Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Gelbe Baumaschine mit blauer Aufschrift „SASC APE“, im Hintergrund ein weiß-graues Gebäude mit senkrechten Linien.

Steigende Materialpreise belasten Dachdecker

Knut Köstergarten

23. April 2026

Dachdeckermeister Sascha Apel ist ein besonnener Mensch und neigt nicht zu Krawall. Doch die aktuelle Lage mit explodierenden Preisen und Materialknappheit bei Bitumenbahnen und Wärmedämmstoffen seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs beschreibt der Obermeister der Bremer Innung mit den Worten: „Da ist richtig Dampf im Kessel.“ Was das konkret heißt, hat Apel zuerst gegenüber Radio Bremen erläutert. „Die erste Preissteigerung um zehn Prozent hatten wir im März, die zweite Anfang April um weitere 15 Prozent.“ Mit der nächsten Erhöhung rechnet er im Mai, wenn bis dahin weiter keine Ölfrachter die Straße von Hormus passieren können.

„Die erste Preissteigerung um zehn Prozent hatten wir im März, die zweite Anfang April um weitere 15 Prozent.“

Viel Diskussionsbedarf mit Kunden

Für Projekte, die jetzt oder in Kürze starten sollen, hat Apel seine Angebote im Dezember oder Januar abgegeben. Das heißt, er muss nachverhandeln. „Da gibt es viel Diskussionsbedarf mit den Kunden“, beschreibt es Apel. So saniert die Sascha Apel Dachdeckermeister GmbH & Co. KG für eine große Wohnungsbaugesellschaft elf Blöcke mit Flachdächern. Hilfreich ist da, wenn es eine sogenannte Preisgleitklausel im Vertrag gibt. Dabei handelt es sich um eine vertragliche Vereinbarung, die eine automatische Anpassung des Preises ermöglicht, wenn sich etwa Materialkosten nach Vertragsabschluss stark ändern. „Wir konnten da eine Einigung finden mit der Wohnungsbaugesellschaft, aber wir haben Federn gelassen“, erklärt Apel.

Ein Mann mit grauen Haaren und Bart, gekleidet in ein leuchtend gelbes Hemd und eine schwarze Weste, sitzt an einem Schreibtisch, hinter sich Papiere und ein schwarzes Jackett, das über seinen Stuhl drapiert ist, und verkörpert das organisierte Aussehen eines erfahrenen Dachdeckers.
Dachdeckermeister Sascha Apel muss aktuell viel mit Kunden über Preise diskutieren. (Foto und Titelbild: Apel)

Sascha Apel und sein Bruder: Dach-Allrounder mit Weitblick!

Preisexplosion verursacht echte Härten

Echte Härten bringt die Preisexplosion auch für die Privatkunden mit sich. Sascha Apel nennt ein Beispiel. „Eine Familie hat einen Bungalow gekauft, die Finanzierung steht, auch für die Sanierung des Flachdaches. Da wir jedoch den angebotenen Preis nicht mehr halten können, muss die Familie jetzt mit ihrer Bank über eine Nachfinanzierung verhandeln.“ Bei rund einem Drittel liegt bei Apel der Anteil der Materialkosten, wenn er ein Angebot berechnet.

Lieferprobleme bei Bitumenbahnen

Zudem muss der Dachdeckermeister schauen, dass er überhaupt genug Bitumenbahnen bekommt aktuell. „Anfang letzter Woche wollte ich sechs Paletten für rund 3000 Quadratmeter Dach haben – bekommen habe ich zwei“, erklärte er gegenüber Radio Bremen. „Wenn morgen ein Kunde kommt und sagt, wir sollen da eine große Fläche machen, dann können wir das derzeit nicht sicher zusagen.“

Bild von Mitarbeitern von Dachdecker Apel bei Arbeiten auf dem Flachdach
Material für die Flachdachprojekte zu bekommen, ist aktuell eine Herausforderung für den Betrieb. (Foto: Apel)

Innungsbetriebe kämpfen mit Preiserhöhungen

Eine aktuelle Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) unter rund 7000 Innungsbetrieben verdeutlicht die prekäre Situation. Bei den Materialkosten kämpfen so gut wie alle Betriebe mit stark gestiegenen Einkaufspreisen – teilweise betragen die Aufschläge 30 Prozent, in Einzelfällen sogar bis zu 50 Prozent, vor allem bei Wärmedämmstoffen und Abdichtungsbahnen. Zudem kommt es laut Ergebnis der Umfrage zu Lieferengpässen, erste Dachdecker melden bereits Kurzarbeit an. Verschärft wird die Lage durch eine außergewöhnlich lange Winterzeit, so dass Baustellen viele Wochen stillstanden.

ZVDH fordert Preissteigerungen mit Augenmaß

Deshalb appellierte jüngst der ZVDH-Vorstand in einem offenen Brief an Hersteller und den Bedachungsfachhandel, „Preissteigerungen mit Augenmaß und in angemessener Relation zu den tatsächlichen Kostenentwicklungen weiterzugeben. Transparenz, Nachvollziehbarkeit sowie verlässliche und ausreichende Ankündigungsfristen sind dabei von zentraler Bedeutung, damit Handwerksbetriebe ihre Leistungen weiterhin seriös kalkulieren und gegenüber ihren  Auftraggebern verantwortungsvoll vertreten können.“

Bild von Ulrich Marx vom ZVDH
ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx fordert den verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien. (Foto: Herzmann)

Kritik an steuerfreier Prämie für Mitarbeiter

Zudem kritisiert der ZVDH zum Teil die aktuellen Beschlüsse der Bundesregierung zur Entlastung der Bürger in Sachen hoher Öl- und Gaspreise. Im Fokus steht dabei nicht die Senkung der Mineralölsteuer für zwei Monate um rund 17 Cent pro Liter Kraftstoff, sondern die steuerfreie Prämie bis 1000 Euro pro Mitarbeiter. Sie wälze die Verantwortung für die Entlastung der Bürger einseitig auf Unternehmen ab. ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx: „Die Bundesregierung ignoriert die Realität: Viele Betriebe arbeiten bereits an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. Statt kurzfristiger Maßnahmen brauchen wir langfristige Lösungen – von der Ausweitung des Energieangebots über den verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien bis hin zu tragfähigen Sozialversicherungen.“

Bild von Jörg Dittrich
Sieht die Entlastungsprämie als Ausweichmanöver: ZDH-Präsident Jörg Dittrich. (Foto: Henning Schacht)

Mehr politische Kraft in die Energiewende investieren

Das sieht der Zentralverband des Handwerks (ZDH) genauso: „Besonders unangemessen ist die angekündigte sogenannte ‚Entlastungsprämie‘, die die Politik angekündigt hat, deren Bezahlung sie jedoch den Arbeitgebern aufbürdet. Entlastungsversprechen zu Lasten Dritter zu machen, ist nicht redlich", erklärt ZVDH-Handwerkspräsident Jörg Dittrich. Es sei ein Vorgehen, das weniger nach Entlastung als nach Ausweichmanöver aussieht. Die Senkung der Stromsteuer für alle sei hingegen, so Ulrich Marx, ein probates Mittel zur Entlastung der Betriebe, das schnell umgesetzt werden sollte. Insgesamt gelte es jedoch, mehr politische Kraft in eine echte Energiewende zu investieren. „Nur so können wir unabhängiger und weniger anfällig für externe Krisen werden.“

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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