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Für Carsten Daub zählt der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles. Mit dieser Einstellung hat der 53-jährige Trainer der deutschen Dachdecker-Nationalmannschaft mit seinen Teams von den vergangenen beiden Weltmeisterschaften zwei Bronzemedaillen und einen Sonderpreis mit nach Hause gebracht. Und auch wenn er immer wieder vermittelt, dass der Spaß an der Freude im Vordergrund stehen sollte: Falls nächstes Jahr bei der WM in Ungarn ein Platz ganz oben auf dem Treppchen das Ergebnis sein sollte, hätte er nichts dagegen einzuwenden.

Die Besten der Besten messen sich
„Eine Goldmedaille in Budapest wäre natürlich der krönende Höhepunkt, das ist ja keine Frage“, sagt Carsten Daub. Seit 2022 ist der 53-Jährige, der als Ausbilder und Dozent am Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks (BBZ) in Mayen beschäftigt ist, in der Dachdecker-Nationalmannschaft als Mentor für den Bereich Metall verantwortlich. Dabei liegt es ihm besonders am Herzen, dass seine Schützlinge im Wettkampf möglichst viel Spaß haben. „Ich finde es wichtig, da den Druck rauszunehmen. Im Vordergrund sollte immer stehen, bei so einer Weltmeisterschaft dabei sein zu dürfen, das einfach mal mitmachen und erleben zu dürfen. Egal, welcher Platz es am Ende wird.“
Letztlich habe jeder, der bei einer WM antrete, schon gewonnen, macht Carsten Daub deutlich: „Da messen sich die Besten der Besten. Die haben ja alle vorher schon bei nationalen Meisterschaften bewiesen, dass sie es können und besondere Leistungen bringen.“
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Durch Zufall aufs Dach
Dass er selbst einmal auf internationaler Bühne junge Dachdecker betreuen würde, war so zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn nicht abzusehen. Zu seiner Profession fand Carsten Daub eher zufällig. 1989 hatte er als einziger Schüler seiner Klasse noch keinen Ausbildungsplatz, als sich kurzfristig die Möglichkeit einer Dachdeckerlehre ergab. Daub machte ein Praktikum und merkte schnell: „Der Beruf gefällt mir.“ Das Zupacken mit den eigenen Händen liegt ihm ohnehin im Blut, denn schon sein Vater, sein Großvater und viele andere Verwandte arbeiteten im Handwerk – wenn auch nicht als Dachdecker.
Von der Bundeswehr zum doppelten Meister
Nach der Ausbildung wurde er zunächst zur Bundeswehr eingezogen, wo er ursprünglich nicht länger bleiben wollte als nötig. Am Ende wurden es vier Jahre. „Ich habe da viel gelernt, was mir heute auch als Dozent hilft“, macht er deutlich. „Zum Beispiel Menschen zu führen und auszubilden, denn dort wurden ja auch Methodik und Didaktik gelehrt.“ Darüber hinaus ermöglichte ihm der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr später die Meisterfortbildung. So legte er im Jahr 2000 gleich zwei Meisterprüfungen als Dachdecker und Klempner ab.
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Wissen weitergeben an den Nachwuchs
Es folgten einige Jahre als angestellter Meister und Vorarbeiter, bevor Carsten Daub schließlich 2012 in seiner Heimat im rheinland-pfälzischen Landkreis Mayen-Koblenz einen eigenen Betrieb gründete. Acht Jahre lang führte er den erfolgreich – und entschloss sich dann dennoch, einen neuen Weg einzuschlagen. Nachdem er schon einige Jahre lang als Gastdozent bei Lehrgängen am BBZ in Mayen ausgeholfen hatte, wechselte er 2020 schließlich komplett dorthin und gab seinen Betrieb auf. „Ich habe festgestellt, dass ich gerne mein Wissen weitergebe und mit jungen Menschen zusammenarbeite“, erläutert der Ausbilder. „Das liegt mir einfach und macht mir viel Spaß.“
Bronzemedaille bei der Premiere
Seit vier Jahren kann er dieses Wissen nun nicht nur bei der täglichen Arbeit im BBZ weitergeben, sondern auch als Mentor der Dachdecker-Nationalmannschaft. Damals stand die Weltmeisterschaft in St. Gallen auf dem Programm, wo Deutschland zum ersten Mal auch mit einem Team im Bereich Metall antrat. „Da waren zwei Meisterschüler von mir mit dabei. Darum konnte ich nicht Nein sagen, als ich gefragt wurde“, erinnert sich Carsten Daub. „Außerdem hat mich die Aufgabe gereizt, weil es bei so einem Wettbewerb einen hohen Lerneffekt gibt und ich da viel mitnehmen konnte, was später auch in meine Kurse einfließt.“

Über die Bronzemedaille, die sein Team bei seiner Trainer-Premiere gewann, freut er sich noch heute: „Das war ein großes Lob für unsere Tätigkeit und eine internationale Rückmeldung, dass wir es gut machen.“ Zwei Jahre später bei der WM in Innsbruck gab es ebenfalls eine Bronzemedaille – und zusätzlich den Sonderpreis des Präsidenten der internationalen Dachdeckerföderation (IFD) für die beste Küraufgabe im Wettbewerb.
„Man muss immer damit rechnen, dass sich am Tag des Wettkampfes noch etwas ändert. Und damit sollte man dann umgehen können, auch mental.“
„Der Teufel steckt im Detail“
Zu den Herausforderungen in der Kategorie Metall gehört es nach seiner Aussage, dass es dort ganz besonders um Details und Feinheiten gehe. „Natürlich müssen die Kollegen in den Bereichen Steildach, Flachdach und Fassade auch sehr genau arbeiten. Aber bei uns steckt der Teufel wirklich im Detail – schon allein deswegen, weil die Modelle ein gutes Stück kleiner sind.“ Hinzu komme die allgemeine Herausforderung, den Teammitgliedern an den Trainingswochenenden vor der WM eine gewisse Flexibilität zu vermitteln. „Wir bekommen die Aufgabenstellung normalerweise ein paar Monate vorher, und damit üben wir dann“, erläutert Carsten Daub. „Aber man muss immer damit rechnen, dass sich am Tag des Wettkampfes noch etwas ändert. Und damit sollte man dann umgehen können, auch mental.“

Feinschliff vor dem Wettkampf
Aktuell steht noch nicht fest, wer nächstes Jahr in Ungarn im Team Metall antreten wird. Sobald Daub die Namen kennt, kann er in die Detailplanung einsteigen und die ersten Treffen organisieren. „Zuerst muss ich dann herausfinden, wer von den beiden welche Aufgaben am besten ausführen kann, damit sie möglichst effizient zusammenarbeiten“, macht er deutlich. „Es ist wichtig, dass sie sich als Team finden. Meine Aufgabe ist es, sie dabei zu stärken und ihnen die Sicherheit zu geben: Ich stehe im Hintergrund und wenn etwas ist, bin für sie da.“ Die handwerklichen Fähigkeiten, die es für den Wettkampf brauche, seien größtenteils schon vorhanden. „An den Trainingswochenenden geht es um den Feinschliff. Und darum zu üben, wie man unter Zeitdruck so viel wie möglich so gut wie möglich schafft.“
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Ordnung muss sein
Einen Punkt möchte der 53-Jährige bei der kommenden WM auf jeden Fall besser machen als in der Vergangenheit. In St. Gallen und in Innsbruck gab es die Rückmeldung aus dem Prüfungsausschuss, dass es um die Ordnung am Arbeitsplatz des Teams nicht so gut bestellt war. Das soll nun anders werden. „Da wird es definitiv eine andere Struktur geben“, betont er. „Jeder abgeschnittene Schnipsel kommt sofort in einen Eimer, jedes Werkzeug wird sofort wieder weggeräumt.“
Würdiger Abschluss der Trainerlaufbahn
Da Ordnung in die Bewertung einfließt, könnte das unterm Strich sogar dazu beitragen, dass es in Budapest zu einem Platz weiter oben auf dem Treppchen reicht. Für Carsten Daub wäre das jedenfalls ein würdiger Abschluss seiner Trainerlaufbahn. Denn nach jetzigem Stand geht er davon aus, dass er nach dem Wettkampf als Mentor aufhören wird. „Ich werde ja auch nicht jünger“, meint er. „Darum fände ich es gut, wenn anschließend ein Jüngerer die Chance bekommen würde.“



















