Gegen Absturzunfälle: Initiative „Sicher auf dem Dach“
6. Januar 2026
Mit dem Solarboom in Deutschland steigt auch die Zahl der Arbeiten auf Dächern und damit das Risiko von Absturzunfällen. Diese machen bereits seit Jahren einen großen Anteil schwerer und tödlicher Arbeitsunfälle in der Baubranche aus. Deshalb starten der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) die gemeinsame Initiative “Sicher auf dem Dach“. Ziel ist es, Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen für sicheres Arbeiten auf dem Dach zu gewinnen und sie mit praxisnahen Unterlagen bei der Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen zu unterstützen.
2025: Über 6000 Absturzunfälle
„Absturzunfälle passieren häufig, wenn auf Dächern ohne ausreichende Sicherung gearbeitet wird“, sagt Michael Kirsch, Hauptgeschäftsführer der BG Bau. Große Gefahr sehe man vor allem beim Einsatz von nicht durchbruchsicheren Materialien wie Wellasbestplatten, Lichtbändern oder Lichtplatten. Für die ersten zehn Monate 2025 wurden der BG Bau nach vorläufigen Zahlen über 6000 Absturzunfälle gemeldet.

Lest hier am Beispiel von Dachdecker Detlef Wagner, wie hart die Reha ist nach einem Absturzunfall!
26 Todesfälle – ein Drittel davon vom Dach
26 Abstürze endeten tödlich, jeder davon ist eine menschliche Katastrophe. Mehr als ein Drittel der tödlichen Absturzunfälle ereigneten sich vom Dach aus, fast alle erfolgten als Durchstürze durch nicht durchtrittsichere Dachbereiche. Bereits drei Unfälle standen im Zusammenhang mit Arbeiten an Photovoltaikanlagen.

Dachdecker stürzen mehrere Meter in die Tiefe
Ein Fallbeispiel für Absturzunfälle von zu vielen: Zwei Dachdecker sind Mitte November bei Arbeiten an einem Industrieobjekt in Mönchengladbach aus mehreren Metern Höhe abgestürzt. Die Männer zogen sich laut Polizei teils schwere Verletzungen zu. Als die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr am Unfallort eintrafen, lagen beide Arbeiter am Boden. Ihre Kollegen kümmerten sich zu diesem Zeitpunkt um die Verletzten und leisteten Erste Hilfe. Die Feuerwehr übernahm umgehend die medizinische Erstversorgung. Nach der Stabilisierung vor Ort kamen die beiden verletzten Dachdecker in umliegende Krankenhäuser. Die Polizei hat Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen. Wie genau es zu dem Sturz aus mehreren Metern Höhe kam, ist noch unklar.

Arbeitsschutz konsequent beachten
„Die Zahlen zeigen: Im laufenden Jahr gab es auffällig viele tödliche Durchsturzunfälle – ein deutliches Warnsignal“, erläutert Kirsch und ergänzt: „Wichtig ist mir die Botschaft: Das muss so nicht sein! Wenn der Arbeitsschutz konsequent beachtet wird, ist sicheres Arbeiten auf dem Dach möglich. Um Absturzunfälle zu vermeiden, ist es wichtig, dass alle Tätigkeiten auf Dächern fachgerecht ausgeführt, gut geplant und mit geeigneten Schutzmaßnahmen abgesichert werden.“

PV-Anlagen sicher installieren
Die Arbeit in der Höhe erfordert umfassende Fachkenntnisse, gerade auch in Sachen Arbeitssicherheit. Diese und die Risiken werden in der Ausbildung und der Weiterbildung der gewerblichen Mitarbeiter im Dachdeckerhandwerk vermittelt. Prävention ist das A und O bei der Arbeitssicherheit. Ohne Absicherung gegen Absturzunfälle über Gerüste, Fangnetze oder persönliche Schutzausrüstung sollte kein Mitarbeiter aufs Dach gehen.
„DachdeckerInnen arbeiten zumeist in der Höhe – aber sie wissen, was sie tun. Mit den möglichen Risiken gehen sie professionell um und schützen sich umfassend. Denn Unfälle bei Dacharbeiten müssen nicht sein“, sagt ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. „Insofern sehen wir mit Sorge, dass mit dem PV-Boom zunehmend auch Nicht-Fachleute auf Dächer steigen, ohne sich der Gefahren wirklich bewusst zu sein.“
Praxisnahe Schulungen zur persönlicher Schutzausrüstung (PSA) sind gefragt!

Für Absturzrisiken sensibilisieren
Mit der Initiative „Sicher auf dem Dach“ wollen ZVDH und BG Bau für Absturzrisiken sensibilisieren und über Schutzmaßnahmen aufklären. „Als Chef eines Dachdeckerbetriebs weiß ich, wie anspruchsvoll die Arbeit auf dem Dach ist“, sagt Dachdeckermeister André Büschkes, Mitglied im BG Bau-Vorstand. „Unfälle lassen sich vermeiden, wenn man so arbeitet, wie Profis es tun. Die Initiative ist genau der richtige Weg: Gemeinsam entwickeln Verband und Berufsgenossenschaft Maßnahmen, die in der Praxis wirklich funktionieren.“ Büschkes ergänzt: „Für mehr Sicherheit sorgen etwa auch durchtrittsichere Materialien und Konstruktionen. Hier könnte die Politik verpflichtende Kennzeichnungen einführen.“
Lesetipp: Wie eine innovative Leiterkopfsicherung Unfälle auf Leitern verhindern hilft!

Typische Gefahrensituationen aufzeigen
Die Initiative „Sicher auf dem Dach“ kombiniert eine Sensibilisierungskampagne in den sozialen Medien mit neuen Sicherheitsmaterialien und Arbeitshilfen. In kurzen Beiträgen werden typische Gefahrensituationen auf Dächern gezeigt und sichere Arbeitsweisen verständlich erklärt. Ziel ist es, Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen für sicheres Arbeiten auf dem Dach zu gewinnen und sie bei der Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen zu unterstützen.
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