Von null auf sieben Dachdecker-Lehrlinge in zwei Jahren
Bild von Dachdecker-Lehrlingen

Von null auf sieben Dachdecker-Lehrlinge in zwei Jahren

8. Dezember 2020

 · Kai-Uwe Bohn

Gäbe es ein Quartett erfolgreicher deutscher Dachdecker-Unternehmen, wäre die Hörnschemeyer Dächer GmbH & Co. KG sicher dabei. Und bei mindestens zwei Punkten könnte man mit der Karte auch einen Stich machen: „Zahl der Auszubildenden“ und „Familienfreundlichkeit“. Natürlich kann der Betrieb aus Wallenhorst bei Osnabrück auch mit zahlreichen anderen Vorzügen punkten – aber als attraktiver Arbeitgeber ragt man besonders deutlich heraus. In vier Bereichen ist der Betrieb besonders aktiv, um Dachdecker-Lehrlinge zu gewinnen und zu halten:

Intensive Kooperation mit mehreren Schulen

Enge Zusammenarbeit mit einer besonderen Stiftung

Hohe Aktivität in den sozialen Medien

Gute Work-Life-Balance – etwa mit einem freien Freitag alle zwei Wochen

Neues Chef-Duo ist stolz auf sieben Dachdecker-Lehrlinge

Bild von Geschäftsführer-Duo: Ina Hörnschemeyer mit Ehemann Holger Henzel
Gemeinsam stark: Ina Hörnschemeyer und ihr Mann Holger Henzel leiten den Dachdecker-Betrieb in Wallenhorst seit 2017 – und das erfolgreich.

Von null auf sieben Dachdecker-Lehrlinge innerhalb von zwei Jahren – „das ist schon beachtlich, da sind wir auch stolz drauf“, sagt Ina Hörnschemeyer. Von ihren Eltern hatten sie und ihr Mann Holger Henzel gemeinsam die Leitung des Betriebs 2017 übernommen. Noch 2018 hatte man keinen einzigen Azubi. „Und das, obwohl wir jedes Jahr mehrere einstellen können und wollen“, so die Chefin. 2019 fingen dann schon zwei junge Leute in Wallenhorst an – und im August 2020 waren es dort dann sechs. Auch am neu gegründeten Standort Hamburg wurde ein Auszubildender begrüßt.

Für neue Top-Dachdecker-Lehrlinge 2020

Je mehr, desto besser, könnte man meinen. Denn der Dachdeckerberuf fordert einiges ab – und deswegen musste der Wallenhorster Flachdach-Spezialist mittlerweile auch schon wieder zwei junge Leute verabschieden: „Das ist halt nicht für jeden was. Man darf in diesem Job nicht zimperlich sein“, so Holger Henzel. „Aber mit Lias Zaremba, Kevin Kuhn, Rashed Abdoulkarim und Denis Dol sowie Andreas Senger in Hamburg sind uns insgesamt fünf neue Top-Azubis erhalten geblieben!“ Einen jungen Mann, der sich schon die ersten Sporen verdient hat, will die Chefin herausheben: „Patrick Schwalenberg ist jetzt im zweiten Lehrjahr. Er besticht durch besondere Leistungen in der Schule wie auch im Betrieb – ein echtes Vorbild.“

Bild: sechs Dachdecker-Lehrlingn auf einem Dach-Übungsmodell mit Ziegeln
Kooperation mit mehreren Schulen, Partner der ‚GenerationenWerkstatt‘: Der Lohn für das Hörnschemeyer-Engagement sind überdurchschnittlich viele Auszubildende.

Betrieb ist Kooperationspartner gleich mehrerer Schulen

Von selbst sind die jungen Leute aber nicht zu Hörnschemeyer gekommen. Um überhaupt junge Menschen für diesen interessanten, aber auch fordernden Beruf begeistern zu können, hat sich der Betrieb, Mitglied der Dachdecker-Einkauf Nordwest eG, in den vergangenen Jahren mächtig ins Zeug gelegt. Von „viel, viel Arbeit“ spricht Ina Hörnschemeyer: „Wir sind mittlerweile Kooperationspartner von mehreren Schulen im Osnabrücker Land, etwa in Wallenhorst und Bramsche. Zudem arbeiten wir mit der ‚GenerationenWerkstatt‘ zusammen, die die Osnabrücker ‚Ursachenstiftung‘ ins Leben gerufen hat.“

Gegen Fachkräftemangel mit der GenerationenWerkstatt

Diese Stiftung setzt sich dafür ein, dass junge Menschen Aufgaben bekommen, an denen sie wachsen können. In der GenerationenWerkstatt entdecken sie das Handwerk als spannende Herausforderung neben der oft „grauen Theorie“ in der Schule. „Letztlich geht es bei dieser Aktion auch darum, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, erklärt Ina Hörnschemeyer. „Bei uns hat die Stiftung offene Türen eingerannt.“

Bild von zwei Mitarbeitern in der Werkstatt beim Zuschneiden eines Blechs.
Jung und gut – darauf setzt die Dachdeckerei Hörnschemeyer, hier mit Patrick Schwalenberg und Lisa Kundetov.

Schüler bauen Sitzmöbel aus Europaletten und ein Buswartehäuschen

Bei den Projekten wird es konkret: 2019 bauten die Achtklässler Lea-Marie Knochenwefel, Adnan Zuna und Maxim Kasper aus der Realschule Wallenhorst im Rahmen der Generationenwerkstatt in der Werkstatt von Hörnschemeyer sechs Wochen lang jeden Mittwochnachmittag Sitzmöbel aus Europaletten. „Unser Zimmerermeister Karsten Schulenborg war begeistert von der hohen Motivation, mit der die Schüler dabei waren. So bringt man junge Leute zum Handwerk“, freut sich Holger Henzel.

Ein Jahr später bauten Tobias Küpker, Julien Zimmermann, Carla Vennemann und Leon Usskureit aus der gleichen Schule ein Buswartehäuschen am Haltepunkt Hullerweg – nur 500 Meter von Hörnschemeyer entfernt. „Leider konnten die Jugendlichen aufgrund der Corona-Pandemie das Projekt nicht selber beenden – das machen jetzt ,vertretungsweise‘ unsere Auszubildenden“, sagt Henzel. „2021 starten wir – wenn es die Lage erlaubt – natürlich wieder in ein neues Projekt mit den Schülern der Realschule in Wallenhorst.“

Junge Mitarbeiter machen Social Media für die junge Zielgruppe

Bild von Spielern beim Fußball mit Werbebanner von Hörnschemeyer im Hintergrund.
Öffentlichkeitswirksame Werbung am Fußballplatz: Hörnschemeyer unterstützt den Hamburger Verbandsligisten TSV Sasel.

Dazu präsentiert sich die in der ganzen Region bekannte und angesehene Dachdeckerfirma regelmäßig bei Berufsbildungsmessen und am Standort Hamburg auch mit Bannerwerbung auf dem Fußballplatz. „Wir bieten zudem außergewöhnlich viele Praktikumsplätze an und berichten über unsere Ausbildung und unsere tägliche Arbeit in den verschiedenen Social Media-Kanälen, zum Beispiel Facebook und Instagram“, sagt Ina Hörnschemeyer. „Das machen natürlich vorwiegend unsere jungen Leute, die treffen den Ton der Zielgruppe.“ Sie ist sicher, dass es auch in den kommenden Jahren viele Interessenten für eine Ausbildung im Betrieb gibt.

Alle zwei Wochen wird der Freitag zum Frei-Tag

Wer erst einmal da ist und bei Hörnschemeyer Dächer arbeitet, wird bestens betreut und umsorgt. „Dass wir unsere Auszubildenden fördern, hat sich herumgesprochen. Aber auch wer ausgelernt hat oder sogar schon ein alter Hase im Geschäft ist, erhält so viel Unterstützung wie möglich“, so die Chefin. Dass sich das Arbeitsleben gewandelt hat und neben der täglichen Arbeit auch Freizeit und Familie wichtig sind – die vielzitierte Work-Life-Balance – ist der jungen Unternehmensleitung sehr bewusst. „Auch da tun wir viel. Nur ein Beispiel: Früher waren unsere Leute von montags bis freitags auf den Baustellen. Jetzt arbeiten viele alle zwei Wochen nur bis Donnerstag – und haben so alle zwei Wochen einen zusätzlichen freien Tag. Der wird gern für das Familienleben genutzt.“

Bild von zwei Azubis im Lager, die jeweils eine Dachbahn auf der Schulter tragen.
Work-Life-Balance ist kein Fremdwort: Viele Mitarbeiter bei Hörnschemeyer arbeiten alle zwei Wochen nur bis Donnerstag – und nutzen den zusätzlichen Tag gern für das Familie oder Freizeit.

Weiterbildung, Absicherung – und auch mal ein Kredit

Auch bei sonstigen Sorgen und Nöten hat die Geschäftsleitung stets ein offenes Ohr. „Dass wir auch mal einem Mitarbeiter einen Kredit geben, wo ihn die Bank vielleicht versagt – das gibt es sicher nicht überall“, sagt Holger Henzel. Soziale Absicherung über die tariflichen Bestimmungen hinaus und eine betriebliche Altersvorsorge sind Standard. „Alle Mitarbeiter und Auszubildenden erhalten außerdem eine private Unfall-Zusatzversicherung“, so Holger Henzel. „Damit sind sie nicht nur im Job, sondern auch in der Freizeit bestens abgesichert.“ Weiterbildungsangebote oder Gesundheitstage gehören ebenso zur Unternehmenskultur, auch wenn ausgerechnet der Gesundheitstag 2020 in letzter Minute noch Corona zum Opfer fiel.

Wettbewerbsvorteil: Zertifikat belegt Familienfreundlichkeit

Bild von Hörnschemeyer Zwillingen auf dem Dach, mit Helm und in persönlicher Schutzausrüstung.
Zwei „Hingucker“: Die Zwillinge Felix (links) und Louis des Geschäftsführer-Ehepaars sind jetzt schon mit Feuereifer dabei und spielen in der Werbung als Blickfang bereits eine wichtige Rolle.

Die Familienfreundlichkeit von Hörnschemeyer ist mittlerweile auch verbrieft: Das Unternehmen ist von der Initiative „Familienfreundliche Arbeitgeber in der Region Osnabrück“ geprüft und zertifiziert worden. „Ziel ist es, Familienfreundlichkeit als Wettbewerbsvorteil herauszustellen und zu einer Steigerung der Unternehmensattraktivität beizutragen“, sagt Ina Hörnschemeyer. Die familienfreundlichen Standards, die zur Auszeichnung führen, sind klar benannt und müssen lückenlos erfüllt werden – Hörnschemeyer Dächer hat’s getan!

Sie interessieren sich für das Thema Ausbildung und Fachkräfte? Dann lesen Sie unsere Story über einen geflüchteten Afghanen, der in Bayern Dachdecker lernte.

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