Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Mann mit Brille, weißem Haar und dunkler Weste steht in einem industriellen Raum und lächelt in die Kamera.

Jan Thullesen: Jungdachdecker mit drei Meistertiteln

Knut Köstergarten

2. Januar 2025

Vor Kurzem nahm er an der Dachdecker-WM 2024 in Innsbruck teil, jetzt ist Jan Thullesen wieder zurück im hohen Norden, im Familienbetrieb Volker Thullesen GmbH in Neumünster, Mitglied der DEG Alles für das Dach eG. Diese WM ist Abschluss und sicherlich auch ein Höhepunkt nach Jahren des Lernens. Der junge Mann hat inzwischen den Dachdeckermeister, Klempnermeister und Maurer- und Stahlbetonbaumeister absolviert und sich so optimal für seine zukünftige Position ausgebildet – langfristig soll er den Betrieb von Vater Lars Thullesen übernehmen.

Bronze bei der Dachdecker-WM

Bei der Dachdecker-WM gewann Jan Thullesen und seinen Teamkollegen Raphael Schleuer in der Disziplin Metalldach die Bronzemedaille. Es ging dabei an Tag eins an ein Kehlmodell mit Fenstereinfassung, an Tag zwei wurde ein Mansardmodell eingedeckt. Den Abschluss an Tag drei bildete die Kür, gemeinsam mit Mentor Carsten Daub. Es sollte eine Fassadenfläche mit den übrig gebliebenen Materialien möglichst kreativ bekleidet werden. Hierfür gewann das Team Metall den vom IFD-Präsidenten verliehenen Sonderpreis. Mentor Carsten Daub sagte schon vorher, dass er „ein gutes Gefühl bei beiden hat“.

Bild von Jan Thullesen bei der Dachdecker-WM mit seinem Trainer
Training für die Dachdecker-WM am BBZ Mayen mit Mentor Carsten Daub. (Foto und Titelbild: ZVDH)

Eine Ehre und eine Chance

Dass er für die Dachdecker-WM ausgewählt wurde von den Ausbildern am BBZ Mayen, hat ihn überrascht. Doch dann war für Jan Thullesen sofort klar: „Das ist eine Ehre und eine Chance. Ich will das machen, wenn es irgendwie geht mit der weiten Anreise aus Schleswig-Holstein.“ Von Ende September bis Mitte November gab es fast jede Woche von Donnerstag bis Samstag ein gemeinsames Training im fernen Mayen. Unterstützung erhielt er vom Vater: „Nimm dir die Zeit.“ Beim Interview während eines Trainings zeigt er sich sehr zufrieden mit der Entscheidung. „Die Stimmung im ganzen Team passt, mit Raphael Schleuer komme ich gut klar. Wir sind uns ähnlich in den Stärken. Jetzt geht es darum, uns immer besser einzuspielen von Training zu Training, sagt Jan Thullesen. Am Ende des Wegs sagt er: „Ich werde die Vorbereitung und den Wettkampf mit seiner besonderen Atmosphäre mein Leben lang nicht vergessen.“

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Fachabitur reicht – Dachdeckerlehre gestartet

Jetzt ist er wieder zurück im Alltag des Familienbetriebs, in dem er schon als Schüler in den Ferien mitgearbeitet hat. Doch wirklich Gedanken über seine Berufswahl machte sich Jan Thullesen erst in der elften Klasse, ein Jahr vor dem Abitur. „Da habe ich mich entschieden, die Schule direkt mit dem Fachabitur zu beenden und eine Lehre als Dachdecker zu beginnen.“ So stand er bereits auf dem Dach, als seine früheren Mitschüler für die Abiprüfungen büffelten.

Bild von Dachdecker Jan Thullesen bei der Arbeit
Jan Thullesen (links) bei der Errichtung eines Hochsitzes. (Foto: Thullesen)

Es war aber keine Entscheidung gegen das Lernen an sich. „Ich hatte Bock auf Dach und auch auf den kaufmännischen Part sowie die späteren Möglichkeiten zur Weiterbildung“, sagt der Dachdeckermeister. Die Ausbildung absolvierte er ab 2017 in einem 30 Kilometer entfernten Betrieb. „Ich wollte nicht zuhause lernen, der Umgang ist einfach anders, wenn du der Sohn des Chefs bist“, erläutert Jan Thullesen. „Bei uns war es schon immer wichtig, dass die Nachfolger nicht im eigenen Betrieb lernen.“

Mauermeister Jan Thullesen steht in einer Baugrube
Als Maurer in Aktion: Setzen der Regenwasser-Sickergrube beim Neubau eines Zweifamilienhauses. (Foto: Thullesen)

Eine Maurerlehre folgt

Danach absolvierte der frischgebackene Dachdeckergeselle direkt eine zweite Ausbildung als  Maurer, verkürzt auf eineinhalb Jahre. Dafür muss man wissen, dass der Betrieb Thullesen bei An- und Umbauten auch Maurerarbeiten ausführt. Die Idee: Möglichst viele Projekte aus einer Hand anbieten. Drei Maurergesellen und einen Azubi arbeiten in diesem Bereich. „Mich hat es gereizt, noch einmal etwas ganz anderes zu lernen als Dachdeckerei.“ Für ein dreiviertel Jahr sammelte Jan Thullesen in beiden Gewerken Praxiserfahrungen als Geselle. „Eigentlich war das länger geplant. Aber dann haben wir unser Notfallmanagement entwickelt und die Frage stand im Raum, wie es weitergehen kann, wenn Vater einmal ausfallen sollte. So kam die Überlegung, doch alle Weiterbildungen direkt anzugehen.“

Bild von Meistertiteln der Familie Thullesen
Collage der Dachdeckermeister Thullesen von links: Jan Thullesen, Vater Lars und Opa Volker. (Foto: Thullesen)

Drei Meistertitel nacheinander

Erst absolvierte Jan Thullesen nacheinander in Vollzeit den Dachdecker- und Klempnermeister am BBZ Mayen, dann den Maurer- und Stahlbetonmeister in Stade. Er setzt damit die Tradition des Vaters fort, der auch diese drei Meistertitel hat plus den als Zimmerermeister. Nach den drei Meisterprüfungen ist erstmal Schluss mit Weiterbildungen. „Ich will mir die Erfahrung aneignen auf den Baustellen, ohne Allüren wegen der Titel. Vielmehr möchte ich aufbauen auf meine Ausbildungen“, erläutert Jan Thullesen. Besonders gut an der Arbeit gefällt ihm, Gewerke übergreifend zu denken und zu planen. „Von der Gründung bis zum Dach die Bauprojekte zu begleiten und die Zusammenhänge zu kennen. Was macht das Gewerk davor, was das danach.“ Alles aus einer Hand eben.

Bild von Jan Thullesen mit seinem Team auf dem Dach
Der Betrieb Thullesen steht für Teamgeist und vorbildliche Nachwuchsförderung. (Foto: Thullesen)

Vorbildliche Nachwuchsförderung im Betrieb

Die Volker Thullesen GmbH hat aktuell rund 30 Mitarbeiter. Im August sind vier neue Azubis hinzugekommen. Insgesamt beschäftigt der Betrieb sieben Lehrlinge, darunter eine Frau. Das Thema Ausbildung ist Vater Lars Thullesen sehr wichtig, sein beispielhaftes Engagement setzt bereits in der Schule an. „Dort wird der Grundstein gelegt für ein erfolgreiches Berufsleben. Deshalb heißt auch unser kostenloses Nachhilfe-Förderprojekt so.“ SchülerInnen von der sechsten bis zur 13. Klasse aus allen Schulformen können kostenlos Nachhilfeunterricht erhalten. „Damit wird der Grundstein für den weiteren Ausbildungsweg, einen gelungenen Berufseinstieg oder ein erfolgreiches Arbeitsleben gelegt“, so Lars Thullesen.

Wollte immer schon Chef werden

So war es auch bei Jan Thullesen. Er möchte gerne später den Betrieb übernehmen und Chef werden. Mitarbeiter zu führen, das reizt ihn. „Man muss Lust haben, mit Menschen zu arbeiten“, erklärt der Dachdeckermeister. Auch sein jüngerer Bruder Henri arbeitet im Betrieb und hat im Sommer die Gesellenprüfung als Dachdecker abgelegt. „Aber er hat sich bewusst entschieden, mir den Vortritt zu lassen und unseren Betrieb nicht mit zu übernehmen“, berichtet Jan Thullesen. „Da muss man auch total dahinterstehen, viel machen, bis man  Strukturen aufgebaut hat, die einen entlasten.

BIld von Jan Thullesen mit seinem Vater und seinem Bruder
Familienbetrieb: Jan Thullesen (links) mit Vater Lars und Bruder Henri. (Foto: Thullesen)

Lernen auf den Baustellen und im Büro

Erst einmal will Jan Thullesen lernen auf den Baustellen, auch in Leitungsfunktion, und zudem im Büro arbeiten. Das Thema PV-Anlagen möchte er gerne nach vorne bringen, bislang spielt es nur eine Nebenrolle im Betrieb. Die alleinige Chefrolle ist noch Zukunftsmusik. „Die Nachfolge ist generell klar, aber aktuell kein Thema. Der Vater ist erst 51 Jahre alt. „Dass jeder seinen eigenen Stil hat in Sachen Führung, mein Vater weiß das. Wir haben da von Generation zu Generation dazugelernt.“

BIld von Jan Thullesen mit seinem Teampartner bei der Dachdecker-WM
Arbeiten Hand in Hand unter hohem Zeitdruck: Mit Partner Raphael Schleuer gewann Jan Thullesen (links) Bronze bei der Dachdecker-WM im Bereich Metall. (Foto: BBZ Mayen)

Gelassener Blick auf die Nachfolge

So sieht Jan Thullesen entspannt den nächsten Jahren und dem Nachfolgeprozess entgegen. Ohnehin wirkt der junge Mann für sein Alter erstaunlich gelassen. Ruhig und mit Bedacht wählt er seine Wort im Interview, dabei ganz klar in dem, was er will. Doch aufdrehen kann er auch, wie im Wettkampf bei der Dachdecker-WM in Innsbruck oder im Fußballverein, wo der HSV-Fan als linker Verteidiger die Linie rauf und runter läuft.

Sie interessieren sich für junge talentierte Dachdecker? Dann lesen Sie unsere Story über Jana Siedle, ebenfalls Mitglied der Dachdecker-Nationalmannschaft.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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