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Jedes Jahr kommt es in der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen zu rund 7000 Leiterunfällen. Es sind Abstürze mit Folgen: schwere Verletzungen an Kopf, Wirbelsäule oder Füßen und Knöcheln, lange Ausfallzeiten und hohe Kosten. „Schon ein Sturz aus ein bis zwei Metern kann einen Fersenbeinbruch bedeuten, Monate Ausfall und im schlimmsten Fall das Ende der Arbeit auf dem Dach“, erläutert Felix Schneider, der als Vizepräsident beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) den Bereich Arbeitssicherheit verantwortet.

Harte Konsequenzen für Mitarbeiter und Betriebe
Leiterunfälle sind zumeist keine harmlosen Ausrutscher ohne Folgen. Im Gegenteil: „Für den einzelnen Kollegen ist das einschneidend, für den Betrieb, bei dem ohnehin jede Fachkraft fehlt, doppelt schwer“, führt Schneider weiter aus. Deshalb greife der ZVDH das Thema auf und auch, „weil sich ein großer Teil der Unfälle vermeiden lässt“. Dabei geht es für Schneider keineswegs um neue Vorschriften, sondern vielmehr darum, Bekanntes konsequent anzuwenden.
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Das heißt für die betriebliche Praxis: Vor jedem Einsatz zu prüfen, ob nicht ein Gerüst, eine Hubarbeitsbühne oder ein Podest die bessere Wahl wäre – und wenn es die Leiter sein muss, die richtige auszuwählen und ihren Zustand vorab zu kontrollieren. „Ich sehe im eigenen Betrieb, wie schnell sich Routine einschleicht“, berichtet Schneider. „Deshalb ist es wichtig, immer wieder daran zu erinnern.“
Ohne Prävention passiert das, was immer wieder für Schlagzeilen in den Medien sorgt, letztlich ein schlechtes Licht auf die Bauberufe wirft und sie als zu gefährlich dastehen lässt. Ein Beispiel aus München, zitiert aus einer Polizeimeldung: „Ein Dachdecker ist aus einer Höhe von vier Metern von einer Leiter gefallen und hat sich schwer verletzt. Der 41 Jahre alte Mann schlug mit dem Hinterkopf auf dem Boden auf und blutete stark. Als der Notarzt eintraf, klagte er zudem über starke Schmerzen an der Brustwirbelsäule.“
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Vorgaben und Praxishilfen der BG Bau
„Eine hilfreiche, praxisnahe Orientierung für den Arbeitsalltag bietet das 5-Punkte-Programm der BG Bau“, erläutert Schneider. Es unterstützt Betriebe und Beschäftigte dabei, Leitern sicher auszuwählen, einzusetzen und typische Fehler zu vermeiden. Die fünf Punkte lauten:
Alternativen zur Leiter prüfen: Gibt es Arbeitsmittel mit geringerer Gefährdung?
Geeignete Leiter: Auswahl entsprechend der Tätigkeit und der benutzenden Person
Sicherheit zu erhöhen: passendes und aufeinander abgestimmtes Leiterzubehör verwenden
Beschäftigte unterweisen: regelmäßig, mindestens einmal im Jahr
Leitern prüfen: Vor jedem Einsatz kontrollieren, ob die Leiter in einwandfreiem Zustand ist.


Stufe statt Sprosse
Zentral ist, die richtige Auswahl zu treffen. Werden Leitern als Arbeitsplatz oder Verkehrsweg eingesetzt, gilt: Stufe statt Sprosse. Stufen- oder Plattformleitern bieten einen sichereren und ergonomischeren Stand als schmale Sprossen. Beschädigte oder verschlissene Leitern dürfen nicht weiterverwendet und müssen sofort aus dem Einsatz genommen werden. „Das ist eine einfache Regel, die bei den Mitarbeitern in Erinnerung bleibt: Stufe statt Sprosse. Denn eine Stufen- oder Plattformleiter gibt einfach mehr Halt“, sagt Schneider.
Zuschüsse für sichere Alternativen
Wenn Betriebe auf sichere Arbeitsmittel umsteigen, erhalten sie eine finanzielle Förderung durch die BG Bau. Arbeitsschutzprämien gibt es zum Beispiel für Investitionen in Leiteralternativen und ergänzende Arbeitsmittel, darunter die leichte Plattformleiter, Podestleitern, Ein-Personen-Gerüste, Tritte, Arbeits- und Kleinpodeste sowie Leiterzubehör.
„Entscheidend ist aber die Haltung im Betrieb. Wenn der Chef oder der Polier selbst auf die beschädigte Leiter steigen, hilft kein Merkblatt.“
Vorbild und Ansagen wirken mehr als jedes Plakat
„Die Förderung senkt Hürden und macht den Betrieben das Umsteigen leichter. Entscheidend ist aber die Haltung im Betrieb. Wenn der Chef oder der Polier selbst auf die beschädigte Leiter steigen, hilft kein Merkblatt“, erklärt Schneider. „Vorbild und klare Ansagen wirkten mehr als jedes Plakat.“ Der ZVDH unterstützt seine Betriebe zusätzlich mit einem aktualisierten Infoblatt zu Gerüsten und einem Pressetext, mit dem sie auch ihre Kunden auf das Thema aufmerksam machen können. ZVDH-Vizepräsident Schneider: „Denn Sicherheit fängt nicht erst auf dem Dach an, sondern schon bei der Auftragsvergabe.“





















