Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Bauarbeiter in rotem Helm steht auf einer Baustelle bei sonnigem Wetter, dahinter ein Kran und blauer Himmel.

4-Tage-Woche: Erfolgsmodell bei Dachdeckermeister Tim Evertz

Knut Köstergarten

30. April 2024

Dachdeckermeister Tim Evertz hat die 4-Tage-Woche ohne Stundenreduzierung umgesetzt. Der 27-Jährige führt in Kempen bei Krefeld einen Betrieb mit acht gewerblichen Mitarbeitern, einem Kranfahrer und einer Vollzeitkraft im Büro. „Ich habe viel über das Thema gehört und mir dann Gedanken gemacht und erste Ideen aufgeschrieben, wie ich das als Handwerker umsetzen kann.“ Danach sprach Evertz mit der Soka Dach über rechtliche Themen wie Arbeitszeitkonten, Überstunden oder Schlechtwettergeld und ließ sich auch von der örtlichen Handwerkskammer beraten.

4-Tage-Woche hat Produktivität erhöht

Schließlich setzte sich der Dachdeckermeister mit seinem Team zusammen. „Meine Mitarbeiter sind ohnehin aufgeschlossen und generell offen für Neuerungen. So beschlossen wir eine dreimonatige Testphase ab Oktober 2022, um zu sehen, wie wir damit klarkommen. Das hat funktioniert, trotz des extremen Wetters in diesem Herbst und Winter“, berichtet Evertz. Seitdem haben die Mitarbeiter jeden Freitag frei, Überstunden werden für Schlechtwetterzeiten genutzt. Als zentralen Vorteil sieht Evertz die Steigerung der Produktivität. „Wir fahren meist eine Stunde bis zu Baustellen. So kamen wir vorher freitags bis zum Mittag nur auf eine wirtschaftliche Arbeitszeit von 3, maximal 3,5 Stunden. Da macht es mehr Sinn, jeden Tag eine Stunde länger zu bleiben, komprimiert auf vier Tage.“

Bild von Dachdeckermeister Tim Evertz vor seinen Firmenfahrzeugen
Chef Tim Evertz freut sich, dass er am Wochenende mehr Zeit für die Familie hat. (Alle Fotos: Tim Evertz)

Mehr Motivation und weniger Krankentage

Ein weiterer Vorteil: Die Motivation im Team ist höher und es gibt weniger Krankentage. „Die Regeneration mit einem Tag mehr macht viel aus“, erklärt Evertz. Auch für ihn selbst als Unternehmer ist die 4-Tage-Woche wichtig, gerade als junger Vater. „Ich bin leidenschaftlich gerne selbstständig als Dachdecker, aber ich will auch Zeit für die Familie haben. Jetzt bin ich vier Tage auf den Baustellen und bei Kunden. Freitag mache ich das Telefon aus und kann in Ruhe und mit Konzentration fast alles abarbeiten im Büro.“

Bild von Mitarbeiter von Dachdeckermeister Tim Evertz beim Innenausbau eines Hauses
Die Motivation ist gestiegen, die Krankentage sind gesunken im Team Evertz.

„Wir wollen als Team nicht mehr zurück“

Im Betrieb Tim Evertz Dachdeckermeister, Mitglied der DEG Dach-Fassade-Holz eG, läuft die 4-Tage-Woche inzwischen eineinhalb Jahre. „Wir als Team wollen nicht mehr zurück“, erklärt Tim Evertz. Ein, zwei der jüngsten Mitarbeiter fragen noch ab und zu, ob sie nicht auch Freitag was machen können an Überstunden. „Aber das will ich gar nicht, 50 Stunden oder so, dann sind die in drei Jahren kaputt.“ Mit den Kunden gibt es keine Probleme in Sachen freier Freitag. Und bei den ganz harten Fälle, wie nach schweren Stürmen, bietet auch Tim Evertz einen Notdienst.

Bild von Mitarbeitern von Dachdeckermeister Tim Evertz auf einer Baustelle
Das Team des Betriebs Tim Evertz Dachdeckermeister will weiter vier Tage die Woche arbeiten.

Lehrling einstellen: Tücken liegen im Detail

Für den Dachdeckermeister liegen bei der Umsetzung der 4-Tage-Woche die Tücken im Detail. „Wie passe ich Arbeitszeitkonten oder Urlaubstage an, um solche Frage geht es.“ Um da auf der rechtlich sicheren Seite zu sein, hält Tim Evertz externe Unterstützung für sinnvoll. Das gilt auch für das Thema Ausbildung. Evertz würde gerne einen Lehrling einstellen. „Da haben wir einen gesetzlichen Jugendarbeitsschutz. Minderjährige dürfen nicht mehr als acht Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche arbeiten, wozu auch die Berufsschule zählt. Da müsste ich ihn immer frühzeitig von den Baustellen abholen oder er hätte einen zusätzlichen freien Tag zum Lernen. Mal sehen, wie da eine Lösung aussehen kann“, erläutert der Dachdeckermeister die Problemlage.

Bild von Mitrbeitern von Dachdeckermeister Tim Evertz vor Firmenfahrzeugen
Azubi einstellen: Problemlage Jugendarbeitsschutzgesetz.

Großes Medienecho sorgt für viele Bewerbungen

Ein sehr positiver Effekt der Einführung einer 4-Tage-Woche ist das Medienecho. So war es auch bei Tim Evertz. Das WDR-Fernsehen mit der Lokalzeit und die Rheinische Post als die große Tageszeitung in der Region Düsseldorf berichteten über den Betrieb. „Ich konnte mich kaum vor Bewerbungen retten“, erinnert sich Tim Evertz. „Und ich konnte zwei neue Mitarbeiter gewinnen, die sich gut eingelebt haben. Ein Geselle und ein Helfer, der jetzt gerade seine Gesellenprüfung nachholt. Dabei waren nicht alle Bewerber passend. „Denn es braucht natürlich schon mehr Motivation für den Job bei uns, als nur Freitag nicht arbeiten zu wollen“, stellt Tim Evertz klar.

Bild von Schulung bei Dachdeckermeister Tim Evertz mit seinen Mitarbeitern
Viele Bewerbungen nach Medienecho: Ein Geselle und ein Helfer sind neu ins Team Evertz gekommen.

Betrieb übernommen ohne Probleme

Der heute 27-Jährige startete 2013 seine Ausbildung und arbeitete nach der Gesellenprüfung ein halbes Jahr auf Montage im industriellen Hallenbau. Danach ging Tim Evertz wieder zurück in den Lehrbetrieb und machte 2019 den Meister. „Die Fachteile drei und vier habe ich in Vollzeit absolviert, die anderen vorher berufsbegleitend.“ Zurück im Betrieb wollte er weiter praktische Erfahrungen auf den Baustellen sammeln, arbeitete aber auch schon zwei Tage im Büro mit. „Ende 2020 habe ich den Betrieb übernommen. Der Chef ging in Rente, es gab einen fließenden Übergang“,  erläutert Tim Evertz. Stolz ist er darauf, dass der Altgeselle bei ihm geblieben und immer noch da ist, der ihn früher angelernt hatte.

Bild von Baustelle von Dachdeckermeister Tim Evertz
Energetische Sanierungen im Steildachbereich gehören zum Kerngeschäft.

Zufrieden mit der Selbstständigkeit

Unterm Strich läuft es gut mit dem eigenem Betrieb. „Wir machen vor allem Instandhaltung und energetische Sanierung, querbeet, Neubau nicht. Die Auftragslage ist sehr gut, 2024 sind die Bücher schon voll“, so Tim Evertz. Sehr hilfreich sei es, dass der Betrieb Hausverwaltungen und Architekten als Stammkunden gewonnen habe. PV-Anlagen realisiert der Betrieb auch, aber nur in Kooperation mit einem Elektriker, über den die Aufträge kommen. „Wir übernehmen nur die Montage auf dem Dach.“ Tim Evertz reicht das. „Wir brauchen schon in anderen Bereichen viel Know-how, da muss ich den Kunden nicht auch noch PV-Anlagen aus einer Hand anbieten.“

Bild von Mitarbeitern von Dachdeckermeister Tim Evertz auf einem Flachdach
Auch auf den Flachdächern in der Region Düsseldorf realisiert der Betrieb Projekte. Tim Evertz ist sehr zufrieden mit der aktuellen Auftragslage.

Wenn es sich ergibt, möchte Tim Evertz weiter wachsen mit dem Betrieb. „Ich lege es aber nicht darauf an“, erläutert der Dachdeckermeister. „Bei unserer jetzigen Größe kann ich eigenständig alles gut überblicken und vernünftig planen.“

Sie interessieren sich für das Thema neue Arbeitszeitmodelle? Dann lesen Sie unseren Bericht, in dem Handwerksexperten die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten beleuchten.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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