Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Mehrere Menschen in traditioneller Zimmerei-Kleidung stehen vor einem roten Auto, einer hält einen Wanderstock und ein Notizbuch, andere tragen Hüte und Taschen.

Schule des Lebens: Dachdecker Felix Thiele auf der Walz

Anja Streiter

11. März 2025

Felix Thiele (27) aus Manheim-Alt im Rhein-Erft-Kreis, bis Mai noch Meisterschüler am BBZ in Mayen, ist von Mai 2018 bis November 2022 auf der Walz durch 23 Länder gewandert, 55 Monate lang. Für ihn eine Erfahrung großer Freiheit. Die Zugehörigkeit zu einer Vereinigung, die Regeln und das Netzwerk der Wandergesellen haben ihm geholfen, sich von der Heimat zu lösen und nach Jahren des Umherziehens bereichert in den elterlichen Betrieb zurückzukehren.

Der Traum vom großen Abenteuer

Mit 15 Jahren traf Felix Thiele, Sohn eines selbständigen Zimmerermeisters, zufällig in Köln auf einen Wandergesellen. „Ich habe ihm ein Essen ausgegeben und mir von der Walz erzählen lassen. Das klang so nach Abenteuer, das wollte ich auch erleben.“ Der Realschüler hat da schon öfter als Aushilfe auf Baustellen gearbeitet und beschlossen, Dachdecker zu werden. Auf die Realschule folgte die Lehre in einem kleinen Betrieb. Mit 18 Jahren wurde er freigesprochen, doch die Walz musste noch warten.

Ein Mann mit Kopfhörern arbeitet konzentriert an einem Holztisch in einer Werkstatt.
Baute ein neues Haus für Vater und Mutter: Zimmerer Felix Thiele. (Alle Fotos: Felix Thiele/BBZ Mayen)

Wohnhaus der Eltern gebaut

Thieles Heimatort liegt in der Abbauzone des Braunkohle-Tagebaus und wird nach und nach zerstört. 2016 steht sein Geburtshaus noch, aber bald brauchen die Eltern ein neues Haus. Die Entschädigung reicht nur bei viel Eigenleistung für einen gleichwertigen Neubau. Felix Thiele handelt mit seinem Vater Georg Zens aus, wie er später die Zimmerei Zens übernehmen und vorher auf die Walz gehen kann. Als Angestellter der Zimmerei baut er in den folgenden zwei Jahren das neue Haus. Bei Felix Thiele klingt das selbstverständlich: „Befreundete Meister anderer Gewerke haben mir gezeigt, wie‘s geht. Ich habe gemauert, gezimmert, das Dach gedeckt, verputzt und den Innenausbau bis auf so heikle Sachen wie den Strom gemacht.“

Der Gesellenverein

Auf der Schulung eines Herstellers lernt Felix Thiele dann einen Altgesellen der Kölner „Vereinigung der rechtschaffenen fremden Zimmerer- und Schieferdeckergesellen“ kennen. Er besucht mehrere Treffen in deren „Herberge und Krug“, dem „Zollstocker Hof“. Mitglied der Vereinigung wird man erst und auf Lebenszeit, wenn die vorgeschriebenen drei Jahre und ein Tag der Walz absolviert sind. Als das Haus der Eltern fertig ist, kann es 2018 endlich losgehen. 

Goldener Ohrring zum Start der Walz

„Walz geht auch ganz ohne Alkohol. Meist aber ist am Anfang und Ende Alkohol im Spiel. Da wird groß gefeiert“, erinnert sich Felix Thiele und lacht. Im Zollstocker Hof wird er unter großem Hallo am Ohrläppchen auf der Theke festgenagelt und muss sich mit ein paar Stiefeln Bier freikaufen. „Dann wird der goldene Ohrring eingesetzt. Früher war der ein Notgeld für die eigene Beerdigung. Heute ist er ein Symbol der Verantwortung für das eigene Leben bis in den Tod“, erklärt Felix Thiele.

Zwei Männer in traditioneller schwarzer Tracht und Zylinderhut gehen auf einer Straße, einer hält einen Stock. Im Hintergrund stehen weitere Menschen.
Und los geht’s. Von links: Alex Meisner, Florian Trip, Felix Thiele und ein weiterer reisender Geselle.

Sich einlassen auf das Abenteuer Leben

Begleitet von einem erfahrenen „Fremdgeschriebenen“ geht es dann mit fünf Euro und ohne Handy in der Tasche los. Zentrale Erfahrung der Walz ist, wie Angst vor Unsicherheit und Abhängigkeit sich in Zuversicht und das Erleben von Freiheit wandeln. Die Arbeit bringt das Reisegeld, die eigene Rechtschaffenheit sorgt für innere Ausrichtung und öffnet Türen wie Herzen. Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit werden zum Netz, das einen trägt.

Gerüst und sichtbare Holzbalken einer Fachwerkhaus-Baustelle, teilweise abgedeckt mit grüner Folie, zeigen laufende Bauarbeiten und traditionelle Bauweise.
Interessante Baustelle: Felix Thiele arbeitete 2019 für mehrere Monate mit an der Restaurierung des historischen Gerberhauses in der Nürnberger Altstadt.

Die Arbeit als Tor zur Welt

Nur ein Teil der Reisezeit muss zwingend mit Arbeit verbracht werden. „Nur wenn man auf interessante Arbeit oder Leute trifft, arbeitet man“, stellt Felix Thiele klar. Mehr als sechs Monate darf keine Anstellung dauernd. „Ich habe so im Schnitt die Hälfte der Zeit gearbeitet und bin ansonsten gereist.“ Auf Schusters Rappen oder per Anhalter geht es durch Europa. Nach Japan bringt ihn ein vom letzten Arbeitgeber bezahlter Flug.

Person mit Hut macht ein Selfie vor einer Treppe, im Hintergrund ein traditioneller japanischer Tempel und Bäume, bei sonnigem Wetter.
Wegen Corona ist es 2020 mit der Arbeit in Japan schwierig. Aber es gibt so viel zu sehen, etwa die UNESCO Weltkulturerbe-Stätte „Otowasan Kiyomizudera Tempel“ in Kyoto.

Faszination Afrika

Genauso kommt Felix Thiele nach Afrika und ist begeistert „Die Lebens- und Denkweise dort ist ein bisschen Wild West. Viel mehr als bei uns ist erlaubt, viel weniger reglementiert.“ In Namibia arbeitet er 2021 einige Monate bei einem auf Bogenbau spezialisierten Betrieb. „Die Technik, Holz zu Bögen zu leimen, ist sehr aufwendig, eine eigene Meisterschaft und in Deutschland kaum bezahlbar.“

Mehrere große Holzbretter in geometrischen Mustern liegen in einer trockenen Landschaft unter klarem blauem Himmel.
Bogenbau: Die aufwendige Technik, Holz zu Bögen zu leimen, lernte Felix Thiele in Namibia kennen.

In Sambia sucht einige Monate später eine Schule für Handwerker einen Allrounder im Baugewerbe. Felix Thiele ist ihr Mann. „Ich habe Maurern, Installateuren und Elektrikern Allgemeinwissen im Bauwesen beigebracht.“ Die Männer hoffen, durch das Zertifikat bessere Arbeit zu finden. „Viele von ihnen hatten als Kinder auf der Straße nebenbei fünf Sprachen gelernt. Aber dreidimensional zu denken, hat ihnen erstaunlicher Weise große Probleme bereitet.“

Mehrere Personen mit Schutzhelmen stehen und sitzen im Freien um einen Holztisch und Baumaterial. Im Hintergrund sind Bäume und blauer Himmel zu sehen.
Der Wandergeselle arbeitete 2021 in Sambia als eine Art Berufsschullehrer mit Schülern der Fountain Gate Crafts and Trades School. Es gab private Einladungen in die Familien und gemeinsame abendliche Streifzüge durch die Stadt.

Zu Fuß die Alpen überquert

Wieder in Deutschland wagte Felix Thiele übermütig eine Alpenüberquerung. Er wanderte von Göschenen über Andermatt zum Pass, übernachtete kostenlos in einem Berghospiz. Am nächsten Tag ging es über Airolo hinunter zum Lago Maggiore. „Oben waren es zwölf, unten dann 30 Grad. Bei Bellinzona wurde ich ohnmächtig und bin erst im Spital wieder erwacht. Meine Blutwerte waren komisch, mein Englisch klang holperig. Die dachten, ich sei betrunken. Nach einer Nacht und einem Gespräch am Morgen mit einem deutschen Pfleger hat sich alles geklärt. Auch, dass es verrückt ist, ohne Vorbereitung die Alpen zu überqueren.“ 

Ein köstliches Lebensgefühl

„Die Walz ist die unglaublichste Zeit im Leben. Man ist sehr frei, lebt in den Tag hinein, macht nur Interessantes, hat keine Sorgen, nur ein köstliches Lebensgefühl“, schwärmt der Meisterschüler, noch über ein Jahr nach der Rückkehr. „Man befreit sich auch von der eigenen Meinungsblase, lernt zuzuhören, wird ruhiger. Ich wohnte in sehr traditionellen Familien und in Berlin in einer Kommune. Ich habe gelernt, anzuerkennen, dass andere anders denken und erleben. Ich habe auch gelernt, aus mir rauszukommen und von mir zu erzählen“, berichtet Felix Thiele

Zwei Männer in traditioneller schwarzer Tracht stehen vor historischen Ruinen und einem bewaldeten Hügel im Hintergrund.
2022 auf 3085 Höhenmetern: Felix Thiele (rechts) mit Reisekamerad Lasse Mayer bei der „Schwester Machu Pichus“, der Inkastätte Choquequirao in der Nähe von Cuzco, Peru.

Die „Heimgeherei“ rundet die Reise ab

Die deutsche Walz kann süchtig machen, sie ist romantisch-grenzenlos. „Manche kriegen die Kurve zur Sesshaftigkeit nicht mehr“, gibt Felix Thiele zu bedenken. Er selbst hat nach vier Jahren gespürt: „Es könnte immer so weiter gehen. Wenn ich zurückkehren will, muss das bald geschehen.“ Da setzt er sich eine Grenze: noch ein halbes Jahr. „Es war einfach Zeit.“

Eine Gruppe von Menschen in traditioneller Zunftkleidung steht auf einer Wiese unter freiem Himmel zusammen.
Verabschiedung von den Weggefährten auf der „Heimgeherei“ am neuen Kreisel vor Manheim-Neu.

Monate vor dem Ende der Walz schickt Thiele an die Herbergen seiner Vereinigung Einladungen mit Treff- und Zeitpunkt seiner „Heimgeherei“. Vom Rand der 50 Kilometer Bannzone aus geht es dabei eine Woche lang spiralförmig näher an den Heimatort. Mit Felix Thiele gehen am Ende 20 reisende Wandergesellen und 15 Einheimische weinselig im Spinnermarsch, zick zack, durchs Gelände. In vielen Erzählrunden wird der Kreis der Reise geschlossen. Trunken vor Glück und Wein legt Felix Thiele die letzten 50 Meter nach Hause, zu Eltern, Freunden und Nachbarn, allein zurück. „Ich war bei der Ankunft alles andere als nüchtern“, erinnert sich Felix Thiele lachend. Das Betreten des Heimatortes besiegelte endgültig das Ende des Abenteuers Walz. Was dann kam, nennt er eine „Mörder-Party“.

Ein Handwerker arbeitet an einem Dach und befestigt unterschiedlich geformte Dachziegel in verschiedenen Farben auf einer Holzkonstruktion.
Herausforderungen auf dem Weg zum Meister: Eine Biberschwanzkehle legen, drei Ziegel breit.

Nach der Rückkehr direkt auf die Meisterschule

Die Rückkehr in den Alltag war nicht ohne. „Der Wechsel vom Leben in den Tag zu den durchgeplanten Wochen eines deutschen Handwerkers ist eine 180 Grad Kehrtwende. Das ist ein Schock“, findet Felix Thiele. Er ging die Rückkehr gleich mit der Vollzeitausbildung zum Dachdeckermeister in Mayen entschlossen an. Im Mai schon ist dort Prüfungszeit. Wenn alles klappt, wird Felix Thiele danach die Zimmerei des Vaters übernehmen. Der will seinen Sohn noch zwei Jahre im Betrieb begleiten, damit Felix Thiele sich zum Restaurator im Holzbau weiterbilden kann. In Sachen Walz wird er dann als „Einheimischer“ selbst Anlaufpunkt für jüngere Wandergesellen auf der Suche nach interessanter Arbeit bei einem coolen Chef.

Sie interessieren sich für den Werdegang junger Dachdecker? Dann lesen Sie unsere Story über WM-Teilnehmer Jan Thullesen, der bereits drei Meisterprüfungen bestanden hat.

Anja Streiter

Hat bisher vor allem Bücher, Artikel und Rezensionen über Filme geschrieben. Fragen stellen, zuhören, Zusammenhänge verstehen und gute Texte schreiben, das sind die Leidenschaften, die sie als Quereinsteigerin bei Dach\Live einbringt.

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