Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

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Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Arbeiter steht auf einem Holzgerüst und schaut in den Himmel, während er an einem Dach arbeitet.

Dachdecker: Leiterunfälle sind Spitzenreiter bei Abstürzen

Michael Podschadel

8. April 2021

Ein Dachdecker ist in München aus einer Höhe von vier Metern von einer Leiter gefallen und hat sich laut Nachrichtenagentur dpa schwer verletzt. Der 41 Jahre alte Mann schlug mit dem Hinterkopf auf dem Boden auf und blutete stark, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Als der Notarzt eintraf, klagte er zudem über starke Schmerzen an der Brustwirbelsäule.

So etwas passiert immer wieder,  doch klaffen bei der Arbeitssicherheit und der regelmäßigen Überprüfung der nötigen Ausrüstung Abgründe zwischen den verschiedenen Gefahrenbereichen. „Für das Thema Anseilschutz ist die Sensibilität heute schon groß. Ich schätze, dass rund 80 Prozent unserer Kunden um das Thema bemüht sind, ohne dass wir viel Aufklärungsarbeit leisten müssen“, erzählt Dirk Bansemir vom Dachdecker-Einkauf Nordwest eG (DENW), Verkaufsleiter für den Fachbereich Maschinen-Werkzeug-Systeme und Verbindungstechnik.

Ein lächelnder Mann mit Brille, Glatze, blauer Hemd und dunklem Sakko, vor neutralem Hintergrund.

Dirk Bansemir ist bei der Dachdecker-Einkauf Nordwest eG für Leitern und persönliche Schutzausrüstung (PSA) zuständig. (Foto: Henning Höpken)

Hauptursache für Leiterunfälle: unvorsichtige Nutzung

„Wenn man sieht, wie dagegen Leitern in vielen Betrieben genutzt und gepflegt werden, besteht hier noch deutlich Nachholbedarf“, sagt der 52-jährige Kaufmann, der auch für den Bereich Arbeitssicherheit und persönliche Schutzausrüstung verantwortlich ist und seit 30 Jahren mit Handwerkern zusammenarbeitet. Denn Leitern sind nicht einfach Leitern, sondern unterliegen als Arbeitsmittel auch der Haftung im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung.

Hauptursache für Leiterunfälle ist zumeist eine unvorsichtige Nutzung. Der Klassiker ist ein unsicherer Stand: Die Leiter wird auf der Baustelle beispielsweise einfach in die weiche Erde gerammt, im Glauben, dass dies einen Kippen oder Wegrutschen ausschließen würde. Die Realität sieht allzu oft anders aus: 11.612 Abstürze durch Leiterunfälle verzeichnete die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) im Jahr 2019.

Eine Person steht mit schwarzen Schuhen auf einer Holzleiter, der Fokus liegt auf dem unteren Teil der Leiter und den Füßen.

So eine Art der Leiternutzung gibt es wohl nicht mehr bei Dachdeckern und Zimmerern. Dennoch ist unsicherer Stand die Hauptursache für Leiterunfälle.

Stufenleiter ist für das Arbeiten sicherer als Sprossenleiter

Für welche Tätigkeit welche Leiter eingesetzt und wie sie gesichert werden sollte, ist aber keine Frage der Gewohnheit, sondern in den neu gefassten Technischen Regeln zur Leiternutzung (TRBS 212 Teil 2) klar definiert. „Dort ist etwa festgehalten, dass Sprossenleitern für Arbeiten von der Leiter aus nicht genügend Standfestigkeit bieten“, erklärt DENW-Mann Bansemir. „Hier ist eine Stufenleiter klar vorzuziehen.“

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Sprossenleiter für Arbeiten grundsätzlich ungeeignet ist. Sie kann mit einzelnen Aufsteck-Stufen so aufgerüstet werden, dass eine Nutzung für hochgelegene Arbeiten zulässig ist. „Das machen wir bei uns regelmäßig für die Betriebe, weil die Aufrüstung oft günstiger ist als die Anschaffung einer neuen Stufenleiter“, berichtet Dirk Bansemir aus der täglichen Praxis.

Eine Person in kurzer Hose und Arbeitsschuhen klettert eine Leiter hinauf, aufgenommen aus der Froschperspektive bei sonnigem Wetter.

Leitern und Tritte müssen regelmäßig überprüft werden. Eine lockere Sprosse kann verheerende Wirkungen haben.

Leiterunfälle durch sachkundige Überprüfung verhindern

Was leider deutlich weniger angefragt wird, ist die Überprüfung und Wartung der eingesetzten Leitern und Tritte. „Ob da eine einzelne Sprosse locker ist oder sich der Holm leicht verzogen hat, kümmert oft nicht. Viele Handwerker denken sich: Solange die Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) nichts beanstandet, kann ich die Leiter doch weiter benutzen“, meint Dirk Bansemir.

„Dabei wird eine große Gefahr in Sachen Leiterunfälle für den Betrieb übersehen. Kommt es zu einem Unfall und die Leiter hat kein gültiges Prüfsiegel und weist womöglich auch noch Mängel auf, geht die Haftung schlimmstenfalls von der BG Bau auf den Betriebsinhaber über.“ Was Inhaber bedenken sollten: Die regelmäßige Überprüfung von Leitern und Tritten durch einen Sachkundigen ist keine Empfehlung, sondern gemäß DGUV Information 208-016 gesetzlich vorgeschrieben.

Ein Mann im roten Arbeitsanzug überprüft eine Aluminium-Leiter in einer Werkstatt mit Werkzeugen an der Wand im Hintergrund.

Ist die Leiter in Ordnung, gibt’s das gültige Prüfsiegel. (Foto: Henning Höpken)

Dachdecker-Einkauf bietet regelmäßigen Leiterservice

„Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass Leitern und Tritte wiederkehrend auf ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden“ heißt es in der DGUV-Schrift. Der DENW bietet die Überprüfung und Instandsetzung als regelmäßigen Service an. Hier hat Bansemir sich Gedanken dazu gemacht, wann die Inspektion die Betriebsabläufe am wenigsten stört: „Einmal im Jahr zum Jahresbeginn gibt es in jedem Betrieb ein paar Tage, in denen der oder die Wagen komplett aus- und aufgeräumt werden. Das ist der beste Zeitpunkt, um die Leitern, Tritte und die weitere Arbeits- und Schutzausrüstung einer vorschriftsmäßigen Überprüfung zu unterziehen.“

Sichtprüfung vor jeder Nutzung ist Pflicht

Doch auch der einzelne Dachdecker und Zimmerer steht in Sachen Leiterunfälle in der Pflicht. Genau wie seinen Auffanggurt und die weitere Schutzausrüstung muss er die Leiter vor jedem Gebrauch einer kurzen Sichtprüfung unterziehen. Worauf er dabei zu achten hat, ist ebenfalls in der TRBS 212 Teil 2 beschrieben. Wer als Angestellter also eine Leiter mit augenscheinlichen Mängeln nutzt, kann die Verantwortung bei einem Unfall nicht unbedingt seinem Chef zuweisen. Schon gar nicht, wenn der die turnusgemäße Überprüfung eingehalten hat.

Ein Bauarbeiter steigt auf eine Leiter vor einem Haus, trägt Werkzeuge am Gürtel und arbeitet an einem Gerüst unter blauem Himmel.

Vor der Nutzung einer Leiter, sollte jeder Mitarbeiter den sicheren Stand der Leiter achtsam prüfen.

Und auch bei der Nutzung sollten Handwerker sorgsam agieren. Steht die Leiter wirklich sicher, stimmt der Anlegewinkel, sind alle Gelenke eingerastet? Wer sich solche Fragen vor dem Arbeitseinsatz stellt, ist in doppelter Hinsicht auf der sicheren Seite. Er reduziert sein Risiko für Leiterunfälle und ist im Ernstfall vor einer Haftung geschützt.

Sie interessieren sich für das Thema Leitersicherheit? Dann lesen Sie auch unseren Artikel darüber, wie sich technisch Abstürze von Leitern verhindern lassen.

Michael Podschadel

Der graduierte Komparatist war fast ein Jahrzehnt in der Pressearbeit tätig, bevor er sich als Texter und Redakteur selbstständig gemacht hat. Zu seinen inhaltlichen Schwerpunkten zählen Arbeitssicherheit und Technik. Richtig spannend wird es für ihn dann, wenn Menschen und ihre persönlichen Erfahrungen im Zentrum von Reportagen oder Hintergrundberichten stehen.

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