Letztes Jahr bei den WorldSkills in Lyon musste er noch mit dem undankbaren vierten Platz Vorlieb nehmen. Doch letzte Woche holte Zimmerer Linus Großhardt die Goldmedaille bei den EuroSkills 2025, den Europameisterschaften im dänischen Herning. Er trat gegen die sieben besten Zimmerer aus Österreich, Estland, Frankreich, Island, den Niederlanden, der Schweiz und dem Gastgeberland Dänemark an. In einem sehr spannenden Wettbewerb erhielt der Schweizer Maurus Dörig ebenfalls eine Goldmedaille, Bronze ging an Timothé Josseaume aus Frankreich.

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Nach 18 Stunden Wettkampf gleiche Punktzahl
Der 21-jährige Linus Großhardt trat bei den EuroSkills 2025 von Anfang an stark auf und gab zeitweise das Tempo vor. Dennoch blieb es bis zum Schluss ein völlig offener Wettbewerb, die Konkurrenz mit vielen ebenbürtigen Gegnern war groß. Das drückte sich auch darin aus, dass diesmal zwei Goldmedaillen vergeben wurden für die gleiche Punktzahl. Insgesamt 18 Stunden über drei Tage arbeiteten die Teilnehmer an einem Pavillon-Modell, das aus drei Modulen bestand: Wände als Unterkonstruktion für das Dach, Dachkonstruktion und Fassade.

Hoher Schwierigkeitsgrad der Aufgaben
Der Schwierigkeitsgrad bei den EuroSkills 2025 war insgesamt hoch, da neben der knappen Wettbewerbszeit auch eine enorme Präzision gefordert war. Besonders anspruchsvoll waren die Kombination verschiedener Holzverbindungen und die Umsetzung der Dachgeometrie. Hier positionierten die Teilnehmer Hölzer unterschiedlich in ihrer Einbaulage. Die Herausforderung bestand in der Mischung von senkrechten Hölzern, Bohlen und sogenannten verkanteten Hölzern.

Pavillon-Modell mit drei Modulen
Im ersten Modul wurden die Wände als Rahmenkonstruktionen mit Schwelle, Pfosten und aussteifenden Diagonalen hergestellt – inklusive präziser Holzverbindungen. Das zweite Modul umfasste den Dachaufbau. Die Hölzer im Dach, welche senkrecht, verkantet und als Bohlen ausgeführt wurden, mussten passgenau abgebunden werden. Neigungen und Achsmaße mussten exakt stimmen, damit First- und Trauflinien sauber verlaufen, mit passgenauen Verbindungen und ebenen Flächen. Die Herausforderungen lagen in der millimetergenauen Übertragung der Zeichnung in den Abbund, der Maß- und Winkelgenauigkeit über alle Module hinweg sowie in der passgenauen Montage des Dachtragwerks – unter strenger Zeitvorgabe und bei makelloser Oberflächengüte aller sichtbaren Hölzer.

Gesamtes Nationalteam unterstützt vor Ort
Linus Großhardt wurde bei der EuroSkills 2025 von der Zimmerer-Nationalmannschaft von Holzbau Deutschland unterstützt, die als gesamtes sechsköpfiges Team nach Herning angereist war. Die Trainer Sascha Brück und Michael Rieger bereiteten den 21-Jährigen in den vergangenen Monaten zudem intensiv auf die EuroSkills 2025 vor. „Es ist immer eine Einzelleistung, hier im Wettbewerb zu stehen. Aber der Weg dahin ist eine gemeinsame Leistung, bei der man voneinander und miteinander lernt“, betonte Andreas Großhardt von der Teamleitung der Zimmerer-Nationalmannschaft.

Schon mal Wettkampfluft schnuppern
Für die fünf anderen Mitglieder der Zimmerer-Nationalmannschaft ging es auch darum, schon mal Wettkampfluft bei der EuroSkills 2025 zu schnuppern. Denn die Atmosphäre mit den vielen Besuchern an der Bande ist schon etwas sehr Besonderes. Und in zwei Jahren wird dann einer von ihnen womöglich den Wettkampf selbst bestreiten. Mit von der Partie war auch Alex Bruns, der 2019 bei den WorldSkills in Kasan die Goldmedaille gewann. Er engagiert sich inzwischen ehrenamtlich in der Teamleitung des Nationalteams und war als deutscher Experte Teil der internationalen Bewertungsjury.

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Beeindruckendes Engagement
Michael Schönk, Vorstandsmitglied von Holzbau Deutschland, reiste ebenfalls nach Herning, um die Zimmerer-Nationalmannschaft vor Ort zu unterstützen. „Ich bin beeindruckt vom Teamgeist und der Begeisterung, mit der die Mannschaft Linus bei den EuroSkills 2025 begleitet hat. Ebenso bewundernswert ist das Engagement der Zimmererkollegen aus den Betrieben, die die Teammitglieder der Nationalmannschaft für Training und Wettbewerbe freistellen.“ Auch der Vorsitzende von Holzbau Deutschland und Präsident von Timber Construction Europe, Peter Aicher, gratulierte Linus Großhardt herzlich und lobte dessen Engagement: „Die Goldmedaille ist zunächst einmal das ganz persönliche Ergebnis seines Talents und seines Trainingsfleißes.“

Titel als Beleg für Stärke der Zimmererausbildung
Dass Deutschlands Zimmerer nun zum zweiten Mal in Folge Europameister sind, zuletzt holte Jonas Lauhoff 2023 Gold bei den EuroSkills in Gdańsk, sieht Aicher aber zugleich als Beleg für die Stärke der Ausbildung. „Die steht schon seit Jahrzehnten beim Holzbau ganz oben auf der Agenda. Unsere Ausbildungszentren sind gefüllt mit jungen Menschen, die unseren Beruf erlernen wollen. Das zeigt: Der Beruf des Zimmerers ist attraktiv und bietet jungen Menschen echte Zukunftsperspektiven.“