Inhaltsverzeichnis
- Bruttoinlandsprodukt steigt langsam wieder
- Besser gelaufen trotz Irankrieg
- Bauwirtschaft könnte wieder Wachstumsmotor werden
- Preiserhöhungen und Materialknappheit im Frühjahr
- Wie ist die Auftragslage im Dachdeckerhandwerk?
- Zunehmender Preiskampf
- ZVDH will Betriebsübergabe mehr unterstützen
- Netzwerke für Nachfolge bauen
- Neue Aus- und Weiterbildungsplattform
- Dämmung genauso hoch fördern wie Wärmepumpen
- Übergangszahlungen bei Wegfall der PV-Einspeisevergütung
- Neue Förderanreize für PV-Anlagen
- Solar-Gründächer aufnehmen in Förderung
Das Bruttoinlandsprodukt und der Auftragseingang im Wohnungsbau steigen. Es besteht Hoffnung auf einen zarten Aufschwung, wenn die Politik bei Sanierung und PV-Anlagen Förderanreize setzt. Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) will seinen Beitrag zur Unterstützung der Dachdecker leisten.

Bruttoinlandsprodukt steigt langsam wieder
Auf einmal ist die Hoffnung auf wirtschaftlich bessere Zeiten in Deutschland zurück. Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal 2026 um real 0,3 Prozent gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt fiel der Anstieg der Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahresquartal mit einem Prozent noch stärker aus. „Die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft vom Jahresbeginn setzt sich fort“, erklärt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. „Wie schon im ersten Quartal ging der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurück.“
Besser gelaufen trotz Irankrieg
Trotz der Belastungen durch den Irankrieg ist das erste Halbjahr 2026 viel besser gelaufen als erwartet. Mehrere Banken und Verbände haben darauf bereits reagiert: Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) verdoppelte seine Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr von 0,5 auf 1,0 Prozent, das ifo Institut rechnet sogar mit 1,4 Prozent. Für 2027 hob KfW Research die Prognose ebenfalls an: von 1,3 auf 1,5 Prozent.
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Bauwirtschaft könnte wieder Wachstumsmotor werden
Neben der Exportstärke könnte auch die Bauwirtschaft mit dem Wohnungsbau wieder zu einem Wachstumsmotor avancieren. Der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist im Juni 2026 gegenüber Mai 2026 um sechs Prozent gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, nahm der Auftragseingang im Hochbau um 8,5 Prozent zu. „Nach Jahren der Schwäche könnte die Bauwirtschaft 2027 zu einem Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft werden“, erläutert der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Sebastian Dullien gegenüber Tagesschau online. Auch Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, sieht „positive Signale im Wohnungsbau“, fügt aber mahnend hinzu: „Was privaten Bauherren und Investoren fehlt, ist Planbarkeit – bei der Förderung ebenso wie bei den Baukosten.“
„Nach Jahren der Schwäche könnte die Bauwirtschaft 2027 zu einem Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft werden“ Sebastian Dullien
Preiserhöhungen und Materialknappheit im Frühjahr
Doch wie ist die Situation für die Dachdecker, nachdem die Betriebe im Zuge des Irankriegs mit deutlichen Preiserhöhungen und Materialknappheit, etwa bei Dämmstoffen, zu kämpfen hatten? Zur Erinnerung: Im Frühjahr hatte das Präsidium des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) einen offenen Brief an Hersteller und Bedachungshandel verfasst und um Fairness und Transparenz bei der Preisgestaltung gebeten. „Unsere aktuelle Umfrage zeigt sehr genau, was die Betriebe umtreibt: Lieferengpässe, hohe Material- und Energiepreise, hoher Druck, Personalmangel, Bürokratie und vor allem die Schwierigkeit, zu planen und Angebote rechtssicher zu gestalten“, sagte damals ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk.
„Der Auftragsvorlauf liegt bei vier bis fünf Monaten. Zwar bereiten die weiter volatilen Preise noch immer Sorgen, aber die meisten Betriebe kommen damit klar.“ Ulrich Marx
Wie ist die Auftragslage im Dachdeckerhandwerk?
Inzwischen schätzen die Dachdecker laut jüngster ZVDH-Betriebsumfrage aus dem August die Situation wieder positiver ein. „Der Auftragsvorlauf liegt bei vier bis fünf Monaten. Zwar bereiten die weiter volatilen Preise noch immer Sorgen, aber die meisten Betriebe kommen damit klar“, berichtet ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. 86 Prozent der Befragten sprechen von nur geringen oder keinen Auswirkungen auf ihr Tagesgeschäft. „Wenn überhaupt, dann machen den Betrieben Lieferverzögerungen zu schaffen“, führt Marx aus. Auch gegenüber Bedachungshandel und Industrie ist der Ton versöhnlicher. „Wir stehen in engem Kontakt, das hat sehr geholfen“, so Marx.

Zunehmender Preiskampf
Was auch der Hauptgeschäftsführer wahrnimmt, ist allerdings ein zunehmender Preiskampf. Es scheint so zu sein, dass sich inzwischen mehr Betriebe auf einzelne Aufträge bewerben, selbst wenn sie dafür längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen müssen. „Einige Betriebe verzichten deshalb auf öffentliche Ausschreibungen. Auch weil dort Preisgleitklauseln in Sachen Material kaum durchsetzbar sind“, erläutert Marx.
ZVDH will Betriebsübergabe mehr unterstützen
Gute Rahmenbedingungen sind für Ulrich Marx die eine Seite der Medaille, die andere sieht er in einer Verbandsarbeit, die Dachdecker bei ihren Herausforderungen unterstützt. Eine zentrale Herausforderung sei die Unternehmensnachfolge. „Die steht bei vielen Betrieben an und längst nicht alle haben einen Nachfolger.“ Zwar gebe es gute Unterstützungsangebote durch die Handwerkskammern. „Doch die melden uns, dass viele Inhaber den Prozess der Übergabe zu spät angehen.“
„Wir möchten Betriebe früher für das Thema Nachfolge sensibilisieren, ihnen Orientierung geben und auch Fortbildungen anbieten.“ Ulrich Marx
Netzwerke für Nachfolge bauen
Hier will der ZVDH gemeinsam mit Landesverbänden und Innungen Projekte initiieren und Netzwerke bauen. „Wir möchten Betriebe früher sensibilisieren, ihnen Orientierung geben und auch Fortbildungen zum Thema anbieten“, erklärt Marx. Das wird gerade in den nächsten Jahren immer wichtiger, wenn zahlreiche Übergaben anstehen. „Junge Meister gründen aktuell oft lieber einen neuen Betrieb. Und wenn vermehrt externe Kapitalgeber in unser Geschäft einsteigen, kann das auch nicht in unserem Sinne sein.“

Neue Aus- und Weiterbildungsplattform
Unterstützung für Dachdecker bietet auch die neue Aus- und Weiterbildungsplattform, um die Qualität hochzuhalten, moderne Medien zu nutzen und Betriebe im Wettbewerb um Azubis und Fachkräfte zu stärken. Ein anderes Projekt ist die geplante Ehrenamtsakademie. Diese soll Hilfestellung bieten für alle Bereiche der Innungsarbeit, damit die Innungen zukunftsfähig bleiben und, wenn möglich, auch neue, junge Mitglieder hinzugewinnen können. „Unsere drei Vizepräsidenten sind in ihren Bereichen sehr engagiert und bringen viele gute Ideen ein“, so Marx. Was ihm besonders Mut macht: „Wir haben beim ZVDH nach dem Generationenwechsel inzwischen ein hochmotiviertes junges Team, das viele neue Impulse setzt. Das ist die Basis dafür, die skizzierten Themen umsetzen zu können, aber auch dafür, neue Innungsmitglieder zu gewinnen.“
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Dämmung genauso hoch fördern wie Wärmepumpen
Bleibt noch die Politik und was sie tun kann. Unverständlich ist für Marx, dass Wärmepumpen als neue Heizungen stärker gefördert werden als die Dämmung der Gebäudehülle – auch deshalb, weil die Sanierungsquote aktuell bei nur 0,67 Prozent liegt. Um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, wären rund zwei Prozent notwendig. „Um hier Anreize zu schaffen, fordern wir, Dämmungen an Dach und Fassade in der Bundesförderung für effiziente Gebäude in der Förderhöhe dem Einbau von Wärmepumpen gleichzustellen“, sagt Marx. Die geplante Stärkung der Förderung für energetisch besonders schlechte Gebäude sei ein Schritt in die richtige Richtung, reiche jedoch nicht aus, um der Bedeutung einer leistungsfähigen Gebäudehülle für die Wärmewende gerecht zu werden.
Übergangszahlungen bei Wegfall der PV-Einspeisevergütung
Wichtig für die Dachdecker bleibt das zusätzliche Geschäftsfeld Photovoltaik, in dem es infolge des Irankriegs einen leichten Anstieg gab. Die Bundesregierung plant mit der EEG-Novelle 2027 die Einspeisevergütung von aktuell noch 7,7 Cent pro Kilowattstunde für kleine Anlagen bis 25 kWp komplett zu streichen. „Das trifft unsere Betriebe jedoch kaum, denn der Hauptgrund für eine PV-Anlage bei Einfamilienhäusern ist ohnehin die Eigenversorgung mit Strom.“ Wichtig sei es, im Sinne der Kalkulierbarkeit für Dachdecker und deren Kunden, mindestens fünf Jahre Übergangszahlungen weiterlaufen zu lassen. „Die Kunden müssten sich erst damit vertraut machen, wie sie ihren überschüssigen Strom selbst vermarkten können, wie es die EEG-Novelle vorsieht.“
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Neue Förderanreize für PV-Anlagen
Die im neuen EEG vorgesehene Begrenzung der Einspeiseleistung auf 50 Prozent kann ein sinnvoller Anreiz sein, in Speicher zu investieren. „Damit sie aber nicht zum Hemmnis wird, braucht es wachsende Speicherkapazitäten. Dafür müssen Kostenbelastungen für Eigentümer abgebaut und Nachrüstspeicher gezielt gefördert werden“, erklärt Marx.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Mehrfamilienhäusern: Die Einführung und Nutzung von Mieterstrom und gemeinschaftlichem Gebäudestrom müssen vereinfacht werden, damit große Dachflächenpotenziale genutzt werden können. Erforderlich sind standardisierte Messkonzepte, digitale Abrechnungen und reduzierte Lieferantenpflichten. Ulrich Marx: „Das Ziel muss sein, Solarstrom im Mehrfamilienhaus so unkompliziert zu gestalten wie Eigenverbrauch im selbstgenutzten Wohngebäude.“


Solar-Gründächer aufnehmen in Förderung
Solar-Gründächer erzeugen nicht nur Strom, sondern leisten zugleich einen Beitrag zur Klimaanpassung in Städten und dicht bebauten Räumen. Der ZVDH fordert daher, sie ausdrücklich in die Förderkulisse aufzunehmen und ihre Mehrfachleistung durch einen Bonus anzuerkennen. Marx: „Solar-Gründächer verbinden Klimaschutz, Klimaanpassung und nachhaltige Stadtentwicklung: Sie erzeugen Strom, verbessern das Mikroklima, speichern Regenwasser und entlasten die Kanalisation.“
Wie ist die Auftragslage im Dachdeckerhandwerk?
Laut der ZVDH-Betriebsumfrage vom August 2026 schätzen die Dachdecker ihre Lage wieder positiver ein. Der Auftragsvorlauf liegt bei vier bis fünf Monaten. 86 Prozent der Befragten spüren nur geringe oder keine Auswirkungen der schwankenden Preise auf ihr Tagesgeschäft. Probleme bereiten vor allem Lieferverzögerungen und ein zunehmender Preiskampf.
Was fordert der ZVDH bei der Förderung?
Der ZVDH fordert, Dämmungen an Dach und Fassade in der Bundesförderung für effiziente Gebäude genauso hoch zu fördern wie den Einbau von Wärmepumpen. Die Sanierungsquote liegt aktuell bei nur 0,67 Prozent, für die Klimaziele wären rund zwei Prozent nötig. Außerdem fordert der Verband eine gezielte Förderung von Nachrüstspeichern, einfachere Regeln für Mieterstrom und einen Förderbonus für Solar-Gründächer.
Was bedeutet die EEG-Novelle 2027 für Dachdecker?
Mit der geplanten EEG-Novelle 2027 soll die Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen bis 25 kWp entfallen, die derzeit noch 7,7 Cent pro Kilowattstunde beträgt. Laut ZVDH trifft das die Betriebe kaum, weil Einfamilienhausbesitzer PV-Anlagen vor allem für den Eigenverbrauch installieren. Der Verband fordert trotzdem mindestens fünf Jahre Übergangszahlungen, damit Dachdecker und Kunden sicher planen können.



















