Marktreport GebäudeGrün 2025: Großes Potenzial für Dachdecker
19. Februar 2026
Dachbegrünungen sind im Gegensatz zu PV-Anlagen noch immer ein Nischenbereich für Dachdecker und Zimmerer. Was ein wenig verwundert, denn die Margen sind hoch und der Aufwand bei einem extensiven Gründach eher gering. Auch der Schulungsbedarf für das Team hält sich in Grenzen. Und doch ist die Weiterbildung zum Gründach-Manager, die das BBZ Mayen in Kooperation mit dem Bundesverband GebäudeGrün e. V. (BuGG) aufgelegt hat, viel weniger nachgefragt als die zum PV-Manager.
Deutschland Vorreiter bei Dachbegrünung
Wie groß das Potenzial ist, zeigt der jüngst veröffentlichte „BuGG-Marktreport Gebäudegrün 2025“. Die Auswertungen zeigen: Deutschland ist Vorreiter bei der Begrünung von Dächern und Fassaden, doch es gibt zugleich ein großes Steigerungspotential. „Mit etwa 200 Millionen Quadratmetern umgesetzter Dachbegrünungsflächen und den verschiedenen kommunalen Förderinstrumenten als auch Länder- und Bundesförderprogrammen darf sich Deutschland im weltweiten Vergleich zurecht in der Spitzengruppe der Länder sehen, die Gebäudegrün erfolgreich umsetzen“, sagt BuGG-Präsident Dr. Gunter Mann.

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Hamburg führt 2027 Gründachpflicht ein
Tatsächlich fördert die Politik Dachbegrünung, aber eher halbherzig im Vergleich zu PV-Anlagen. Bislang gibt es nur in den Bundesländern Berlin und Bremen eine Gründachpflicht. Hamburg startet zum Jahresbeginn 2027 und wirbt mit dem Slogan „Energie gewinnen und Gebäude kühlen“ bereits jetzt für die verbindliche gesetzliche Regelung, Flachdächer, die über eine Neigung von maximal 10 Grad verfügen, bei einer Erneuerung oder Sanierung als Gründächer umzusetzen. Hamburg verspricht sich zurecht durch die Kombination von Gründächern und Solaranlagen insbesondere eine kühlende Wirkung im Sommer und damit die Vermeidung eines Leistungsabfalls der PV-Anlagen durch zu starkes Aufheizen. Die PV-Pflicht gibt es bereits in der Hansestadt.

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Politik fördert Gründächer nur halbherzig
In allen anderen Bundesländern sind es nur vereinzelte Städte, die auf eine Pflicht zur Dachbegrünung setzen. Die Bundesregierung hält sich bei diesem Thema völlig zurück und bietet im Gegensatz zu PV-Anlagen keine steuerlichen Anreize. Immerhin listet der aktuelle „BuGG-Marktreport Gebäudegrün 2025“ 170 Städte mit Förderprogrammen für Gründächer sowie 147 Städte mit Förderprogrammen für Fassadengrün auf.

Die kommunalen Förderprogramme sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Dementsprechend variieren auch die Förderhöhen stark von Stadt zu Stadt. So reicht die Spanne der maximalen Förderung für Dachbegrünungen von 10 bis 300 Euro pro Quadratmeter sowie alternativ 100 bis 200 000 Euro pro Vorhaben. Die Spanne der maximalen Förderung für Fassadenbegrünungen reicht von zehn bis 80 Euro pro Quadratmetern sowie alternativ von 500 bis 200 000 Euro pro Vorhaben.

2024 weniger neue Gründächer als im Vorjahr
Die politische Halbherzigkeit zeigt sich daran, dass im Jahr 2024 nur knapp neun Millionen Quadratmeter Dachfläche neu begrünt wurden. 2023 waren es hingegen noch über zehn Millionen Quadratmeter. Der Anteil von Dachbegrünungen bei den in 2024 neu hinzugekommen Flachdachflächen liegt denn auch nur bei 12,8 Prozent. Laut „Marktreport GebäudeGrün 2025“ blieben im Jahr 2024 etwa 87 Prozent der neuen Flachdachflächen unbegrünt. Der Fachverband sieht darin ein enormes Potenzial, das aber wohl nur zu heben ist, wenn die Politik in Zeiten des Klimawandels die Vorteile von Gründächern ernster nimmt. Dach- und Fassadenbegrünungen bilden wichtige Maßnahmen zur Anpassung urbaner Räume an die Folgen des Klimawandels in Sachen Überflutungsschutz und Hitzevorsorge und bieten Lebensraum für Flora und Fauna in der Stadt, Stichwort Biodiversität.

Fassadenbegrünung bleibt Rarität
Wenn Dachbegrünungen eine Nische sind, dann sind Fassadenbegrünungen noch immer eine Rarität. So sind 2024 laut „Marktreport GebäudeGrün 2025“ nur etwa 137 100 Quadratmeter Fassadenflächen hinzugekommen. Diese gibt es als bodengebundene Begrünungen mit Kletterhilfen, rund 109 600 Quadratmeter, sowie als wandgebundene Fassadenbegrünungen, rund 27 500 Quadratmeter.

Weltkongress GebäudeGrün 2026 in Berlin
Der BuGG als Lobbyverband, zu dessen inzwischen über 600 Mitgliedern auch erste Dachdecker gehören neben Galabauern und Herstellern wie Bauder, versucht das Thema Architekten und Wohnungsbaugesellschaften und vor allem der Politik immer neu ins Bewusstsein zu rücken im Hinblick auf die Vorteile einer Dachbegrünung, auch in Kombination mit einer PV-Anlage. So veranstaltet der Verband vom 19. bis 21. Juni den Weltkongress Gebäudegrün 2026 in Berlin. Es handelt sich um eine dreitägige Veranstaltung rund um die Gebäudebegrünung und die dazu gehörigen Themen, wie Stadtklima, Regenwasserbewirtschaftung, Nachhaltigkeit und Stadt der Zukunft. Begleitend zum Kongress findet eine Fachausstellung statt.
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