiten und anschließend bis 22 Uhr die Schulbank drücken.
Danach entschied sie sich für ein Maschinenbaustudium. Mathematik lag ihr, gleichzeitig reizten sie die praktische und technische Seite des Fachs. Die Freude am Lernen zieht sich bis heute durch ihren Berufsweg. Sandra möchte verstehen, wie Dinge funktionieren, und tiefer in Themen einsteigen, die sie begeistern. „Ich muss entweder hundert oder null“, sagt sie über sich selbst.
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Erst hinter der Kamera, dann selbst auf dem Dach
Eine weitere Leidenschaft begleitet sie bereits seit vielen Jahren: die Fotografie. Seit 2012 arbeitet Sandra als selbstständige Fotografin. Über ihre fotografische Arbeit rückte in den letzten Jahren das Handwerk stärker in den Fokus. Sandra fotografierte unter anderem Zimmerer und begleitete über die Kasseler Dachdecker-Innung regelmäßig Betriebe auf ihren Baustellen. So stand sie immer häufiger selbst auf Dächern – zunächst allerdings mit der Kamera in der Hand. Je mehr Einblicke Sandra in die Arbeit der Dachdecker bekam, desto größer wurde ihre Neugier auf das Handwerk selbst. Irgendwann wollte sie nicht mehr nur beobachten und fotografieren. „Die Kamera beiseitelegen und selbst mit anpacken, das wäre schon cool“, erinnert sie sich. Gesagt, getan.

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Eine Woche, die ihren Berufsweg veränderte
Über ein Unternehmernetzwerk lernte sie Dachdeckermeister Joachim Schaumlöffel kennen. Er ist Obermeister der Kasseler Innung und führt im nahen Gudensberg einen Betrieb. Zunächst fragte Sandra ihn nach einem Praktikumstag. Daraus wurden drei Tage und schließlich eine ganze Woche. Bereits am zweiten Tag stand für sie fest, dass sie mehr wollte. Sie fragte, ob sie im Betrieb eine Ausbildung zur Dachdeckerin beginnen könne. Seit August ist Sandra nun Auszubildende, und ihre Begeisterung ist geblieben. „Richtig, richtig gut“, beschreibt sie ihre ersten Wochen. Besonders schätzt sie, dass sie von Anfang an ins Team aufgenommen wurde.
Sie darf ausprobieren, mitarbeiten und vieles selbst machen. Flachdach, Steildach, Begrünung, Fallrohre und Schiefer: Schon in kurzer Zeit hat sie eine große Bandbreite des Dachdeckerberufs kennengelernt. Dass sie mit 39 älter ist als die meisten anderen Auszubildenden, spielt für sie kaum eine Rolle. „Manchmal werde ich aufgrund meines Alters sogar für eine Dozentin oder Meisterin gehalten“, erzählt sie lachend. Im Betrieb und in der Ausbildung erlebt sie vor allem eines: Akzeptanz.
„Je weiter man sich eindenkt, desto spannender ist es.“
Handwerklich arbeiten, technisch verstehen
Am Dachdeckerhandwerk schätzt Sandra vor allem die Verbindung von praktischer Arbeit und technischem Wissen. Sie möchte nicht nur selbst mit anpacken, sondern auch verstehen, warum bestimmte Konstruktionen und Materialien eingesetzt werden und wie sie funktionieren. „Je weiter man sich eindenkt, desto spannender ist es“, sagt sie. Dabei kann sie auch auf Wissen und Fähigkeiten aus ihren bisherigen beruflichen Stationen zurückgreifen.
Aus der Zahntechnik ist sie präzises Arbeiten gewohnt und bringt viel Feinmotorik und ein Gespür für Materialien mit. Das kommt ihr beispielsweise bei der Arbeit mit Schiefer zugute. Aus dem Maschinenbaustudium kennt sie wiederum Themen wie Werkstoff- und Konstruktionstechnik. Welche Bereiche des Dachdeckerhandwerks ihr langfristig am meisten liegen, möchte Sandra noch gar nicht festlegen. Schiefer und die Arbeit am Steildach machen ihr aktuell besonders viel Spaß. Gleichzeitig möchte sie während ihrer Ausbildung möglichst viele Bereiche kennenlernen und fachlich dazulernen.


Lernen hört für Sandra nicht auf
Auch in ihrer Ausbildung beschränkt sich Sandra nicht auf das, was im Ausbildungsplan steht. Sie beschäftigt sich mit Fachregeln, hört Fachpodcasts und verfolgt Entwicklungen in der Branche. Auch weiterführende Themen wie Photovoltaik und Energie interessieren sie. Parallel zur Ausbildung absolviert sie die Zusatzqualifikation Betriebsassistentin im Handwerk. Die dortige kaufmännische Prüfung wird später als Teil III der Meisterprüfung angerechnet. Und den Meister möchte sie nach der Ausbildung machen. Wo ihr Weg anschließend hinführt, lässt sie offen. Sie kann sich vorstellen, später Verantwortung in einem Betrieb zu übernehmen, sieht aber auch die Industrie oder die Pädagogik als Berufsschullehrerin oder Ausbilderin als mögliche Perspektiven. Gerade diese Vielfalt an Möglichkeiten gehört für sie zur Attraktivität des Dachdeckerhandwerks.
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Zwischen Baustelle, Kamera und Triathlon
Dass Sandra gerne Neues ausprobiert, zeigt sich auch abseits der Baustelle. Neben Ausbildung und Fotografie gehören zwei Pferde zu ihrem Alltag. Und eine weitere Herausforderung hat sie seit einiger Zeit für sich entdeckt: den Triathlon. Nachdem sie Freunde bei einem Wettkampf am Tegernsee fotografisch begleitet hatte, wollte sie es selbst ausprobieren. Inzwischen hat sie zwei Sprinttriathlons absolviert. Auch hier reizt sie die Vielseitigkeit: Schwimmen, Radfahren und Laufen stellen ganz unterschiedliche Anforderungen. Als Nächstes möchte sie ihre Kraultechnik verbessern. Sport und Beruf greifen für sie dabei durchaus ineinander. Die körperliche Arbeit auf der Baustelle fordert Ausdauer und Kraft. Gleichzeitig achtet Sandra darauf, mit Training und Regeneration einen Ausgleich zu schaffen. Ihre Tage sind entsprechend ausgefüllt. Morgens geht es teilweise gegen halb sechs los, abends ist sie mitunter erst gegen 21 Uhr wieder zu Hause.


Ohne Team geht es nicht
Bei aller persönlicher Begeisterung ist für Sandra eines im Dachdeckerhandwerk unverzichtbar: das Team. „Ohne Team funktioniert es nicht“, sagt sie. Wer sich für den Beruf interessiert, sollte aus ihrer Sicht deshalb Teamgeist mitbringen, gerne anpacken, offen für Neues sein, Freude daran haben, draußen zu arbeiten, und sich in der Höhe wohlfühlen. Wer herausfinden möchte, ob der Beruf tatsächlich passt, dem empfiehlt Sandra ein Praktikum. Möglichst nicht nur für einen Tag, sondern über einen längeren Zeitraum. Denn dabei lernt man nicht nur die Tätigkeiten kennen, sondern auch den Betrieb und das Team. Für Sandra ist beides entscheidend.
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Mit 39 Jahren neu angefangen
Dass eine Ausbildung mit 39 Jahren andere Voraussetzungen mit sich bringt als direkt nach der Schule, verschweigt Sandra nicht. Laufende Kosten und Verpflichtungen bleiben bestehen. In Absprache mit ihrem Ausbildungsbetrieb arbeitet sie deshalb weiterhin nebenberuflich als Fotografin. Auch ihre Familie unterstützt sie auf ihrem neuen Weg. Die Entscheidung für die Ausbildung hat Sandra sehr bewusst getroffen. Ausschlaggebend war für sie auch die Frage, wie sie einige Jahre später auf diese Möglichkeit zurückblicken würde. „Ich möchte so leben, dass ich in fünf Jahren nicht sage: ‚Oh, hätte ich das mal gemacht.‘“

Begeisterungsfähigkeit als Antrieb
Was Sandra anderen mitgeben möchte, die über eine berufliche Veränderung nachdenken, ist vor allem Mut, eigene Entscheidungen zu treffen. Nicht jeder Berufsweg muss von Anfang an feststehen, und nicht jede Entscheidung muss für das gesamte Arbeitsleben gelten. Erfolg definiert Sandra dabei auf ihre eigene Weise. „Mit sich selbst im Reinen sein“, antwortet sie auf die Frage, was Erfolg für sie bedeutet. Und auch bei ihrer größten Stärke muss sie nicht lange überlegen: „Das ist meine Begeisterungsfähigkeit.“ Die hat Sandra Schumann bereits auf ganz unterschiedliche Wege geführt. Aktuell führt einer aufs Dach. Wie es nach Ausbildung und Meisterschule weitergehen wird, lässt sie bewusst offen. Sicher ist für die angehende Dachdeckerin vor allem eines: Weiterlernen möchte sie auch danach.
Kann man mit 39 noch Dachdeckerin werden?
Ja, das zeigt Sandra Schumann: Sie hat mit 39 Jahren eine Ausbildung zur Dachdeckerin begonnen. Ihr Alter spielt im Betrieb und in der Ausbildung kaum eine Rolle, sie erlebt vor allem Akzeptanz. Um laufende Kosten zu decken, arbeitet sie in Absprache mit ihrem Ausbildungsbetrieb nebenberuflich weiter als Fotografin.
Was sollte man für den Beruf als Dachdeckerin mitbringen?
Laut Sandra Schumann vor allem Teamgeist, Lust anzupacken, Offenheit für Neues, Freude an der Arbeit draußen und Wohlbefinden in der Höhe. Vorerfahrungen aus anderen Berufen können helfen: Aus der Zahntechnik bringt sie Präzision und Feinmotorik mit, aus dem Maschinenbaustudium Wissen über Werkstoff- und Konstruktionstechnik.
Wie findet man heraus, ob der Dachdeckerberuf passt?
Sandra Schumann empfiehlt ein Praktikum, möglichst über einen längeren Zeitraum und nicht nur für einen Tag. So lernt man nicht nur die Tätigkeiten kennen, sondern auch den Betrieb und das Team. Bei ihr wurde aus einem Praktikumstag eine ganze Woche, und schon am zweiten Tag stand fest, dass sie die Ausbildung machen wollte.




















