Zimmerer Lasse Peper: Mit Deutschrap in die Klick-Charts
17. Februar 2026
Wenn es so etwas wie Zimmerer-Charts geben würde, stünde Lasse Peper in der Hitliste vermutlich ganz weit oben: Mit seinem Song „Steine klopfen“ hat der 28-Jährige, der sich auf Instagram mit einer guten Prise Selbstironie derholz.kopf nennt, schon mehr als drei Millionen Klicks erzielt. Dabei geht es ihm nicht nur um den Spaß an der Musik, sondern vor allem auch um eine Botschaft: Handwerk kann ganz schön cool sein.
Zimmermänner drehen Schrauben, keine Joints
Er sitzt entspannt auf einem Holzstapel, tänzelt leichtfüßig über das Gelände eines Sägewerks und trägt einen Balken auf der Schulter, während er seine Zeilen rappt. Das alles in Zimmermannskluft und mit Sonnenbrille auf der Nase: Es wirkt schon ziemlich lässig, was Lasse Peper da in seinem ersten Instagram-Musikvideo inszeniert hat. „Steine klopfen, Holzspäne in meinen Locken. Kluft rocken, Schraubenpackets in meinen Socken.“ So lauten die ersten Zeilen des eingängigen Songs, der auf dem Hit „Shababs Botten“ des Berliner Rappers Pashanim basiert. Und weiter: „Zimmermänner, gut gebräunt, drehen Schrauben, keine Joints. Frist wird nicht versäumt, und alle unsere Kunden sie freut’s.“

Lesetipp: Erfahrt hier mehr über den erfolgreichen Song „Der dicke Dachdecker“ von Comedian Bodo Wartke!
Abfälliges Lehrerzitat wird zum Songtitel
Vorigen Sommer ging „Steine klopfen“ auf Instagram online. Bis heute hat der Song mehr als drei Millionen Klicks gesammelt – und damit wesentlich dazu beigetragen, dass der Account des rappenden Zimmermanns inzwischen knapp 15 000 Follower hat. „Ich hätte nie gedacht, dass das so einschlägt“, sagt Lasse Peper. „Es ist schon krass, wie man so viele Leute erreichen kann – und eine tolle Bestätigung, dass es ihnen offensichtlich gefällt.“ Der Titel seiner ersten Musikveröffentlichung spielt auf ein Erlebnis aus der Schulzeit an. Einer seiner Lehrer hatte damals gesagt: „Wenn ihr euch nicht anstrengt, könnt ihr später auf dem Bau Steine klopfen.“ Dieses Zitat sei so nachhaltig bei ihm hängengeblieben, dass er es unbedingt unterbringen wollte, erzählt der 28-Jährige.

Musiker-Leben in der Kleinstadt
Auf seinem Instagram-Account veröffentlicht er seit dem ersten „Holzkopf-Post“ im Mai 2025 regelmäßig kurze Spaßvideos mit Bezug zu seinem Beruf, Szenen aus seinem Arbeitsalltag sowie Straßenumfragen mit Jugendlichen zu Themen rund ums Handwerk. Und eben hin und wieder Musikclips, die er – wie alles andere auch – zusammen mit seinem Freund Sebastian Bahnemann produziert. Die beiden kennen sich schon seit der gemeinsamen Schulzeit im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim. „Sebastian hat damals selbst Musik gemacht, dabei habe ich ihn gefilmt“, berichtet Lasse Peper. Und ergänzt lachend: „Wir haben in der Kleinstadt ein Leben geführt wie zwei kleine Musiker.“
Ehrliche Einblicke aus dem Zimmereralltag
Heute sieht die Aufgabenteilung so aus, dass BWL-Student Bahnemann für alle technischen Fragen zuständig ist, sein Verständnis von Rap und Reimen mit einbringt und außerdem auch seine Stimme für die Songs zur Verfügung stellt. „Wenn mein bester Freund schon Rapper ist, lasse ich ihn das machen“, macht Lasse Peper deutlich. Er selbst wisse, wie es auf dem Bau laufe und welche Botschaften er vermitteln wolle. „Die Texte schreiben wir dann zusammen. Wir überlegen so lange hin und her, bis man sich das gut anhören kann.“ Dabei gehe es ihm um einen ehrlichen, insgesamt positiven Einblick in die Welt des Handwerks: „Ich weiß aus meiner Ausbildung, dass es auch Missstände gibt, und die will ich nicht totschweigen. Viele Betriebe sind aber supercool. Das möchte ich zeigen.“

Erster Handwerker in Akademikerfamilie
In seiner Familie ist der 28-Jährige der einzige Handwerker. „Ich komme aus einer Akademikerfamilie“, berichtet er. „Meine Mutter ist Grundschullehrerin, mein Vater Maschinenbauingenieur und auch meine drei älteren Geschwister haben mit Handwerk nichts zu tun.“ Ihm selbst sei allerdings während seiner Zeit auf dem Gymnasium klar geworden: „Nur in der Theorie lernen und still dasitzen, das ist nichts für mich.“ Seine Mutter kam schließlich auf die Idee, dass er es als Zimmerer versuchen könnte.

Sogar bei Regen ein toller Beruf
Ohne zu wissen, was ein Zimmermann eigentlich so macht, begann Lasse Peper nach der zwölften Klasse und einem Freiwilligen Sozialen Jahr ein Praktikum in einer Zimmerei. „Und obwohl es die ganze Zeit nur geregnet hat, hat mir das total gut gefallen. Da habe ich gedacht: Wenn es bei so einem Wetter schon so viel Spaß macht, dann muss das ein toller Beruf sein.“ An dieser Überzeugung hat sich bis heute nichts geändert. Und genau das ist sein Antrieb, diese Begeisterung mit seinen Videos an sein Publikum weitergeben zu wollen. Mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, was bleibt – und das auch noch mit dem Werkstoff Holz, den er so gerne mag. „Das macht mich glücklich, wenn ich abends überlege, was ich den Tag über gemacht habe“, schwärmt Lasse Peper.
Im Ausland raus aus der Komfortzone
Lasse Peper ist ein umtriebiger und aufs Leben neugieriger Typ, das wird im Gespräch schnell deutlich. Nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung 2021 nahm er sich eine einjährige Auszeit, in der er unter anderem für einige Monate mit Motorrad und Rucksack durch Asien reiste. „Als ich zurückkam, habe ich gemerkt, dass ich nicht gleich in Deutschland bleiben möchte“, berichtet er. Also machte er sich direkt wieder auf den Weg: Diesmal nach Kanada, wo er ein Jahr lang als Carpenter arbeitete. Eine sehr wertvolle Erfahrung, wie er rückblickend meint. „Es ist immer gut, aus der eigenen Komfortzone rauszukommen. Und wenn man dann erlebt, dass man in einem fremden Land mit einer fremden Sprache gut klarkommt, bringt einem das viel Selbstvertrauen für den weiteren Karriereweg.“

Lesetipp: In fremden Ländern war auch Dachdecker Felix Thiele auf der Walz unterwegs!
Unterstützung durch den Arbeitgeber
Noch von Kanada aus sah er sich im Internet nach einem Job in der Heimat um – und wurde in München bei der Frank Zimmerei und Holzbau GmbH & Co. KG fündig, wo er bis heute als Zimmermann angestellt ist. Seinen Arbeitgeber stört es nicht, dass er einen guten Teil seiner Freizeit mit der Produktion von Instagram-Videos verbringt, sagt Lasse Peper. Im Gegenteil: „Mein Chef hat das von Anfang an unterstützt. Ein bisschen repräsentiere ich damit ja auch den Betrieb und mache Werbung für ihn.“
Mit Ausdauer zum Glück
Unterdessen können sich Fans des „Holzkopfes“ darauf freuen, dass die nächsten Projekte schon in Arbeit sind. „Wir wollen das machen, solange wir Bock darauf haben und solange es so gut ankommt“, sagt Lasse Peper. Er sei neugierig darauf zu sehen, was er mit dem Kanal noch erreichen könne. „Ich habe gemerkt: Wenn man sich anstrengt und Dinge durchzieht, auch wenn es mal nicht so gut läuft, wird man am Ende glücklich. Und das bin ich im Moment.“