Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Mann im Anzug steht vor einer Steinwand und hält eine kleine Spielfigur, weitere Figuren stehen auf einer niedrigen Mauer.

Fachkräfte gewinnen: Neue Arbeitszeitmodelle im Dachhandwerk

Knut Köstergarten

16. April 2024

Fachkräfte zu finden, bleibt ein zentrales Thema für Dachdecker und Zimmerer. Dabei kommen immer öfter flexible Arbeitszeitmodelle ins Spiel, etwa die 4-Tage-Woche. Das Interesse wächst und Betriebe erproben, was wie zu ihren Abläufen passt. So hat etwa ein Großbetrieb wie die Hanebutt GmbH mit Hauptsitz in Neustadt bei Hannover schon seit vielen Jahren in Abstimmung mit dem Team an den jeweiligen Standorten verschiedene Arbeitszeitmodelle eingeführt – auch die 4-Tage-Woche. Die ist auch bei der Zimmerei & Dachdeckerei Rathje und dem Betrieb Dachdeckermeister Tim Evertz bereits eingeführt worden, zur Zufriedenheit aller Beteiligten. DACH\LIVE wird in den nächsten Monaten in loser Folge einige Unternehmen und ihre Erfahrungen vorstellen. In diesem Artikel gibt es zunächst einen allgemeinen Überblick.  

Großes Interesse an Vorträgen und Workshops

In der letzten Zeit hört Peter Welter in seiner Telefonberatung vermehrt Fragen von Dachdeckern zum Themenfeld Arbeitszeitmodelle. Da kam der ehemaliger pädagogischer Leiter des BBZ Mayen auf die Idee, Seminare und Vorträge in diesem Bereich anzubieten – mit wachsender Nachfrage. So hielt er einen Vortrag auf dem Verbandstag des Landesinnungsverbandes Nordrhein und leitete später noch einen zusätzlichen Workshop mit 45 Teilnehmern. Welter ist mit seinen 73 Jahren längst im Unruhestand, doch das Thema Fachkräftegewinnung liegt ihm am Herzen wie einem jungen Betriebsinhaber. „Dachdeckerbetriebe denken oft zu traditionell. Heute schlagen die Innovativen die Bewahrer, nicht die Großen die Kleinen.“

Ein Mann im Anzug steht vor gelben, gestapelten Tafeln mit weißen deutschen Wörtern und einem Paragraphensymbol.
Peter Welter, ehemaliger pädagogischer Leiter des BBZ Mayen, hält Vorträge und gibt Workshops zum Thema Arbeitszeitmodelle. (Foto: Peter Biniasch)

Sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren

Seinen Worten lässt sich klar entnehmen, was die Stunde in Zeiten des demografischen Wandels geschlagen hat. Wollen sie zukünftig genug Fachpersonal haben, müssen sich Dachdecker und Zimmerer Gedanken machen, wie sie zu attraktiven Arbeitgebern werden. Und neben vielen anderen Themen spielen Arbeitszeitmodelle eine wichtige Rolle – gerade im Hinblick auf die Wünsche der Generation Z. „Wir müssen dem Wertewandel gerecht werden. Freizeit ist den jungen Menschen wichtig, darauf gilt es sich einzustellen, ob es uns passt oder nicht“, so Welter.

Jeder Betrieb sollte das jeweils passende Modell finden

Dabei muss es für den 73-Jährigen gar nicht unbedingt die 4-Tage-Woche sein, die aktuell in aller Munde ist. „Bei der reinen 4-Tage-Woche ohne Arbeitszeitreduzierung bin ich eher skeptisch, wie das funktionieren kann, vor allem bei Hitze im Sommer oder Kälte im Winter.“ Doch Arbeitszeitmodelle gibt es ja viele, da kann jeder Betrieb das erproben und auswählen, was zu ihm passt. In seiner Telefonberatung für den Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) hatte Welter etwa einen Betrieb, der jeden zweiten Freitag einen freien Tag plant, also eine 4,5-Tage-Woche.

Eine Person installiert blaue Dachziegel auf einem Dach unter freiem Himmel bei Tageslicht.
Neue Arbeitszeitmodelle können Krankentage reduzieren und die Motivation im Team erhöhen.

Arbeitnehmer wollen 4-Tage-Woche

Noch sind es eher wenige Betriebe, die das Thema Arbeitszeitmodelle angehen wollen. Das erlebt Welter auch in den Reaktionen auf seine Vorträge. „Da sind Widerstände in der Masse der Zuhörer, aber einige Teilnehmer hören sehr aufmerksam zu.“ Und sie tun gut daran, denn der Wind dreht sich nicht nur bei den jungen Beschäftigten, wie eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Rund 81 Prozent der Vollzeiterwerbstätigen wünschten sich demnach eine 4-Tage-Woche mit niedrigerer Wochenarbeitszeit. Knapp 73 Prozent gaben an, eine Arbeitszeitverkürzung nur bei gleichem Lohn zu wollen. Als Hauptgründe nannten die Befragten, mehr Zeit für sich selbst und ihre Familie sowie für Hobbys, Sport und Ehrenamt haben zu wollen.

Britische Studie: Mitarbeiter motivierter und gesünder

Peter Welter kann sich sogar eine Arbeitszeitreduzierung bei vollem Lohnausgleich vorstellen, weil ja genug Arbeit da ist für die Dachdecker. Und welche Vorteile eine 4-Tage-Woche bietet, zeigen die Ergebnisse eines Pilotprojekts aus dem Jahr 2022 mit 61 britischen Unternehmen. Die Mitarbeiter waren ausgeruhter, motivierter und vor allem gesünder. Die Fehltage reduzierten sich um 65 Prozent – ein Grund, warum sich oftmals auch die Produktivität erhöhte. In Deutschland ist im Februar 2024 ein Pilotprojet mit 45 Unternehmen und wissenschaftlicher Begleitung gestartet. Für Welter muss es da als freier Tag auch nicht immer der Freitag sein, womöglich passt der Montag besser. Und neben der 4-Tage-Woche sieht er noch einen weiteren wichtigen Bereich: Teilzeitverträge. Das erfordert eine gewisse Flexibilität, kann aber vor allem helfen, ältere Mitarbeiter länger im Betrieb zu halten, bis zur Rente und darüber hinaus.

Ein Mann mit Bart trägt eine schwarze Jacke und steht draußen vor einem wolkigen Himmel.
Andreas Mertl ist skeptisch in Sachen 4-Tage-Woche. (Foto: Mertl Bedachungen)

Dachdeckermeister Andreas Mertl ist skeptisch

Eher skeptisch in Sachen 4-Tage-Woche ist Dachdeckermeister Andreas Mertl aus dem bayerischen Kirchdorf an der Amper im Landkreis Freising. „Wir machen jedes Jahr eine Umfrage unter unseren zwölf Mitarbeitern zu allen Themen, bei letzten Mal auch zur 4-Tage-Woche. Es gab Befürworter und Gegner.“ Der 32-Jährige hatte auch mit der BG Bau das Gespräch zum Thema gesucht – in Sachen Arbeitsschutz. „Gerade bei der Hitze im Sommer, unter anderem mit dem erhöhten Hautkrebsrisiko, hält er eine Verdichtung der Arbeitszeit auf vier Tage für schwierig. „Hinzu kommt, dass aus meiner Sicht in den letzten Stunden auch die Konzentration abnimmt. Und die Witterungsabhängigkeit unserer Arbeit erfordert, dass wir über die volle Woche verteilt flexibel auf Regentage reagieren können. Wir machen viele Dachsanierungen, da muss es trocken sein, wenn wir das Dach aufreißen.“ Was sich Mertl aber gut vorstellen kann für sein Team, wäre ein freier Freitag im Monat.

Ein Mann mit Brille und AirPods lächelt in die Kamera, hält ein Buch. Im Hintergrund sind Bücherregale mit verschiedenen Büchern zu sehen.
Martin Gaedt hat das Buch zum Thema 4-Tage-Woche mit vielen Beispielen aus dem Handwerk geschrieben. (Foto und Titelfoto: Martin Gaedt/Viktor Strasse)

Das Buch zum Thema von Martin Gaedt

Berater Martin Gaedt hat das Buch „4-Tage-Woche“ geschrieben, mit 151 Beispielen, darunter 75 Betriebe aus dem Handwerk. „Der Fachkräftemangel ist aus meiner Sicht der Hauptgrund dafür, neue Arbeitszeitmodelle auszuprobieren.“ Gaedt nennt hier das bekannte Beispiel der Malermeisterin Jessica Hansen aus Osterby im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Sie hatte im Frühjahr 2022 nur vier Mitarbeitende für viel zu viele Aufträge. Kunden mussten lange warten. In den sozialen Medien warb sie dann mit der 4-Tage-Woche und konnte sich vor Bewerbern kaum retten, wie der NDR berichtete. Bereits im Herbst 2022 beschäftigte Hansen 20 Mitarbeitende, zudem gibt es eine längere Warteliste.

Arbeitnehmer suchen immer öfter Stellen mit reduzierter Arbeitszeit

„Das ist kein Zufall und keine Ausnahme. Viele Beschäftigte in Vollzeit wollen reduzieren, 50 Prozent von ihnen um fünf bis sechs Stunden pro Woche, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Folgerichtig hat sich die Zahl der Stellenanzeigen mit 4-Tage-Woche 2023 versechsfacht“, erläutert Gaedt. Das bestätigt etwa der Jobwechsel-Kompass, den die Königsteiner Gruppe quartalsweise mit der Online-Jobbörse stellenanzeigen.de erhebt. 42 Prozent der Befragten, die offen für einen Wechsel sind, suchen gezielt nach Arbeitgebern, die eine Vier-Tage-Woche bieten.

Ein Arbeiter mit Schutzkleidung und Sicherheitsseil arbeitet an einem Gerüst auf einer Baustelle.
Wer neue Arbeitszeitmodelle im Betrieb einführen möchte, sollte mit dem Team eine Testphase machen.

Weniger Krankentage – höhere Produktivität

Gaedt empfiehlt den Betrieben, die Beschäftigten mit einzubeziehen und zuerst eine Testphase zu machen. „Die Mitarbeitenden schreien ja nicht alle gleich ‚hurra‘. Sie sind oft in Sorge, mehr Arbeit in weniger Zeit leisten zu müssen, also noch mehr Druck zu haben.“ Darum macht es Sinn zu testen, zu erleben, wie es ist, und dann gemeinsam zu entscheiden, ob es weitergehen soll. Und schon in der Testphase zeigt sich meist ein erster Effekt: weniger Krankentage. „Die Chefs waren positiv überrascht, dass die Stimmung im Team noch besser wurde. Und wer entspannter arbeitet, der ist meist auch produktiver.“ Wenn Martin Gaedt in seinen Vorträgen auf das Thema weniger Krankentage kommt, „dann hören auf einmal alle zu, auch wenn vorher Skepsis herrschte“.

Ein Mann steht zwischen Holzbalken auf einer Baustelle, trägt ein dunkles T-Shirt und Shorts, lächelt in die Kamera.
Im Team Mertl gab es verschiedene Meinungen zum Thema 4-Tage-Woche. (Foto: Mertl Bedachungen)

Handwerk kann Arbeitszeitmodelle flexibler testen

Gaedt sieht das Handwerk bei der Umsetzung neuer Arbeitszeitmodelle gegenüber der Industrie im Vorteil. „Handwerker sind viel flexibler, können schnell testen und dann entscheiden.“ Oft sind es dann die innovativen Betriebe, die es tatsächlich umsetzen. „Weil die Chefs sich natürlich alle Prozesse anschauen, wenn es um eine solche Änderung geht. Da kann so einiges gleich mit optimiert werden.“ Die 4-Tage-Woche ist für Gaedt ein Baustein für mehr Mitarbeiterzufriedenheit neben vielen anderen, der auch für die Mitarbeitergewinnung wichtig ist. Denn neue Arbeitszeitmodelle sind immer noch etwas Besonderes. „Die Zeitungen berichten, oft sogar das Fernsehen. Das ist neben dem eigenen Auftritt in den sozialen Medien kostenlose Werbung für den Betrieb – als Arbeitgeber und als Auftragnehmer bei den Kunden.

Sie interessieren sich für Betriebe, die ihren Mitarbeitern beste Bedingungen bieten? Dann lesen Sie unsere Story über die Apel-Brüder, die über ihr Arbeitszeitmodell neun Tage mehr Urlaub im Jahr ermöglichen.

Knut Köstergarten

Schreibt seit über zehn Jahren für das Printmagazin „Das Dach“ und leitet dort und bei Dach live die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und inzwischen auf die Bereiche Politik und Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge – gerade auch von Unternehmern.

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