Bild von dachdeckerin auf einem Flachdach mit Absturzsystem

Neue DGUV Absturz: Sicherheit auf dem Dach planen

24. Februar 2026

 · Knut Köstergarten

Dächer übernehmen immer mehr Aufgaben und Funktionen. Neben dem sicheren Schutz und der Dämmung des Gebäudes von oben geht es um die Gewinnung von Energie über PV-Anlagen oder Solarthermie, Dachbegrünung oder sogar begehbare Dachterrassen als Lebensräume. Solche multifunktionalen Dächer, meistens Flachdächer, bringen dabei auch zusätzliche Anforderungen an die Arbeitssicherheit mit sich. Damit Dachdecker und Zimmerer da auf der sicheren Seite bleiben, gibt es jetzt die neue DGUV Absturz-Information 201-056 zum Thema Schutzmaßnahmen gegen Absturz auf Dächern.

Gute Planungsgrundlage in Sachen Arbeitssicherheit

Philip Witte, beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) zuständig für den Bereich Arbeitssicherheit, ist der Meinung, dass die von 24 auf 90 Seiten ausgeweitete DGUV Absturz-Information 201-056 für Betriebe eine gute Planungsgrundlage in Sachen Arbeitssicherheit bietet. „Das Ganze ist in Kooperation mit der BG BAU sehr praxisorientiert konzipiert. Es gibt super viele ausführlich erläuterte Praxisbeispiele.“ Zwar ist es eine Information und damit besitzt sie keinen Rechtscharakter. „Es ist keine verbindliche Regel. Doch was ist, wenn ein Unfall passiert“, fragt Witte. „Und der Bauherr nachfragt: ‚Hätten sie das nicht wissen müssen?‘ Da wird die Luft ganz schnell dünn.“

Bild von Felix Witte vom ZVDH
Philip Witte ist beim ZVDH zuständig für den Bereich Arbeitssicherheit. (Foto: ZVDH, Titelbild: ABS Safety)

Lesetipp: Für bessere Prävention engagiert sich die Initiative „Sicher auf dem Dach“.

Häufige Dachzutritte erfordern höheres Schutzniveau

Gerade für den Neubau oder eine umfassende energetische Sanierung, ob beim Großprojekt oder einem Einfamilienhaus, gibt die neue Kategorisierung der DGUV Absturz-Information gute Hilfestellung. Dabei geht es immer um die Fragen, wer muss aufs Dach für welche Aufgabe und wie oft. „Wo Menschen öfter unterwegs sind, braucht es ein höheres Schutzniveau. Das muss aber nicht für das ganze Dach gelten, sondern nur für Flächen, wo zum Beispiel eine PV-Anlage oder eine andere technische Anlage installiert ist, die gewartet werden muss“, erläutert Witte.

Bild von Dachdecker auf einem Flachdach
Wenn Flachdächer zu Nutzdächern werden, müssen Techniker häufiger aufs Dach. (Foto: ABS Safety)

Drei Schwerpunktthemen

In der DGUV Absturz-Information gibt es drei Schwerpunktthemen:

  • Wie komme ich auf die Dachfläche?
  • Wo sind die Lauf- und Verkehrswege auf dem Dach?
  • Kollektiver Schutz über Gerüst oder persönliche Schutzausrüstung (PSA)?
Bild von PSA-Schulung
Schulungen, wie mit persönlicher Schutzausrüstung, sind wichtig für die Sicherheit der Mitarbeiter. (Foto: ABS Safety)

Dabei ist eine wichtige Frage für die Planung der Arbeitssicherheit, welche Menschen denn zukünftig das Dach betreten werden und wofür. Hier werden drei Gruppen unterschieden in der DGUV Absturz-Information:

  • Personen, die unterwiesen sind für das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung
  • Person, die nicht unterwiesen sind, aber beruflich aufs Dach müssen, wie Techniker
  • Personen, die das Dach nutzen als Lebensraum, wie Eigentümer, Mieter oder Besucher

Je nachdem, welche der Personengruppen wie oft das Dach betreten, gibt es drei verschiedene Ausstattungsklassen in Sachen Absturzsicherung.

  • A = hoch: Mehr als sechs Zutritte pro Jahr auf dem Dach
  • B = mittel: maximal sechs Zutritte pro Jahr
  • C = gering: maximal zwei Zutritte pro Jahr

Sicherungssysteme und Dachzustieg planen

Je nach Nutzungshäufigkeit und Personengruppe braucht es dann womöglich ein permanentes Seilsicherungssystem oder ein teilweises oder komplettes Seitenschutzsystem. Zudem gilt es, den Dachzustieg zu planen. „Die Leiter wird da wichtig bleiben und ist eine Herausforderung“, so Witte. Denn von den über 6000 Absturzunfällen auf Baustellen ist noch immer bei viel zu vielen die Leiternutzung die Ursache. „Hier kann schon ein Standfuß sehr helfen, auch wenn die Leiter dann etwas schwerer wird“, ist Witte überzeugt. Sinn kann auch eine Leiterkopfsicherung machen.

Bild von Flachdach mit Absturzsystem
Eine Dachfläche mit Photovoltaikmontagesystem und integriertem Seilsicherungssystem. (Foto: ABS Safety)

Mehr Infos bietet unser Artikel „Leiterunfälle sind Spitzenreiter bei Abstürzen“.

Finanzielle Förderung für sichere Leitern

Die BG BAU fördert die Anschaffung sicherer Leitern mit finanzieller Förderung. „Wenn die Anforderungen an die Absturzsicherung eingehalten werden, erhöhen sich natürlich die Kosten, auch für eine kleinere Reparatur. Doch das den Kunden in Rechnung zu stellen, sollte die Gesundheit der Mitarbeiter wert sein“, erklärt Witte. Zumal ein nach einem Absturz verletzter Mitarbeiter kürzer, länger oder womöglich gar nicht mehr auf dem Dach arbeiten kann. Gegen diese Kosten fallen die Kosten für Arbeitssicherheit auf dem Dach kaum ins Gewicht.

Azubis wünschen sich Sicherheit auf Baustellen

Und Witte nennt noch einen weiteren Aspekt, warum Arbeitssicherheit im Betrieb eine hohe Wichtigkeit haben sollte. Es geht um die Gewinnung von Nachwuchs und Fachkräften. „Aus Umfragen unter Azubis wissen wir, dass nach dem Gehalt die Sicherheit im Betrieb der wichtigste Aspekt für die jungen Menschen ist.“

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